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Das projizierte Selbstbild gesundheitlich belasteter und gesundheitlich unbelasteter junger Erwachsener. Eine inhaltsanalytische Auwertung projektiver Narrative

Diploma Thesis, 2002, 120 Pages
Author: Christiane Weland
Subject: Psychology - Developmental Psychology

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2002
Pages: 120
Grade: gut
Language: German
Archive No.: V5522
ISBN (E-book): 978-3-638-13368-5

File size: 864 KB


Excerpt (computer-generated)

Das projizierte Selbstbild gesundheitlich belasteter und gesundheitlich
unbelasteter junger Erwachsener.
Eine inhaltsanalytische Auswertung projektiver Narrative.

Diplomarbeit in der Abteilung
Entwicklungs- und Pädagogische Psychologie des
Psychologischen Instituts der
Rheinischen-Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

vorgelegt von
Christiane Weland

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung  ...  4

I. Einleitung ... 5

II. Theoretischer Hintergrund ... 8

II.A. Entwicklungspsychologischer Theorieteil  ... 8
II.A.1. Allgemeine Definitionen von Entwicklung mit Schwerpunkt auf dem Jungen
Erwachsenenalter  ... 8
II.A.1.1 Das wissenschaftliche Verständnis von Entwicklung  ... 8
II.A.1.2 Entwicklung im Erwachsenenalter - Unterschiedliche Gliederungsmöglichkeiten ... 9
II.A.1.3 Zu den inhaltlichen Charakteristika des jungen Erwachsenenalters ... 12
II.A.1.4 Das Konzept der Postadoleszenz  ... 13
II.A.2 Spezifische Entwicklungsbereiche im jungen Erwachsenenalter  ... 15
II.A.2.1 Das Konstrukt der Entwicklungsaufgabe  ... 15
II.A.2.1.1 Die psychosoziale Entwicklungstheorie von Erik H. Erikson ... 16
II.A.2.1.2 Die Entwicklungsaufgaben nach Robert J. Havighurst  ... 17
II.A.2.1.3 Zusammenfassende Bewertung der Modelle zu den Entwicklungsaufgaben ... 19
II.A.2.2 Die Identitätsdifferenzierung bzw. Ich-Entwicklung ... 20
II.A.2.2.1 Die Theorie der Ich-Entwicklung von Jane Loevinger (1976/1979)  ... 21
II.A.2.2.2. Empirische Resultate zur Stufenfolge der Ich-Entwicklung ... 22
II.A.2.2.3 Das Differenzierungsmodell der Identitätsveränderung bei Erwachsenen
nach Whitbourne & Weinstock (1982) ... 22
II.A.2.2.4 Empirische Resultate zum Differenzierungsmodell der Ich-Entwicklung  ... 25
II.A.2.2.5 Zusammenfassende Bewertung der Identitätsmodelle  ... 25
II.A.2.2.6 Untersuchungen zum Selbstbild  ... 27
II.A.2.3 Problembereiche, Konflikte und Krisen  ... 28
II.A.2.3.1 Die Systematisierung von Stressoren nach Compas ... 29
II.A.2.3.2 Problembereiche des Jugendalters ... 30
II.A.2.3.2 Normative und non-normative Stressoren im jungen Erwachsenenalter ... 31

II.B Gesundheitspsychologischer Theorieteil  ... 35
II.B.1 Medizinische Erläuterungen zum Diabetes mellitus ... 35
II.B.2 Psychosoziale Aspekte des Diabetes mellitus ... 37

III. Hypothesen ...  41

III.1. Entwicklungspsychologisches Anliegen  ... 42
III.1.1 Geschlechtsunterschiede  ... 42
III.1.2 Zusammenhänge mit der Entwicklung im jungen Erwachsenenalter  ... 43
III.2 Gesundheitspsychologisches Anliegen  ... 45
III.2.1 Unterschiede in Abhängigkeit des Gesundheitsstatus ... 45
III.2.2 Unterschiede in Abhängigkeit der Stoffwechselgüte  ... 47

IV. Methodenbeschreibung  ... 49

IV.1 Stichprobe  ... 49
IV.2 Eingesetztes Verfahren: Der Thematische Apperzeptionstest (TAT)  ... 50
IV.3 Das Kategoriensystem ... 57
IV.4 Durchführung  ... 66
IV.5 Beobachterübereinstimmung ... 66
IV.6 Aufbereitung der qualitativen Daten für die statistische Analyse ... 68
IV.7 Überprüfung der Fragestellungen  ... 70

V. Ergebnisteil ...  72

V.1. Ergebnisse zum entwicklungspsychologischen Anliegen  ... 72
V.1.1 Ergebnisse zu Geschlechtsunterschieden  ... 73
V.1.2 Ergebnisse der Entwicklungszusammenhänge im jungen Erwachsenenalter  ... 78
V.2 Ergebnisse zum gesundheitspsychologischen Anliegen ... 81
V.2.1 Ergebnisse zu Unterschieden in Abhängigkeit des Gesundheitsstatus ... 82
V.2.2 Sonderuntersuchung: Ergebnisse zu Unterschieden in Abhängigkeit der Stoffwechselgüte ... 91

