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Thesis (M.A.), 2005, 98 Pages
Author: Marin Majica
Subject: Film Science
Details
Tags: Face, Force, MACHT, Diskurs-Praktiken, George, Lucas, Filmreihe, Star, Wars
Year: 2005
Pages: 98
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 68 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-50817-9
File size: 1662 KB
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Excerpt (computer-generated)
Freie Universität Berlin
– Institut Filmwissenschaft –
Face the Force
Die MACHT und andere phantasmatische Diskurs- Praktiken in George Lucas Filmreihe Star Wars
eingereicht von:
Marin Daniel Majica
Inhaltsverzeichnis
Einleitung – ein kulturelles Phänomen ... 3
Erste Episode – Der Mythos
1.1. Zu den Quellen der Lebenskraft ... 11
1.2. Tyrannei der fehlgeschlagenen Initiation ... 13
1.3. Die Fahrt des Helden ... 16
1.3.1 Der Rückzug ... 16
1.3.2.Der Weltnabel ... 17
1.3.3.Die Rückkehr ... 19
1.4. Kino als Mythos ... 20
Zweite Episode – der Diskurs
2.1. Lucas im Diskurs ... 27
2.1.1. Die vier Elemente ... 27
2.1.2. Die Funktion des Autors ... 30
2.2. Die Maus im Wüstenzelt... 34
2.3. Der Weg zu den Sternen ... 35
2.4. Die aufgelöste Familie im Kalten Krieg ... 40.
2.5. Spiritualität und Spätkapitalismus ... 43
2.7. Mission Jedi – Level 1 ... 47
2.8. Die Heilige Familie ... 51
2.9. Der Biological Turn ... 54
Dritte Episode – Die Kraft
3.1. Die Ausfaltung des Körpers ... 60
3.2. Das strömende Fluidum – der Animalische Magnetismus ... 62
3.3. Von Wellen und Wirbeln - die Äther-Theorie ... 70
3.4. Die unsichtbare Bewegung ... 75
3.5. Das flüssige Affektbild ... 77
3.6. „Der Grund, warum du scheiterst“... 83
Fraktale machen – eine kreisförmige Theorie der Populärkultur ... 87
Filmindex und Literatur ... 92
„Du hast den ersten Schritt in eine größere Welt getan.“
Obi-Wan Kenobi
EINLEITUNG – EIN KULTURELLES PHÄNOMEN
Das Imperium lebt und prosperiert. Mit dem Filmstart von Episode III – The Revenge of the Sith, dem am 19. Mai 2005 angelaufenen dritten und letzten Teil der zweiten Star Wars-Trilogie, ist mitnichten etwas zum Ende gekommen. Die zahlreichen Kommentatoren, die größtenteils erleichtert festhielten, jetzt sei „die Geschichte zuende erzählt“ 1 , irren. In den Homing Beacon-Newslettern des internationalen Star Wars-Fanclubs etwa ist bereits die Rede von einer Fernsehserie, mit der die Geschichte von Luke und Anakin Skywalker und ihren Gefährten Han Solo, Prinzessin Leia, Obi-Wan Kenobi, Yoda, C3-PO und R2-D2 fortgesetzt werden soll. Zudem hat George Lucas eine 3D-Neufassung der Filme angekündigt2, und regelmäßig wird über Bücher und Computerspiele aus dem von George Lucas geschaffenen Zeichenuniversum berichtet, die Verlängerungen der bisherigen filmischen Erzählung sind und in der Vergangenheit bereits die folgenden filmischen Diskurse mit vorbereitet haben.
Doch tatsächlich klangen auch die offiziellen Mitteilungen aus dem Star Wars- Universum kurz nach dem Filmstart nach einer Schlussbilanz. Der Filmverleih Twentieth Century Fox versendete unter der Überschrift „Star Wars Finale bricht alle Rekorde“ am 23. Mai 2005 folgende Pressemitteilung:
„Die Macht war mit uns.. Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass „Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith“ am ersten Wochenende fast 2 Millionen Besucher (1.964.960) in die deutschen Kinos gelockt hat. Damit hat der dritte und letzte Teil von George Lucas′ Star Wars-Saga nach einem bis jetzt eher schwachen Kinofrühjahr eine ganze Reihe von Rekorden in der deutschen Kinolandschaft gebrochen: - der erfolgreichste Kinostart dieses Jahres - der erfolgreichste Starttag aller Zeiten in Deutschland. Außerdem ist es für uns als Verleih aller Star Wars-Filme eine besondere Freude, dass „Die Rache der Sith“, das Finale der Weltraum-Saga, der bisher erfolgreichste Teil ist. Er erzielte den besten Starttag und das beste Startwochenende aller Foxfilme überhaupt. Des Weiteren erreichte Star Wars Episode III bereits nach zwei Tagen 1 Millionen Besucher - das hat vorher noch kein Film geschafft. Damit setzt sich Episode III noch vor Episode I und Harry Potter I, die beide erst nach drei Tagen dieses Ergebnis erreichten.
.
