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Karl Mickels Gedicht 'Odysseus auf Ithaka' - Eine Analyse

Scholary Paper (Seminar), 2001, 19 Pages
Author: Manuela Lück
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2001
Pages: 19
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 17  Entries
Language: German
Archive No.: V54866
ISBN (E-book): 978-3-638-49975-0

File size: 178 KB


Excerpt (computer-generated)

Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für deutsche Sprache und Literatur
Proseminar: Der neue Mensch bleibt auf dem Plan. Ich
4. Semester, Sommersemester 2001


Karl Mickels Gedicht ′Odysseus auf Ithaka′ –
Eine Analyse

von: Manuela Lück

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil

2.1. Kulturpolitisches Klima der Sechziger Jahre
2.2. Lyrik und die „Sächsische Dichterschule“
2.3. Mythen. Eine Einführung.
2.4. Antike Mythen im Sozialismus
2.5. Die Odysseusfigur in der Tradition der DDR -Literatur

3. Gedichtanalyse und Interpretation

3.1. Inhalt
3.2. Form
3.3. Analyse
3.4. Interpretation

4. Schluß

5. Literaturverzeichnis

 

 


 

1. Einleitung

Thema dieser Hausarbeit soll das Gedicht „Odysseus in Ithaka“1 von Karl Mickel sein, welches ich analysieren und interpretieren möchte. Karl Mickel, der eine Professur für Versmaß und Diktion an der Berliner Schauspielschule „Ernst Busch“ innehatte, verstarb am 20. Juni 2000. Er galt als einer der „gescheitesten, theoretisch und poetisch geschultesten in dieser Gruppe [Sächsische Dichterschule, d. A.]“2, aber auch als einer der am wenigsten bekannten Lyriker der DDR. In zweiter Existenz Wissenschaftler, - Wirtschaftshistoriker, was in seinen Gedichten, die immer wie eine künstlerische Weiterführung seiner analytischen Thesen und Beobachtungen wirken, zum Ausdruck kommt.

Das Gedicht „Odysseus in Ithaka“, im Band „Vita nouva mea - Mein neues Leben“ im Jahre 1966 veröffentlicht, steht einerseits in der Tradition der Verarbeitung antiker Mythen in der Literatur der DDR der sechziger Jahre, muß aber anderseits wegen seinem negativen und gesellschaftskritischen Entwurf und der Lyrikauffassung, die sich gegen tradierte Formen und vorgegebenen Darstellungen widersetzt Ausnahme gelten. Im Mittelpunkt meiner Arbeit soll dabei die Frage nach der Bedeutung des Mythos und im Speziellen, des Odysseus Mythos in der DDR-Literatur stehen. Es wird sich dann eine Analyse und Interpretation dieses Gedichtes anschließen. Karl Mickels Odysseus stellt sich nach der Rückkehr von zehnjähriger Irrfahrt die Frage nach der ´Heimat` Ithaka, die ihm nun entfremdet und vergreist erscheint. Der Mythos wird von Mickel als Maske einer anderen Frage, der Frage nach der Ankunft bzw. der sozialistischen Heimat benutzt. Karl Mickel, als „Marxist in Preußen3“ argumentiert streng nach marxistischen Grundsätzen und verwirft schließlich die Heimat, die in den gegenwärtigen Verhältnissen utopisch ist. Kritisiert werden mit dem Verwerfen der Heimat DDR die kulturpolitische und die ästhetische Enge des sozialistischen Realismus der sechziger Jahre, aber es wird auch der geschichtsphilosophische Entwurf dieser Jahre in Frage gestellt. Karl Mickel problematisiert dabei die Frage nach den gegenwärtigen Bedingungen der sozialistischen Gesellschaft und ihrer Entwicklung und den sie dabei antreibenden Faktoren.

