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Diplomarbeit, 2005, 168 Seiten
Autor: Diplom-Geograph Stefan Siehl
Fach: Geowiss. / Geographie - Fremdenverkehrsgeographie
Details
Tags: Probleme, Tourismus, Titicacasee, Perú, Beispiel, Isla, Taquile, Península, Capachica
Jahr: 2005
Seiten: 168
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 126 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-50024-1
ISBN (Buch): 978-3-638-88280-4
Dateigröße: 2694 KB
Die Arbeit beinhaltet neben der deutschen auch eine englische und spanische Zusammenfassung.
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Zusammenfassung / Abstract
Kurze Inhaltsbeschreibung „Die heute für das Überleben der Vielfalt unseres Planeten – und der Menschen – entscheidende Frage lautet nicht, warum reisen Menschen, sondern wie reisen Menschen?“ [SUCHANEK 2000, 8]. Über eine halbe Milliarde Menschen reisen jährlich in fremde Länder. Ferntourismus gilt als das Zugpferd der Weltwirtschaft und gleichzeitig als zerstörerisches Element für Natur und Kulturen. Es verlangt nach einer innovativen Reiseform, die sich für die arme Bevölkerung der Entwicklungsländer wirtschaftlich lohnt, aber gleichermaßen die Umwelt schont und kulturelle Vielfalt bewahrt. Der Nachhaltige Tourismus stellt in der Theorie eine solche Reiseform dar, aber ist er das auch in seiner praktischen Umsetzung? Ein grundlegendes Problem liegt im Spannungsverhältnis zwischen Tourismus und Nachhaltigkeit: Wachstum, Egoismus und Gewinnmaximierung stehen im Konflikt mit Bewahrung, Gemeinsinn und Ressourcen zukünftiger Generationen. Doch neben der Ausbeutung besitzt der Tourismus auch ein direktes ökonomisches Inter¬esse an der Bewahrung intakter Natur- und Kulturräume. Dies macht Hoffnung für verantwortungsvolle Reiseformen. Meist bleibt in der von Hektik und Konsum diktierten westlichen Welt nicht viel Zeit zum Träumen, um dem geregelten Alltag für einen Moment zu entkommen. Am Titicacasee, dem höchstgelegenen schiffbaren See der Erde, erwarten den Reisenden noch mystische Landschaften und außergewöhnliche Lebensweisen, klare Luft und entspannende Ruhe, traditionelles Bauerntum und Spuren vergangener Kulturen. Es ist eine Fernreise in das uns fremde Leben der Quechua-Indios. Doch wohin genau führt die Reise im Zeichen der Nachhaltigkeit? Besonders für die arme ländliche Bevölkerung stellt der dauerhafte Fremdenverkehr eine dringend benötigte Einnahmequelle dar, die bei vorausschauender Planung zur Armutsminderung beitragen kann. Die vorliegende Arbeit analysiert die Stärken und Schwächen, die Chancen und Risiken des Ferntourismus am Titicacasee und nennt mögliche Maßnahmen für eine nachhaltige Entwicklung durch den Reiseverkehr in Entwicklungsländern.
Textauszug (computergeneriert)
Justus-Liebig-Universität Gießen
Mathematik, Physik und Geographie
Geographisches Institut
Diplomarbeit
Probleme des Nachhaltigen Tourismus am Titicacasee in Perú
am Beispiel Isla de Taquile und Península de Capachica
eingereicht von
Stefan Siehl
Gießen, im November 2005
VORWORT
Das Interesse an der Thematik des Nachhaltigen Tourismus in Entwicklungsländern beruhte zunächst auf zahlreichen eigenen Reiseerfahrungen als Tourist. Durch das Studium der Geographie, des Naturschutzes und nicht zuletzt zwei Praktika im Bereich Reisejournalismus und Dokumentation beim ZDF und HR, entwickelte sich die Idee zu dieser Diplomarbeit. Die Inspiration einer geeigneten touristischen Destination lieferte schließlich im Jahr 2004 die Diplomarbeit von Claudius Leinberger, der im Gebiet des Titicacasees über die Lebensbedingungen und Entwicklungschancen peripherer Standorte schrieb.