Die Mitteilung ist hier nicht nur wegen ihres Informationswertes vollständig zitiert. Sie interessiert auch deshalb, weil ihr Tonfall und ihre Perspektive analog sind zum überwiegenden Teil der wissenschaftlichen Literatur zu Star Wars. Deren Umfang erscheint selbst unter Einbeziehung von Magazin- und Zeitungsartikeln nicht wirklich einem filmhistorisch so prominenten populärkulturellen Phänomen wie der aus sechs Filmen bestehenden, 1977 gestarteten Star Wars-Reihe adäquat. Umso mehr erstaunt die methodologische Homogenität. Kaum überschaubar ist, wie viele Essays, Artikel und Bücher ihre Auseinandersetzung mit George Lucas’ Filmen legitimieren, indem sie den filmökonomischen Zugriff wählen und nicht unwahr, aber recht schlicht konstatieren: „Star Wars ist die erfolgreichste Film-Saga aller Zeiten.“3 Häufig werden die Filme im filmhistorischen Kontext des New Hollywood-Kinos gesehen, aus dessen später Phase, in der sich die innovative Dynamik bereits tot gelaufen hatte oder weitgehend ins Studio-System assimiliert wurde, auch Oliver Denker in seinem Star Wars-Band die Saga als vollkommen unerwartetes Massenphänomen entstehen sieht:
„Das Vertrauen der Filmindustrie in einen Film zeigt sich durch den Betrag, den die Kinobesitzer zu erbringen bereit sind, um einen Film abspielen zu dürfen. Stars Wars [Krieg der Sterne oder Episode IV] erbrachte nur 1,5 Millionen, statt der erwarteten 10 Millionen Dollar […] Fox sparte sich das Geld für eine große Marketing-Kampagne und promotete Star Wars in Schülerzeitungen, lokalen Fernsehsendern und an den Universitäten. Als Stars Wars startete, wußten sechs Millionen Jugendliche davon. Am 25. Mai 1977 lief Star Wars in nur 32 Kinos, die über das ganze Land verteilt waren. Der Film hatte aber pro Kino mehr Einnahmen als je ein Film zuvor in der Filmgeschichte. […] Der Film brach alle Rekorde und wurde zu einem kulturellen Phänomen.“4
Denker belässt es über die gesamte Länge seines Buches dabei, die Produktionsbedingungen nachzuerzählen und nicht auf das „kulturelle Phänomen“ als solches einzugehen – wie erwähnt ein Symptom zahlreicher Texte zu Stars Wars. Nun liegt die stark favorisierte Thematisierung der ökonomischen Verwertungsstruktur der Filmreihe ja auch auf der Hand, gilt Star Wars doch zu Recht als Gründungsereignis des Eventkinos5. George Lucas’ Übernahme der Rechte an Fortsetzungen und Merchandising-Artikeln, Ergebnis der Verhandlungen nach dem erfolgreichen Start von American Graffiti und vor dem Beginn der Dreharbeiten zu Star Wars (Episode IV), werden je nach Quelle ausgelegt als ein dummer Fehler der Twentieth Century Fox oder interpretiert als Zeichen von Lucas’ vorausschauendem Taktieren. Die Geschichte wurde zu einer Standard-Anekdote der Filmgeschichte, wie sie Denker etwa stellvertretend so erzählt:
„Nach dem Start von American Graffiti war Lucas plötzlich der gefragteste Regisseur des New Hollywood. Er nutzte die Gelegenheit, sein loses Abkommen mit Fox zu verändern. Doch zur Überraschung von Fox wollte Lucas nicht mehr Geld, sondern die Rechte für die Vermarktung von Büchern und des Soundtracks sowie Kontrolle über mögliche Fortsetzungen von Star Wars. Die Studiochefs stimmten sofort zu, glaubten sie doch, eine Menge Geld gespart zu haben, denn Lucas wollte nur die Rechte an den Merchandising- Klauseln des Vertrags, die damals von den Studios als beinahe wertlos betrachtet wurden.“6
[...]
1 Georg Seeßlen: Der überfüllte Himmel. Kino-Mythos und Neurose: „Star Wars“ wird nach dreißig Jahren Mit Teil 6 vollendet. In: DIE ZEIT, 12. Mai 2005. Vergleiche auch: Untergang des Abendsterns. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. Mai; Der Untergang. In: Berliner Zeitung, 17. Mai; Dämmerstunde im Jedi-Penthouse. In: Süddeutsche Zeitung, 17. Mai; Die Nacht ist mit ihm. Frankfurter Rundschau, 18. Mai;
2 Haie im Saal, Spiegel Online, 12. September 2005
3 siehe etwa Klappentext, David Wilkinson: Möge die Macht mit uns sein. Die Spirituelle Sehnsucht in den Star Wars-Filmen. Basel: 2001.
4 Oliver Denker: Star Wars. Die Filme. München: 1996. S. 15f
5 siehe etwa: Birgit Schwenger: Strategien des Ereigniskinos. Star Wars als neues Erfolgskonzept Hollywoods. Bochum: 2002. (2. und erw. Aufl, das Buch basiert auf der 1996 von Schwenger eingereichten Magisterarbeit)
6 ebd S. 48f
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