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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 33 Pages
Author: Anika Barton
Subject: History - 19. Century
Details
Institution/College: University of Siegen (Geschichte)
Tags: Rahel, Varnhagen, Berliner, Salons, Jüdisches, Leben, Jahrhundert, Deutschland
Year: 2005
Pages: 33
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 12 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-50179-8
ISBN (Book): 978-3-638-64609-3
File size: 1265 KB
Unter besonderer Berücksichtigung der Stellung des Judentums in der Epoche der Romantik.
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Abstract
Rahel Levin wird am 19. Mai 1771 als ältestes Kind eines jüdischen Kaufmanns, Bankiers und Juweliers in Berlin geboren. Ihr folgen vier weitere Kinder. Die Familie Levin ist sehr wohlhabend und gehört zu den 500 Schutzjuden der jüdischen Oberschicht, die es zur Zeit Friedrich II. in Berlin gibt. Sie besitzen deshalb für Juden ungewöhnlich viele Rechte. Als 1790 jedoch Rahels Vater stirbt, gerät die Familie in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Das Geschäft geht an Rahels Bruder Markus. Rahel kümmert sich um ihre kleineren Geschwister und übernimmt deren Erziehung, da sich ihre Mutter dazu nicht in der Lage fühlt. Rahel ist von ihrer Familie finanziell anhängig. 1790 eröffnet sie ihren ersten Salon im elterlichen Haus in der Dachstube. Er ist die Weiterführung der Abendgesellschaft des verstorbenen Vaters. In ihrem Salon treffen Menschen jeden Standes zusammen, um sich über Literatur, Natur und Kunst zu unterhalten. Unter den Gästen befinden sich auch bekannte Romantiker wie Brentano, Schleiermacher, die Gebrüder Humboldt und Tieck. Da Rahel schon in ihrer Jugend häufig krank ist, reist sie im Sommer 1795 zur Kur nach Teplitz. Im Winter lernt sie den Grafen von Finckenstein kennen. Die Beziehung scheitert jedoch trotz Verlobung nach fünf Jahren, da Rahel von seiner Familie nicht akzeptiert wird und Finckenstein nicht bereit ist, ein Doppelleben zu führen. Um sich abzulenken, fährt Rahel 1800 nach Paris und bleibt dort bis zum April 1801. 1802 lernt Rahel den spanischen Gesandtschaftssekretär Don Raphael d`Urquijo kennen und erlebt eine zweite unglückliche Liebesbeziehung. Schon nach eineinhalb Jahren erfolgt der Bruch. Als sie 1806, aufgrund Napoleons Einzugs in Berlin, ihren ersten Salon auflösen muss, geht es auch ihrer Familie finanziell immer schlechter. Rahel muss ihren Lebensstandard einschränken. 1808 lernt sie ihren zukünftigen Mann Karl August Varnhagen kennen, der jedoch schon bald zu einem Medizinstudium in eine andere Stadt aufbricht. Zudem zieht Rahel als nun 37- jährige nach schweren Konflikten mit ihrer Mutter aus der gemeinsamen Wohnung aus und mietet sich eine eigene. Nach der Krankheit und dem Tod ihrer Mutter 1809, zieht sie 1810 erneut um und ändert ihren Familiennamen. Von nun an nennt sie sich Robert (vgl. auch Gründe für ihren Religionswechsel). Als Preußen Frankreich 1813 den Krieg erklärt, reist Rahel nach Prag. Dort lebt sie wieder auf, denn alles ist neu und fremd für sie. Eine neue Aufgabe findet sie in der Pflege und Versorgung von Kriegsopfern. Im Jahr 1814 lässt Rahel sich durch Schleiermacher evangelisch taufen. Wenig später heiratet sie mit 43 Jahren Varnhagen. Daraufhin folgt sie ihm nach Wien, wo Varnhagen als preußischer Gesandter am Wiener Kongress teilnimmt. 1819 kehrt sie nach Aufenthalten in Frankfurt und Kahlsruhe, wo sie Freunde besucht, mit Varnhagen nach Berlin zurück. Der liberal eingestellte Varnhagen hat bereits nach den Karlsbader Beschlüssen seinen Posten verloren. Jedoch kann Rahel ihren zweiten Salon eröffnen, in dem nun auch über Politik gesprochen wird. Er erreicht jedoch nie den Erfolg, den ihr erster Salon hatte. In den letzten Jahren ihres Lebens ist Rahel sehr einsam. Immer wieder wird sie schwer krank. Sie besitzt kaum noch Widerstand und macht keine Ausflüge mehr. Kurz nach dem Tod ihres Bruder und dessen Frau 1832, stirbt Rahel am 7. März 1833 an einem Nervenschlag.
