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Das Ostjudentum und seine Beeinflussung durch die westliche Aufklärung - dargestellt in Pauline Wengeroffs Rememberings - The World of a Russian-Jewish Woman in the Nineteenth Century

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 28 Pages
Author: Katharina Samaras
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 28
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 6  Entries
Language: German
Archive No.: V54483
ISBN (E-book): 978-3-638-49676-6

File size: 253 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Regensburg , Institut für Germanistik
Hauptseminar: „Tewjes Töchter –
Lebensentwürfe west- und ostjüdischer Frauen“
Sommersemester 2004

Das Ostjudentum und seine Beeinflussung durch die
westliche Aufklärung – dargestellt in Pauline Wengeroffs
Rememberings - The World of a Russian-Jewish
Woman in the Nineteenth Century

von: Katharina Samaras

 


Inhaltsverzeichnis

I. Aufbau und Zielsetzung der Arbeit S. 3

II. Das Ostjudentum und die Beeinflussung durch die westliche Aufklärung S. 4

1. Die Herausbildung des Ostjudentums S. 4
2. Sepharden und Aschkenasen – der Unterschied zwischen West- und Ostjuden S. 5

2.1 Die Strenge der Religionsausübung S. 5
2.2 Die unterschiedliche Weltanschauung S. 6

3. Assimilation und Akkulturation S. 7
4. Die Elterngeneration S. 7

4.1 Der Vater Yehudo Epstein S. 7
4.2 Die Mutter Zelda Epstein S. 8

5. Die Kinder S. 8

5.1 Die schulische Erziehung der Mädchen S. 9
5.2 Die schulische Erziehung der Jungen S. 9
5.3 Die Vorbereitung auf das spätere Leben als Ehefrau S. 10
5.4 Die Ausbruchsversuche der jungen Männer S. 10

5.4.1 Lilienthal S. 11
5.4.2 Die Haskalah S. 12

6. Ostjüdische Gemeinschaft, Tradition und Religion S. 13

6.1 Die ostjüdischen Bräuche im Alltag S. 13

6.1.1 Der koschere Haushalt bei Zelda Epstein S. 13
6.1.2 Pauline Wengeroffs Haushalt S. 14

6.2 Die ostjüdische Eheschließung S. 16

6.2.1 Chavehs Hochzeit S. 16
6.2.2 Paulines Hochzeit S. 17

7. Die Generation der Kinder Pauline Wengeroffs S. 19
8. Die traditionelle Kleidung S. 20

8.1 Das männliche und das weibliche Schönheitsideal S. 20
8.2 Die Trachten S. 22

8.2.1 Das Hemd S. 22
8.2.2 Die Fußbekleidung S. 23
8.2.3 Der Schmuck S. 24
8.2.4 Das Kleid S. 24

III. Die Frage nach der objektiven Wiedergabe der Geschehnisse S. 25

Literaturverzeichnis S. 28


 

 

I. Aufbau und Zielsetzung der Arbeit

Bei Rememberings. The world of a Russian-Jewish woman of the nineteenth century1 handelt es sich auf den ersten Blick – wie schon der deutsche Titel nahe legt – um die Memoiren Pauline Wengeroffs. Doch auf den zweiten Blick entpuppt sich das Buch als eine detaillierte Beschreibung einer typisch ostjüdischen Familie und ihrer Beeinflussung durch aufklärerisches Gedankengut. Über drei Generationen hinweg wird die Gratwanderung zwischen Tradition und Assimilation bzw. Akkulturation eingehend beleuchtet. Schnell spürt der aufmerksame Leser, dass der Verlust der Religion und die kulturelle Krise, in der sich die Autorin befindet, Motivation für die Darstellung sind. Doch was führte zu dieser Leere in dem einst ausgefüllten Leben Pauline Wengeroffs? Für sie steht fest, dass die Haskalah und der Assimilationsdruck die entscheidenden Faktoren waren.

Bevor in dieser Arbeit herausgearbeitet werden soll, inwieweit das Ostjudentum durch die westliche Aufklärung beeinflusst worden ist, ist es zunächst wichtig, auf die Charakteristika der ostjüdischen Tradition einzugehen. Dieses Kapitel bezieht sich einerseits auf die Herausbildung des Ostjudentums, andererseits auf die Unterschiede zum Westjudentum. Der Hauptteil der Arbeit richtet sich im Aufbau nach der Primärliteratur. Die Veränderung der ostjüdischen Lebensweise soll anschaulich durch den Vergleich der drei bereits erwähnten Generationen geschildert werden. Abschließend soll versucht werden, die Frage nach der Objektivität des Geschilderten zu beantworten. Dazu wird die Einstellung der Autorin zu ihrer eigenen Tradition untersucht und es soll geklärt werden, ob Pauline Wengeroff versucht, die positiven UND negativen Aspekte der Geschehnisse unabhängig von ihrem persönlichen Empfinden wiederzugeben.