VI. Diskussion ... 98

VI.1 Diskussion der entwicklungspsychologischen Resultate  ... 98
VI.1.1 Geschlechtsunterschiede  ... 98
VI.1.2 Alterszusammenhänge  ... 100
VI.2 Diskussion der gesundheitspsychologischen Resultate ... 101
VI.2.1 Unterschiede in Abhängigkeit des Gesundheitsstatus ... 101
VI.2.2 Diskussion der Unterschiede in Abhängigkeit der Stoffwechselgüte  ... 104
VI.3 Methodenkritik ...  106
VI.4 Ausblick .. 109

Literaturverzeichnis ...  111
Tabellenverzeichnis ... 117
Abbildungsverzeichnis  ... 118
Anhang  ... 119

Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit, die das das projizierte Selbstbild gesunder und diabetischer junger Erwachsener vergleicht, beinhaltet zwei Anliegen: Unter entwicklungspsychologischer Perspektive wird der Einfluss des Geschlechts auf die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben, auf das Selbstkonzept sowie auf den Umgang mit Problemen untersucht. Darüber hinaus werden Zusammenhänge von Entwicklung im jungen Erwachsenenalter analysiert. Unter gesundheitspsychologischem Aspekt erfolgt ein Vergleich gesunder und diabetischer Personen in Hinblick auf Entwicklungsthemen, Selbstbild und Probleme. Gesondert wird der Einfluss der Stoffwechselgüte auf das Selbstkonzept betrachtet. Zur Erfassung des projizierten Selbstbilds wurde eine transparent kolorierte Version des TAT (Kollmar, 1991) bei insgesamt 63 gesunden und diabetischen Probanden im Alter von 19 bis 24 Jahren appliziert. Die daraus entstandenen Geschichten, die das Datenmaterial der Untersuchung bilden, wurden mit einem im Rahmen der Arbeit erstellten Kategoriensystem inhaltsanalytisch ausgewertet.

Die resultierenden Ergebnisse weisen auf den Leistungsfokus männlicher Probanden im Gegensatz zum zwischenmenschlichen Interessenschwerpunkt weiblicher Personen hin. Generell scheint die Altersspanne von 19 bis 24 Jahren relativ ruhig und ohne gravierende Einschnitte zu verlaufen. Die gesundheitspsychologischen Befunde lassen darauf schließen, dass Diabetiker wesentlich häufiger mit kritischen Lebensereignissen konfrontiert werden als Gesunde, und dass eine schlechte metabolische Kontrolle die normale Lebensführung beeinträchtigt.

Bevor die gewonnenen Erkenntnisse weiterverwendet werden, z. B. als Basis für Schulungs- und Interventionsprogramme, müssten sie durch ergänzende Interviews oder biographische Fragen abgesichert werden, da in der vorliegenden Untersuchung kein Vergleich mit Verhaltensdaten gezogen wurde.

I. Einleitung

Mit der Aufgabe, sich selbst zu charakterisieren, wird der junge Mensch in der heutigen Zeit des Öfteren konfrontiert, z. B. wenn es darum geht, sich in einem Bewerbungsgespräch zu behaupten. Auf Anhieb scheint die Frage nach der eigenen Persönlichkeit recht angenehm und leicht zu beantworten, da sie von niemandem zuverlässig mit „richtig“ oder „falsch“ bewertet werden kann. Aber wie korrekt ist das Bild, welches man von sich selber zeichnet und dem Gegenüber präsentiert? Ist man dazu geneigt, sich selbst in einem Zerrspiegel zu betrachten, der die eigene Person in das von der Gesellschaft präferierte Licht rückt, oder ist die Selbstdarstellung vollständig wirklichkeitsgetreu?

Im Vergleich zu früher ergeben sich für das Individuum heute sehr viel mehr Entwicklungschancen; damit einhergehend muss auch früher Verantwortung übernommen werden, was dem Einzelnen eine zusätzliche Last aufbürdet. Nicht jeder fühlt sich durch frühe Verantwortungsübernahme beansprucht; es ist jedoch denkbar, dass Menschen die Belastung zwar verspüren, sie aber nicht thematisieren, um sich beispielsweise als außerordentlich souverän und stressresistent darzustellen.

Besonders an Diabetes erkrankte Personen beschreiben sich selbst in Interviews auffallend normal und verharmlosen scheinbar die Auswirkungen ihres Leidens, was Seiffge-Krenke et al. (1996) auf Verleugnungstendenzen und Verdrängungsmechanismen zurückführen. Wie muss ein Interviewer nun mit solchen Daten umgehen? Welche Möglichkeiten hat die fragende Person, die existierenden Verzerrungsmechanismen bei der Selbstdarstellung zu umgehen und eine möglichst realitätsnahe Antwort zu erhalten? Ein projektives, für den Probanden wenig durchschaubares Verfahren wie der Thematische Apperzeptionstest (TAT, Murray, 1943) scheint geeignet, Einblick in ein relativ unverfälschtes Selbstbild zu gewährleisten. Es wird angenommen, dass Beschönigungstendenzen im Umgang mit Problemen abgeschwächt und Einflüsse sozialer Erwünschtheit weitgehend minimiert werden. Eine identische Abbildung des „Spiegelbilds des Inneren“ der Person kann der TAT nicht garantieren, jedoch ermöglicht er eine Annäherung.