Excerpt (computer-generated)
Rahel Varnhagen und die Berliner Salons
von: Anika Barton
Inhaltsverzeichnis
1. Biografie Rahel Varnhagens 1
1.1 Erziehung und Bildung Rahels 2
2. Stellung der Juden in der Romantik 3
3. Stellung der Frauen in der Romantik 5
3.1 Rahel in der Rolle der Frau im Bezug zu den Männern 5
4. Die Salonkultur und andere Gesellschaften 6
4.1 Ziele Rahels und Gründe für ihr Schreiben 7
4.2 Möglichkeiten Rahels, ihre Ziele mithilfe ihres Salons durchzusetzen 9
5. Identitätskrise 9
5.1 Rahels Inneres und Äußeres 10
6. Rahels Einstellung zur Religion 11
6.1 Gründe für ihren Religionswechsel 11
6.2 Rahels Verhalten als Christin 12
7. Analyse des Briefes an Ludwig Robert vom 29. August 1819 13
7.1 Inhalt 13
7.2 Stil und Besonderheiten 14
7.3 Tagebucheintrag vom 2. März 1823 als Ergänzung/ Bestätigung 15
8. Rahels Bekenntnis zurück zum Judentum am 2. März 1833 16
8.1 Inhalt16
8.2 Bekenntnisanalyse und Vergleich/Unterschiede zum Brief 17
Literaturverzeichnis 19
Anhang I
1. Biografie Rahel Varnhagens
Rahel Levin wird am 19. Mai 1771 als ältestes Kind eines jüdischen Kaufmanns, Bankiers und Juweliers in Berlin geboren. Ihr folgen vier weitere Kinder. Die Familie Levin ist sehr wohlhabend und gehört zu den 500 Schutzjuden der jüdischen Oberschicht, die es zur Zeit Friedrich II. in Berlin gibt. Sie besitzen deshalb für Juden ungewöhnlich viele Rechte. Als 1790 jedoch Rahels Vater stirbt, gerät die Familie in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Das Geschäft geht an Rahels Bruder Markus. Rahel kümmert sich um ihre kleineren Geschwister und übernimmt deren Erziehung, da sich ihre Mutter dazu nicht in der Lage fühlt. Rahel ist von ihrer Familie finanziell anhängig. 1790 eröffnet sie ihren ersten Salon im elterlichen Haus in der Dachstube. Er ist die Weiterführung der Abendgesellschaft des verstorbenen Vaters. In ihrem Salon treffen Menschen jeden Standes zusammen, um sich über Literatur, Natur und Kunst zu unterhalten. Unter den Gästen befinden sich auch bekannte Romantiker wie Brentano, Schleiermacher, die Gebrüder Humboldt und Tieck. Da Rahel schon in ihrer Jugend häufig krank ist, reist sie im Sommer 1795 zur Kur nach Teplitz.