Schon vor mehr als 20 Jahren bereiste Prof. Dr. Ulrich Scholz, der Betreuer meiner Arbeit, die Region Puno am nordwestlichen Titicacasee. Aufgrund seiner wertvollen Erfahrungen war somit bereits vor den Untersuchungen in Perú eine gewisse Vorstellung dessen möglich, wie sich der Reiseverkehr in Puno entwickelt hat und wie die Arbeit sinnvoll strukturiert werden könnte.
Im Sommer 2004 erfolgte dann eine zweimonatige Analyse der touristischen Situation in der Region Puno. Durch die Mitarbeit des engagierten peruanischen Tourismus-Studenten Ernesto Cuno Arce konnten vor Ort notwendige Daten und wichtige Informationen zur touristischen Entwicklung erhoben werden.
Für die anschließende Ausarbeitung der Arbeit brachte zudem eine aktive Teilnahme auf dem Tourismus Forum International (TFI) 2005 in Hannover hilfreiche Einblicke in das komplexe Thema bewahrender Reiseformen in Entwicklungsländern. Auf dieser von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) organisierten Reisemesse für Nachhaltigen Tourismus finden sich jährlich namhafte Experten zusammen und diskutieren innovative Strategien einer nachhaltigen Entwicklung.
Für das Gelingen dieser Arbeit war die Unterstützung und Teilnahme von Menschen in Perú und Deutschland wichtig, bei denen ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken möchte.
GLIEDERUNG
Vorwort ... III
Gliederung ... V
Graphikverzeichnis ... IX
Photoverzeichnis ... X
Kartenverzeichnis ... XI
Tabellenverzeichnis ... XI
Fremdwortverzeichnis ... XII
Abkürzungs- und Akronymverzeichnis ... XIV
1 EINLEITUNG ... 1
1.1 Relevanz des Themas ... 1
1.2 Problemstellung und Ziele ... 2
1.3 Inhaltlicher Aufbau ... 4
2 THEORETISCHE GRUNDLAGE: TOURISMUS UND NACHHALTIGKEIT ... 6
2.1 (Fern-)Tourismus ... 6
2.1.1 Historische Entwicklung ... 8
2.1.2 Formen des Dritte Welt-Tourismus ... 10
2.1.3 Touristische Effekte ... 13
2.1.3.1 Ökologische Auswirkungen ... 14
2.1.3.2 Ökonomische Auswirkungen ... 17
2.1.3.3 Soziokulturelle Auswirkungen ... 19
2.1.4 Tourismuspolitische Strukturen ... 21
2.2 Nachhaltigkeit ... 25
2.2.1 Begriffliche Entwicklung ... 26
2.2.2 Spannungsverhältnis zum Tourismus ... 28
2.3 Nachhaltiger Tourismus ... 30
2.3.1 Kulturtourismus ... 31
2.3.2 Naturtourismus und Ökotourismus ... 32
2.3.3 Fazit ... 34
3 METHODIK ... 39
3.1 Auswahl der Methoden ... 39
3.1.1 Säule I : Literatur- und Internetrecherche ... 39
3.1.2 Säule II : Empirische Untersuchungen und Felderhebungen ... 40
3.1.2.1 Reisebüros und Reiseveranstalter ... 43
3.1.2.2 Gastgeber ... 44
3.1.2.3 Besucher ... 44
3.1.2.4 Experten ... 45
3.1.2.5 Teilnehmende Beobachtungen ... 45
3.1.3 Säule III : Analyse und Bewertung ... 46
3.1.4 Säule IV : Dokumentation und Visualisierung ... 47
3.2 Bewertung der angewandten Methoden ... 48
4 DESTINATIONSANALYSE: TITICACASEE ... 49
4.1 Touristisches Angebot ... 49
4.2 Ökologische Rahmenbedingungen ... 54
4.2.1 Geographische Lage ... 54
4.2.2 Klima ... 55
4.2.3 Biodiversität ... 56
4.3 Soziokulturelle Rahmenbedingungen ... 58
4.3.1 Bevölkerungsstruktur ... 58
4.3.2 Sprache ... 58
4.3.3 Religion und Tradition ... 59
4.4 Politische Rahmenbedingungen ... 60
4.5 Ökonomische Rahmenbedingungen ... 62
4.5.1 Landwirtschaft ... 63
4.5.2 Fischerei ... 64
4.5.3 Kunsthandwerk ... 64
4.6 Infrastruktur ... 65
