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"So ist die Welt aus ihrer Bahn gewichen" - Zur Figur König Philipps in "Don Karlos"

Seminararbeit, 2005, 15 Seiten
Autor: Tatjana Schäfer
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 15
Note: 1-
Literaturverzeichnis: ~ 8  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V54389
ISBN (E-Book): 978-3-638-49609-4

Dateigröße: 164 KB


Textauszug (computergeneriert)

Freie Universität Berlin
Institut für Deutsche und Niederländische Philologie
„Schillers Dramen“

„So ist die Welt aus ihrer Bahn gewichen“
Zur Figur König Philipps in Don Karlos

eingereicht von:
Tatjana Schäfer
Geschichte und Neuere deutsche Literatur 

Sommersemester 2005

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 1

2. König Philipp: Der Konflikt zwischen „Menschsein“ und den höfischen Machtstrukturen  ... 2
2.1 Ein zwiespältiger Charakter und sein Dilemma  ... 2
2.2 “Mich lüstete nach einem Menschen“ – Philipp und Marquis Posa  ... 5

3. Die Vernichtung eines Königs ... 8

4. Fazit ... 12

5. Literaturverzeichnis ... 13

 

1. Einleitung

Keine andere Figur in Schillers Don Karlos macht eine so tiefgreifende Wandlung durch und erfährt eine derartig grundlegende Erschütterung ihrer Existenz wie König Philipp. Der zunächst kaltherzig und grausam auftretende, allmächtige Monarch, dessen Beziehung zu ihm nahestehenden Menschen von Unterdrückung und Distanz geprägt ist, offenbart zunehmend menschliche Schwächen und Bedürfnisse, die in einem Spannungsverhältnis zu seiner Position als König stehen und wird schließlich von seinem vermeintlichen Freund Posa verraten und in seinen neu entdeckten menschlichen Gefühlen verletzt. Nachdem er Posa in blinder Rachsucht hat ermorden lassen und diesen Schritt zutiefst bereut, steht er zuletzt als greiser Infant und ohne den Glanz des absolutistischen Herrschers vor dem Großinquisitor, der ihn als ohnmächtige Marionette der Inquisition vorführt. Diese Entwicklung weist Philipp als die eigentliche tragische Figur des Dramas aus. Ungeachtet der Tatsache, dass sich der größte Teil der Literatur über den Don Karlos mit Marquis Posa beschäftigt, räumen ihm einige Forscher sogar die Stellung der zentralen Figur ein oder betrachten doch zumindest die Thematik einer Majestät, die aus dem Kreis des Menschlichen ausgeschlossen und damit ihrer Natur entfremdet wird als zentrales Motiv des Don Karlos.1

Die radikale Wandlung vom unnahbaren und gottähnlichen Despoten zum tragischen Charakter nachzuvollziehen und in ihren Ursachen zu analysieren ist das Ziel der vorliegenden Arbeit. Dafür ist es in einem ersten Schritt notwendig, den Charakter und die Situation Philipps darzustellen, um aufzuzeigen, worin seine Schwäche und sein Dilemma bestehen und deutlich zu machen, weshalb er Marquis Posa erliegt. In einem zweiten Abschnitt soll dann die Frage beantwortet werden, warum Philipps menschliche Schwäche seine anfangs unangreifbar erscheinende Machtposition aushöhlt und letztlich zerstört, so dass die Inquisition am Ende als die tatsächlich herrschende Macht über den König triumphieren kann.

2. König Philipp: Der Konflikt zwischen „Menschsein“ und den höfischen Machtstrukturen

2.1 Ein zwiespältiger Charakter und sein Dilemma

Ganz den Grundforderungen der damaligen Dramentheorie entsprechend ist Philipp ein gemischter Charakter. Bereits zu einem frühen Zeitpunkt wird das Despotenschema durchbrochen, und der König zeigt Züge von Menschlichkeit, die ihn als eifersüchtigen Ehemann und Vater und als einen einsamen Menschen auf dem Thron ausweisen. Neben diese Ambivalenz tritt ein weiterer Widerspruch: die Diskrepanz zwischen dem Menschen und dem Herrscher Philipp, dessen gottähnliche Machtfülle ihm verwehrt, wessen er als empfindender Mensch bedarf. Dieses Dilemma und seine zwischen beiden Extremen schwankende Gemütsverfassung bestimmen Philipps Situation und Handeln.

[...]


1 Z. B. Beyer, Karen, Staatsraison und Moralität, Die Prinzipien höfischen Lebens im Don Carlos, in: Schiller und die höfische Welt, hg. v. Achim Aurnhammer, Klaus Manger u. Friedrich Strack, Tübingen: Niemeyer 1990, S. 360 und Müller, Klaus-Detlef, Die Aufhebung des bürgerlichen Trauerspiels in Schillers „Don Karlos“, in: Friedrich Schiller – Angebot und Diskurs. Zugänge, Dichtung, Zeitgenossenschaft, hg. v. Helmut Brandt, Berlin: Aufbau 1987, S. 225.


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