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Termpaper, 2006, 32 Pages
Author: Oliver Bartelds
Subject: Sociology - Social System, Social Structure, Class, Social Stratification
Details
Institution/College: University of Hamburg (Department für Wirtschaft und Politik)
Tags: Graffiti, Phänomen, Sozialpsychologie, Sozialisationstheorie
Year: 2006
Pages: 32
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 18 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-50988-6
ISBN (Book): 978-3-638-72468-5
File size: 2476 KB
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Abstract
In unserer pluralistisch-individualistischen Gesellschaft organisieren sich Jugendliche heute weitgehend in Peers innerhalb von Jugendszenen, in denen sie ihre soziale und gesellschaftliche Rollenfindung erproben. In dem Konflikt zwischen persönlichen Vorstellungen und gesellschaftlichen Realisierungsmöglichkeiten werden dabei nicht selten Auseinandersetzungsformen im Grenzbereich der Illegalität ausgetestet. Ein besonders eindruckvolles Beispiel hierfür ist in der seit mehr als 30 Jahren andauernden Entwicklung eines mittlerweile weltweiten Phänomens zu finden: Graffiti. Diese in New York entstandene Form des Graffiti ist der bisher deutlichste, häufig illegale, visuelle Eingriff in das urbane Leben und in jeder Stadt der Bundesrepublik sowie der übrigen westlichen Wertegemeinschaft, unterschiedlich stark ausgeprägt obligatorisch. In der Arbeit wird der Frage nach der Motivation der Writer für ihr, sich häufig wiederholendes, nonkonformistisches Verhalten nachgegangen. Hierzu wird zunächst der Ursprung des Writings im, für die Kultur mythischen, New York der siebziger Jahre ausführlich erläutert, um dem Leser einen Einblick in eine Subkultur zu vermitteln, die mittlerweile, in häufig nur minimal veränderten regionalen Kontexten, zu einer globalisierten, subkulturellen Praxis Jugendlicher geworden ist. Es wird erläutert, wie die Writer innerhalb ihrer Subkultur als Methode der Subversivität, und vor allem in deren Peers, soziale Anerkennung erfahren, und der Grad der Identifikation innerhalb der Writing-Szene zu einem hohen Maße positiv mit der aus dieser erfahrenen Anerkennung korreliert. Hierzu werden die idealtypischen Stationen, in der Karriere innerhalb der Szene anhand von authentischen Zitaten einiger Writer analysiert.
Excerpt (computer-generated)
Universität Hamburg
Department für Wirtschaft und Politik
Hausarbeit im Rahmen der Veranstaltung:
Sozialpsychologie und Sozialisationstheorie
I just write my name:
Graffiti- ein gesellschaftliches Phänomen
eingereicht von:
Oliver Bartelds
WiSe 2005/ 2006
Inhaltsverzeichnis
1 Graffiti- Eine Einführung in ein globales Phänomen ... 1
2 Problemstellung und Gang der Untersuchung ... 2
3 Historische Entwicklung des Writings ... 3
3.1 Getting up- Das originale Writing in New York City ... 3
3.2 Die globale Vermarktung der Writing-Subkultur ... 5
3.3 Graffiti- Zeichen des HipHop? ... 6
4 Exkurs- Die Rechtslage in der BRD ... 9
5 Erklärungsansatz zur Motivation der Writer-Tagger- Toys und harter Kern ... 11
5.1 Writing als Trend- Die Tagger ... 12
5.2 Die nächste Stufe- Toys ... 14
5.3 Der harte Kern ... 15
6 Zusammenfassende Schlussbetrachtung ... 17
Quellenverzeichnis
- Literatur
- Internetquellen
- Zeitschriften
Glossar
Anhang:
1. Abbildungsverzeichnis: - Abbildungen 1-17
2. Abbildungen
1 Graffiti- Eine Einführung in eine globales Phänomen
In unserer pluralistisch-individualistischen Gesellschaft organisieren sich Jugendliche heute weitgehend in Peers innerhalb von Jugendszenen, in denen sie ihre soziale und gesellschaftliche Rollenfindung erproben. In dem Konflikt zwischen persönlichen Vorstellungen und gesellschaftlichen Realisierungsmöglichkeiten werden dabei nicht selten Auseinandersetzungsformen im Grenzbereich der Illegalität ausgetestet.1
Ein besonders eindruckvolles Beispiel hierfür ist in der seit mehr als 30 Jahren andauernden Entwicklung eines mittlerweile weltweiten Phänomens zu finden: Graffiti. Während Parolen und Nonsenssprüche seit der Erfindung der Sprühdose ins Bild jeder Kleinstadt gehören, beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit einer speziellen Form des Graffitis, dem Writing.2
