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Textbook, 2001, 69 Pages
Author: Johannes Mattes
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Tags: Heimat, Fremde, Tiroler, Schriftsteller, Norbert, Gstrein
Year: 2001
Pages: 69
Grade: 1,50
Bibliography: ~ 120 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-50743-1
File size: 1556 KB
Abschlussarbeit zum Thema: Heimat und Fremde beim Tiroler Schriftsteller Norbert Gstrein -exemplifiziert anhand der Texte Einer, Anderntags, Das Register, O2 und Der Kommerzialrat
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Excerpt (computer-generated)
Universität Wien
Germanistik
Neue Deutsche Literatur
Die Thematik der Heimat und Fremde
beim Tiroler Schriftsteller Norbert Gstrein -
exemplifiziert anhand der Texte
„Einer“, „Anderntags“, „Das Register“, „O2“ und „Der Kommerzialrat“
eingereicht von:
Johannes Mattes
September 2001
Inhaltsverzeichnis:
1 PROLEGOMENA ... 6
1.1 Motivation ... 6
1.2 Die Wahl des Themas ... 6
1.3 Textgrundlage ... 7
1.4 Zum Begriff „Heimat und Fremde“ ... 8
1.5 Vorgehensweise ... 9
2 WERKANALYSE ... 10
2.1 Zum Terminus „Heimat“ ... 10
2.1.1 Autobiographisches ... 10
2.1.1.1 Biographische Angaben zu Norbert Gstrein ... 10
2.1.1.2 Biographische Elemente ... 11
2.1.2 Lokale Differenzen ... 13
2.1.2.1 Räumliche Darstellung ... 13
2.1.2.2 Die Dorfgemeinschaft ... 15
2.1.2.3 Das Stadtleben ... 17
2.1.3 Tourismus ... 19
2.1.3.1 Entwicklung des Fremdenverkehrs ... 19
2.1.3.2 Auswirkungen des Fremdenverkehrs ... 21
2.1.3.3 Literarische Verarbeitung der Fremdenverkehrsthematik ... 22
2.1.4 Gesellschaftliche Parameter ... 23
2.1.4.1 Die Familie ... 23
2.1.4.2 Frauenfiguren ... 25
2.1.4.3 Männer ... 28
2.1.4.4 Väter und Söhne ... 30
2.1.4.4.1 Das Identitätsproblem - Norbert Gstrein in der Tradition der postmodernen Literatur ... 32
2.1.4.4.2 Überlegungen zu den Einflüssen Franz Kafkas ... 32
2.1.4.5 Heimat im Glauben ... 33
2.1.5 Nationalsozialismus und Erbe ... 35
2.1.6 Sprache und Sprachlosigkeit ... 35
2.1.7 Literatur als Heimaterfahrung ... 38
2.1.8 Wissenschaft als Heimat ... 41
2.2 Zum Terminus „Fremde“ ... 44
2.2.1 „Vergrößerungen wie Flüchtling oder sogar Exilant sind ohnehin schon so sehr verbraucht“ ... 44
2.2.2 Leben im Ausland – „Paris“ ... 45
2.2.3 Der Prozess der Entfremdung ... 47
2.2.3.1 Kindheit ... 48
2.2.3.2 Die Umgebung ... 48
2.2.3.3 Gefühlsfremde und sexuelle Degeneration ... 48
2.2.3.4 Identitätsverlust und Apathie ... 48
2.2.3.5 Innerliche Fremde und Opposition ... 49
2.2.3.6 Möglichkeitssinn contra Wirklichkeitssinn ... 49
2.2.4 Gästefiguren ... 50
3 NACHWORT ... 52
4 ANHANG ... 54
4.1 Verzeichnis der verwendeten Singlen ... 54
4.2 Photographien ... 55
4.3 Bibliographie ... 62
4.3.1 Primärliteratur ... 62
4.3.2 Sekundärliteratur ... 64
4.3.2.1 Rezensionen und Kritiken ... 66
4.3.2.2 Online-Rezensionen ... 69
4.3.2.3 Nachschlagewerke ... 69
4.3.2.4 Tondokumente ... 69
4.3.2.5 Briefwechsel ... 70
„Die Hölle erkennen wir immer erst rückblickend nach der Vertreibung; solange wir in ihr schmoren, reden wir von Heimat.“1
Robert Menasse
1 Prolegomena
1.1 Motivation
Wieso gerade Norbert Gstrein? Allzu oft stellte ich mir diese Frage bei der Ausarbeitung des Themas selbst. Inwiefern ist denn eine geisteswissenschaftliche Arbeit über einen Autor, der weder besonders bekannt scheint, noch Gefallen daran findet, wenn „definitive Aussagen“2 aus seinen Texten abgeleitet und diskutiert werden, überhaupt zu rechtfertigen. Nicht umsonst ist der als „philosophischer Dandy“3 und „Weltfremder“4 titulierte Tiroler Schriftsteller auf Grund seiner Polemik gegen den politisch „engagierten Autor“5 zu einer stark umstrittenen Figur in der österreichischen Gegenwartsliteratur geworden.
