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Die Reflexion der Reformation in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Hauptseminararbeit, 2006, 24 Seiten
Autor: Matthias Widner
Fach: Geschichte - I. Weltkrieg, Weimarer Republik

Details

Veranstaltung: Die Reformation in der deutschen Kultur der Erinnerung
Institution/Hochschule: Universität Rostock (Historisches Institut)
Tags: Reflexion, Reformation, Hälfte, Jahrhunderts, Reformation, Kultur, Erinnerung
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 24
Note: 2,3
Literaturverzeichnis: ~ 16  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V55255
ISBN (E-Book): 978-3-638-50259-7
ISBN (Buch): 978-3-638-66381-6
Dateigröße: 191 KB
Anmerkungen :
Wie wurde ein bestimmter Zeitabschnitt der Historie in einem anderen Zeitraum, der weniger vergangen ist, eingeschätzt? Diese Frage, bezogen auf die kirchliche Reformation im 16. Jahrhundert und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, soll auf differenzierte Art und Weise erläutert werden.


Zusammenfassung / Abstract

Wie wurde ein bestimmter Zeitabschnitt der Historie in einem anderen Zeitraum, der weniger vergangen ist, eingeschätzt? Diese Frage, bezogen auf die kirchliche Reformation im 16. Jahrhundert und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, soll auf differenzierte Art und Weise erläutert werden. Das zwanzigste Jahrhundert wird als das „Zeitalter der Ideologien“ bezeichnet. Während sich der Imperialismus um die Jahrhundertwende vollends ideologisch ausgebildet hat, kommt es nach der Weimarer Republik in Deutschland zur Nationalsozialistischen Diktatur mit ihrer antisemitischen Rassenideologie. Die aufkommenden Fragen diesbezüglich sind der Grad der Ideologisierung im Reformationsbild, und im speziellen die Änderungen des Lutherbildes, während des Nationalsozialismus. Als Vorbereitung, beziehungsweise Hinarbeitung sollen die zwei unterschiedlichen vorhergehenden Zeitabschnitte in der deutschen Geschichte gelten. Angefangen vom deutschen Kaiserreich mit dem Eintritt in das imperialistische Wetteifern bis hin zur Weimarer Republik soll herausgearbeitet werden, in wiefern das Reformationsbild mit dem Zentrum der Lutherrezension als Vorlage für die Zeit des „Dritten Reiches“ galt und dort für die eigene staatstragende Ideologie genutzt wurde. Es wird somit versucht auf die differenzierten und stellenweise sehr konträren Meinungen über die Reformation während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit dem Schwerpunkt der nationalsozialistischen Zeit einzugehen und zu untersuchen, ob es möglich ist, Verknüpfungen zwischen der Reflexion der Reformation und der jeweils aktuellen Staatsideologie zu finden. Das Thema begründet sich gleichfalls aus der Tatsache heraus, dass sich die Verwissenschaftlichung her Historiografie erst in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts herausbildete, wobei die herrschende Gesellschaft zeitgleich anfing diesen Prozess zu nutzen, indem sie versuchte den wissenschaftlichen Diskurs in eine von ihr gewünschte Richtung zu lenken.


Textauszug (computergeneriert)

Universität Rostock, Historisches Institut
Hauptseminar : Die Reformation in der deutschen Kultur der Erinnerung
Wintersemester 2003/2004, 8. Semester

Die Reflexion der Reformation in der ersten
Hälfte des 20. Jahrhunderts

von: Matthias Widner

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinitionen  2

2.1. Reflexionsgeschichte 3
2.2. Reformation  3
2.3. Ideologie  4

3. Die Reformation im Spiegel des späten Wilhelminischen Kaiserreichs 5

3.1. Der erste Weltkrieg  7

4. Die Reformation in der Geschichtsschreibung der Weimarer Republik  9

5. Das „Bild Luthers“ und der Reformation im Nationalsozialismus  13

5.1. Das Verhältnis zwischen der NSDAP und den christlichen Konfessionen in Deutschland 13
5.2. Wissenschaftliche und theologische Sichtweisen auf Luther während des Nationalsozialismus 15
5.3. Religiös fundierter Widerstand 17

6. Schlusswort  19

7. Literatur  22

 

 

 

1. Einleitung

Wie wurde ein bestimmter Zeitabschnitt der Historie in einem anderen Zeitraum, der weniger vergangen ist, eingeschätzt? Diese Frage, bezogen auf die kirchliche Reformation im 16. Jahrhundert und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, soll auf differenzierte Art und Weise erläutert werden. Das zwanzigste Jahrhundert wird als das „Zeitalter der Ideologien“1 bezeichnet. Während sich der Imperialismus um die Jahrhundertwende vollends ideologisch ausgebildet hat, kommt es nach der Weimarer Republik in Deutschland zur Nationalsozialistischen Diktatur mit ihrer antisemitischen Rassenideologie. Die aufkommenden Fragen diesbezüglich sind der Grad der Ideologisierung im Reformationsbild, und im speziellen die Änderungen des Lutherbildes, während des Nationalsozialismus.

