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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2000, 34 Pages
Author: MA Ulrike Ziegler
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Details
Institution/College: University of Passau
Tags: Freundeskampf, Iwein, Gawein, Iwein, Hartmann, Hartmann
Year: 2000
Pages: 34
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 23 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-49879-1
ISBN (Book): 978-3-638-66352-6
File size: 258 KB
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Abstract
Der Kampf zwischen Freunden, der in der Literatur bis 1300 immer wieder auftaucht, hat in der Forschung bisher kaum Interesse geweckt, obwohl er vor allem in der Heldendichtung um Artus durchaus ein bedeutendes literarisches Motiv darstellt. Das bemängelte schon Wolfgang Harms bei seiner Untersuchung „Der Kampf mit dem Freund oder Verwandten in der deutschen Literatur bis 1300“. Im großen und ganzen gehe ich in meiner folgenden Analyse mit Harms Theorien konform, möchte aber kritisch vorausschicken, dass sich weder vor noch nach Harms jemand mit dem Freundeskampf auseinandergesetzt hat, so dass das vorliegende Material recht einseitig war. Alle Veröffentlichungen, die nach dem Erscheinen von Harms Werk veröffentlicht worden sind, erwähnen Harms zwar kurz, setzen sich aber nicht kritisch mit ihm auseinander oder erweitern die Thematik des Freundeskampfes. Aus diesem Grund baue ich auf Harms sozusagen den Grundstock der Arbeit auf; die im Literaturverzeichnis angeführten Titel waren nur bedingt in einzelnen Abschnitten hilfreich, in denen ich auf detailliertere Aspekte eingehe, die Harms wegen der Vielzahl der untersuchten mittelhochdeutschen Texte oft vernachlässigen muss. Die besonderen Funktionen, die der Freundeskampf im allgemeinen in der Artusepik erfüllt und seine Eigenheiten, wie z.B. das Verkennen oder Erkennen, erläutere ich nach Harms gleich zu Beginn, werde aber natürlich immer wieder darauf zurückkommen. Um die Bedeutung des Kampfes zwischen den Freunden Iwein und Gawein zu unterstreichen, erhelle ich noch ihre Beziehung vor dem Kampf bzw. wie eine „typische“ Ritterfreundschaft aussieht. Zur Erleichterung des Verständnisses ordne ich die Szene in das Geschehen und die Abfolge der einzelnen Aventiuren ein, damit man auch die Artusferne, in der Iwein sich einige Zeit befindet, im Kontext zu seiner ‘Löwenritterschaft’ und zur vollständigen Rehabilitation durch den Freundeskampf mit Gawein nachvollziehen kann...
Excerpt (computer-generated)
Universität Passau
Hauptseminar: Hartmann von Aue, ‘Iwein’
Sommersemester 2000, 6. Semester
Der Freundeskampf zwischen Iwein und Gawein
in Hartmann von Aues "Iwein"
von: Ulrike Ziegler
1. Vorwort 3
2. Der Freundeskampf innerhalb der Artusepik 5
3. Die Beziehung zwischen Iwein und Gawein 7
4. Der Freundeskampf zwischen Iwein und Gawein 10
4.1 Einordnung der Kampfszene in den Text und Bezug zu m Artusroman 11
4.2 Das Verkennen als Ausgangssituation beim Kampfbeginn 13
4.3 Die Allegorie von minne und haz 17
4.3.1 Die Freundschaft zwischen Iwein und Gawein als Parallele zu Iwein und Laudine 18
4.3.2 Rhetorik und Antithetik der Allegorie 20
4.4 Die Beschreibung des Kampfes 21
4.5 Das Erkennen nach dem Kampf 25
4.5.1 Iweins und Gaweins Stellung zum Recht 27
4.5.2 Kritik am Artushof 28
4.6 Die Folgen des Kampfes für Iwein und das Artusreich 29