2.1. Kulturpolitisches Klima der Sechziger Jahre

Literarisch prägte die sechziger Jahre vor allem der Mauerbaus 1961, der eine erzwungene Selbstkonzentration- und auseinandersetzung mit den eigenen Bedürfnisse und konkreten Lebensverhältnisse zur Folge hatte. Eine Orientierung an der modernen „westlichen“ Literatur war nur sehr eingeschränkt möglich und wurde erst verspätet in den achtziger Jahren nachgeholt. In der Phase der literarischen „Selbstkonzentration“ gingen aber auch einschneidende strukturelle Veränderungen der DDR - Gesellschaft, wie die abgeschlossene Kollektivierung der Landwirtschaft und die Einführung des „Neuen ökonomischen Systems der Planung und Leitung“ von statten.

Auf der I. Bitterfelder Konferenz (1959) beschloss man den „Bitterfelder Weg“, denn nach marxistischer Auffassung muß auch Literatur im Kontext der gesellschaftlichen Realität gesehen und verstanden werden. Das „Bitterfelder Modell“ sollte beide Seiten der Gesellschaft, die gesellschaftliche Basis, die Produktionsverhältnisse und die Arbeiter und den gesellschaftlichen Überbau, hier die Künstler und vor allem die Schriftsteller, so verbinden, daß beide künstlerisch produktiv werden können. Das Verhältnis von Überbau und Basis wurde verschieden akzentuiert, so forderte man im Zuge des „sozialistischen Realismus“ eine Darstellung der objektiven Wirklichkeit im Kunstwerk. Die Kunst sollte, nach George Lukács die gesellschaftliche Wirklichkeit, die ja zuerst existiert und sich dann in der Literatur wieder findet, sich bis zur „Totalität des Lebens“ widerspiegeln. Der Dichter bzw. Künstler fungiert als Vermittler und gibt den Kunstwerk die Form, die wiederum Ausdruck der gesellschaftlichen Realität ist. Kunstwerke, vor allem des 20. Jahrhunderts die mit den Mitteln der Ver- und Entfremdung, Montages oder aber mit subjektiven Innensichten arbeiteten, konnten dementsprechend nicht die gesellschaftliche Wirklichkeit widerspiegeln, entsprachen nicht der gewünschten “realistischen“ Darstellung und wurden mit Etiketten wie „dekadent“, „modernistisch“ und „kosmopolitisch“ besetzt und schließlich aus dem offiziellen literarischen Kanon ausgeschlossen. In den aus dieser „realistischen“ Auffassung entstandenen Werke, die meist der sozialistischen Produktion bzw. Arbeitswelt verpflichtet waren, wurden Charaktere geschaffen, die das Gesetzmäßige und Typische4 verkörperten. Dem Leser wurde mit der Darstellung eines positiven und vorbildhaften Heldens, ein Identifikationsangebot gemacht, das im Sinne des sozialistischen Realismus war. Im Vordergrund standen dabei die Integration des Individuums in das Kollektiv und dessen Norm, aber nicht das Individuelle bzw. individuelle Handlungsstrategien, die zwangsläufig zu deren Verlust führen mußte.

[...]


1 In: Mickel, Karl: Vita nouva mea. Mein neues Leben, Gedichte, Berlin 1966. S.15ff.

2 Emmerich, Wolfgang: Kleine Literaturgeschichte der DDR, erweiterte Neuausgabe, Berlin 2000. S. 232ff.

3 Ebd. S. 232ff.

4 Die Theorie des „Typischen“ ist Grundlage der Theorie des ästhetischen Realismus bei George Lukács. Hier hat der Künstler die Aufgabe, typische Charaktere, Handlungen und Situationen darzustellen, in denen das Einzelne mit dem Allgemeinen verschmilzt und das Besondere zum Vorschein kommt. Konsequenz dieses Verfahrens ist, daß alle Werke, die dieses „typische“ Element nicht enthalten, nicht realistisch sind und demzufolge ausgeschlossen werden. Vgl. Zima, Peter V.: Literarische Ästhetik, Tübingen 1995. S. 74ff.


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