Als Vorbereitung, beziehungsweise Hinarbeitung sollen die zwei unterschiedlichen vorhergehenden Zeitabschnitte in der deutschen Geschichte gelten. Angefangen vom deutschen Kaiserreich mit dem Eintritt in das imperialistische Wetteifern bis hin zur Weimarer Republik soll herausgearbeitet werden, in wiefern das Reformationsbild mit dem Zentrum der Lutherrezension als Vorlage für die Zeit des „Dritten Reiches“ galt und dort für die eigene staatstragende Ideologie genutzt wurde. Es wird somit versucht auf die differenzierten und stellenweise sehr konträren Meinungen über die Reformation während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit dem Schwerpunkt der nationalsozialistischen Zeit einzugehen und zu untersuchen, ob es möglich ist, Verknüpfungen zwischen der Reflexion der Reformation und der jeweils aktuellen Staatsideologie zu finden. Das Thema begründet sich auch aus der Tatsache heraus, dass sich die Verwissenschaftlichung her Historiografie erst in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts herausbildete, wobei die Gesellschaft zeitgleich anfing diesen Prozess zu nutzen und versuchte den wissenschaftlichen Diskurs in eine gewünschte Richtung zu lenken.

2. Begriffsdefinitionen

Zum Verständnis dieser engen geschichtswissenschaftlichen Thematik ist es beginnend wichtig die drei wichtigsten Begriffe Reflexionsgeschichte, Reformation und Ideologie semantisch so genau wie möglich zu umschreiben.

2.1. Reflexionsgeschichte

Reflexionsgeschichte als geschichtswissenschaftlichen Begriff zu definieren, fällt relativ schwer. Das erste Kompositum Reflexion beinhaltet die lateinische Bedeutung „Zurückbeugung“. Im allgemeinsprachlichen Gebrauch bedeutet es „nachdenken, Überlegung, Betrachtung“. Die philosophische Definition wäre die „Zurückwendung des Denkens auf das Gedachte oder das Denken selbst“.2 Wenn man jedoch den Begriff der Reflexion mit Geschichte verbindet, lässt sich keine endgültige Definition finden. Vielmehr verbindet sich der Begriff meiner Meinung nach mit anderen: Mit der selbstkritischen Historisierung versucht die Geschichtswissenschaft im Namen der Gesellschaft alte Thesen und Ansichten zu überprüfen und im Rahmen zeitgeschichtlicher Problematisierungen zu erneuern. Für die Reflexion der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf ältere Epochen ist weiterhin der Begriff des Paradigmenmodells wichtig, welches von Rüsen wie folgt konkretisiert wurde: Der erste Punkt ist das Interesse oder das Orientierungsbedürfnis der Gegenwart. Der zweite Punkt findet sich in der Idee bzw. der leitenden Gesichtspunkte des Historikers bei der Erschließung der Vergangenheit, gefolgt von den aktuellen Regeln und Stand der empirischen Forschung und den aktuellen Formen der Darstellung. Als 5. Punkt führt er die Funktion des historischen Wissens für die Gesellschaft an.3 Zusammengefasst kann man so die Definition entwickeln, dass die Geschichte der Reflexion in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von dem Diskurs zwischen der kritischen Historisierung und dem Paradigmenmodell bestimmt wurde.

2.2. Reformation

Um die Sicht auf die Reflexion auf die Reformation in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu verstehen, wäre es von Vorteil, die geschichtliche Epoche der Reformation aus heutiger Sicht zu definieren, um gegebenenfalls eine Vergleichsbasis zu haben. Der Begriff Reformation leitet sich von der lateinischen Bedeutung für Umgestaltung und Wiederherstellung ab. Es sei der Versuch eine Gemeinschaft durch Besinnung auf ihren Ursprung zu erneuern. Im speziellen wird somit die religiöse Bewegung an der Wende vom Mittelalter zur neueren Zeit eingeleitet, in deren neue kirchlichen Gemeinschaften entstanden, die römischkatholische Kirche ihre Einheit verlor und neue religiöse Haltungen, wie der Protestantismus entstanden sind. Es wird die Verknüpfung zu der Krise des Papsttums im 14. und 15. Jahrhundert gezogen, zu dem weltlichen Herrschaftsanspruch der Renaissancepäpste, zu dem Gravamen4 und der Kritik des Humanismus an der Lebensführung des geistlichen Standes. Diese werden heute zwar als Voraussetzungen angesehen, obgleich sie nicht das komplexe Feld der Ursachen abdecken. Begünstigt wurde die Verbreitung der Reformation durch den Buchdruck, welcher exzessiv genutzt wurde, um die Gedanken der Reformatoren zu verbreiten und durch den Konflikt zwischen den, seit dem Hochmittelalter aufstrebenden, Städten und der Kirche, sowie dem erstarkten Selbstbewusstsein der Landesherren. Folglich war die Reformation ein politisch und religiös bedingter Prozess, welcher wiederum eine Voraussetzung des Kulturwandels in der frühen Neuzeit darstellte.5

2.3. Ideologie

[...]


1 Beyme, Klaus von, Politische Theorien im Zeitalter der Ideologien, Wiesbaden 2002, S.6

2 Brockhaus, F.A., Der Große Brockhaus, Band 9, Wiesbaden 1980, S. 377.

3 Lutz Raphael, Geschichtswissenschaft im Zeitalter der Extreme, München 2003, S. 13 – 15.

4 Vgl. Brockhaus, F.A., Der Große Brockhaus, Band 4, Wiesbaden 1978, S. 652: Das Wort leitet sich von dem lateinischen Begriff Gravamina ab. Es bezeichnet die Beschwerden der deutschen Nation im 15. und 16. Jahrhundert über den Klerus und die Missstände in der Kirchenverfassung. Diese Beschwerden wurden mehrmals auf kirchlichen Reformkonzilien im Vorfeld der Reformation vorgetragen, allerdings ohne nennenswerte Wirkung.

5 Brockhaus, F.A., Der Große Brockhaus, Band 9, Wiesbaden 1980, S.378.


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