Daher wird der TAT in der vorliegenden Arbeit eingesetzt, um die Bewältigung von Entwicklungsanforderungen, Problemen und deren Auswirkungen auf das projizierte Selbstbild von gesunden und diabetischen jungen Erwachsenen zu vergleichen. Zwei Anliegen werden verfolgt: Unter entwicklungspsychologischer Perspektive werden die Einflüsse von Geschlecht und Alter auf das Selbstbild untersucht. Anschließend wird unter gesundheitspsychologischem Aspekt der Einfluss des Gesundheitsstatus auf die Lebensführung und das entstehende Selbstkonzept analysiert. Die Arbeit ist so aufgebaut, dass sich grundsätzlich alle Darstellungen zunächst auf gesunde junge Erwachsene und deren Erleben und Verhalten beschränken. Erst im Anschluss wird der non-normative Stressor des Diabetes mellitus in die Ausführungen zum jungen Erwachsenenalter aufgenommen, um die resultierenden, erkrankungsabhängigen Unterschiede zwischen den beiden Gruppen deutlicher werden zu lassen. Da die Kenntnis über die Datengewinnung Voraussetzung für das Verständnis der Untersuchung ist, wird bereits an dieser Stelle kurz das Vorgehen erläutert. Die der Arbeit zugrunde liegenden Daten wurden im Rahmen der Bonner Längsschnittstudie (vgl. Seiffge- Krenke et al., 1995a, 1998) gewonnen; das Datenmaterial besteht aus Geschichten, die die Probanden zu drei Tafeln des TAT schilderten. Diese in Sinneinheiten transkribierten Narrative wurden in Voruntersuchungen durch ein formal-inhaltliches Kategoriensystem (Kollmar, 1991; in Druck) ausgewertet und bildeten die Ausgangsdaten der vorliegenden Untersuchung.

Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Erstellung des erweiterten Kategoriensystems, mit dessen Hilfe die TAT-Geschichten differenzierter analysiert werden und einen genaueren Zugang zum gezeichneten Selbstbild junger Erwachsener eröffnen.
Die folgenden Ausführungen widmen sich dem Entwicklungsbegriff unter lebensspannenübergreifender Perspektive; der Schwerpunkt liegt hierbei auf dem jungen Erwachsenenalter und seinen allgemeinen Charakteristika. Speziell befasst sich der entwicklungspsychologische Theorieteil mit den Definitionen von Entwicklungsaufgaben, Selbstkonzept und Problemen sowie den jeweiligen Erfassungsmöglichkeiten. Im gesundheitspsychologischen Theorieteil erfolgt eine Einführung in das Krankheitsbild des Diabetes mellitus. Darüber hinaus werden psychosoziale Aspekte der Erkrankung in die Schilderungen aufgenommen. Im Hypothesenteil (Kap. III) werden die Untersuchungsfragestellungen formuliert, die sich aus dem gegenwärtigen Kenntnisstand und empirischen Befunden ableiten. Die Hypothesen werden anhand des im Methodenteil (Kap. IV) dargestellten Kategoriensystems überprüft, welches zur Auswertung der TAT-Narrative erstellt wurde. Das fünfte Kapitel veranschaulicht die Ergebnisse der mehrfaktoriellen Varianzanalysen, die zur inferenzstatistischen Absicherung der resultierenden Differenzen zwischen den Untersuchungsgruppen durchgeführt wurde. Im sich anschließenden Diskussionsteil (Kap. VI) werden die Ergebnisse interpretiert. Die Arbeit schließt mit einer kritischen Auseinandersetzung mit der Methode des TAT und einem Ausblick auf zukünftige Forschungsaufgaben.

II. Theoretischer Hintergrund

Der theoretische Hintergrund der vorliegenden Arbeit untergliedert sich in einen entwicklungspsychologischen und einen gesundheitspsychologischen Theorieteil. In der erstgenannten Hälfte werden Begriffe wie „Entwicklung“ und „Erwachsenenalter“ allgemein definiert. Darüber hinaus werden Bereiche der Entwicklung bezogen auf das Erwachsenenalter erläutert, die für den Empirieteil dieser Untersuchung von Bedeutung sind. Im gesundheitspsychologischen Teil schließen sich medizinische Ausführungen zum Krankheitsbild des Diabetes mellitus sowie Hinweise auf die Wechselwirkung zwischen der Erkrankung und den Entwicklungsanforderungen an.

II.A. Entwicklungspsychologischer Theorieteil

[...]


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