4.6.1 Harte Infrastruktur ... 65
4.6.2 Weiche Infrastruktur ... 66
4.7 Resümee ... 67
5 FALLBEISPIELE: TOURISMUS AUF TAQUILE UND CAPACHICA ... 68
5.1 Ursprüngliches und konzipiertes Angebot ... 68
5.1.1 Kulturerlebnis Taquile ... 69
5.1.2 Naturerlebnis Llachón - Capachica ... 72
5.2 Strukturvergleich ... 76
5.2.1 Touristische Infrastruktur ... 76
5.2.2 Umweltrelevante Verträglichkeit ... 80
5.2.3 Touristisches Potential ... 82
5.3 Analyse der Anbieter ... 83
5.3.1 Anbieterstruktur ... 83
5.3.2 Steuerung und Kontrolle ... 86
5.4 Analyse der Gastgeber ... 87
5.4.1 Know-how und Organisation ... 88
5.4.2 Gewichtung des Tourismus ... 90
5.5 Analyse der Besucher ... 93
5.5.1 Motiv und Aktivität ... 93
5.5.2 Frequenz und Herkunft ... 95
5.5.3 Aufenthaltsdauer ... 97
6 SWOT – ANALYSE: TAQUILE UND CAPACHICA ... 99
6.1 Ressourcenanalyse und Aussichten ... 100
6.2 Steuernde Maßnahmen ... 102
6.3 Resümee ... 103
7 EXKURS: DAS „RAUM-ERLEBNIS TITICACASEE“ ... 104
7.1 Das Verhältnis Mensch - Natur ... 104
7.2 Reiseerwartung und Wahrnehmung ... 106
7.2.1 Imaginäre Geographie durch Visualisierung ... 108
7.2.2 Emotionen der Besucher ... 110
7.2.3 Emotionen der Gastgeber ... 112
7.3 Tourismusethik ... 113
7.4 Akkulturation im Zeitalter der Globalisierung ... 116
8 FAZIT: NACHHALTIGER TOURISMUS AM TITICACASEE ... 119
8.1 Bewertung und Perspektiven ... 119
8.2 Vergleichende Übertragbarkeit ... 123
9 ZUSAMMENFASSUNGEN ... 125
9.1 Deutsche Zusammenfassung ... 125
9.2 English Summary ... 129
9.3 Resumen castellano ... 132
10 BIBLIOGRAPHIE ... 136
10.1 Literaturverzeichnis ... 136
10.2 Internetverzeichnis ... 142
ANHANG ... 143
Interviewte Experten ... 143
Tabellen und Karten ... 146
Fragebögen ... 148
1 Einleitung
Tourismus ist wie Feuer: Man kann seine Suppe damit kochen. Man kann aber auch sein Haus damit abbrennen.
ASIATISCHES SPRICHWORT
1.1 Relevanz des Themas
Tourismus sei also wie Feuer. Bei solch einem Vergleich stellt sich zunächst die Frage, welche Eigenarten dem Feuer grundsätzlich zugesagt werden?
Mit dem Feuer verbindet man spürbare Energie und Licht. Ein lebenswichtiges Element, das im Menschen Ehrfurcht und feurige Leidenschaft entfachen kann. Doch Feuer steht auch für Gefahr und verheerende Zerstörung. Unkontrolliert breitet es sich mit hoher Geschwindigkeit aus, verschlingt seine Ressourcen, entzieht seiner Umgebung den Sauerstoff zum Atmen und vernichtet Leben. Es liegt in der Natur des Menschen, sich beim Spiel mit dem Feuer zu verbrennen. Der wohl überlegte und gezielte Einsatz und Umgang mit diesem Element ist ganz entscheidend.
Ähnlich wie bei der Ambivalenz des Feuers verhält es sich mit der Thematik des internationalen Reiseverkehrs in der Literatur. Einerseits wird die Tourismusbranche als das Zugpferd der Weltwirtschaft unseres 21. Jahrhunderts und der Völkerverständigung propagiert. Und zugleich liest man von seiner „friedlichen Selbstzerstörung“ [vgl. MÄDER 1986, 96]. Für Hans Magnus Enzensberger „zerstört der Tourismus das, was er sucht, indem er es findet“ [vgl. ELLENBERG 1997, 32]. Gemeint sind damit traditionelle Feste und erholsame Ruhe, Geldfreiheit und Religiosität, Gastfreundschaft, eine ausgewogene Natur und ein ursprüngliches Verhältnis des Menschen zu ihr [vgl. ARMANSKI 1986, 79].
