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Von Pizzas zu Pizzen oder von Pizzen zu Pizzas? Schwankende Pluralformen im Zusammenhang mit der morphologischen Integration von Fremdwörtern ins Deutsche.

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 20 Pages
Author: Gaby Grünsfelder
Subject: German Studies - Linguistics

Details

Event: Hauptseminar: Zweifelsfälle der deutschen Sprache und ihre diachrone Begründung
Institution/College: Johannes Gutenberg University Mainz (Deutsches Institut)
Tags: Pizzas, Pizzen, Pizzas, Schwankende, Pluralformen, Zusammenhang, Integration, Fremdwörtern, Deutsche, Hauptseminar, Zweifelsfälle, Sprache, Begründung
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 20
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V55739
ISBN (E-book): 978-3-638-50615-1

File size: 223 KB


Excerpt (computer-generated)

Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Deutsches Institut
Hauptseminar: Zweifelsfälle der deutschen
Sprache und ihre diachrone Begründung

Von Pizzas zu Pizzen oder von Pizzen zu Pizzas?
Schwankende Pluralformen im Zusammenhang mit
der morphologischen Integration von
Fremdwörtern ins Deutsche

von: Gaby Grünsfelder

 


1. Einführung  3

2. Die diachrone Entwicklung des -s-Plurals 4

3. Die heutige Verwendung des -s-Plurals 5

4. Die morphologische Integration von Fremdwörtern ins Deutsche 6

4.1 Der morphologische Assimilationsprozess von Fremdwörtern ins Deutsche erfolgt in zwei Schritten 6
4.2 Die Eigenschaften und Vorteile des -s-Plurals  8
4.3 Das Zustandekommen der Doppelformen in Zusammenhang mit der Optimalitätstheorie  10
4.4 Konsequenzen verschiedener Beschränkungshierarchien am Beispiel der Pluralformen Pizzas vs. Pizzen 11

5. Von Pizzas zu Pizzen oder von Pizzen zu Pizzas?  13

6. Korpusrecherche 15

7. Zusammenfassung und Auswertung 17

8. Literaturverzeichnis 19

9. Anhang  20

 



 

1. Einführung

Für die Pluralbildung stehen im Deutschen verschiedene Marker zur Verfügung; Artikel, Suffixe und Umlaute. Trotz dieser vielen unterschiedlichen Pluralmarker hat in den letzten Jahren besonders die Zahl der Paradigmen mit -s-Plural im Deutschen stark zugenommen (Bornschein 1987: 136); mehr noch: obwohl der -s- Plural lange Zeit als sehr ungebildet galt (Bornschein 1987: 137), wird er nun als Bestandteil des zentralen Systems des Deutschen (Bornschein 1987: 136) angesehen. Da verwundert es nicht, wenn man immer wieder auf die Meinung stößt, dass andere Pluralformen zugunsten des -s-Plurals zurückgedrängt werden (z.B. Wurzel (22001)). Ob dies wirklich der Fall ist, wird diese Seminararbeit untersuchen.

Betrachtet man die Pluralformen einiger Fremdwörter, so stößt man außerdem auf Doppelformen und Zweifelsfälle; beispielsweise auf die schwankenden Pluralformen der Wörter Pizza (Pizzas vs. Pizzen), Konto (Kontos vs. Konten) oder Sauna (Saunas vs. Saunen). Hierbei ist auffällig, dass es generell eine Gruppe von Wörtern zu geben scheint, deren Pluralformen zwischen einer Form mit -s und einer mit -schwa (-e, -en, -er, usw.) schwanken. Um dieses Phänomen zu beschreiben und mögliche Ursachen zu klären, müssen nicht nur die Wörter jener Gruppe genauer untersucht werden, sondern auch der generelle Status des -s-Plurals im Deutschen und der Ablauf der morphologischen Integration von Fremdwörtern ins Deutsche mit einbezogen werden. Diese Seminararbeit wird sich mit alldem beschäftigen und dabei einen besonderen Schwerpunkt auf die diesbezüglichen Erklärungen Wegeners zur Optimalitätstheorie legen. Darüber hinaus wird sie versuchen, die aufgestellten Thesen und vorgestellten Theorien anhand von Korpusrecherchen zu überprüfen bzw. zu bestätigen.

2. Die diachrone Entwicklung des -s-Plurals

Es gibt verschiedene Theorien bezüglich der Herkunft des Plural-s. Im dtv-Atlas Deutsche Sprache (131994: 111) ist nachzulesen, dass das -s als Pluralendung im Deutschen seinen Ursprung in der Übernahme englischer, französischer und niederdeutscher Wörter ins Hochdeutsche findet. Laut Bornschein (1987: 136, 138) tritt das Plural-s besonders oft in niederdeutschen Dialekten auf, die in Norddeutschland gesprochen wurden, und stammt vermutlich (wie im Niederländischen und im Englischen) aus dem Altsächsischen. Einige dieser Wörter wurden aus den niederdeutschen Mundarten in die Hochsprache übernommen und haben den -s-Plural beibehalten (Docks, Wracks, Jungs,...) (Bornschein 1987: 137).

In der Hochsprache kommt der -s-Plural schon sehr lange z.B. bei Onomatopoetika (Wauwaus, Kuckucks), Interjektionen und interjektionsartigen Ausdrücken (Achs, Ohs) und bei den Buchstaben des Alphabets (A’s, B’s) vor (Bornschein 1987: 137). Bornschein (1987: 137) erklärt, dass die Pluralbildung auf -s sich schon sehr häufig im 18.Jh. bei Entlehnungen aus dem Französischen findet, wobei einige der entlehnten Wörter das Plural-s behalten (Balkons, Hotels, Omeletts), andere dagegen im Laufe der Zeit eine andere Pluralendung annehmen (Generals > Generäle; Kompliments > Komplimente). Auch die seit dem 19.Jh. vermehrt aus dem Englischen entlehnten Wörter behalten häufig das Plural-s (Jobs, Hits,…) (Bornschein 1987: 137).

Trotz des häufigen Vorkommens des Plural-s bei entlehnten Wörtern wehrt Bornschein (1987: 137) sich - im Gegensatz zu vielen anderen Sprachwissenschaftlern - jedoch dagegen, den Ursprung des Plural-s außerhalb des Deutschen, so z.B. im Französischen, zu sehen (Bornschein 1987: 137). Köpcke (1993: 153) argumentiert hierzu, dass Pluralbildungen mit -s im Deutschen schon existierten, bevor innerhalb der letzten 250 Jahre Wörter aus dem Englischen und Französischen entlehnt wurden. Generell ist festzuhalten, dass das Plural-s lange Zeit als ungebildet galt und daher - gerade in gebildeten Schichten - verpönt war. (Bornschein 1987: 137). Im vorletzten Jahrhundert hat es sich dennoch in der Hochsprache etabliert, und bis heute wurden die Vorurteile gegenüber dem -s-Plural immer weiter abgebaut, so dass er sich im Deutschen weitgehend etabliert hat und bei einer ganzen Reihe von Substantiven von praktisch allen Sprechern des Deutschen benutzt wird.

3. Die heutige Verwendung des -s-Plurals

[...]


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