5. Zusammenfassung der Ergebnisse für Iwein 31
6. Literaturverzeichnis 32
1. Vorwort
Der Kampf zwischen Freunden, der in der Literatur bis 1300 immer wieder auftaucht, hat in der Forschung bisher kaum Interesse geweckt, obwohl er vor allem in der Heldendichtung um Artus durchaus ein bedeutendes literarisches Motiv darstellt. Das bemängelte schon Wolfgang Harms bei seiner Untersuchung „Der Kampf mit dem Freund oder Verwandten in der deutschen Literatur bis 1300“. Im großen und ganzen gehe ich in meiner folgenden Analyse mit Harms Theorien konform, möchte aber kritisch vorausschicken, dass sich weder vor noch nach Harms jemand mit dem Freundeskampf auseinandergesetzt hat, so dass das vorliegende Material recht einseitig war. Alle Veröffentlichungen, die nach dem Erscheinen von Harms Werk veröffentlicht worden sind, erwähnen Harms zwar kurz, setzen sich aber nicht kritisch mit ihm auseinander oder erweitern die Thematik des Freundeskampfes. Aus diesem Grund baue ich auf Harms sozusagen den Grundstock der Arbeit auf; die im Literaturverzeichnis angeführten Titel waren nur bedingt in einzelnen Abschnitten hilfreich, in denen ich auf detailliertere Aspekte eingehe, die Harms wegen der Vielzahl der untersuchten mittelhochdeutschen Texte oft vernachlässigen muss. Die besonderen Funktionen, die der Freundeskampf im allgemeinen in der Artusepik erfüllt und seine Eigenheiten, wie z.B. das Verkennen oder Erkennen, erläutere ich nach Harms gleich zu Beginn, werde aber natürlich immer wieder darauf zurückkommen. Um die Bedeutung des Kampfes zwischen den Freunden Iwein und Gawein zu unterstreichen, erhelle ich noch ihre Beziehung vor dem Kampf bzw. wie eine „typische“ Ritterfreundschaft aussieht. Den besonderen Aspekt der Freundschaft zwischen Iwein und Gawein hat Sonja von Ertzdorff untersucht, auf die ich mich stütze.
Das Kampfgeschehen an sich analysiere ich ausführlicher als Harms. Zur Erleichterung des Verständnisses ordne ich die Szene in das Geschehen und die Abfolge der einzelnen Aventiuren ein, damit man auch die Artusferne, in der Iwein sich einige Zeit befindet, im Kontext zu seiner ‘Löwenritterschaft’ und zur vollständigen Rehabilitation durch den Freundeskampf mit Gawein nachvollziehen kann.
Im Kapitel über das Verkennen erläutere ich zunächst die Bedeutung seiner Existenz als Löwenritter, die größtenteils ausschlaggebend dafür ist, dass Gawein seinen Freund Iwein nicht erkennt. Hartmann läßt sich in Exkursen und Reflexionen immer wieder über die ‘verzwickte’ Situation aus, während das eigentliche Kampfgeschehen in den Hintergrund rückt. Diese Passagen, die von Kritikern oft als „langatmig“ charakterisiert wurden, untersuche ich auch im rhetorischen, weil sie für die Gesamtdarstellung durchaus von Bedeutung sind. So z. B. die Allegorie von minne und haz, die den Höhepunkt in Hartmanns Klagen über das Verkennen des Freundes darstellt. An dieser Stelle gehe ich auch auf eine Theorie ein, die von Beate Henning stammt und von Norbert Sieverding weiterverfolgt wurde. Sie sehen in der Freundschaft zwischen Iwein und Gawein, deren Kampf und Verkennen als Bedrohung - aber auch Bewährung - ihrer Freundschaft, eine Parallele zur Beziehung zwischen Iwein und Laudine. Die sprachliche Gestaltung der ‘minne und haz - Allegorie’ untersuche ich in Anlehnung an Gertrud Jaron Lewis, die die Passage auch für die gesamte Problematik des Freundeskampfes relativ fruchtbar macht.
