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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2001, 35 Pages
Author: MA Ulrike Ziegler
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Details
Tags: Passau, Nibelungenlied
Year: 2001
Pages: 35
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 28 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-49881-4
File size: 269 KB
Anhang fehlt
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Excerpt (computer-generated)
Universität Passau
Hauptseminar: Das Nibelungenlied
Wintersemester 2000 / 2001, 7. Semester
Passau und das Nibelungenlied
von: Ulrike Ziegler
1. Einleitung 3-5
2. Passau im Nibelungenlied 5-6
2.1 Grobe Einordnung in den südlichen Donauraum durch den Dialekt 6-7
2.2 Die regionale Tradition der Theologie im Nibelungenlied 7-9
2.3 Die Ortskenntnis des Autors innerhalb der Stadt Passau 9-13
3. Bischof Wolfger von Erla 13
3.1 Das Bistum Passau in der Zeit der Territorialfürstentümer 13-14
3.2 Die Vogtei über Kloster Neuburg 14-17
3.3 Strophe 1302, die Bayernfeindlichkeit und die Ortenburger Grafen 17-19
3.4 Die Kultur am Hofe Wolfgers 19-22
4. Bischof Pilgrim im Nibelungenlied und in der Klage 22-27
5. Die Ortskenntnis des Autors innerhalb des Bistums Passau 27-31
6. Zusammenfassung der Ergebnisse 31-32
7. Literaturverzeichnis 35-
1. Einleitung
Die Forschung beschäftigt sich schon seit rund 200 Jahren mit dem Nibelungenlied, aber da auf viele Fragen - z.B. nach dem Autor oder der definitiven Entstehungszeit - keine belegbaren Antworten zu finden sind, kann vieles nur spekulativ sein. Viele Vorschläge können nicht mehr als eine Hypothese sein; manches Hypothesengerüst fällt bald in sich zusammen, andere Hypothesengerüste sind in sich schlüssig und scheinen den wahren Begebenheiten zu entsprechen. Bei der Annahme, dass das Nibelungenlied in Passau, bzw. im Umkreis des Passauer fürstbischöflichen Hofes von Wolfger von Erla entstanden ist, scheint es sich um ein stabiles Gerüst zu handeln. Zwar gibt es außerordentlich gegensätzliche Anläufe, das Nibelungenlied z. B. in Soest oder Worms zu verorten, um nur zwei der Alternativen zu nennen, aber bei genauerem Hinsehen kann keine der Thesen einer Untersuchung standhalten.1 Dagegen sprechen viele Punkte für eine Lokalisierung nach Passau. Darauf hat sich die Forschung relativ einmütig geeinigt. Ziel dieser Untersuchung soll es sein, darzulegen, weshalb man auf Passau und den fürstbischöflichen Hof kommt, was dafür und möglicherweise auch dagegen spricht oder Fragen aufwirft.
Ein grundlegendes Problem für eine hieb- und stichfeste Verortung ist, dass das Nibelungenlied und seine Quellen aus der Zeit der germanischen Völkerwanderung stammen. Dementsprechend erscheint der Handlungsspielraum der Geschichte sehr weit gefasst und geht vom Ober- und Niederrhein bis nach Bayern, Österreich und schließlich Ungarn. Jedoch ist der Raum im Bistum Passau lebendiger beschrieben, als die restliche Reise, was schon eine erste Spur zum Donauraum ist. Die Stadt Passau erscheint als das Einkehrzentrum bei den Reisen zwischen Worms und dem Etzelhof. Bevor ich aber auf Details zu Passau eingehe, möchte ich klären, weshalb man überhaupt auf eine Eingliederung in den südlichen Donauraum und schließlich auf Passau gekommen ist. Die Stadt wird an mehreren Stellen genannt und deshalb wird ein Schwerpunkt der Untersuchung sein, wie der Autor die örtlichen Begebenheiten schildert und was daraus gefolgert werden kann. Bischof Pilgrim, der ja in Passau tatsächlich Bischof war, ist eine Gest alt, die in der Forschung für viel Wirbel gesorgt hat. Heuwieser hat als Passauer Lokalhistoriker bisher den wohl energischsten Versuch gemacht, das Nibelungenlied in Passau zu verorten und zwar gleich in dreifacher Ausführung: im 10. Jahrhundert als lateinische Nibelungias unter Pilgrim, um 1160 unter Bischof Konrad als „Ältere Not“ und um 1200 unter Bischof Wolfger. Vorweg möchte ich gleich erwähnen, dass ich es mir nicht zum Schwerpunkt gemacht habe, auf diese Theorien oder andere Thesen von älteren Vorstufen näher einzugehen, sie zu erklären und zu durchleuchten. Damit hat sich hauptsächlich die ältere Forschung befaßt. Ich halte es nicht für sinnvoll hier zu sehr in die Materie einzusteigen, zumal die Theorien älterer Vorstufen auf Konstrukten aufbauen, die mit Vorsicht zu genießen sind. Weiterhin kann ich auf die Unterschiede der prägnanten Strophen in den verschiedenen Handschriften nur begrenzt eingehen. Auch eine Datierungsfrage kann im engen Rahmen dieser Arbeit nicht beantwortet werden. Ich gehe von einer Datierung um 1200 bis 1205 aus, die mittlerweile als akzeptiert gilt.2 Der Zeitrahmen um 1200 führt zu Bischof Wolfger von Erla; seine Person soll ein Schwerpunkt der Untersuchung werden. Er hat sich für das Bistum Passau besonders verdient gemacht und war eine lokale Größe. Das Erringen der Vogtei über Niedernburg ist für das Bistum wohl sein größter Erfolg, zumal das Vogteirecht weitreichenden Folgen mit sich brachte, wie zu klären sein wird. Aber auch andere Ereignisse im Bistum scheinen dem Autor bekannt gewesen zu sein. Der Autor macht im Text auf die Erfolge Wolfgers aufmerksam und scheint ihm als Gönner schmeicheln zu wollen. Die Klage ist ein weiteres besonders wichtiges Indiz für eine Verortung nach Passau, da auch in diesem Text der Autor über Ortskenntnis verfügt und Bischof Pilgrim als Auftraggeber genannt wird.
