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Lesson Plan, 2003, 43 Pages
Author: Johannes Mattes
Subject: German Studies - Didactics
Details
Tags: Unterrichtseinheit, Goethes, Reise, Italien
Year: 2003
Pages: 43
Grade: 1,00
Bibliography: ~ 19 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-50728-8
File size: 1368 KB
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Excerpt (computer-generated)
Unterrichtseinheit zu Goethes Reise nach Italien
von: Johannes Mattes
SS 2003
Inhaltsverzeichnis
1 Prolegomena 3
2 Zur Einführung 4
2.1 Didaktische Bedingungen 4
2.2 Goethe in der Schule – Zum Problem der Kanonisierung 5
3 Mittelfristige Planung 6
3.1 Dauer der Unterrichtsfrequenz und Thema 6
3.2 Unterrichtsplanung und Lernbereiche 8
3.3 Unterrichtsmittel und -organisation 10
3.4 Didaktische Analyse 12
4 Gestaltung einer Unterrichtseinheit 13
4.1 Thema/Stoff und Inhaltsstruktur 13
4.2 Lernziele 15
4.3 Unterrichtsphasen 16
4.4 Unterrichtsorganisation und –mittel 16
4.5 Sonstige Didaktische Überlegungen 19
5 Nachwort 21
6 Bibliographie 22
7 Anhang 24
1 Prolegomena
Der Gedanke zu Goethes Reise nach Italien eine Unterrichtseinheit auszuarbeiten, erschien mir erstmals in Weimar, wo ich während den Osterferien dieses Jahres einige Tage meinen Urlaub verbrachte. Als Schlüsselerlebnis ist mir eine nach der Besichtigung des Wohnhauses Goethes am Frauenplan unternommene Wanderung auf den Ethersberg in Erinnerung geblieben. Während des dortigen Besuchs der Gedenkstätte Buchenwald erfuhr ich eine Revision meines Klassiker-Verständnisses. Die Weimarer Epoche als Initiator des kulturellen Sendungs- und Identitätsbewusstseins der Deutschen1 schuf den Grundstein für den radikalen bürgerlichen Nationalismus, der sich ab der Märzrevolution des Jahres 1848 von den Leitideen des Liberalismus verabschiedet über den ganzen Kontinent legte. Noch die in den Straßen allseits gegenwärtigen Plakate wie „Auch Goethe hat hier schon gezecht!“ im Hinterkopf machte ich mich an die Dekonstruktion des Mythos „Goethe“2.
Die „Italienische Reise“ als postum veröffentlichtes, repräsentatives Programm der Weimarer Klassik mit symbolisch-gesetzmäßigem Charakter3 diente dem gealterten Goethe als Mittel zur Selbststilisierung. Im Zentrum der „Italienischen Reise“ steht nicht das Land selbst, sondern wird als Spiegel benutzt, um die Veränderungen des provinziellen Politikers und Verfassers des Werthers zum Olympier und Weltbürger darzustellen. Gerade anhand seiner Reise nach Italien lassen sich auch für die Schüler die eklatanten Brüche in Goethes Leben erkennen und führen zu einem modernen, relativierten Klassikerbild. Besonders in einer Medienkultur von heute ist es für junge Menschen entscheidend kritisch hinter die Kulissen dieser Scheinwelt zu blicken und die Instrumente der Verklärung und Idealisierung zu hinterfragen. Ziel meines Unterrichts soll nicht sein eine grundlegende Abneigung gegen die Literatur der Klassik zu entwickeln, vielmehr versuche ich den Blick und die Erkennungsgabe der Schüler zu schärfen und sie hin zu einer vorurteilsfreien Lektüre zu führen. Ein verbotener Blick hinter die Regie von Goethes Leben erweist sich für die Jugendlichen dabei oft reizvoller, als man zuerst glauben mag. Die Schwierigkeit und Gradwanderung meines Vorhabens ist mir durchaus bewusst, natürlich muss für den Unterricht die Kenntnis der Epoche des „Sturm und Drang“ als Vorraussetzung gelten. Ohne diesen Zugang wäre es nicht möglich, die Italienische Reise für die Jugendlichen verständlich aufzubereiten.
