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"We seken faste after felicitee. But we goon wrong ful often, trewely": Chaucers Canon´s "Yeoman´s Tale" als Metapher einer Sinnsuche

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 19 Pages
Author: Dietrich Arlart
Subject: English Language and Literature Studies - Linguistics

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2002
Pages: 19
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 11  Entries
Language: German
Archive No.: V5446
ISBN (E-book): 978-3-638-13314-2
ISBN (Book): 978-3-638-78689-8
File size: 190 KB

Abstract

Chaucers Canon's Yeoman's Tale gehört zu unrecht zu den vereinzelten Canterbury Tales, denen von der Kritik – wenn man in der Chaucer-Rezeption überhaupt davon sprechen kann – wenig Beachtung geschenkt wurde. War dies doch der Fall, so gingen die interpretatorischen Ansätze oftmals nicht sehr weit und erschöpften sich in einer, zweifellos wichtigen, historischen Einordnung. Folgerichtig wurde die Tale zumeist betrachtet als eine historische Quelle zum Themenkomplex Alchemie im Mittelalter – und als eine Abrechnung mit 'falschen', weil nur von ihrer Goldgier geleiteten Alchemisten, der man eine persönliche Racheabsicht Chaucers zugrunde legte. Erst in den letzten Jahren erweiterte sich das Blickfeld der Rezipienten, und es kamen andere oder doch zumindest weitere Deutungsmöglichkeiten ins Spiel. Die vordergründige Handlung wurde zunehmend 'demaskiert' und gedeutet als eine versteckte, selbstreflexive Auseinandersetzung und Abrechnung Chaucers mit seinem bisherigen Leben und Tun. In der vorliegenden Arbeit werde ich ähnlich vorgehen. Um Hintergründe und Kontext zu verdeutlichen, beschäftige ich mich zunächst mit dem historischen Rahmen, vor dessen Hintergrund die Handlung sich abspielt. Über die Auseinandersetzung mit Chaucers Quellen und eventuellen Vorbildern für seine Figuren, die Frage nach der Gattungszugehörigkeit der Tale und 'technischen', d.h. sprachlichen Details, komme ich schließlich zur Kernfrage: Wofür steht die Alchemie? Und was ist die Geschichte 'hinter der Geschichte'?


Excerpt (computer-generated)

Universität Trier
Fachbereich II - Anglistik

Hauptseminar: Chaucer′s Narrative Poetry

"We seken faste after felicitee. But we goon wrong ful often, trewely": Chaucers Canon´s Yeoman´s Tale als Metapher einer Sinnsuche

Dietrich Arlart

 

Inhaltsverzeichnis


1. Einleitung ... 1

2. Chaucers Canon′s Yeoman′s Tale: Historische Hintergründe, Struktur und ′Moral′ ... 1

2.1 Hintergründe und Anschauungen mittelalterlicher Alchemie am Beispiel der Canon′s Yeoman′s Tale ... 1
    2.1.1 Die Haltung der Obrigkeit ... 5
2.2 Hintergründe und Struktur der Canon′s Yeoman′s Tale ... 6
    2.2.1 Quellen ... 6
    2.2.2 Gattung ... 7
    2.2.3 Sprachliche und stilistische Besonderheiten ... 8
2.3 ′The dread of something after death′: Die Canon′s Yeoman′s Tale als Resümee eines literarischen Lebens ... 11
    2.3.1 Alchemie und Schriftstellerei ... 12
    2.3.2 Beziehungen zwischen den literarischen Hauptfiguren und ihrem Schöpfer ... 12
    2.3.3 Einsicht und späte Reue: Der Schluss der Canon′s Yeoman′s Tale ... 15

3. Schluss ... 16

4. Bibliographie ... 17

 

 

1. Einleitung

Chaucers Canon′s Yeoman′s Tale gehört zu unrecht zu den vereinzelten Canterbury Tales, denen von der Kritik – wenn man in der Chaucer-Rezeption überhaupt davon sprechen kann – wenig Beachtung geschenkt wurde. War dies doch der Fall, so gingen die interpretatorischen Ansätze oftmals nicht sehr weit und erschöpften sich in einer, zweifellos wichtigen, historischen Einordnung. Folgerichtig wurde die Tale zumeist betrachtet als eine historische Quelle zum Themenkomplex Alchemie im Mittelalter – und als eine Abrechnung mit ′falschen′, weil nur von ihrer Goldgier geleiteten Alchemisten, der man eine persönliche Racheabsicht Chaucers zugrunde legte.
Erst in den letzten Jahren erweiterte sich das Blickfeld der Rezipienten, und es kamen andere oder doch zumindest weitere Deutungsmöglichkeiten ins Spiel.1 Die vordergründige Handlung wurde zunehmend ′demaskiert′ und gedeutet als eine versteckte, selbstreflexive Auseinandersetzung und Abrechnung Chaucers mit seinem bisherigen Leben und Tun.
In der vorliegenden Arbeit werde ich ähnlich vorgehen. Um Hintergründe und Kontext zu verdeutlichen, beschäftige ich mich zunächst mit dem historischen Rahmen, vor dessen Hintergrund die Handlung sich abspielt. Über die Auseinandersetzung mit Chaucers Quellen und eventuellen Vorbildern für seine Figuren, die Frage nach der Gattungszugehörigkeit der Tale und ′technischen′, d.h. sprachlichen Details, komme ich schließlich zur Kernfrage: Wofür steht die Alchemie? Und was ist die Geschichte ′hinter der Geschichte′?


