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Hauptseminararbeit, 2005, 22 Seiten
Autor: M.A. Jan Küver
Fach: Ethnologie / Volkskunde
Details
Institution/Hochschule: Georg-August-Universität Göttingen (Institut für Ethnologie)
Tags: Globalisierung, Hybridbildung, Hegemonie, Wandel, Kulturbegriffs, Hauptseminar, Debatten, Kulturbegriff
Jahr: 2005
Seiten: 22
Note: 1.3
Literaturverzeichnis: ~ 9 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-50704-2
ISBN (Buch): 978-3-638-66417-2
Dateigröße: 143 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Die Erfassung, Definition und Deutung des Prozesses der Globalisierung mit einhergehender kultureller Vermischung und Hybridbildung ist einer der dominanten Diskurse und größten Herausforderungen der zeitgenössischen theoretischen Wissenschaft, er durchzieht verschiedenste Disziplinen in unterschiedlicher Ausgestaltung. Im postkolonialen Zeitalter der technologischen Hochentwicklung hat sich der Prozess der Loslösung von räumlichen Bindungen radikal beschleunigt, regionale Entwicklungen lösen globale Wechselwirkungen aus und weltweite Migration, findet in zuvor nie gekanntem Ausmaß statt. Die genannten Prozesse führen eindeutig feststellbar zu Veränderungen der Konstitution von Gesellschaften und somit der Referenzsysteme, anhand derer die einzelnen Individuen ihre Identität ausbilden. Diese Veränderungen sind das Hauptaugenmerk der Sozial- und Gesellschaftswissenschaften bei der Analyse von Globalisierung, sowie auch die Frage, ob alternativ eine globale Gesellschaft als Referenzsystem für alle entsteht. Bis ins Zeitalter der Moderne mit der Hochzeit des Nationalstaates und auch noch heute war und ist sowohl die kollektive Identität einer Gesellschaft, als auch die individuelle, welche sich am Kollektiv ausrichtet, immer verbunden mit einer territorialen Zuordnung von Heimat und Herkunft. Auch werden bis heute weitere essentielle Kriterien der Zugehörigkeit definiert und reproduziert, wie ethnische Zugehörigkeit anhand von Körpermerkmalen und Sprache oder auch typische Sitten und Gebräuche, nach denen Individuen als Gesellschaftsmitglieder oder nicht eingeordnet werden. Eine solche Konstruktion schließt immer auch eine Definition dessen mit ein, was eben nicht dazugehört, also „anders“ ist. In der postkolonialen Gesellschaft scheint eine derartige Selbstkonstruktion anhand von Abgleichung vermeintlich essentieller Merkmale nicht mehr möglich zu sein, oder zumindest greifen die herkömmlichen Unterscheidungskategorien nicht mehr. Die vorliegende Arbeit versucht anhand des Werkes einiger ausgewählter Autoren, die diskursiven globalen Machtstrukturen nachzuzeichen, sowie die Anzeichen ihrer Auflösung. Darüber hinaus werden alternative Modelle individueller und kollektiver Identifikation vorgestellt.
Textauszug (computergeneriert)
Georg-August-Universität Göttingen
Institut für Ethnologie
Hauptseminar:
Umstrittene Kultur:
Debatten zum Kulturbegriff
Globalisierung, Hybridbildung und Hegemonie –
Der Wandel des Kulturbegriffs
eingereicht von:
Jan Küver
Wintersemester 2004/2005
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 2
2. Begriffliche Ausgangslage ... 3
3. Jan Nederveen Pieterse: Hybridität als globale Melange ... 4
Der Autor und sein Hybridbegriff ... 4
Beispiele der Hybridbildung ... 5
Globalisierung und Hegemonie ... 7
Kritik ... 8
4. Hybridbildung als Kategorie des politischen Widerstands ... 9
Von der Postmoderne zum Postkolonialen Diskurs ... 9
Der Westen und der Rest ... 10
Das hybride Subjekt und die Funktion der Hybridbildung ... 14
Kritik der Postkolonialen Theorie 1... 6
5. Zusammenfassung, Ausblick und persönliche Reflektion ... 17
Hybridität als Projekt der Zukunft ... 17
Persönliche Stellungnahme und Bewertung ... 19
6. Literatur ... 21
1. Einleitung
Die Erfassung, Definition und Deutung des Prozesses der Globalisierung mit einhergehender kultureller Vermischung und Hybridbildung ist einer der dominanten Diskurse und größten Herausforderungen der zeitgenössischen theoretischen Wissenschaft, er durchzieht verschiedenste Disziplinen in unterschiedlicher Ausgestaltung. Im postkolonialen Zeitalter der technologischen Hochentwicklung hat sich der Prozess der Loslösung von räumlichen Bindungen radikal beschleunigt, regionale Entwicklungen lösen globale Wechselwirkungen aus und weltweite Migration findet in zuvor nie gekanntem Ausmaß statt. Heutzutage kann fast ohne Zeitverzögerung global kommuniziert werden, Wirtschaftsunternehmen können ohne nationalstaatliche Beschränkungen expandieren und institutionelle Netzwerke verschiedener Interessensausrichtung gewinnen an Macht als Alternative zu den nationalen Regierungen.