2 Zur Einführung
2.1 Didaktische Bedingungen
Um auf die mittelfristige Planung und Gestaltung der Unterrichtseinheit näher eingehen zu können, erweist es sich unumgänglich zuvor die didaktischen Bedingungen zu definieren. Ich möchte von einer Klasse mit 20 Schülern ausgehen, eine für Wien zwar durchaus idealisierte Anzahl, die ich jedoch am Land durchaus erleben durfte. Die Schüler besuchen die siebte Klasse Oberstufe eines wirtschaftskundlichen Realgymnasiums mit neusprachlichem Schwerpunkt. Es wird ab der ersten Klasse Englisch und ab der zweiten Klasse Französisch unterrichtet. Außerdem wurde zur herkömmlichen Stundentafel in der zweiten Klasse eine zusätzliche Stunde Deutsch gehalten, in welcher sich die Schüler explizit mit Kinder- und Jugendliteratur beschäftigen und zu selbstständigen Lesen angehalten werden sollten. Diese Art der Zielsetzung wirkt sich bis in die Oberstufe aus. Zwar sind die Schüler bei literaturgeschichtlichen Themen sehr motiviert und aufnahmewillig, jedoch treten in den Bereichen „Sprachbetrachtung“ und „Sprachliches Gestalten“ durchwegs Defizite auf. Etlichen Schülern fällt es schwer sich entsprechend zu artikulieren, den Textkorpus nach seinem Aufbau zu durchleuchten bereitet ebenfalls Schwierigkeiten. Um die Schüler dennoch zu motivieren, müssen die Bereiche „Sprachbetrachtung“ und „Sprachliches Gestalten“ in einen literarischen Kontext gestellt und verstärkt geübt werden.
Die Klasse besteht aus insgesamt 14 männlichen und 6 weiblichen Schülern. Obwohl die Mädchen großteils aufmerksamer den Unterricht verfolgen, weist die Klasse eine geringe leistungsabhängige Differenzierung auf. Zwei bis drei Schüler nehmen am Unterrichtsgeschehen kaum Anteil, sie gilt es während den einzelnen Phasen zum Mitarbeiten einzuladen und durch eine fabulierende Sprachhaltung zu interessieren. Die Klasse habe ich selbst vor zwei Jahren übernommen und bin deshalb mit ihren Schwächen und Stärken vorwiegend vertraut. Am Ende der 10. Schulstufe wurde die Dichtung des „Sturm und Drang“ ausführlich behandelt. Ich möchte mit meiner Unterrichtsfrequenz direkt an die Sommerferien anschließen und kann, obwohl ich den durchgenommenen Lehrstoff natürlich wieder in Erinnerung rufen muss, inhaltlich darauf aufbauen.
2.2 Goethe in der Schule – Zum Problem der Kanonisierung
Die Auseinandersetzung, ob überhaupt und in welchem Ausmaß die Klassiker „Goethe“ und „Schiller“ Eingang in den Deutschunterricht finden sollen, wird bis heute mit Heftigkeit geführt. Egon Friedells und Alfred Polgars satirisches Theaterstück „Goethe. Groteske in zwei Bildern (1908).“4, in dem der beschworene Geist seiner Exzellenz Geheimrat Goethe für einen Schüler einspringt, von einer Prüfungskommission über sein eigenes Leben und Werk befragt wird und schließlich verspottet durchfällt, liefert noch immer scharfe Argumente für die Gegner der Klassiker Rezeption in der Schule. Friedels Werk wendet sich hierbei explizit gegen eine reaktionär-normierte, von oberlehrerhaften Dünkel geprägte Vermittlung verklärter klassischer Ideale in der Schule. Markus Kreuzwieser bezieht in der aktuellen Klassiker-Diskussion eine „im Sinne Goethes [...] vermittelnde Position“5:
„Die im Kontext der Kulturrevolution von ’68 weiter eskalierte Debatte um die „goldenen Köpfe der Klassiker“ hat sich festgefahren, [...]. Es ist eine Auseinandersetzung, bei der es nur Verlierer geben kann. Das sind zunächst die Schülerinnen und Schüler. Ihnen wird von der einen Partei von vorne herein die Chance genommen, sich mit großer Literatur und großen Künstlerpersönlichkeiten auseinanderzusetzen, um so zu einer eigenen Meinung zu gelangen und ein eigenes (Geschmacks)urteil zu treffen. Die andere Seite verstellt dazu die Möglichkeit, indem sie den Jugendlichen angeblich „ewig humanistische Werte“ im öden Rhythmus klappernder Gebetsmühlen einpaukt, [...].“6
Der Autor möchte mit seinem neuartigen Ansatz bisher „eindimensionale Deutungs- und Vereinnahmungsversuche hinterfragen“7 und die Schüler zu einer vorurteilsfreien Beschäftigung mit dem Weimarer Dioskurenpaar einladen. Wie bereits im Vorwort angedeutet eignet sich diese Vorgehensweise insbesondere für die Planung meiner eigenen Unterrichtsfrequenz. Einerseits gilt es bereits in den Schülern bestehende Ressentiments abzubauen und andererseits den Text nicht als autonomes, überzeitliches Gebilde darzustellen, sondern in seiner „Historizität, sowohl was seine Produktion wie seine Rezeption anbelangt“8, zu vermitteln.
