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Die 'Times' zu den Ereignissen in und um Paris zwischen Beginn der Bombardierung und Niederschlagung der Commune (1870/71)

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 27 Pages
Author: Folko Damm
Subject: History - Empire, Imperialism

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 27
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 11  Entries
Language: German
Archive No.: V55788
ISBN (E-book): 978-3-638-50649-6

File size: 250 KB


Excerpt (computer-generated)

Technische Universität Braunschweig, Abteilung Neuere Geschichte
Hauptseminar: Kriegsdeutungen vom 18. zum 20. Jahrhundert
Fachsemester: 3, WS 2005/06

Die ′Times′ zu den Ereignissen in und um Paris zwischen
Beginn der Bombardierung und Niederschlagung
der Commune (1870/71)

von: Folko Damm

 


INHALTSVERZEICHNIS

1.) Einleitung Seite 2

2.) Historischer Kontext Seite 3

2.1) Das Bombardement von Paris Seite 3
2.2) Die Entwicklung nach dem Waffenstillstand und den Februarwahlen Seite 4
2.3) Die Pariser Commune von der Entstehung bis zur Niederschlagung Seite 5

3.) Die Berichterstattung der Times Seite 7

3.1) Quellenkritik Seite 7
3.2) Analyse ausgewählter Artikel: Tendenzen und Bewertungen der Times Seite 8

3.2.1) „Paris has fought nobly; still more nobly has it endured; […]”: Die Times zum Bombardement von Paris Seite 8
3.2.2) „[…] Paris did not give in one hour too soon.”: Die Times zur Kapitulation und dem anschließendem Waffenstillstand Seite 11
3.2.3) „It used to be said that Paris was France, […]”: Die Times zu den Februarwahlen und ihren Folgen Seite 13
3.2.4) „Illegal in their origin, frandulent in their execution, tainted with violence and deception [...]“: Die Times zur Pariser Commune Seite 17
3.2.5) „[...] it was holy enough to justify all their deeds [...]“: Die Times im Zeitraum der Niederschlagung der Commune Seite 22

4.) Schlussbetrachtung Seite 24

Auswahlbibliographie




 

1.) Einleitung:

Das Bombardement durch die Preußen im Januar und der Bürgerkrieg mit der Niederschlagung der Commune von April bis Mai 1871 markieren zwei elementare Ereignisse in und um Paris gegen Ende und in der Folgezeit des Deutsch-französischen Krieges 1870/71. Der Waffenstillstand im Januar, die Wahlen zur neuen Nationalversammlung mit anschließender Regierungsbildung im Februar sowie die Entstehung der Commune im März stehen unmittelbar im Zusammenhang mit den militärischen Konflikten, die zuerst zwischen Frankreich und Deutschland beziehungsweise Preußen und schließlich unter den Franzosen selbst ausgetragen wurden. Die europäische Öffentlichkeit wurde über die Pariser Entwicklungen unterrichtet von Kriegsberichterstattern, von denen vor allem die englischen als kompetent galten und eine hohe Reputation besaßen.1 Großen Anteil an der Verbreitung von Informationen aus dem französischen Kriegsgebiet hatte damals The London Times, die größte Tageszeitung Englands. Diese Arbeit untersucht, inwieweit sich an der Berichterstattung der Times Parteinahmen für die Gegner, namentlich Frankreich oder Preußen beziehungsweise die französische Regierung oder die Pariser Commune, feststellen lassen und ob die Berichte Tendenzen bezüglich der Konfliktlegitimierung aufweisen. Dafür werden Artikel aus dem Zeitraum zwischen dem 9. Januar und dem 29. Mai 1871 konsultiert, die dem Times Digital Archive entstammen. Bei der Auswertung liegt der Schwerpunkt auf den Leitartikeln und Editorials.

Die Vorgehensweise orientiert sich an der Chronologie der Ereignisse. Nach dem historischen Kontext werden die Positionen der Times in Form von Thesen präsentiert und anhand von ausgewählten Textstellen erörtert. Die Darstellung folgt der Leitthese, dass die Times keine Parteinahme tätigt, bis das Pariser Ergebnis der Februarwahlen zur Nationalversammlung das revolutionäre Potenzial der radikalen Republikaner erkennen lässt. Bei der Bearbeitung des Themas hat sich neben den Times-Artikeln folgende Sekundärliteratur als wichtig erwiesen: Anno 70/71 von Franz Herre, Frankreich im Zeitalter des Imperialismus 1851-1918 von François Caron sowie Die Pariser Kommune von 1871, herausgegeben von Jean Bruhat u.a.