Jährlich zieht es über eine halbe Milliarde Menschen in fremde Länder, ein saisonales Nomadentum auf der Suche nach Traumwelten [vgl. HENNIG 1997, 2]. Stellt diese kommerzielle Völkerwanderung etwa die Zukunft unseres globalen Wirtschaftssystems dar? Bringt sie den Untergang unserer überlebensnotwendigen Umwelt und unserer kulturellen Vielfalt mit sich?Die komplexe Thematik ist in den letzten Jahrzehnten sowohl in der Literatur, als auch in
etlichen internationalen Kongressen analysiert und diskutiert worden. Und doch liegen Euphorie und Skepsis, hohe Erwartungen und Ablehnung in keinem anderen Industriezweig so eng beieinander wie im Tourismus.
Die Fakten liegen auf der Hand: Zu oft profitieren nur die großen Tourismuskonzerne und den eigentlichen Bereisten in den Entwicklungsländern bleibt nicht viel. Gerade diejenigen, die ihre Arbeitskraft, ihre Umwelt, ihre Tradition, ihre dekorative Armut zur Verfügung stellen, scheinen nicht zu den Verdienenden zu zählen [vgl. ARMANSKI 1986, 77]. Hinzu kommen eine unsichere weltpolitische Lage, globaler Klimawandel und ein angegriffener Zustand der Natur und Kultur in den Zielgebieten.
Trotz der medienwirksamen Präsenz dieses Konfliktes existieren kaum gute Konzepte für eine Bewältigung der Probleme. Besonders in der „Dritten Welt“, wo ein tägliches Einkommen für die arme Bevölkerung so überlebenswichtig ist, muss unbedingt zukunftsorientiert und gleichzeitig gewinnbringend geplant und gewirtschaftet werden. Kann der „Nachhaltige Tourismus“ diesen Anforderungen gerecht werden? Steht er für ein ernsthaftes und bewahrendes Konzept, für eine ökonomische Chance und kulturelle Bereicherung? Oder verbindet sich mit diesem Begriff lediglich eine Werbestrategie der besseren Vermarktung, die in eine „ökologische und soziale Sackgasse“ [FRIEDEL 2002, 6] führt?
Was hat das alles mit dem Titicacasee zu tun? Der Titicacasee vereint viele reizvolle, außergewöhnliche sowie mystische Elemente in sich. Ein extremes Klima, landschaftliche Schönheit, kulturelle Vielfalt und mythologische Legenden. Seit knapp 30 Jahren zieht dies Touristen an und ein derzeitiger Wachstumsschub birgt neue Chancen – aber eben auch Risiken. El Lago Titicaca (der Titicacasee) scheint ein gutes Beispiel für die Untersuchung einer problematischen Ambivalenz zu sein – wie jene des Feuers.
1.2 Problemstellung und Ziele
Wenn von „Nachhaltigem Tourismus“ als zukunftsorientierte Form des Ferntourismus die Rede ist, so stellt sich zuerst einmal ein Definitionsproblem dar. Das gilt nicht unbedingt für die theoretischen Anforderungen, die an das ambivalente Gebilde des Nachhaltigen Tourismus gestellt werden, denn diese sind im Allgemeinen sehr konform. Was jedoch die Schwierigkeit der Thematik ausmacht, ist eher die Praxis, der im Speziellen betrachtete Einzelfall. In ganz konkreten touristischen Destinationen1, wie am Titicacasee, muss permanent entschieden werden, wo die Grenzen der Nachhaltigkeit liegen: Welche Formen des praktizierten Fremdenverkehrs werden einer zukunftsorientierten und ressourcenschonenden Wirtschaftsweise gerecht und wo überwiegen ökonomische Interessen zum Leitwesen der Ökologie und der Soziokultur?