Sigurd Paul Scheichl beschreibt in seinem Aufsatz „Tausche Kanon gegen Kanon. Österreichische Gegenwartsliteratur in der Schule“9 die Dominanz der Gegenwartswartsliteratur in den österreichischen Klassenzimmern. Aus seiner Sicht wird der „Goethe-Schiller-Grillparzer-Nestroy-Kanon“ nur durch den „Artmann-Handke-Bernhard- Kaser-Kanon“10 ersetzt. Somit bestünde die Gefahr, dass Schülern wie einst Grillparzer nun auch das Vergnügen an Peter Handke vergällt wird. Insbesondere moderne Texte können erst durch Kenntnis von literaturhistorischen Traditionen in ihren inhaltlichen und ästhetischen Tiefenstrukturen verstanden werden. Durch die Vermittlung des klassischen „Kanons“ in den AHS erhalten wir somit eine bedeutende didaktische Hilfe, um den Zugang der Jugendlichen zur Gegenwartsliteratur zu erleichtern. Vor allem kanonisierte Texte sollten unter neutralen Bedingungen gelesen und diskutiert werden, dabei bietet sich zum Beispiel ein längsschnittorientierter Vergleich zwischen literaturgeschichtlichen Epochen an.11
Der Germanist Sigurd Paul Scheichl schreibt dazu zusammenfassend:
„[...] viele moderne Texte greifen bewusst auf den alten Kanon zurück: Handke auf Goethe und Gottfried Keller, Bernhard auf Novalis, [...]. Solche Intertextualität [...] könnte eine geschickte Lehrerin im einen oder andern Fall dazu nützen, den alten Kanon wieder in den Unterricht einzubauen“ und somit zeigen, dass Gegenwartsliteratur auf Traditionen aufbaut, die man kennen muss, will man die Texte von heute wirklich verstehen.“12
3 Mittelfristige Planung
3.1 Dauer der Unterrichtsfrequenz und Thema
[...]
1 Vgl.: Peter Merseburger: Mythos Weimar. Zwischen Geist und Macht. München: dtv 2000. S.64-112. Vgl. weiters: Linda Maria Pütter: Reisen durchs Museum. Bildungserlebnisse deutscher Schriftsteller in Italien (1770-1830) (Germanistische Texte und Studien 60) Hildesheim-Zürich-New York 1998. S.191-195.
2 Vgl. dazu: Gunther Grimm u.a.: „Ein Gefühl von freien Leben“. Deutsche Dichter in Italien. Stuttgart: Metzler 1990. S. 57-93.
3 Vgl.: Stefan Oswald: Italienbilder. Beiträge zur Wandlung der deutschen Italienauffassung 1770-1840. Heidelberg: Carl Winter 1985. S. 88-106. Hier: S.98.
4 Egon Friedell / Alfred Polgar: Goethe in der Schule. In: Josef Donnenberg u.a. (Hg.) Lesezeichen 3. Wien: ÖBV 1994. S.13-19.
5 Markus Kreuzwieser: Goethes Wiedergeburt in Italien. „Ein weißer Glanz ruht über Land und Meer Und duftend schwebt der Äther ohne Wolken“. ide-Themenheft. 1/1999 S. 95-112. Hier: S.95.
6 Ebenda S. 95
7 Markus Kreuzwieser: Goethes Wiedergeburt in Italien. a.a.O. Hier: S.96.
8 Ebenda S. 95
9 Sigurd Paul Scheichl: Tausche Kanon gegen Kanon. Österreichische Gegenwartsliteratur in der Schule. In: Lesezirkel 64 (1993).
10 Sigurd Paul Scheichl: Tausche Kanon gegen Kanon. Österreichische Gegenwartsliteratur in der Schule. In: Lesezirkel 64 (1993). S.9.
11 Vgl.: Eduard Beutner / Josef Donnersberg u.a. (Hg.): Dialog der Epochen. Studien zur Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Walter Weiss zum 60. Geburtstag. Wien: ÖBV 1987. Vgl. weiters: Markus Kreuzwieser: Goethes Wiedergeburt in Italien. „Ein weißer Glanz ruht über Land und Meer Und duftend schwebt der Äther ohne Wolken“. ide-Themenheft. 1/1999 S. 95-112. Hier: S.97.
12 Sigurd Paul Scheichl: Tausche Kanon gegen Kanon. Österreichische Gegenwartsliteratur in der Schule. In: Lesezirkel 64 (1993). S.10.
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