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Scholary Paper (Seminar), 2006, 22 Pages
Author: Stefanie Marx
Subject: Art - Graphics / Illustration / Print
Details
Institution/College: University of Bonn (Kunsthistorisches Institut)
Tags: Albrecht, Dürers, Meisterstich, Melencolia, Eine, Interpretation, Aspekt, Humoralpathologie, Temperamentenlehre, Proseminar, Werk, Albrecht, Dürers
Year: 2006
Pages: 22
Grade: 1-2
Bibliography: ~ 10 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-50880-3
ISBN (Book): 978-3-638-66433-2
File size: 730 KB
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Abstract
„Melencolia I“ gehört neben „Der große Reiter“ und „Hieronymus im Gehäus“ zu den drei Meisterstichen Albrecht Dürers, die allesamt in den Jahren 1513 und 1514 entstanden sind. Kein anderes Werk hat in der kunsthistorischen Forschung so viele Anschauungen, Deutungen und kontroverse Interpretationen erfahren, wie dieser Kupferstich. Dürer gelang es, 1514 ein Meisterwerk zu schaffen, dessen einzelne Bildelemente sondiert zwar interpretierbar sind, das sich jedoch einer zusammenhängenden, vollendeten Bildinterpretation entzieht. Unzählige Kunsthistoriker versuchten dieses Werk Dürers zu analysieren, doch keiner von ihnen kam zu einer vollständigen und eindeutigen ikonologischen Analyse. Ziel dieser Arbeit ist es, eine Darstellung der Temperamentenlehre bis zur Zeit Dürers zu liefern, insbesondere die Entwicklung des Melancholikers. Des Weiteren werde ich eine Interpretation der einzelnen Bildelemente, beziehungsweise des ganzen Stiches vornehmen, die sich auf dieses Temperament bezieht.
Excerpt (computer-generated)
Rheinische Friedrich-Wilhelms Universität Bonn, Kunsthistorisches Institut
Proseminar: Das druckgraphische Werk Albrecht Dürers
Wintersemester 2005/06, 2. Fachsemester
Albrecht Dürers Meisterstich ′Melencolia I′ –
Eine Interpretation unter dem Aspekt der
Humoralpathologie, bzw. Temperamentenlehre
von: Stefanie Marx
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entwicklung der Humoralpathologie und der Temperamentenlehre bis zur Zeit Dürers
2.1. Zusammenfassung der Temperamente des Cholerikers, des Phlegmatikers und des Sanguinikers
2.2. Der Melancholiker
2.2.1. Charaktereigenschaften, Wesenszüge und Erkennungsmerkmale
2.2.2. Der Einfluss des Saturns
2.2.3. Die Todsünde acedia
3. Melencolia I
3.1. Ikonographische Analyse
3.2 Vorstudie der Melencolia
3.3. Ikonologische Analyse unter dem Aspekt der Temperamentenlehre
4. Schlussteil
5. Quellenverzeichnis
1. Einleitung
„Melencolia I“ gehört neben „Der große Reiter“ und „Hieronymus im Gehäus“ zu den drei Meisterstichen Albrecht Dürers, die allesamt in den Jahren 1513 und 1514 entstanden sind. Kein anderes Werk hat in der kunsthistorischen Forschung so viele Anschauungen, Deutungen und kontroverse Interpretationen erfahren, wie dieser Kupferstich. Dürer gelang es, 1514 ein Meisterwerk zu schaffen, dessen einzelne Bildelemente sondiert zwar interpretierbar sind, das sich jedoch einer zusammenhängenden, vollendeten Bildinterpretation entzieht.
Unzählige Kunsthistoriker versuchten dieses Werk Dürers zu analysieren, doch keiner von ihnen kam zu einer vollständigen und eindeutigen ikonologischen Analyse. In meiner Hausarbeit werde ich mich auf die Humoralpathologie des Hippokrates von Kós beziehungsweise deren Weiterführung, die Temperamentenlehre, beschränken und eine Bildanalyse unter dem Aspekt der Melancholie vornehmen. Ziel dieser Hausarbeit ist es, eine Darstellung der Temperamentenlehre bis zur Zeit Dürers zu liefern, insbesondere die Entwicklung des Melancholikers. Des Weiteren werde ich eine Interpretation der einzelnen Bildelemente, beziehungsweise des ganzen Stiches vornehmen, die sich auf dieses Temperament bezieht.