In der Beschreibung des Kampfes gehe ich dann auf die weitere Kampfschilderung Hartmanns ein, die wiederum von einem Exkurs vom Borgen und Zurückzahlen durchzogen ist, dessen Funktion ich ebenfalls erläutere. Das Erkennen des Gegenübers nach dem Kampf, der wegen der hereinbrechenden Dunkelheit abgebrochen wird, ist ein wichtiger Aspekt, der eine Wende herbeiführt. Im Gespräch, das zum Erkennen führt, wird auf den eigentlichen Zweck des Kampfes eingegangen, nämlich die Klärung der Rechtsfrage zwischen den zwei Töchtern des Grafen vom Schwarzen Dorn. An Iweins und Gaweins Stellung zum Recht läßt sich - unter anderem - die Bewährung Iweins darlegen. Iwein kann sich über Gawein, den Idealritter, erheben, indem er auf der rechten Seite steht und sich auch kämpferisch mit Gawein messen kann. Dass Gawein sich für die unrechte Seite einsetzt, hat auch für die Stellung des Artushofes kritische Folgen. Die Konsequenzen des Kampfes zwischen Iwein und Gawein sind für Iwein und auch für die Artuswelt erheblich.
2. Der Freundeskampf innerhalb der Artusepik
Bevor ich nun gleich in medias res gehe, möchte ich noch kurz die allgemeingültigen Charakteristika nach Harms für einen Freundeskampf erläutern, die sich in der gesamtem Artusepik herauskristallisieren lassen und sich auch im ‘Iwein’ wiederfinden.
Der Kampf ist eine Schlüsselszene der gesamten Handlung, was man auch schon an seiner Stellung innerhalb der Artusepik im Allgemeinen erkennen kann. So erklärt Harms, dass der deutsche Artusroman, der in der Tradition der französischen Ritterdichtung stehe, den Kampf zwischen Freunden eigentlich zu verhindern suche. „Der Freundeskampf steht (...) in einer Tradition, die die Integrität von Freundschaft (...) achtet. Um so bedeutsamer muss der Grund sein, wenn diese Dichtungen solche Integrität bedroht werden lassen.“1 Anhand der unerwarteten Situation eines Kampfes zwischen zwei Freunden wird erst das gesamte Ausmaß der Katastrophe des Helden und die Entfernung vom Artushof verdeutlicht. Außerdem wird „(das) Wesen der Beteiligten und die Stärke ihrer Bindung (...) (geprüft).“ 2 Der Freundeskampf hat in der Gattung der höfischen Romane eine positive Funktion: „Im Erkennen des Freundes findet der Held an sein Ziel, den Artushof als Zentrum der ihn bestimmenden höfischen Welt.“3 Die Freundschaft zwischen den Helden ist eine feste Bindung, die auch in der Kampfszene ihre unbestrittene Verbindlichkeit bewahrt, wie es auch zwischen Iwein und Gawein der Fall ist.
Ein weiteres Charakteristikum für den Kampf zwischen Freunden ist laut Harms das private Geschehen, für das gekämpft wird. „Die Suche nach dem Freunde (... ) (hat ) in diesem (Sinn) privaten Charakter. Nicht jeder Auftrag zum Kampf von seiten eines Dritten verlegt den Anlaß eines Verwandten- oder Freundeskampfes außerhalb des privaten Handlungsraumes: Iwein und Gawein z. B. kämpfen im Dienste zweier Damen, sehen aber schließlich den höheren Sinn dieser Begegnung in ihrem Erkennen als Freunde; (...) Nie wird ein (...) Freundeskampf einer anderen Handlung, die nicht von dieser (...) Freundschaft mitbestimmt ist, so sehr untergeordnet, dass sein Anlaß jenseits des privaten Geschehens läge.“4
[...]
1 Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder Verwandten in der deutschen Literatur bis um 1300. München: Eidos 1963 (=Medium aevum. Philologische Studien. Bd. 1), S. 122
2 Ebd. S. 122
3 Ebd. S. 202
4 Harms: S. 202f
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