2. Chaucers Canon′s Yeoman′s Tale: Historische Hintergründe, Struktur und ′Moral′


2.1 Hintergründe und Anschauungen mittelalterlicher Alchemie am Beispiel der Canon′s Yeoman′s Tale

"By the late fourteenth century, alchemy had become the study of studies, as encompassing as – and often becoming – the search for the key to all mythologies. It was at once a hermeneuticist′s dream and a pragmatician′s nightmare, superbly ambiguous and supremely alluring" (Lambdin, S. 350). Zu Chaucers Zeiten kann also die Alchemie als die Mutter aller Wissenschaften gelten, deren Einfluss und Verlockungen gewaltig sind. Zum einen motiviert sie sich durch einen zutiefst menschlichen Wissensdurst; man will den Dingen auf den Grund gehen und ergründen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Auf der anderen Seite aber haftet ihr ein etwas zweifelhafter Ruf an; beim bloßen Wissen um den Aufbau der Materie wollen es die wenigsten belassen. Der Stein der Weisen soll für sie auch ein Stein des Reichtums werden.
Die Ursprünge abendländischer Alchemie werden im alten Ägypten vermutet, und ihr von Beginn an schillernder Charakter mag damit zusammenhängen, dass ihr Ursprung in der Verquickung platonischer und aristotelischer Philosophie mit der herausragenden Metallarbeit der Handwerker Alexandrias vermutet wird (vgl. ebd., S. 346). Ziel der Alchemisten ist die Erzeugung edler Metalle aus unedleren durch eine Modifikation ihres Gehalts der vier Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer. Die ′Hierarchie′ der Metalle führt von Kupfer über Eisen, Zinn und Blei bis hin zu Silber und Gold (vgl. ebd, S. 347). Eine Sonderposition nimmt dabei Quecksilber ein, das ′lebendige Silber′, das durch ′mortification′ zu festem Silber gemacht werden sollte.2 Während in der mittelalterlichen Alchemie im Gold das höchste der Metalle gesehen wurde, berichten ägyptische Schriften von einem geheimnisvollen weiteren, noch edleren Metall "beyond gold, called coral of gold: its color was a beautiful, iridescent purple" (ebd.).3
Die Hoffnung der Alchemisten, Metalle transformieren zu können, basiert auf Platos These, jegliche Art von Materie sei solange gleichförmig und ununterscheidbar, bis ihr gewisse Eigenschaften ′eingeprägt′ werden. "It is easy to see how this theory of matter would prove appealing to future alchemists. If one could maneuver to alter the impressed properties of a given element, one would be changing the element itself" (ebd., S. 346). Zu diesem Zweck wurden Metalle, genannt ′bodies′, mit gewissen Substanzen, den sogenannten ′spirits′ in Verbindung gebracht, die sie durchdringen und ihre Eigenschaften verändern sollten. Diese Vorgehensweise war eine Standardprozedur der Alchemisten, in die auch der nach eigenem Bekunden nur teilweise eingeweihte Yeoman Einblick hat: "The firste spirit quyksilver called is, / The seconde orpyment, the thridde, ywis, / Sal armonyak, and the ferthe brymstoon" (822-824).4 Besonders Schwefel kommt eine wichtige Funktion zu, da es durch bestimmte Schwefelverbindungen möglich ist, Metalle zu verfärben (vgl. ebd., S. 347); so waren Alchemisten schon von weitem am Geruch zu erkennen. "And everemoore, where that evere they goon / Men may hem knowe by smel of brymstoon. / For al the world they stynken as a goot; / Hir savour is so rammyssh and so hoot / That though a man from hem a mile be, / The savour wole infecte hym, trusteth me" (884-889). Weiterhin spielte im Verwandlungsprozess neben dem zu verwandelnden auch eine kleine Menge eines edleren Metalls eine Rolle, das den Umwandlungsvorgang katalysieren sollte.

 

[...]


1 Vgl. hierzu z.B. die Arbeiten von Dolores Warwick Frese: An Ars Legendi for Chaucer′s Canterbury Tales. Gainesville: University of Florida Press, 1991, Christine N. Chism: "I Demed Hym Som Chanoun For To Be", in: Lambdin, Laura C. und Lambdin, Robert T. (Hgg.), Chaucer′s Pilgrims: An Historical Guide to the Pilgrims in The Canterbury Tales. Westport, London: Greenwood Press, 1996 und Mark J. Bruhn: "Art, Anxiety, and Alchemy in the Canon′s Yeoman′s Tale", in: ChauR 33:3 (1999), S. 288-315.
2 Der Glaube, dass Quecksilber ("quick silver") flüssiges oder ′lebendiges′ Silber sei, spielt eine zentrale Rolle bei der Täuschung des arglosen Priesters durch den betrügerischen Canon.
3 So kommt es, dass rot quasi als höchste der Farben angesehen und mit Reichtum, aber auch Gesundheit assoziiert wurde. Diese Farbsymbolik wird im Verlauf der Canon′s Yeoman′s Tale bedeutsam sein; der Yeoman verliert ironischerweise seine Gesundheit gerade durch die Praktizierung alchemistischer Versuche, so dass seine Gesichtsfarbe sich vom gesunden Rot in ein bleiernes Grau verwandelt (vgl. Vv. 666 f.).
4 Alle Chaucer-Zitate stammen aus Larry D. Benson (Hg.): The Riverside Chaucer. Oxford: Oxford University


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