Der Umfang der Untersuchungen zu diesem Themengebiet läßt es nicht zu, hier auf zu viele Details einzugehen. Auf Pilgrim gehe ich insofern ein, als er in den Texten benannt wird, jedoch halte ich mich hier nur an die neuere Forschung, da die ältere Forschung sich zu diesem Punkt eher auf dem Holzweg befunden hat. Ein letzter und entscheidender Hinweis auf eine Lokalisierung nach Passau ist die Ortskenntnis des Autors. Er schildert die Reisestationen nach Ungarn im 2. Teil des Nibelungenliedes sehr detailliert. Die Orte haben für Passau fast alle eine Bedeutung und stehen mit der Diözese in Verbindung, jedoch kann ich hier nur jeweils kurz auf die einzelnen Orte und ihre oftmals weitreichenden Verflechtungen mit Passau eingehen. Als besonders ergiebig hat sich Herbert Wurster gezeigt, der summarisch und übersichtlich den Großteil der vorhandenen Literatur für seinen Aufsatz bearbeitet hat. Ich stimme ihm jedoch nicht immer zu, da er sich oftmals mit seinen Thesen „etwas weit aus dem Fenster läßt“ oder auch wichtige Zusammenhänge, wie zum Beispiel zwischen Klage und dem Nibelungenlied vernachlässigt.
2. Passau im Nibelungenlied
Die Hauptkriterien, die für eine Verortung nach Passau sprechen sind in groben Zügen die auffällige Ortskenntnis der Stadt sowie des Bistums Passau. Außerdem war zum angenommenen Entstehungszeitraum um 1200 Bischof Wolfger von Erla Bischof in Passau, der schon als Gönner von Walther von der Vogelweide aufgetreten ist und einen Ruf als großer Literaturmäzen hatte bzw. hat. Einige Ereignisse im Bistum während Wolfgers Zeit als Kirchenfürst scheinen dem Nibelungenautor bekannt gewesen zu sein. Im Text läßt er z.B. durchaus sein Wissen um die Bedeutung einzelner Geschehen durchblicken.
Auffällig ist natürlich in erster Linie auch die Nennung von Bischof Pilgrim, der in Passau von 971 - 991 den Bischofsstuhl inne hatte. Sein Name taucht sowohl im Nibelungenlied als auch in der Klage auf. Die Sage von den Nibelungen war im bayerischen Raum schon seit dem 8. Jahrhundert bekannt. Schon im Salzburger Verbrüderungsbuch von 784 sind fast alle Nibelungennamen vertreten; aus Freisinger Urkundenmaterial aus dem 8. und 9. Jahrhundert läßt sich ablesen, dass sich die Nibelungennamen um Allershausen gehäuft haben und auch Bischof Pilgrim soll nach Störmer aus einer Familie stammen, die sich mit einer Abstammung von den Nibelungen legitimiert haben sollen.
[...]
1 Auf die angesprochenen Thesen und Lokalisierungen um Worms und Soest neben Passau möchte ich an dieser Stelle aber nicht eingehen. Meine Untersuchung und Darlegung kann sich nur auf Passau beschränken.
2 Ein Anhaltspunkt zur Datierung ist zum Beispiel, dass im Nibelungenlied das Amt des Küchenmeisters genannt wird, welches erst ab 1190 nachzuweisen ist. Der Autor der Redaktion gibt sich also recht aktuell und man kann daraus schlußfolgern, dass das Werk schon einmal nicht vor 1190 getextet wurde. Weitere Anhaltspunkte, auf die ich an dieser Stelle nicht genauer eingehen möchte, sind zum Beispiel, dass der Autor genau datierbare Ereignisse, wie zum Beispiel auf die Erringung Kloster Niedernburgs oder die Fehde mit den Ortenburger Grafen anspielt. Zu diesen Punkten aber Genaueres später. Eine genaue Datierung kann hier nicht dokumentiert werden.
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