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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 56 Pages
Author: Silvester Tamas
Subject: Archaeology
Details
Institution/College: http://www.uni-jena.de/ (UFG)
Tags: Gräberfeld, Niederkaina, Bautzen, Gräberfelder, Mitteleuropas
Year: 2006
Pages: 56
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-50463-8
ISBN (Book): 978-3-638-68835-2
File size: 4654 KB
Die Arbeit beschäftigt sich neben der ausführlichen Erörterung über Bestattungsformen und -riten auf der Nekropole mit der eingehenden Analyse hinsichtlich der chronologischen, demographischen und soziologischen Auswertbarkeit der Funde und Befunde.
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Abstract
Die Arbeit beschäftigt sich neben der ausführlichen Erörterung über Bestattungsformen und -riten auf der Nekropole mit der eingehenden Analyse hinsichtlich der chronologischen, demographischen und soziologischen Auswertbarkeit der Funde und Befunde.
Excerpt (computer-generated)
Friedrich-Schiller-Universität zu Jena
Institut für Ur- & Frühgeschichte
Thema: Gräberfelder der Eisenzeit in Mitteleuropa und ihre Auswertbarkeit in Bezug auf Chronologie, Soziologie und Demographie
Wintersemester 2005/2006
22. Mai 2006
Das prähistorische Gräberfeld von Niederkaina, östlich von Bautzen
Sylvester Tamás
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung ...3
II. Forschungsgeschichte und Topographie ...5
III. Das Gräberfeld – ein Überblick ...6
IV. Bestattungsform und -ritus der nachgewiesenen Kulturstufen in Niederkaina ...8
V. Aussagen zur Chronologie ...20
VI. Aussagen zur Soziologie 20
a) Aussagen über anthropologische Aspekte im archäologischen Kontext ...26
VII. Aussagen zur Demographie und zur Kontinuität in der Benutzung des Bestattungsplatzes ...30
VIII. Verteilung der Gräber auf die Zeitstufen (Übersicht) ...33
IX. Exkurs zu Chronologie, soziologischen und demographischen Aussagen nach B u c k (1988) ...33
X. Literatur ...35
XI. Abbildungen ...36
XII. Abbildungsverzeichnis ...56
I. Einleitung
Im Rahmen eines Hauptseminars am Institut für Ur- & Frühgeschichte an der Friedrich-Schiller-Universität zu Jena stand die Untersuchung einiger ausgewählter Gräberfelder der Eisenzeit auf dem Gebiet Mitteleuropas im Mittelpunkt der Betrachtung. Im Zentrum der wissenschaftlichen Darstellung sollte dabei die Auswertbarkeit hinsichtlich möglicher Aussagen über Chronologie, Soziologie und Demographie geprüft und abschließend in einem Referat und einer umfangreichen Hausarbeit erörtert werden. Die Grundlage für eine ausführliche Analyse bildete die erschöpfende Literatur und die bereitstehenden Grabungspublikationen. Eine kritische Betrachtung konnte letztlich – auch aus Gründen der recht knapp bemessenen Zeit – nur aus dem zur Verfügung stehenden schriftlichen Material der Ausgräber und Bearbeiter selbst, also ohne eigene Einsicht in das Fund- und Befundmaterial, gewonnen werden. Je nach den unterschiedlichen Methoden der Ausgräber und der Bearbeiter – die sicher auch durch die spezifischen Nöte der Zeit geprägt waren – gelang es unterschiedliche, teils nur recht unbefriedigende Aussagen zu machen. Die Schwierigkeiten lagen vor allem darin, dass gerade die wichtige anthropologische Bestimmung der Bestattungen, durch den recht unterschiedlichen Erhaltungsgrad, größten Teils unmöglich war oder die naturwissenschaftlichen Untersuchungsmöglichkeiten in Abhängigkeit des technischen Fortschrittes der Zeit noch keine zufriedenstellenden Resultate ergeben konnten. Ein essentielles Manko also, auf der Jagd nach Klärungsversuchen um die demographische Zusammensetzung damalig bestandener Populationen. Hinzu tritt der vieldiskutierte Unsicherheitsfaktor, der sich aus dem Fehlen bestimmter Bevölkerungsteile auf verschiedenen Gräberfeldern immer wieder augenfällig herausstellt. Häufig sind es gerade Kinderbestattungen die sich nicht oder nur schwerlich nachweisen lassen, obwohl die Geburten- bzw. Kindersterblichkeitsrate für die vorgeschichtlichen Epochen in der Literatur nicht selten mit einem hohen Prozentsatz von bis zu 35% angegeben wird. Da dieser Prozentwert allerdings ein recht unscharfer Filter für die Erzielung demographischer Ergebnisse ist und häufig einer zusätzlichen subjektiven Manipulation in der Anwendung unterliegt, sollte die wissenschaftliche Untersuchung der Gräberfelder vorerst darauf abzielen, das real v o r h a n d e Datenmaterial zusammenzutragen, um eine aussagefähige Sterbetafel zu erstellen. In dieser Sterbetafel gelingt es letztlich, das w i r k l i c h auswertbare Material überblicksmäßig zu veranschaulichen, Sterbewahrscheinlich- und Sterbehäufigkeit für die Intervallzeiträume wiederzugeben und die Anzahl „gleichzeitig“ Lebender im Intervallzeitraum anzugeben. Den Populationsanteil, der sich schlussendlich nicht aus dem Gräberfeldbefund herauskristallisieren lässt – den es aber in der Realität sicherlich gegeben haben mag, muss man konsequent ausblenden. Wissen wir doch, dass es z.B. im Kerngebiet der Jastorfkultur Gräberfelder gab, die eine geschlechterspezifische Belegung klar und deutlich aufzeigen und damit einen Bevölkerungsteil komplett aus der Quelle „Gräberfeld“ verbannt. So sind zum Beispiel Bestattungen weiblicher Individuen innerhalb der so genannten „germanischen Waffengräber“ nicht, geschweige denn selten nachgewiesen.