Zudem ergibt sich aus der Komplexität des Ferntourismus eine gewisse Betrachtungsproblematik. Das verflochtene Zusammenspiel zwischen globaler Makroebene und lokaler Mikroebene wird von zahlreichen Entwicklungsfaktoren bestimmt, die oft nicht vorhersehbar sind. Betrachtet man auf der Makroebene eher ökonomische, politische und klimatische Faktoren mit globaler Vernetzung, so scheinen auf der Mikroebene sehr spezielle soziokulturelle, wirtschaftliche und physische Gegebenheiten in den touristischen Destinationen eine allgemeine Konzeption zu erschweren.
Dieser Problematik bewusst, sollen zwei Fragestellungen den Verlauf der Arbeit bestimmen:
• Kann der Ferntourismus neben seinen Belastungen auch eine Chance für Ressourcenmanagement, Naturerhaltung und Überlebensstrategien einheimischer Bevölkerungsgruppen darstellen [vgl. ELLENBERG 1997, 51]?
• Existiert in den Fallbeispielen Isla de Taquile und Península de Capachica2 eine derartige „bewahrende Form“ von Nachhaltigem Tourismus und wo liegen die konkreten Probleme?
In dieser Diplomarbeit soll es weniger darum gehen, ob sich der Nachhaltige Tourismus in den untersuchten Destinationen für die Partizipanten (insbesondere die lokale Bevölkerung) und den Schutz der Naturreservate finanziell rechnet. Angesichts der langen und bislang erfolgreichen Vermarktung des Kulturtourismus auf der Isla de Taquile und dem sich mittlerweile wirtschaftlich lohnenden naturtouristischen Gewerbe in Llachón (auf der Halbinsel Capachica) steht dies nicht zwingend zur Diskussion. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt vielmehr darauf, welche Probleme in der Planung, Organisation und Durchführung des Tourismus in den zwei Fallbeispielen auftauchen.
Welche Stärken und Schwächen, welche Risiken und Chancen bestehen hinsichtlich zukunftsorientierten und ressourcenschonenden Wirtschaftens? Wer oder was lenkt die Reiseströme der Besucher und wie groß ist in etwa der Anteil des Tourismuskuchens, der für die lokale Bevölkerung und die Schutzbemühungen der Landschaften übrig bleibt? Letzten Endes soll eine Bewertung vorgenommen werden, ob und inwieweit die konkreten Probleme in den untersuchten Zielgebieten eine Bewahrung der Natur- und Kulturpotentiale am Titicacasee zulassen. Darüber hinaus soll die Übertragbarkeit dieser Probleme und möglichen Lösungen auf andere touristische Unternehmungen diskutiert werden. Ziele der Arbeit:
- Beschreibung der ambivalenten Problematik von Nachhaltigem Tourismus im Allgemeinen (Ferntourismus in Entwicklungsländern) und im Speziellen (an den beiden Fallstudien Isla de Taquile und Península de Capachica).
- Eine umfassende Analyse der räumlichen Tourismusstruktur unter Einbeziehung aller widerstreitenden Interessensgruppen auf lokaler Ebene.
- Ausarbeitung von Entwicklungstendenzen, Trends, Unterschieden und Gemeinsamkeiten. Prognostizierte Chancen, Risiken, mögliche Maßnahmen und eine eventuelle Übertragbarkeit auf andere touristische Vorhaben.
Zu wenig Aufmerksamkeit wird allgemein der Reiseerwartung und der räumlichen Wahrnehmung zuteil. Die Reisepsychologie ist ähnlich wie auch beim Theater und Film von Illusionen und medienbedingten Realitätsverzerrungen geprägt. Eine ganz entscheidende Komponente, welche zukünftige Reiseströme lenkt und Verhaltensmuster der Reisenden und Bereisten beeinflusst. Hier unterscheiden sich der Tourismus und insbesondere der Ferntourismus stark von anderen Industriezweigen. In einem Exkurs-Kapitel [SIEHE: Kapitel 7] soll diese wichtige Thematik im Bezug auf den touristischen Destinationsraum Titicacasee behandelt werden.