Im Winter lernt sie den Grafen von Finckenstein kennen. Die Beziehung scheitert jedoch trotz Verlobung nach fünf Jahren, da Rahel von seiner Familie nicht akzeptiert wird und Finckenstein nicht bereit ist, ein Doppelleben zu führen. Um sich abzulenken, fährt Rahel 1800 nach Paris und bleibt dort bis zum April 1801. 1802 lernt Rahel den spanischen Gesandtschaftssekretär Don Raphael d`Urquijo kennen und erlebt eine zweite unglückliche Liebesbeziehung. Schon nach eineinhalb Jahren erfolgt der Bruch. Als sie 1806, aufgrund Napoleons Einzugs in Berlin, ihren ersten Salon auflösen muss, geht es auch ihrer Familie finanziell immer schlechter. Rahel muss ihren Lebensstandard einschränken. 1808 lernt sie ihren zukünftigen Mann Karl August Varnhagen kennen, der jedoch schon bald zu einem Medizinstudium in eine andere Stadt aufbricht. Zudem zieht Rahel als nun 37- jährige nach schweren Konflikten mit ihrer Mutter aus der gemeinsamen Wohnung aus und mietet sich eine eigene. Nach der Krankheit und dem Tod ihrer Mutter 1809, zieht sie 1810 erneut um und ändert ihren Familiennamen. Von nun an nennt sie sich Robert (vgl. auch Gründe für ihren Religionswechsel). Als Preußen Frankreich 1813 den Krieg erklärt, reist Rahel nach Prag. Dort lebt sie wieder auf, denn alles ist neu und fremd für sie. Eine neue Aufgabe findet sie in der Pflege und Versorgung von Kriegsopfern. Im Jahr 1814 lässt Rahel sich durch Schleiermacher evangelisch taufen. Wenig später heiratet sie mit 43 Jahren Varnhagen. Daraufhin folgt sie ihm nach Wien, wo Varnhagen als preußischer Gesandter am Wiener Kongress teilnimmt. 1819 kehrt sie nach Aufenthalten in Frankfurt und Kahlsruhe, wo sie Freunde besucht, mit Varnhagen nach Berlin zurück. Der liberal eingestellte Varnhagen hat bereits nach den Karlsbader Beschlüssen seinen Posten verloren. Jedoch kann Rahel ihren zweiten Salon eröffnen, in dem nun auch über Politik gesprochen wird. Er erreicht jedoch nie den Erfolg, den ihr erster Salon hatte. In den letzten Jahren ihres Lebens ist Rahel sehr einsam. Immer wieder wird sie schwer krank. Sie besitzt kaum noch Widerstand und macht keine Ausflüge mehr. Kurz nach dem Tod ihres Bruder und dessen Frau 1832, stirbt Rahel am 7. März 1833 an einem Nervenschlag.
1.1 Erziehung und Bildung Rahels
Dieses Thema gilt als noch relativ unerforscht. Zum einen wird Rahel als ein Mädchen mit überdurchschnittlicher Ausbildung dargestellt1. Zum anderen wird jedoch häufig betont, dass sie kaum Bildung besitze und sich alles selbst aneignen musste. Sie selbst sagt über sich „Mir wurde nichts gelehrt; ich bin wie in einem Wald von Menschen gewachsen.“2 Es steht jedoch fest, dass Rahel nie zur Schule gegangen ist. Rahel kann als Kind kein Deutsch und unterhält sich mit ihrer Familie, die ebenfalls kaum Bildung besitzt, im Jargon (Judendeutsch).
Rahel ist Kind von orthodoxen Juden. Ihre Eltern leben streng nach dem jüdischen Glauben und lassen ihren Kindern die übliche Bildung ihres Standes zukommen. In der Familie besitzt Rahels Vater eindeutig die größte Autorität. Rahel kommt damit nicht zurecht und sucht Verständnis bei ihrer Mutter, doch diese lässt sich von ihrem Mann unterdrücken. Rahel empfindet ihre Jugend als gepeinigt3. Erst nach dem Tod ihres Vaters kann sich die freiheitsliebende Rahel besser entfalten. Rahel sieht Bildung als ein Lebensziel an und versucht sich möglichst viel selbst beizubringen. Es besteht ein regelrechter Wissensdrang. Doch vieles, was Rahel liest, kann sie sich nicht merken (vgl. auch den Brief an David Veit vom 18. November 1793 im Anhang). „[…] jeder Geringste kann daher mehr lernen als ich […]. Es ist wahr, dass ich immer an das wesentliche denke […].“
Ihr ganzes Wissen bezieht sie aus Büchern, die sie ohne Anleitung selbstständig liest. Denn wenn andere ihr Unterricht geben, lernt sie nicht viel (vgl. auch den Brief an David Veit vom 18. November 1793 im Anhang). „[…] nun sprechen sie Stunden lang ohne allen Zusammenhang für mich, ich höre aber doch mit größten Anstrengung zu […].“ Zu allem, was sie liest, stellt sie Überlegungen an. Besonders Goethe beeinflusst sie. In Goethe fühlt sie sich verstanden. Sie verehrt ihn. Häufig wird gesagt, dass sie Goethe liest wie andere die Bibel. Rahel beginnt einen regelrechten Goethekult zu entwickeln. Sie selbst erzieht sich zum Denken, zur „gebildeten Persönlichkeit“, denn „auf das Selbstdenken kommt alles an“4. Die ständige Weiterbildung ist Rahel sehr wichtig. Ihre modernen Ansichten über Bildung spiegeln sich in ihrem Fortschrittsglauben wider. Rahel liest viele wichtige Werke, macht sich Anstreichungen und Randbemerkungen und lässt sich durch die Literatur inspirieren. Oft kritisiert sie sogar, was bekannte Autoren geschrieben haben und verbessert sie. Neben der Wissenschaft interessiert sich Rahel für Philosophie und Natur. Nebenbei lernt sie Italienisch und Französisch. Zudem hat Rahel Musik- und Klavierunterricht, interessiert sich für das Theater, liebt Opern und nimmt Tanzunterricht.