II. Das Ostjudentum und die Beeinflussung durch die westliche Aufklärung

1. Die Herausbildung des Ostjudentums

Aufgrund der ungastlichen Lebensbedingungen der Juden in Osteuropa bildete sich ein besonderer Typus des Judentums heraus: das Ostjudentum. Nach Heiko Haumann entstand das Ostjudentum im 18. Jahrhundert in der „religiösen Sinnsuche zwischen messianischer Endzeiterwartung und frommer, lebensbejahender Einrichtung in der nun einmal so gegebenen Welt, in dieser Gratwanderung zwischen Bewahren der Lebenswelt bei gleichzeitiger Befreiung von sinnlos gewordenen Normen und einer oftmals dumpfen Flucht in die Mystik, […]“2. Der Begriff „Ostjudentum“ oder „Ostjude“ bezog sich dabei nicht nur auf einen geographischen Raum, sondern beinhaltete auch kulturelle Aspekte. Der Ostjude war besonders geprägt durch die Tradition und Erinnerung, wenngleich das nicht zwangsläufig bedeutete, dass er konservativ war. Wie Corinna Fishman-Levy schreibt, hatte gerade der Chassidismus, der von der Orthodoxie lange Zeit als jüdische Sekte angesehen wurde, die Herausbildung des typischen „Ostjuden“ zur Folge.3 Der Chassidismus auf der einen Seite und der Typus des „Ostjuden“, der seine jüdische Tradition um keinen Preis aufgeben mochte, auf der anderen, machen den Konflikt deutlich, in dem sich viele Juden der damaligen Zeit befanden: die Assimilierung versprach ihnen zwar eine Erleichterung der Lebensbedingungen, doch sie waren sich gleichzeitig bewusst, dass die Einheit des Judentums langfristig an ihr zerbrechen würde, da die jüdische Religion und Tradition die Grundlage des Zusammenhaltes darstellten.

Eine Möglichkeit, die jüdische Religion und Kultur zu einer untrennbaren Einheit zu verbinden bot sich den Ostjuden in der Form des „Schtetl“. Dabei handelte es sich ursprünglich nicht um eine freiwillige Abschottung; vielmehr wurden die Juden von der ihnen feindlich gesinnten christlichen Umwelt immer stärker – sozial und räumlich – ins Abseits gedrängt. Andererseits erlaubte ihnen das „Schtetl“, sich abzuschotten und so ihre Kultur und Tradition ungestört zu entfalten.4

2. Sepharden und Aschkenasen – der Unterschied zwischen West- und Ostjuden

Nach der Zerstörung des Tempels und der rapiden Verschlechterung der Lebensbedingungen unter der Römerherrschaft, suchten viele Juden ihr Heil in der Diaspora. Zunächst führte sie ihre Flucht nach Babylonien und Mesopotamien, doch bald schon wandten sich die ersten Gruppen gen Europa. Die eine Gruppierung zog aus Mesopotamien und Ägypten kommend über Nordafrika nach Spanien, genauer gesagt nach Sepharad. Die zweite Wanderungswelle wählte den Weg über die Türkei, Griechenland und Italien nach Mitteleuropa. Dabei bildeten sich zwei neue kulturelle Zentren heraus: gemäß ihrer Wanderungsziele bezeichnet man diese beiden Gruppen als Sepharden und Ashkenasen (mit Ashkenas wird in der rabbinischen Literatur des Mittelalters Deutschland bezeichnet).5

2.1 Die Strenge der Religionsausübung

Durch diese Aufspaltung und bedingt durch die unterschiedliche kulturelle Umgebung wurde der Weg für die teilweise Differenzierung des jüdischen Glaubens geebnet. Dabei handelt es sich jedoch nicht um fundamentale Unterschiede, sondern eher um striktere bzw. weniger strikte Ausübung der Religion. So kann im Allgemeinen gesagt werden, dass die Aschkenasen als strenger bezeichnet werden können als die Sepharden. Dies ist das Ergebnis einer sich über einen langen Zeitraum erstreckenden Entwicklung, die auf ökonomisch-historischen Bedingungen basiert. Beispiele für diese Strenge sind das Fasten und der Sabbat. Anders als die Sepharden fasten die Aschkenasen bei Neumond, am Montag, Donnerstag, und wiederum am Montag nach Pessach und Sukkoth. Auch fastet der Bräutigam am Tag der Hochzeit, was einem eindeutig deutschen Ursprung zu Grunde liegt. Bei der Einhaltung der religiösen Vorschriften weitet sich die Strenge der Aschkenasen auch auf die Nicht-Juden ihrer Umgebung aus: so dürfen deutsche Haushaltshilfen nicht einmal ihre eigene Kleidung am Sabbat nähen. Da jegliche Arbeit am Sabbat verboten ist, hat sich bei den Aschkenasen eine besondere Art von Kleidung durchgesetzt: man trägt an diesem Tag prinzipiell keine Kleider mit Taschen, um zu vermeiden, Dinge, die in den Taschen vergessen wurden mit sich zu tragen.

2.2 Die unterschiedliche Weltanschauung

[...]


1 Wengeroff, Pauline: Rememberings. The World of a Russian-Jewish Woman in the Nineteenth Century. Hg. von Bernhard Dov Coopermann. Maryland: University Press of Maryland, 2000.

2 Haumann, Heiko: Die Geschichte der Ostjuden. München: Deutscher Taschenbuchverlag. 1999. S. 51.

3 Fishman-Levy: Gemeinsame Wurzeln, verschiedene Wege. Kulturanthropologisch vergleichende Studie jüdische-aschkenazischen Lebens heute in der BRD und in Israel. o. A., 1996. S. 14.

4 Fishman-Levy, S. 15/16.

5 Haumann, S. 13.


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