1.3 Inhaltlicher Aufbau der Arbeit
In dieser Arbeit sollen nach Möglichkeit Theorie und Praxis des Nachhaltigen Tourismus übergreifend behandelt werden. Dazu dient eine Unterteilung in zehn Kapitel, die für sich jeweils abgeschlossene Module bilden, jedoch inhaltlich aufeinander aufbauen. Ein umfassendes Theoriekapitel soll der Komplexität des Themas auf den Grund gehen. Der praxisorientierte Schwerpunkt liegt auf den Kapiteln 5 und 6, welche explizit die beiden touristischen Fallbeispiele in Perú fokussieren.
Kapitel 2 – Hier werden die theoretischen Grundlagen zum Verständnis der Thematik gelegt. Nach allgemeinen Erläuterungen zum Ferntourismus und dessen möglichen Auswirkungen in Entwicklungsländern wird auf die Nachhaltigkeit und schließlich auf den spannungsgeladenen Kompromiss aus beiden Komponenten eingegangen. Kapitel 3 – Die Methodik liefert einen Überblick über die ausgewählten Arbeitsweisen, diskutiert Vor- und Nachteile und nennt Alternativen.
Kapitel 4 – Die Destinantionsanalyse beinhaltet das aktuelle touristische Angebot am Titicacasee und speziell in der Provinz Puno. Dabei wird auf die für den Tourismus entscheidenden ökologischen, soziokulturellen, politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen eingegangen. Die vorhandene Infrastruktur und ein Fazit runden das Modul ab. Kapitel 5 – Mit den Vorkenntnissen aus den bisherigen Kapiteln ist nun eine speziellere Betrachtung der Thematik an den beiden Fallbeispielen Taquile und Capachica möglich. Nach einer Vorstellung der ursprünglichen und konzipierten Angebote wird ein detaillierter Strukturvergleich vorgenommen. Anschließend wird sowohl die Beziehung der Gastgeber als auch die der Besucher zum Tourismus beleuchtet.
Kapitel 6 – Anhand einer Ressourcenanalyse werden schließlich Stärken und Schwächen beider Fallbeispiele gegenübergestellt. Die Risiken, Chancen und möglichen Maßnahmen sollen zudem die Basis für ein Resümee der touristischen Destinationsbeispiele liefern. Kapitel 7 – Warum reisen wir zum Titicacasee? Bei einem Exkurs in das „Raum-Erlebnis Titicacasee“ werden Reiseerwartungen und Wahrnehmungen der Besucher und Gastgeber analysiert. Im Zeitalter der Globalisierung und Visualisierung resultieren daraus unterschiedliche Strömungen gegenseitiger kultureller Beeinflussung.
Kapitel 8 – Im Fazit soll letztlich eine Bewertung des Nachhaltigen Tourismus am Titicacasee vorgenommen und seine Perspektiven aufgezeigt werden. Darüber hinaus wird die Möglichkeit einer vergleichenden Übertragbarkeit auf andere Destinationen diskutiert. Kapitel 9 – Dieses Kapitel beinhaltet die Zusammenfassung der beschriebenen Module in ihrer Gesamtheit.
Kapitel 10 – In der Bibliographie sind Literatur- und Internetverzeichnis aufgeführt.
[...]
1 Die touristische Destination entspricht dem Zielort oder -gebiet einer Reise. Dies kann ein Unterkunftsbetrieb, eine Stadt, eine Region oder ein Land sein [vgl. LEXIKON DER GEOGRAPHIE 2002, 361].
2 Isla de Taquile heißt ins Deutsche übersetzt die Insel Taquile und Península de Capachica steht für die Halbinsel Capachica. Die spanischen Namen und ihre deutschen Übersetzungen werden in dieser Arbeit gleichberechtigt verwendet.
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19.04.2008 14:22:08
Hallo mein Name ist Mirtha, ich komme aus Peru, Ich besuche jeztz das Kolleg und dafür möchte ich Berichte und Studie, wie deine, lesen, ich werde die wirtschaftliche Lage meines Landes darstellen, es ist aber kein Diplomarbeit, oder etwas in der Art, und außerdem bin ich nicht in der Lage die Preise zu bezahlen. Wenn Sie mir dabei helfen könnten, werde ich sehr dankbar sein, wenn nicht bedanke mich trotzdem, denn ich weiß, das deine Arbeit ist, aber trotzdem wollte ich es versuchen. bedanke mich auch für das Interess in meiner Heitmat. Vielen Dank nochmal Mirtha