Die genannten Prozesse führen eindeutig feststellbar zu Veränderungen der Konstitution von
Gesellschaften und somit der Referenzsysteme, anhand derer die einzelnen Individuen ihre Identität ausbilden. Diese Veränderungen sind das Hauptaugenmerk der Sozial- und Gesellschaftswissenschaften bei der Analyse von Globalisierung, sowie auch die Frage, ob alternativ eine globale Gesellschaft als Referenzsystem für alle entsteht. Bis ins Zeitalter der Moderne mit der Hochzeit des Nationalstaates und auch noch heute war und ist sowohl die kollektive Identität einer Gesellschaft, als auch die individuelle, welche sich am Kollektiv ausrichtet, immer verbunden mit einer territorialen Zuordnung von Heimat und Herkunft. Auch werden bis heute weitere essentielle Kriterien der Zugehörigkeit definiert und reproduziert, wie ethnische Zugehörigkeit anhand von Körpermerkmalen und Sprache oder auch typische Sitten und Gebräuche, nach denen Individuen als Gesellschaftsmitglieder oder nicht eingeordnet werden. Eine solche Konstruktion schließt immer auch eine Definition dessen mit ein, was eben nicht dazugehört, also „anders“ ist. In der postkolonialen Gesellschaft scheint eine derartige Selbstkonstruktion anhand von Abgleichung vermeintlich essentieller Merkmale nicht mehr möglich zu sein, oder zumindest greifen die herkömmlichen Unterscheidungskategorien nicht mehr.
Die gesellschaftswissenschaftliche Theorie ist aufgrund dieses Wandels gezwungen, zunächst einmal die Machtkonstellationen zu untersuchen, die jenen genannten Selbstunterscheidungskatalog hervorgebracht haben. Aus welchen Gründen haben sich bestimmte Interessensformationen durchgesetzt und inwieweit zeigt sich ihre Dominanz gegenüber anderen. Weiterhin ist es Aufgabe der Wissenschaft, den neuen globalenGegebenheiten angemessene Alternativen aufzuzeigen zu diesem überkommenen Modell, wie könnte gesellschaftliche und individuelle Identitätskonstruktion heute stattdessen aussehen, und alte hegemoniale Strukturen aufgebrochen werden. Im vorliegenden Aufsatz soll der derzeitige Diskurs zu Hybridbildung und Globalisierung anhand einiger ausgewählter Autoren vorgestellt werden, welche unterschiedlichen Richtungen und Perspektiven er bietet. Auch der in diesem Zusammenhang immens wichtige Postkolonialismus als theoretischer Ansatz soll erläutert werden bzw. dessen Weiterentwicklung von und Abgrenzung zur Theorie der Postmoderne.
2. Begriffliche Ausgangslage
Bevor wir die theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema genauer analysieren, ist es notwendig, die Terminologie des Untersuchungsgegenstandes einzugrenzen. Globalisierung lässt sich auf den einfachsten Nenner gebracht als Intensivierung weltweiter Beziehungen jeglicher Art und durch erhöhte Mobilität zunehmende Loslösung der Menschen von räumlichen Territorien beschreiben. Für den Begriff der kulturellen Hybridbildung lassen sich grob zwei unterschiedliche Betrachtungsansätze herauskristallisieren: 1. Hybridität als Vermischung von Kulturen. Der Begriff ist angelehnt an eine Kategorie aus der Biologie, welche die Verschmelzung von ursprünglich abgetrennten Einheiten bezeichnet. In der Sozialtheorie hat er sich in der Übertragung auf die Vermischung von Kulturen bzw. deren Elementen etabliert, der Diskurs über den Prozess der kulturellen Hybridisierung hat spätestens seit Mitte der Neunziger Jahre große Bedeutung innerhalb dieser Disziplin erlangt.
Im Zuge dieses Diskurses haben sich weitere Begriffe zur Beschreibung kultureller Vermischung herausgebildet, wie die an das historische Beispiel der Karibik und Lateinamerikas angelehnte Bezeichnung Kreolisierung oder das englische Wort Crossover. In der intellektuellen Debatte hat der Begriff Hybrid jedoch das größte Gewicht. Rowe und Schelling definieren kulturelle Hybridbildung als „Prozess, in dem sich Sitten, Gebräuche und Praktiken voneinander und aus ihrem Bedeutungszusammenhang lösen und sich mit anderen Elementen neu zusammensetzen, um einen neuen Bedeutungszusammenhang zu repräsentieren.“(nach Nederveen Pieterse 1998:94)
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