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Diploma Thesis, 2006, 83 Pages
Author: Frank Christian Petersen
Subject: Pedagogy: Common Didactics, Educational Objectives
Details
Tags: Neurodidaktik, Didaktik, Eine, Untersuchung, Didaktik, Exkurs, Behaviorismus
Year: 2006
Pages: 83
Grade: Sehr gut (1)
Bibliography: ~ 50 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-51299-2
ISBN (Book): 978-3-638-70871-5
File size: 1116 KB
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Abstract
Die wissenschaftliche Arbeit "Neurodidaktik - eine neue Didaktik" befasst sich mit den neuen Erkenntnissen der Neurowissenschaft in Bezug auf Lernprozesse, greift diese auf und untersucht sie auf Umsetzbarkeit in pädagogische Prozesse. Dabei wird kritisch der Begriff Neurodidaktik analysiert. Ein Exkurs führt zum Behaviorismus und stellt diesen in Kontrast zu hirnbiologischen Lernprozessen. Rekurriert wird dabei auf pädagogische Publikationen zur Neurodidaktik und auf Veröffentlichungen von Neurowissenschaftler zum Lernen, etwa Wolf Singer, Gerhard Roth und Manfred Spitzer. Im Mittelpunkt steht der naturwissenschaftliche Blick auf das Organ unseres Lernens, dem Gehirn.
Excerpt (computer-generated)
Universität Flensburg
Neurodidaktik - eine neue Didaktitk? Eine Untersuchung zu einer neurowissenschaftlich geleiteten Didaktitk sowie ein vergleichender Exkurs zum Behaviorismus
von: Frank Christian Petersen
Inhaltsverzeichnis
1. Intention ... 4
2. Neuroboom ... 6
3. Begriffsbestimmungen ... 8
3. 1. Neurodidaktik ... 8
3. 2. Der Forschungszweig Neurobiologie ... 11
3. 3. Behaviorismus und Black Box ... 12
3. 4. Der Lernbegriff ... 16
3. 5. Didaktik ... 19
4. Neurobiologie ... 21
4. 1.Wissensschub durch moderne Diagnostiken ... 21
4. 2. Das Objekt des Interesses ... 25
5. Neue Erkenntnisse der Neurowissenschaft ... 31
5. 1. Stress ... 31
5. 2. Neuroplastizität ... 32
5. 3. Gedächtnis ... 35
5. 3. 1. Gedächtnismodelle ... 35
5. 3. 2. Langzeitpotenzierung ... 36
5. 3. 3. Gedächtnisinhalte ... 37
5. 3. 4. Emotionen und Gedächtnis ... 39
6. Die Lehrkunst der Neurobiologen ... 40
6. 1. Pauken ... 41
6. 2. Emotionen und Aufmerksamkeit ... 42
6. 3. Entwicklungsfenster ... 43
6. 4. Lernen und Medien ... 45
6. 5. Roth, Singer und Co ... 45
7. Die neurowissenschaftliche Lehrkunst der Pädagogen ... 47
7. 1. Gerhard Friedrich ... 47
7. 2. Michaela Meier ... 50
7. 3. Margret Arnold ... 53
7. 4. Internet und Neurodidaktik ... 54
8. Vergleich und erste Kritik ... 55
8. 1. Lernumwelt ... 56
8. 2. Wiederholungen und Pauken ... 57
8. 3. Entwicklungsfenster ... 58
8. 4. Anknüpfung an Vorwissen ... 59
8. 5. Gefühle ... 60
8. 6. Tradiertes Wissen in neurowissenschaftlichem Licht ... 61
8. 7. Divergenzen bei Neurodidaktikern ... 63
9. Zur Theorie der Didaktik in der Neurodidaktik ... 64
9. 1. Didaktik bei Friedrich ... 64
9. 2. Didaktik bei Meier ... 67
10. Eine Zusammenfassung ... 69
11. Konklusion ... 70
12. Neurowissenschaftliches Licht in der Black Box?... 72
13. Fazit ... 75
14. Persönliches Resümee ... 77
Literaturverzeichnis ... 80
1. Intention
In den letzten Jahren hat die Pädagogik zusehends einen naturwissenschaftlichen Bereich rezipiert, der traditionsgemäß eher eine geringe Bedeutung hatte für erziehungswissenschaftliche Aspekte: die Neurobiologie.1
Das Interesse war und ist wechselseitig.
Die Neuroforschung versucht mit Wissenschaftlern wie Manfred Spitzer, Gerhard Roth, Wolfgang Singer und vielen anderen neuere Erkenntnisse dieser Disziplin in die Pädagogik zu transferieren, während die Pädagogik ihrerseits versucht eben aus jenen neurowissenschaftlichen Erkenntnissen Gewinn für die Erziehungspraxis zu ziehen. Schnell war ein neuer Begriff für diese Verquickung von Neurowissenschaften und Pädagogik generiert: Neurodidaktik.