Bei genauer Lektüre seiner jüngsten Arbeiten drängte sich mir immer mehr die Frage auf, inwieweit Norbert Gstrein noch in der Tradition der österreichischen, postmodernen Literatur steht, beziehungsweise, ob sich in ihm der Typus einer neuen Art von Schriftsteller manifestiert, der von der Thematisierung von „Herkunftskomplexen“6 Abstand nehmend zu sprachlicher „Fiktion“7, als biographische Fremde und Kompensationsraum für den gescheiterten innerlichen Dialog mit der Heimat8, übergeht?
1.2 Die Wahl des Themas
Es ist besonders verwunderlich, dass sich die zwar junge Gstrein Rezeption mit dieser überaus widersprüchlichen Frage noch nicht befasst hat. Es finden sich sowohl Abhandlungen zum Tirolbild in Gstreins Werk, Überlegungen zu den bedrohlichen Einflüssen des Tourismus als auch sprachanalytische Annäherungsversuche,9 jedoch scheint jener meiner Meinung nach dominierende thematische Faktor regelrecht übergangen worden zu sein.
Natürlich bin ich mir bewusst in dem bescheidenen Rahmen einer Fachbereichsarbeit der gesamten Komplexität und dem Detailreichtum der beiden Begriffe nicht gerecht werden zu können, was aber auch nicht meine primäre Aufgabe sein soll. Ich werde vielmehr versuchen die Thematik der Heimat und Fremde auf ihre Vielschichtigkeit und Deutbarkeit in Hinblick auf Gstreins Werk zu prüfen und auf einige Aspekte ausführlicher einzugehen.
1.3 Textgrundlage
Das gesamte bisher vorliegende Werk Norbert Gstreins umfasst zwei Romane, vier Erzählungen, eine Novelle und eine Anzahl kürzerer Prosatexte. Mit Ausnahme der zuletzt genannten Kurzprosa, die verstreut in verschiedenen Zeitschriften erschienen ist, wurden die Texte bei Suhrkamp verlegt, waren mir also deshalb leicht zugänglich.
Im Mittelpunkt meiner Arbeit sollen fünf Werke des Autors stehen: die Erzählungen Einer (ersch. 1988) und Anderntags (1989), der Roman Das Register (1992) sowie die Novelle O2 (1993) und der „Bericht“ Der Kommerzialrat (1995)10.
Nach einer persönlichen Aussage Norbert Gstreins lassen sich diese fünf Texte zu seiner ersten entscheidenden Werkphase zusammenfassen11. Als die wohl markantesten Affinitäten zwischen den Arbeiten der ersten Periode erscheint dem Autor der Umstand, dass dieser zu jener Zeit in ein „autobiographisches Schreiben geradezu verfangen war“12 und dass die Texte große „Ähnlichkeiten in Sprache und Form“13 als auch in „Figuren und Handlungsgestaltung“14 aufweisen.
Die drei erstgenannten Werke, sowie ferner der „Bericht“ Der Kommerzialrat, der einen thematischen Rückgriff auf „die engen heimatlichen Verhältnisse als [...] Ursachen für Unglück, Leid“15 und die Probleme einer „verdrussbringenden Hochgebirgslandschaft“ 16darstellt, sind, „wenn auch nicht gerade eine Trilogie, so doch recht eng miteinander verbunden“17. Die Novelle O2 nimmt insbesondere aufgrund der teilweisen Verlegung des Handlungsschauplatzes aus den Ötztaler Alpen und der historischen Hauptfigur einen Sonderstatus in Bezug auf Norbert Gstreins neueste Werke ein. Daher scheint es durchaus plausibel, die Novelle nicht als primäre Quelle in meine Arbeit einzubeziehen, obwohl es dennoch unumgänglich ist, sie in verschiedenen Kontexten gesondert zu diskutieren. Natürlich wäre es interessant, alle bisher erschienenen Werke Gstreins in eine Analyse einzubeziehen, doch dem Rahmen dieser Arbeit genügen die fünf genannten Texte.
1.4 Zum Begriff „Heimat und Fremde“
Durch die ausgesprochene ideologische Ambivalenz und Deutbarkeit dieser beiden Begriffe ist es obligatorisch, zuerst eine psychologische Klärung der beiden „klassischen Polaritäten“18 vorzunehmen, bevor wir spezifisch auf Norbert Gstreins Werk eingehen können. Als profunde Unterlage zur Ausarbeitung dieser Begriffsbestimmung verwende ich eine Studie von Beate Mitzscherlich, die hier in anschaulicher Weise den menschlichen Prozess der Beheimatung umschreibt. Laut der ostdeutschen Psychologin kann das Begriffspaar nicht nur als dualistischer Kontrast verstanden werden, sondern wird sogar häufiger „als (dialektische) Einheit dargestellt“19:
„[...] die Fremde hat eine enorme Anziehungskraft und konstituiert die Heimat mit. Es gibt das Fremde als das Andere, das Ängstigende, das zu Weite, Haltlose [...]. Aber es gibt auch die Fremde als das Verlockende, Anziehende, möglicherweise sogar Heimischere: Wenn ich mich nun in der Heimat unheimlich fühle und in der Fremde geborgen, gerade weil sie nicht mein Eigenes ist, sondern eben fremd und damit heimlich?“20
[...]