Ein ähnliches Problem besteht für die Gräberfelder hinsichtlich der Auswertung einer sozialen Differenzierung. Auf vielen hallstatt- bzw. latènezeitlichen Nekropolen gelingt die Herausstellung einer vielschichtigen Bestattungsweise mit gut differenzierbarem Beigabenbrauchtum, wohingegen die fast schon monoton anmutende Homogenität der jastorfzeitlichen Brandbestattungen im diametralem Gegensatz dazu stehen, und hier nur selten eine soziale Differenzierung anhand von Beigaben innerhalb der bestattenden Gemeinschaft gelingt.
Anders verhält es sich mit der relativ-chronologischen Auswertung des aus den Grabungen gewonnenen Fundus. Je nach Fundlage und -gattung lassen sich Metall- und Keramikfunde gut in bestehende Chronologieschemata einhängen und im günstigsten Fall horizontalstratigraphisch interpretieren. Aus einer solchen Interpretation ließen sich schließlich die Struktur und die Belegung prähistorischer Nekropolen ableiten. Systematisch angelegte bzw. genutzte Belegungsareale auf den Gräberfeldern der Eisenzeit lassen darüber hinaus häufig „Gruppen“ erkennen, die von einem wie auch immer sozial gearteten Verband immer wieder aufgesucht worden sind. Nicht selten ließen sich Belegungskontinuitäten auf einigen Friedhöfen nachweisen, die teilweise vom Neolithikum bis zur frühen Eisenzeit reichen und mit Unterbrechung später wieder-/weiterbenutzt wurden. Eben eine solche Kontinuität steht als Nachweis für eine traditionsbewusste Bestattungsgemeinschaft, die wenn wir sie nicht ethnisch deuten, doch im Kontext eines damalig bestandenen Kulturkreises zu verstehen ist.
In nachfolgenden Ausführungen sei nun der Versuch unternommen, mit Hilfe der angegebenen Publikationen den derzeitigen Forschungsstand zur prähistorischen Niederkainaer Nekropole vom Schafberg zu beurteilen und hinsichtlich der erwähnten Problemstellungen auszuwerten.
II. Forschungsgeschichte und Topographie (Abb. 1, Nr. 25-26)
Das Gräberfeld von Niederkaina (Lkr. Bautzen) liegt unmittelbar südlich des eponymen Ortes, auf der Kuppe des so genannten „Schafberges“, welche auf 201,6 m über NN liegt und die Oberlausitzer Gefilde östlich von Bautzen dominiert. Der Schafberg (Abb. 2 und 3) besteht aus fluvialem Sand und Kies und erstreckt sich etwa 1 km von Niederkaina bis zum südlich davon gelegenen Örtchen Nadelwitz und beläuft sich auf eine von Südwest-Nordost ziehende Fläche von 2,5 x 1,5 km. Durch die geologischen Bedingungen ist eine Beschreitung dieser Höhe – trockenen Fußes – nur über einen 700 m breiten Korridor vom Südosten her möglich.
Erste Fundbergungen wurden schon seit 1820 dokumentiert. Zwischen 1948 und 1950 fanden erste Rettungsgrabungen durch das Bautzener Museum in der Nähe des Gräberfeldes statt; es waren hier vor allem die in den letzten Kriegsjahren ausgehobenen Schützengräben1, die „hervorragend erhaltene“2 Gräber in den Äckern nördlich der Sandgrube Nadelwitz/Niederkaina erbrachten. Die Ausdehnung des laufenden Sandgrubenabbaus bedrohte letztlich das Gräberfeld und lieferte den Anlass für systematische Rettungsgrabungen durch E. Schmidt und W. Coblenz seit 1950 bis 1970; dabei wurden etwa 2000 Grabkomplexe auf einer ca. 2000 qm großen Fläche erschlossen. Eine Vielzahl der ausgemachten Gräber war allerdings gestört und teilweise älter beraubt3.
[...]
1 K a i s e r (2003), S. 40, der Niederkainaer Schafberg war besonders in den letzten Kriegstagen des II. Weltkrieges schwer umkämpft: „Soldaten berichteten von Schützengräben, MG-Nestern und zahlreichen Granateinschlägen.“
2 C o b l e n z / N e b e l s i c k (1997), S. 11.
3 C o b l e n z / N e b e l s i c k (1997), S. 11, die ist besonders für den urnenfelderzeitlichen Kern des Friedhofs zu beobachten, da dieser Teil auf der erhöhten Kuppe gelegen, der Beackerung, der Erosion und der seit 1826 stattfindenden Beraubung zum Opfer fiel.
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18.12.2006 14:41:10
unmögliche Sache