Der Begriff der Neurodidaktik wurde 1988 von Prof. Gerhard Preiß, Professor für Didaktik der Mathematik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg i. Br., geprägt, und als neue wissenschaftliche Disziplin eingeführt.2
Infolge dieser neuen Begrifflichkeit und des großen Interesses an diesem Thema, insbesondere von pädagogischer Seite, folgte eine Flut von Publikationen in Buchform oder in Zeitungen und Magazinen, die denken lassen, dass eine neue Lerntheorie - oder besser: Lehr- und Lernkunst - geschaffen wurde, und nun Erkenntnisnovitäten für die pädagogische Praxis zur Verfügung stünden.
Auffallend ist bei Sichtung der vielfältigen Publikationen zum Thema, dass der Terminus Neurodidaktik, manchmal gar Neuropädagogik, nicht explizit bei Neurowissenschaftlern Verwendung findet, sondern vor allem bei Erziehungswissenschaftlern und Pädagogen.
Der eifrige, anhaltende Diskurs um Pro und Kontra der Neurodidaktik und deren Rezeption mag zum Teil in den schlechten Ergebnissen der PISA-Studien zu suchen sein, in der Hoffnung der Pädagogen, hier aus einem naturwissenschaftlichen Ressort „Amtshilfe“, wenn nicht gar Rezepte für ein besseres Lehren und Lernen zu bekommen.
Generell erfährt die Neurowissenschaft als innovative, vermeintlich zukunftsträchtige Naturwissenschaft zur Zeit große Aufmerksamkeit.
So hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung 34 Millionen Euro für die Hirnforschung zur Verfügung gestellt.
Infolge dieses "Bernstein-Zentren für Computational Neuroscience" genannten Programms des BMBF (benannt nach dem deutschen Physiologen Julius Bernstein (1839-1917)) ist laut Ministerium „ein besonderer Erkenntnisfortschritt ... von der sehr dynamischen Forschungsrichtung der "Computational Neuroscience" zu erwarten. Diese verbindet Experiment, Datenanalyse und Computersimulation auf der Grundlage wohl definierter theoretischer Konzepte. Zentrales Anliegen der Computational Neuroscience ist die Aufklärung der neuronalen Grundlagen von Hirnleistungen von der Verarbeitung komplexer Sinnesreize über Lernvorgänge und den Abruf gespeicherter Information bis zur Planung und präzisen Koordination verhaltens-relevanter Bewegungsmuster.“3
Hier werden offensichtlich außerordentlich hohe Erwartungen in die Neurowissenschaften gesetzt, eben auch in Bezug auf den Lernzusammenhang.
Diese Arbeit untersucht, inwieweit tatsächlich durch aktuelle neurowissenschaftliche Ergebnisse neue Instrumente für pädagogisches Handeln zur Verfügung stehen, wie es der Begriff Neurodidaktik andeutet, und inwieweit der Transferversuch neurophysiologischer Erkenntnisse in die Pädagogik gelungen ist.
Zur Untersuchung dieser Fragen wird unter anderem die klassische behavioristische Lerntheorie in Kontrast zur Neurodidaktik gesetzt, da sowohl Behaviorismus als auch die Neurowissenschaften den Anspruch von Exaktheit und Überprüfbarkeit im Sinne von „Hard Science“ für sich beanspruchen, gleichzeitig aber gänzlich unterschiedliche, ja konträre Auffassungen vom Lernen haben.
Die Neurodidaktik selbst sieht sich über den Behaviorismus in der Kritik. So schreibt der Erziehungswissenschaftler und Schüler des Neurodidaktikers Preiß, Gerhard Friedrich: „Aus persönlichen Erfahrungen weiß ich, dass hier vor allem die Angst dahintersteht, dass sich hinter dieser „neuen“ Didaktik in Wirklichkeit lediglich eine in neuer Sprache verpackte behavioristische (...) Didaktik verbirgt.“4
Andere Lerntheorien, wiewohl gleichermaßen wichtig, werden hier nicht ausführlicher thematisiert, um eine kontrastreiche Eingrenzung und Fokussierung zu erlauben; auch würde der Vergleich mit anderen Lerntheorien den Rahmen dieser Arbeit sprengen.
Zudem soll untersucht werden, inwieweit jetzt Licht in die Black Box der Behavioristen fällt, ob also die neueren neurowissenschaftlichen Erkenntnisse tatsächlich einen Blick in das innerpsychische (Lern-) Geschehen zulassen und die bisher verborgenen Prozesse zwischen Stimulus und Reaktion erkennbar werden.
2. Neuroboom
[...]
1 Im Folgenden werden Neurobiologie, Neurophysiologie und der umfassendere Begriff Neurowissenschaft synonym gebraucht.
2 Vgl. http://www.neurodidaktik.de; 30.11.2005
3 http://www.bernstein-zentren.de; 30.11.2005
4 Friedrich 1995, S. 11
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