1 Die hier zitierte Stelle entnehme ich: Robert Menasse: Die Vertreibung aus der Hölle. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 2001.
2 Barbara Müller-Vahl: Waren wir glücklich? Der Schriftsteller Norbert Gstrein. In: die horen 37 (1992). S. 101 - 105. Hier: S. 101.
3 Gerhard Roth: Österreich provinziell – Randbemerkungen zum politischen Klima des Landes und Wissenswertes zum Weisenbericht aus Weiseninnensicht. Von Dandys und Demagogen. In: Der Standard 13. 9. 2000.
4 Michael Amon: Wortmeldung eines Weltfremden. In: Der Standard 26. 9. 2000.
5 Norbert Gstrein: Das Ende der Sanktionen und eine „österreichische Autorenfarce“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung 11. 9. 2000.
6 Hans Höller: Thomas Bernhard. Reinbeck bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag 1993. (= rowolth monographie 504). S. 91. Vgl. Markus Kreuzwieser: Ich habe den Bau eingerichtet und er scheint wohl gelungen. Zum lebens- und werkgeschichtlichen Motiv des Bau(en)s bei Thomas Bernhard. In: Die Rampe – Extra. Thomas Bernhard, Johannes Freumbichler, Hedwig Stravianicek. Hg. v. Manfred Mittermayer. Linz: Rudolf Trauner Verlag 1999. S. 167 - 176. Hier: S. 167.
7 Ich zitiere hier Norbert Gstrein aus einem Tondokument: Norbert Gstrein. Im Gespräch mit Peter Huemer. In: Ö1 2000.
8 Vgl. Beate Mitzscherlich: Heimat ist etwas, was ich mache. Eine psychologische Untersuchung zum individuellen Prozess von Beheimatung. In: Münchner Studien zur Kultur- und Sozialpsychologie. Bd.9. Hg. v. Heiner Keupp. Herbolzheim: Centaurus 2000.
9 Vgl. u.a. Alexandra Perger: Das Tirolbild bei Norbert Gstrein. Diplomarbeit. Innsbruck: o.V. 2001. Weiters: Gernot Pfandler: Das Strukturprinzip der Wiederholung bei Norbert Gstrein. Diplomarbeit. Wien: o.V. 1996. Ferner: Andrea Koller: Bedrohte Heimat – Bedrohte Identität. Österreichische Literatur und Landeskunde im Unterricht Deutsch als Fremdsprache, dargestellt an der Erzählung „Einer“ von Norbert Gstrein. Diplomarbeit. Graz: o.V. 1990.
10 Ich werde anhand folgender Ausgaben arbeiten: Norbert Gstrein: Einer. Erzählung. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1988 (= es 1483). Im folgenden zit. als: E. Norbert Gstrein: Anderntags. Erzählung. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1989 (= es 1625). Im folgenden zit. als: A. Norbert Gstrein: Das Register. Roman. Frankfurt a.M.: 1992 (= suhrkamp taschenbuch 2298) Im folgenden zit. als: Re. Norbert Gstrein: O2. Novelle. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1993. Im folgenden zit. als: O2. Norbert Gstrein: Der Kommerzialrat. Bericht. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1995 (= suhrkamp taschenbuch 2718). Im folgenden zit. als: K. Weiters sind vom Autor erschienen: Norbert Gstrein: Die englischen Jahre. Roman. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1999. Im folgenden zit. als: EJ. Norbert Gstrein: Selbstportrait mit einer Toten. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 2000. Im folgenden zit. als: ST.11 Ich interpretiere hier Norbert Gstrein aus einem Tondokument: Norbert Gstrein. Im Gespräch mit Peter Huemer. In: Ö1 2000.
12 Zitat anhand eines Tondokuments: Norbert Gstrein. Im Gespräch mit Peter Huemer. a.a.O.
13 Gernot Pfandler: Das Strukturprinzip der Wiederholung bei Norbert Gstrein. a.a.O. S. 5.
14 Ebda. S. 5.
15 Eberhard Falcke: Schluchzen statt Jodeln. Mit Norbert Gstreins „Kommerzialrat“ verkommt die österreichische Literatur zur Folklore. In: Die Zeit 13. 10. 1995.
16 Thomas Bernhard. Zitiert nach: Eberhard Falcke: Schluchzen statt Jodeln. a.a.O.
17 Barbara Müller-Vahl: Waren wir glücklich? a.a.O. Hier: S. 101.
18 Beate Mitzscherlich: Heimat ist etwas, was ich mache. a.a.O. S. 76.
19 Ebda. S. 76.
20 Ebda. S. 76.
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