Diese in New York entstandene Form des Graffiti ist der bisher deutlichste, häufig illegale, visuelle Eingriff in das urbane Leben und in jeder Stadt der Bundesrepublik sowie der übrigen westlichen Wertegemeinschaft, unterschiedlich stark ausgeprägt obligatorisch. In kaum einem Ort findet man sie nicht, die schnell ausgeführten Signaturen, die so genannten Tags, einfache Silberbilder oder komplizierte, für den Laien nicht zu entziffernde Schriftzüge, häufig mit ergänzenden figürlichen Darstellungen.3 Das Besondere am Writing ist die Tatsache, dass die angesprochenen Formen der Buchstabenverbreitung einem einfachen Prinzip folgen, nämlich dass es sich um eine Bildersprache der Akteure handelt, in der mit Hilfe des selbst gewählten Pseudonyms im soziokulturellen Umfeld der Writer agiert wird, oder, um in der Sprache der Sprüher zu bleiben, Fame zu erlangen und seinen Namen und den seiner Crew innerhalb der Szene bekannt zu machen. Der Name des Writers ist als Botschaft seines Graffitis anzusehen. I just write my name, bringt diese Tatsache der Writer Skeme im Dokumentarfilm Stylewars auf den Punkt.4
2 Problemstellung und Gang der Untersuchung
In der vorliegenden Arbeit wird nunmehr die Frage nach der Motivation der Writer für ihr, sich häufig wiederholendes, nonkonformistisches Verhalten nachgegangen. Hierzu wird zunächst der Ursprung des Writings im, für die Kultur mythischen, New York der siebziger Jahre ausführlich erläutert, um dem Leser einen Einblick in eine Subkultur zu vermitteln, die mittlerweile, in häufig nur minimal veränderten regionalen Kontexten, zu einer globalisierten, subkulturellen Praxis Jugendlicher geworden ist.5 Als Subkultur wird hierbei ein kulturelles Teilsystem einer übergreifenden Einheit definiert, dessen Werte und Normen denjenigen des Gesamtsystems widersprechen können, wobei dem Konfliktelement zumindest manifest keine zentrale Bedeutung zukommt.6
Den Schwerpunkt der Betrachtung bildet hierbei die Szene in der BRD, wobei das Netzwerk der Writing-Kultur schon längst die Grenzen der Nationalstaaten überwunden hat. Nach einem Exkurs zur Rechtslage, der unumgänglich ist, da es sich bei den angebrachten Schriftzügen häufig, aber nicht ausschließlich, um illegale Werke handelt, was nicht unerhebliche, vor allem finanzielle Folgen, für die Sprüher haben kann und die Kriminalisierung der Writer einen erheblichen Einfluss auf deren Motivation, vor allem im Hinblick auf die Subversivität ihrer Handlung, ausübt.
Des Weiteren wird erläutert, wie die Writer innerhalb ihrer Subkultur als Methode der Subversivität, und vor allem in deren Peers, soziale Anerkennung erfahren, und der Grad der Identifikation innerhalb der Writing-Szene zu einem hohen Maße positiv mit der aus dieser erfahrenen Anerkennung korreliert. Hierzu werden die idealtypischen Stationen, in der Karriere innerhalb der Szene anhand von authentischen Zitaten einiger Writer analysiert.
[...]
1 Vgl. Qualifizierter Sachbericht des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, http://www.HipHop-Hamburg.de, Zugriff 19.03.2006
2 Die Sprüher bezeichnen sich in der Regel als Writer, denn der Name, den sie schreiben, ist nach ihrem Verständnis die zentrale Aussage ihrer Handlungen in Form von Tags und Pieces. Die Bezeichnung stammt, wie nahezu alle szeneinternen Vokabeln aus der Sprache die sich mit der Entstehung der Szene im New York der siebziger Jahre entwickelte. Eine Übersicht der wichtigsten Vokabeln findet sich im Glossar des Anhangs. Die Gesamtheit der Kultur der Writer wird in dieser Arbeit als „Writing“ bezeichnet.
3 Vgl. Abbildung 1: Tags in Berlin; Abbildung 2: Silberbilder; Abbildung 3: Pieces in Hamburg
4 Stylewars, ein Dokumentarfilm von Tony Silver und Henry Chalfant zeigt den Stand der Szene in New York 1982. Im Film wird u. a. eine Diskussion zwischen dem sechzehnjährige Skeme und seiner Mutter gezeigt, in der dieser versucht seine Motivation für die zahllosen Bilder auf den Subways der Stadt zu vermitteln. Der Film ist bis heute Kult in der Szene und viele der gezeigten Writer wurden zu mystischen Gestalten des Writings.
5 Vgl. G. Klein, 2003, S. 85ff
6 Vgl. Miller 1958, Yinger 1960, aus S. Lamnek, 1993, S. 306
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