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Die Rezeptionsgeschichte des Romans 'Doktor Faustus. Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde'.

Scholary Paper (Seminar), 2002, 20 Pages
Author: Manuela Lück
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2002
Pages: 20
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V54868
ISBN (E-book): 978-3-638-49976-7

File size: 170 KB


Excerpt (computer-generated)

HUMBOLDT-UNIVERSITÄT
INSTITUT FÜR DEUTSCHE SPRACHE UND LITERATUR
GKB - EINFÜHRUNG IN DIE ROMANANALYSE
WINTERSEMESTER 2001 /02

Die Rezeptionsgeschichte des Romans „Doktor Faustus.
Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn,
erzählt von einem Freunde“

von: Manuela Lück

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil

2.1. Rezeptionsbedingungen
2.2. Die „Große Kontorverse“
2.3. Geschichtsmodell
2.4. Große Kontroverse
2.5. Zusammenfasssung des Kapitels

3. Rezeption von Vertretern der marxistischen Literaturwissenschaft

3.1. George Lukács - Die Tragödie der modernen Kunst (1948)
3.2. Hans Mayer - Thomas Manns „Doktor Faustus“. Roman einer Endzeit und Endzeit des Romans (1959)

4. Reaktionen der literarischen Vorbilder

4.1. Ida Herz
4.2. Emil Pretorius

5. Schluß

6. Literaturverzeichnis



 

 

1. Einleitung

Thomas Mann schrieb den Roman „Doktor Faustus. Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde.“ von 1943-1947. Die zumeist sehr kontroversen Reaktionen, die er mit der Veröffentlichung 1948 / 49 hervorrief, sollen Gegenstand dieser Arbeit sein. Zunächst werde ich dabei auf die sich verändernden Rezeptionsbedingungen näher eingehen, um dann in einem zweiten Teil die Reaktionen näher zu betrachten. Im Mittelpunkt soll dabei die sogenannte „Große Kontroverse“ stehen, die sich im Kern mit Thomas Manns Verhältnis zu Deutschland in der Nachkriegszeit und den Auseinandersetzungen zwischen innerer und äußerer Emigration befaßte. Die im Roman von Thomas Manns angebotene Interpretation der deutschen Geschichte und das dahinter stehende Modell soll Thema des dritten Teils sein. Die marxistische Literaturwissenschaft mit den Vertretern Georg Lukács und Hans Mayer, welche den Roman unter einer anderen Fragestellung betrachteten, soll im vierten Teil etwas ausführlicher behandelt werden. Die Reaktion der Personen, hier am Beispiel von Ida Herz und Emil Preetorius, die Thomas Mann als Vorbilder für seine literarischen Figuren Meta Nackedey und Sixtus Kridwiß verwandte, werden im fünften Teil erörtert.

2. Hauptteil

2.1. Rezeptionsbedingungen

Die Rezeption eines Werkes beginnt immer mit der Wahrnehmung des Betrachters als ein ästhetisches Gebilde, das auf seine sinnlich-materiellen Qualitäten geprüft wird. Die Bewertungsmaßstäbe, die von der akademischen oder nichtakademischen Leserschaft angelegt werden, sind in den jeweiligen gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten der Epoche verankert und finden ihren Ausdruck im Erwartungshorizont. Daher sind Rezeptionen nicht objektiv, können es gar nicht sein, sondern subjektiver Ausdruck des Lesers und Spiegelbild der Wahrnehmungsmuster der Epoche.

Wenn ein Buch wie der „Doktor Faustus“ eine solch heftige Diskussion in der Öffentlichkeit auslöst und in seinen historischen Aussagen für viele als provokant erscheint, muß er eine Thematik berühren, welche die Leserschaft des Nachkriegsdeutschland anspricht und die bis dahin traditionellen und gültigen Wahrnehmungsmuster bricht. So gibt die Rezeptionsgeschichte des „Doktor Faustus“ auf Grund ihrer Verflochtenheit mit dem zeitgeschichtlichen Kontext ein Spiegelbild über die Auseinandersetzungen mit dem literarischem Exil, dem Nationalsozialismus, der Schuld und ihrer Verdrängung. Sie erlaubt Rückschlüsse auf den gesellschaftlichen und kulturellen Zustand des Nachkriegsdeutschland und die für die Gesellschaft konstitutiven Geschichtsmodelle.

In den letzten vier Dekaden haben sich die Rezeptionsbedingungen im Gegensatz zur Nachkriegszeit aber erheblich verändert. Zunächst kann man von einer wahren Informationsexplosion über den Autor in den letzten 10 Jahren sprechen. Es wurden nicht nur sein Briefwechsel, sondern auch die Tage- und Notizbücher veröffentlicht, die uns einen tieferen Einblick in das Leben und die Gedanken von Thomas Mann gestatten. Wenn nicht alle veröffentlichte Informationen wirklich wichtig und erhellend für das Verständnis des Werkes waren, hat sich trotzdem der Wissenshorizont durch diese Offenlegung erheblich erweitert. Einige Anklänge, wie etwa der Teufelspakt und dem darin enthaltenen Verbot des Liebens können nun in einem ganz neuen Licht des Verstehens betrachtet werden. Grundlegend verändert haben sich aber auch die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen in Deutschland seit der Erstveröffentlichung 1947. Die ideologischen Verhärtungen auf beiden Seiten zu Beginn und während des Kalten Krieges, die oft zu einer unzureichenden und einseitigen Interpretation des Werkes führten, weil man von einem vorgeprägten und zweigeteilten Deutschland- und Geschichtsmodell ausging, sind durch die Ereignisse 1989 / 90 und die Wiedervereinigung 1990 aufgeweicht und teilweise beseitigt worden. Mit der nationalstaatlichen Restauration wurden auch die Auseinandersetzungen und das Nachdenken über das Thema Nationalsozialismus und Holocaust verstärkt. Die hohen Verdrängungsleistungen in der deutschen Nachkriegszeit auf der einen Seite und das antifaschistische Dogma auf der anderen Seite hatten dies unmöglich gemacht. Die einsetzende Sensibilisierung für dieses Thema erlaubt es heute, stärker auf bestimmte Anklänge im Roman einzugehen und gewisse „Fehlstellen“ auszumachen. Das Aufbrechen des monolithischen Blockes von Autor-Werk-Wirkung durch die strukturalistische Bewegung und die Beachtung der unterschiedlich geprägten Rezeptionsvoraussetzungen eines jeden Lesers führen heute zu einer komplett anderen ästhetischen Wahrnehmung des Werkes und fordern eine Neubewertung des Romans.

2.2. Die „Große Kontroverse“

[...]


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