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Scholary Paper (Seminar), 2004, 22 Pages
Author: Johannes Mattes
Subject: History - Theory
Details
Tags: Zeit, Geschichte, Hegel
Year: 2004
Pages: 22
Grade: 1,00
Bibliography: ~ 15 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-50730-1
File size: 205 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität Wien, Wien, im Februar 2004
Lehrveranstaltung: KU Zeit und Geschichte, WS 2003
Zeit und Geschichte bei Hegel
von: Johannes Mattes
Inhaltsverzeichnis
1 Prolegomena 4
2 Zur Einführung 6
2.1 Die Relevanz des Hegel’schen Denkens für die Gegenwart 6
2.2 Zum Begriff der „Dialektik“ 8
2.3 „Alles lebt in der Gottheit“ oder der Weltgeist 9
3 Hegels Geschichtskonzeption 12
3.1 Die Vernunft in der Geschichte 12
3.2 Theodizee 13
3.3 Fortschritt im Bewusstsein des Geistes 14
3.4 Die Geschichte als dialektische Bewegung 14
3.5 Die Lehre von den welthistorischen Individuen oder „die List der Vernunft“ 17
4 „Die ewige Gegenwart“ oder Hegels Zeitverständnis 18
5 Resümee 20
6 Literaturverzeichnis 22
„ H e g e l l e u g n e t e d i e Z u k u n f t , k e i n e Z u k u n f t w i r d
H e g e l v e r l e u g n e n . “ 1
Ernst Bloch, Subjekt – Objekt. 1951
1 Prolegomena
Das der Arbeit vorangestellte Zitat des deutschsprachigen Schriftstellers und Philosophen Ernst Bloch kehrt auf anschauliche Weise die Ambivalenz zwischen Hegels Abneigung gegen utopische Zukunftskonzeptionen und seiner postumen Einflussnahme auf die Theorie des Marxismus um. Es wäre zu einfach, würde man behaupten, nach Hegels Tod sei die deutsche philosophische Klassik zusammengebrochen, habe sich die Philosophie in den Niederungen des Positivismus und Materialismus verloren und sei erst nach 1871 wieder aufgestiegen. Die Schüler Hegels genossen noch einige Zeit den Vorzug für die Besetzung der Lehrstühle vor anderen.2 An den meisten deutschen Universitäten wurde Hegels Philosophie gelehrt, und in der scharfen Antithese seiner Gegner blieb Hegel der heftig umkämpfte und doch unbestrittene Herr der Philosophie des 19. Jahrhunderts.
Der preußische Staatsphilosoph gibt uns bei genauem Lesen tatsächlich nur wenig Anlass ihn als einen Konservativen zu klassifizieren.3 Es erweist sich aus meiner Sicht als nicht unbedingt konservativ, das Rationale, ein absolutes System im Wirklichen zu sehen, besonders weil es sich hier um eine aktive Rationalität handelt, die das Wirkliche umformt. Natürlich war Hegel kein Revolutionär. Die These, dass das Rationale wirklich wird, machte es jedoch unmöglich für ihn an der herkömmlichen konservativen Haltung seiner Zeit teilzunehmen, die an traditionellen und etablierten Wertsystemen festhielt. Was sich bei Hegel als konservativ oder wenigstens nichtrevolutionär darstellt, hat seinen Ursprung in der Vorstellung, dass die Rationalität des Wirklichen nicht die Rationalität des Menschen, sondern die des Geistes ist. Ebenso lehnte Hegel revolutionäre Aktivitäten deshalb ab, weil aus seiner Sicht die Geschichte einen Entwicklungspunkt erreicht habe, auf dem keine Revolutionen mehr notwendig seien, denn die Grundlagen für das Sinnbild des rationalen Staates, Preußen, waren bereits geschaffen.4
Im Spannungsfeld zwischen unterschiedlichen Lesarten liegt es nun umso mehr an mir die Problematik der Zeit und Geschichte bei Hegel möglichst einsichtig darzustellen und auf etwaige Unschärfen seitens der äußerst umfangreichen Literatur hinzuweisen. Bevor wir jedoch mit unserem Streifzug durch die Hegel’sche Philosophie beginnen wollen, erweist es sich als unumgänglich zuvor noch die Relevanz dieser schillernden Persönlichkeit der deutschen Philosophie für die Gegenwart näher zu beleuchten. Mit einer Einführung in Hegels Verständnis der Dialektik gerüstet wird es uns schließlich gelingen die wichtigsten Begriffe seiner Geschichtsauffassung zu entschlüsseln und einer näheren Analyse zuzuführen. Am Ende wird es uns ebenso wenig erspart bleiben einen kurzen Blick in das Zeitverständnis Hegels zu werfen, um den Begriff der Gegenwärtigkeit als absolute Gegenwart zu begreifen.