Die deutsche Schrift lernt Rahel erst als Erwachsene, bis dahin schreibt sie in hebräischen Buchstaben. Besonders mit der Orthografie hat sie Probleme (Vgl. auch den Brief an David Veit vom 18. November 1793 im Anhang). „Ich mag mir wirklich noch so viel vornehmen, auf die Orthographie, während ich lese, Acht zu geben […], so lese ich gar nicht, sondern sehe nun nur wieder, wie die Wörter geschrieben sind […].“ Schon als junges Mädchen hat Rahel einen Kreis von Schauspielerinnen und Adligen, von akkultierten Jüdinnen und jungen Intellektuellen um sich. Häufig wird sie als „echte[s] Kind […] der Aufklärung, [das] das Sentimentale und Schwärmerische ausdrücklich ablehn[t]“5 bezeichnet.
2. Stellung der Juden in der Romantik
Juden zählen zu Beginn der Epoche der Romantik zu den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Außenseitern. Sie gelten als Sündenböcke und werden grundsätzlich für alle Schulden, Konkurse und Diebstählen in den Gemeinden verantwortlich gemacht. Sie müssen stets hohe Abgaben bei Geburten, Todesfällen, Hochzeiten oder beim Bau von Häusern zahlen. Während der Eroberungskriege Friedrich II. sind Juden sogar zu sinnlosen Zwangskäufen ver- pflichtet, um die Kriege zu finanzieren. Unter den Juden befinden sich jedoch auch reiche Bankiers, die Friedrich II. den Krieg freiwillig finanzieren. Deshalb verlangt Friedrich II. Achtung und Toleranz gegenüber den Juden. Zu diesen gehören auch die Schutzjuden, die mehr Rechte und Freiheiten als die „normalen“ Juden hatten. Als Schutzjuden werden die Juden bezeichnet, deren Lebensbedingungen durch einen Schutzbrief und einige Privilegien stark verbessert sind. Bestimmte Rechte und Bedingungen bei der Niederlassung, die Befreiung von einer Unzahl von Einschränkungen und Abgaben sowie bildungsmäßige und berufliche Integration war nur diesen wohlhabenden Juden möglich. Allerdings haben auch die Schutzjuden kein Staatsbürgerrecht. Der Schutzbrief kann nur an den ältesten Sohn übertragen werden. Töchter sind ganz ausgeschlossen.
[...]
1 Thomann Terwarson, Heidi, Rahel Levin Varnhagen. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Reinbek, 1988, S. 23.
2 Thomann Terwarson, Heidi a.a.O., S. 19
3 Neumann, Gerda, Große Frauen der Welt. Rahel Varnhagen. „Wer charmant geboren ist…“, Würzburg, 1980, S. 122
4 Sölle, Dorothee und Kopetzki, Annette, Frauen. Porträts aus zwei Jahrhunderten. Rahel Varnhagen, Stuttgart,1981, S. 37.
5 Thomann Tewarson a.a.O., S.27
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