2. Die Entwicklung der Humoralpathologie und der Temperamentenlehre bis zur Zeit Dürers
Die Temperamentenlehre hat ihren Ursprung bereits in der Zeit vor Christus. In der Zwischenzeit haben sich Begriffe und Ansichten weiterentwickelt, „wobei sie nicht notwendigerweise einander ablösten, sondern oft nebeneinander bestehen blieben.“1 Die Temperamentenlehre teilt Menschen in vier Kategorien ein, die auf der Grundwesensart des Menschen basieren. Diese Lehre geht auf die Humoralpathologie, beziehungsweise Viersäftelehre zurück, die von dem griechischen Arzt Hippokrates (460-377) zusammengestellt wurde. Sie wurde mit der Zeit weitergeführt, das heißt, jede der vier Flüssigkeiten bekam Eigenschaften, typische Merkmale, Attribute und schließlich ein Temperament zugeordnet. Zum ersten Mal taucht die Humorallehre in der Schrift „De natura hominis“ von Corpus Hippocratium um 400 v. Chr. auf.
Er brachte Gesundheit und Krankheit mit den menschlichen Körpersäften (humores) in Verbindung. Zu den vier Säften gehörten das Blut (sanguis), die gelbe Galle (cholos), der Schleim (phlegma) und die schwarze Galle (melas cholos). So stellte er fest, dass ein ausgewogenes Verhältnis (Eukrasie) der Säfte Gesundheit versprach und eine Unausgewogenheit (Dyskrasie) zu Krankheiten führte. Die wesentliche Errungenschaft dieser Abhandlung besteht darin, dass Hippokrates den vier Körpersäften vier Lebensstadien, vier Jahreszeiten und die vier Elemente, sowie deren Qualitäten zuwies.
So wird dem Blut die Luft, der gelben Galle das Feuer, dem Schleim das Wasser und der schwarzen Galle die Erde zugeordnet; kongruent zu den Elementen, deren Eigenschaften. Das Blut war somit warm und feucht, die gelbe Galle warm und trocken, der Schleim kalt und feucht und die schwarze Galle warm und feucht. Zudem änderte sich die Zusammensetzung der Säfte je nach Jahreszeit. „So setzt im Winter eine Zunahme des Schleims ein, der Frühling fördert einen Anstieg des Blutes, während der Sommer die gelbe Galle und der Herbst die schwarze Galle anwachsen lässt.“2 Des Weiteren wird dem Blut die Kindheit, der gelben Galle die Jugend, der schwarzen Galle das Erwachsenenalter und dem Schleim das Greisenalter zugewiesen.
[...]
1 Vgl. Klibansky/Panofsky/Saxl, Saturn und Melancholie. Studien zur Geschichte der Naturphilosophie und Medizin, der Religion und der Kunst, Suhrkamp, Frankfurt am Main ,1990. S.39
2 Vgl. Gerlinde Lutke Notarp, Von Heiterkeit, Zorn, Schwermut und Lethargie. Studien zur Ikonographie der vier Temperamente in der niederländischen Serien- und Genregraphik des 16. und 17. Jahrhunderts, Waxmann Verlag GmbH, 1998. S.37.
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25.04.2008 13:49:27
Auf meiner Homepage biete ich eine weitere Erkenntnis zu "Melencolia I" an: Melencolia I = Melencolia 1; sind zugleich Buchstaben und (römische) Zahlen, wobei I=1; II=2; III=3; IV=4 u.s.w.! Im Mittelalter (und auch danach) war es üblich Doppeldeutungen in Kunstwerken "einzubauen". Man kennt z.B. den "goldenen Schnitt" in Kunstwerken, in der Musik und Architektur dieser Zeit. "Melencolia i" kann als "Melankolie verschwinde" gedeutet werden, gleichsam auch "ziehe 1 ab" - da I=1 (röm. Zahl)! Mache ich das am "Magischem Quadrat" erhalten sie das Muster der binären Zahlen, wie sie es auf meiner Abbildung sehen können. Seltsamer weise sind die Binärzahlen jedoch erst im 18.Jhh. von Leibniz entdeckt worden, der sie im Pa-qua (Hexagramme) fand. Albrecht Dürer kann das also nicht so "beabsichtigt" haben. Übrigens hatte Dürer einen berühmten Zeitgenossen: Leonardo da-Vinci!