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Termpaper, 2005, 18 Pages
Author: Damian Münzer
Subject: Politics - International Politics - General
Details
Institution/College: University of Bonn (Institut für Politische Wissenschaft)
Tags: Kampf, Anerkennung, Solidarno-Bewegung, Einführung, Politische, Theorie, Ideengeschichte
Year: 2005
Pages: 18
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 16 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-49610-0
File size: 204 KB
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Excerpt (computer-generated)
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Seminar für Politische Wissenschaften
Proseminar: Einführung in Politische Theorie und Ideengeschichte
Der Kampf um Anerkennung und die polnische „Solidarność“ Bewegung
eingereicht von:
stud. phil. Damian Münzer
3. Semester
Politische Wissenschaft
Philosophie, Neure Geschichte
Sommersemester 2005
Inhaltsverzeichnis
Einleitung ... 3
1. Kampf um Anerkennung ... 4
1.1 Hegel und die Neuinterpretation ... 4
1.2 Drei Stufen der Anerkennung ... 7
2. Die polnische Solidarność Bewegung ... 11
2.1 Konfliktverlauf ... 11
2.2 Hintergrundanalysen ... 12
Schlussbetrachtung 1 ... 5
Bibliographie ... 17
Anhang
Tabelle: Struktur sozialer Anerkennungsverhältnisse ... 18
„Was ist ein Mensch in der Revolte? Ein Mensch der Nein sagt!“
Albert Camus
Einleitung
In diesen Tagen jährt sich die Gründung der Solidarność-Bewegung zum 25. Mal. Danziger Werftarbeiter lösten durch ihren Streik einen Umsturz aus, der das politische System in Polen veränderte und den Zusammenbruch der kommunistischen Welt im Osten einleitete.1 Wie konnte es geschehen, dass nach einer jahrzehntelangen repressiven Diktatur Menschen ihr Leben riskierten, ohne dass zunächst Aussicht auf Erfolg bestand? Was bringt Menschen dazu, ihr Leben für eine Idee, für ein Ideal, für die Freiheit aufs Spiel zu setzen? Diesen Fragen soll im Folgenden nachgegangen werden. Dabei gibt es sehr unterschiedliche Antworten auf solche Fragen. Eine Antwort, die heute weit verbreitet ist, lautet, dass gesellschaftliche Konflikte bzw. Kämpfe, in aller Regel Interessenskonflikte sind. Aufruhr, Protest und Widerstand werden mit ungleicher Verteilung von Lebenschancen oder Gütern erklärt.2 Dieses Verständnis geht auf die Philosophen Hobbes und Locke zurück. Beide, mit gewissen Abweichungen, betrachteten den Menschen als ein eigensüchtiges, nur auf den eigenen Vorteil bedachtes Wesen.3 Einen anderen Standpunkt, der in dieser Arbeit diskutiert werden soll, vertritt der deutsche Philosoph Hegel. Dieser glaubte, dass der Mensch in erster Linie ein Wesen ist, das in seiner Würde anerkannt werden möchte. Deshalb betrachtete er den Verlauf der Menschheitsgeschichte als einen Kampf um Anerkennung.4 Dabei hat Hegel zwei Versuche unternommen eine Theorie zu entwickeln, die gesellschaftliche Wandlungsprozesse auf einen Kampf um Anerkennung zurückführt. Der eine Ansatz leitet sich aus der Frage ab, wie sich Selbstbewusstsein konstituiert und der andere wie ein sittliches Gemeinwesen entsteht.5 Beide Ansätze sollen hier diskutiert werden.
Abschließend soll eine theoriegeleitete Analyse der Solidarność-Bewegung erfolgen. Es soll geprüft werden, ob die Streiks, die zur Gründung der unabhängigen Gewerkschaft führten, auf einem Kampf um Anerkennung gründeten. Geeignet isdieser Protest, weil er zwar wegen wirtschaftlicher Motive – Preiserhöhung für Lebensmittel – begann, aber schnell klar wurde, dass es um mehr geht. Oder wie es ein Streikender ausdrückte: „Das Geld war der erste Antrieb, aber dann zeigte sich, daß es gar nicht darum ging.“6 Ein weiterer Punkt ist, dass es der vierte Protest solcherart war, schon 1956, 1970 und 1976 gab es Streiks in Polen, jedoch ohne Erfolg.7 Somit kann ebenfalls untersucht werden, was 1980 anders verlief. Zuvor bedarf es jedoch einer Klärung der theoretischen Fundamente. Was versteht Hegel unter solch einem Kampf?
1. Kampf um Anerkennung
1.1 Hegel und die Neuinterpretation
Im 20. Jahrhundert interpretierte Alexandre Kojeve Hegels „Phänomenologie des Geistes“ neu. Im Folgenden wird dieser Interpretation gefolgt. Hegel leitet den Kampf um Anerkennung aus der Frage ab, wie sich Selbstbewusstsein konstituiert?8 Für ihn ist der Mensch ein Wesen, welches das Wort „ICH“ verwendet9, nur wie ist dies möglich?
[...]
1 Schuller, Konrad: Drei Männer, drei Welten. Solidarnosc Kämpfer heute, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.08.05, S. 3.
2 Honneth, Axel: Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte, Frankfurt a.M. 2003, S. 258.
3 Fukuyama, Francis: Das Ende der Geschichte. Wo stehen wir? München 1992, S. 226.
4 Ebd. S.206.
5 Honneth: Kampf um Anerkennung, S. 107.
6 Tatur, Melanie: Solidarnosc als Modernisierungsbewegung. Sozialstruktur und Konflikt in Polen, Frankfurt a.M./ New York 1989, S. 17.
7 Ebd. S. 101.
8 Kojeve, Alexandre: Hegel. Eine Vergegenwärtigung seines Denkens, Frankfurt a.M. 1975, S. 53.
9 Ebd.
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