2.) Historischer Kontext

2.1) Das Bombardement von Paris:

Die entscheidende Entwicklung bis zur Beschießung Paris’ durch die Preußen nahm ihren Ausgang gut zwei Wochen nach dem Erfolg über die französische Armee bei Sedan und der Gefangennahme Napoleons III., als sich der Belagerungsring um die Hauptstadt am 19. September 1870 schloss. Fortan organisierte die nach der Absetzung Napoleons entstandene republikanische Regierung der Nationalen Verteidigung unter der Führung von Léon Gambetta mit Hilfe der mobilisierten Zivilbevölkerung den Volkskrieg, den die preußischen Truppen nach anfänglichen Niederlagen jedoch für sich entscheiden konnten.2

Allerdings entstand in der preußischen Führungsspitze Uneinigkeit über die Vorgehensweise zur Beendigung des Krieges. Otto Fürst von Bismarck strebte die Beschießung und anschließende Eroberung Paris’ an, während ein Großteil der Generalität, allen voran Stabschef General von Moltke, für Belagerung und Aushungerung der Stadt plädierte. Nach Auseinandersetzungen über die Taktik behauptete Bismarck seine Variante; König Wilhelm I., der das Oberkommando innehatte, fällte Ende Dezember den Beschluss zum Bombardement von Paris.3 Nach anfänglichem Beschuss der Außenbezirke Ende Dezember begann das Bombardement der Stadt am 5. Januar 1871 auf dem Plateau von Châtillon mit dem Ziel Pariser Süden.4 Insgesamt drei Wochen, bis in die Nacht vom 26. auf den 27. Januar, dauerte das Bombardement, bevor am 28. Januar der Waffenstillstand (siehe Kapitel 2.2) in Kraft trat.5 Über das Ausmaß der Beschießung macht Franz Herre folgende Angaben: „In drei Wochen verfeuerten sie [die Deutschen] 12 000 Granaten; 5 000 davon erreichten die Stadt. Sie verursachten dreißig Brände und beschädigten 1 400 Gebäude. Immerhin töteten sie 97 Menschen und verwundeten 278.“6

2.2) Die Entwicklung nach dem Waffenstillstand und den Februarwahlen:

Bereits seit Mitte September 1870 hatte es auf Initiative der Regierung der Nationalen Verteidigung, zu der auch der gemäßigte Republikaner und friedenswillige Außenminister Jules Favre gehörte, erste Annäherungsversuche an Preußen in punkto Waffenstillstand gegeben. Als französischer Unterhändler traf Adolphe Thiers mit Bismarck Anfang November in Versailles zusammen, um über die Bedingungen eines etwaigen Abkommens zu beraten. Die Verhandlungen scheiterten jedoch, woraufhin die Regierung mit der Proklamation der leveé en masse als Reaktion buchstäblich in die Offensive ging.7 Die Effekte der Belagerung, die in Paris einen Versorgungsmangel und eine Hungersnot nach sich zog, und des Bombardements veränderten die Lage schließlich dahingehend, dass Favre und Bismarck ab dem 24. Januar Waffenstillstandsverhandlungen führten und vier Tage später zu einem erfolgreichen Abschluss kamen. Neben der Pariser Kapitulation einigte man sich auf eine Frist von drei Wochen, in der Wahlen zu einer Nationalversammlung, die den späteren Friedensschluss aushandeln und ratifizieren sollte, stattzufinden hatten.8

[...]


1 Mehrkens, Heidi: Medienvertreter: Deutsch-französischer Krieg 1870/71, in: Daniel, Ute u.a. (Hrsg.): Frankreich und Deutschland im Krieg (18.-20. Jahrhundert), Düsseldorf/Braunschweig 2001-2004, S. 244 f.

2 Vgl. Nipperdey, Thomas: Deutsche Geschichte, Zweiter Band: Machtstaat vor der Demokratie, München 1992, S. 64.

3 Vgl. ebd., S. 65 f.

4 Vgl. Herre, Franz: Anno 70/71, Köln/Berlin 1970, S. 154.

5 Vgl. ebd., S. 186.

6 Ebd., S. 158.

7 Vgl. Caron, François: Frankreich im Zeitalter des Imperialismus 1851-1918, Stuttgart 1991, S. 231.

8 Ebd., S. 235.


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