2 Zur Einführung
2.1 Die Relevanz des Hegel’schen Denkens für die Gegenwart
„Hegel, ein platter, geistloser, ekelhaft-widerlicher, unwissender Scharlatan hat den intellektuellen Verderb einer ganzen gelehrten Generation zur Folge gehabt.“5 Dieser Satz, der an Deutlichkeit wohl nichts übrig lässt, stößt nicht irgendwer in der Unbesonnenheit des Augenblicks aus. Der ihn schreibt ist kein geringerer als Arthur Schopenhauer. Dieser lässt es auch nicht bei einem einmaligen Ausbruch bewenden. Seine Schriften sind vielmehr von immer erneuten Ausfällen gegen Hegel durchzogen. Aber die Zukunft, so orakelt Schopenhauer, werde die Wahrheit über Hegel ans Licht bringen.6 Wie aber hält es die Nachwelt tatsächlich mit Hegel? Es gibt eine unübersehbare Zahl von Schriften über Hegel, es gibt Hegel-Kongresse in aller Welt, man findet Hegelianer in allen Schattierungen. Ja, Hegel greift, über seinen Schüler Marx sogar in die konkreten Geschehnisse unserer gegenwärtigen Welt ein; sein Gedanke wirkt daran mit, den Planeten mitzugestalten.
Insbesondere die Entwicklung eines modernen Freiheitsbegriffs ist eines der wichtigsten Vermächtnisse des Hegel’schen Denkens und verdeutlicht einmal mehr seine Relevanz für die moderne Philosophie. Charles Taylor schreibt dazu in seiner bahnbrechenden Arbeit zu dem preußischen Staatsphilosophen: „Er [Hegel] trug dazu bei, einen Begriff der Freiheit als totaler Selbsterzeugung zu entwickeln, der in seiner Philosophie zwar nur für den kosmischen Geist zutraf, aber nur auf den Menschen übertragen zu werden brauchte, um die Vorstellung von der Freiheit als Abhängigkeit nur von sich selbst ihrem absoluten Dilemma zuzuführen.“7
Hegel spielte vor allem eine wichtige Rolle bei der Verdichtung des von Taylor geschilderten Konflikts, der die Diskussion um den Freiheitsbegriff nach sich zog, denn die absolute Freiheit hat durch Marx und seine Nachfolger eine beispielslose Wirkung auf das politische Leben und die politische Theorien erlangt. Und eine der Quellen des Denkens von Nietzsche, das die nihilistischen Konsequenzen aus dieser Idee zog, war die junghegelianische Revolte der Jahre um 1840.8
[...]
1 Zitiert nach: Franz Wiedmann: Hegel mit Selbstzeugnissen und Dokumenten. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1999 ( rororo monographien 50110). S. 148.
2 Vgl.: Franz Wiedmann: Hegel mit Selbstzeugnissen und Dokumenten. a.a.O. S. 119f.
3 Vgl.: Charles Taylor: Hegel. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1978. S. 556ff.
4 Vgl.: Ebenda S. 555.
5 Arthur Schopenhauer: Zitiert nach: Wilhelm Weischedel: Die Philosophische Hintertreppe. München: dtv 1987. S. 209.
6 Vgl.: Ebenda S. 209 f.
7 Charles Taylor: Hegel. a.a.O. S. 746f.
8 Vgl.: Ebenda S. 747.
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