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Scholary Paper (Seminar), 2004, 21 Pages
Author: Carolin Kinder
Subject: Politics - Miscellaneous
Details
Institution/College: University of Constance
Tags: Legitimation, Theaterförderung, Deutschland, Kulturmanagement
Year: 2004
Pages: 21
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 13 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-51307-4
File size: 170 KB
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Abstract
Die deutsche Geschichte hat in ihrer Laufzeit eine einzigartige Kulturlandschaft hervorgebracht. Auf eine über 300-jährige Tradition zurückblickend konnte sich in Deutschland eine in Europa fast unvergleichbare Vielfalt und Dichte an Stadttheatern, Landesbühnen und Orchestern etablieren. Für viele stellt diese Einzigartigkeit eine „schützenswerte Kulturlandschaft“ und „ein unverzichtbarer Bestandteil des kulturellen Lebens der Bundesrepublik“ dar (Deutscher Bundestag, 2003). Gleichzeitig jedoch wird das Theater in der Gesellschaft vermehrt als ein Unterhaltungsprogramm neben vielen weiteren Medien angesehen. Ökonomisch hat es sich gegen ein stetig wachsendes Angebot an marktschnittigen Kulturwaren zu behaupten und den unterschiedlichen Erwartungen sowohl von Seiten des Publikums, als auch seitens des kulturpolitischen Bildungsauftrags und dem künstlerischen Selbstzweck gerecht zu werden. In diesem Spannungsfeld wird bei immer knapperen Kassen der Länder und Kommunen und nur halbvollen Theatersälen immer häufiger die Frage nach der Rechtfertigung der Finanzierung der Theater mit öffentlichen Mitteln gestellt. Ziel dieser Arbeit soll es nun sein, aufzuzeigen, warum in Deutschland das Theatersystem aus öffentlicher Hand finanziert wird und wie dies aus kulturpolitischer Sicht zu rechtfertigen ist. Vorab werden zum begrifflichen Verständnis die Definitionen von Kultur und Kulturpolitik eingeführt. Nach einem historischen Überblick über die Entwicklung des Theatersystems in Deutschland folgt die Darstellung der Ziele der Theaterförderung aus verschiedenen Blickwinkeln der Kulturpolitik. Zunächst wird dabei auf die juristische Verankerung eingegangen und anschließend die gesellschaftliche und ökonomische Funktion des Theaters erläutert, die eine staatliche Subvention rechtfertigen könnte.
Excerpt (computer-generated)
Die kulturpolitische Legitimation der öffentlichen
Theaterförderung in Deutschland
von: Carolin Kinder
Wintersemester 2003/2004, Fachsemester: 4
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition Kultur und Kulturpolitik 4
3. Kulturförderung und Kulturpolitik in Deutschland 5
3.1 Historische Entwicklung der Kulturförderung in Deutschland 5
3.2 Kulturpolitik in der Gegenwart 7
4. Die juristische Basis der Theaterförderung 8
4.1 Deutschland und der Einigungsvertrag – der deutsche Kulturstaat 8
4.2 Verfassungsrechtliche Grundlagen 9
5. Kulturpolitik als Gesellschaftspolitik 10
5.1 Theater als moralische Anstalt 10
5.2 Theater als Mittel der Integration und Kommunikation 11
5.3 Theater und die modernen Medien 12
6. Theaterförderung aus wirtschaftlicher Sichtweise 14
6.1 Theater als öffentliches Gut 14
6.2 Positive externe Effekte des Theaters 15
6.3 Theater als meritorisches Gut 17
7. Schlussbetrachtung 18
8. Literaturverzeichnis: 20
1. Einleitung
Die deutsche Geschichte hat in ihrer Laufzeit eine einzigartige Kulturlandschaft hervorgebracht. Auf eine über 300-jährige Tradition zurückblickend konnte sich in Deutschland eine in Europa fast unvergleichbare Vielfalt und Dichte an Stadttheatern, Landesbühnen und Orchestern etablieren. Für viele stellt diese Einzigartigkeit eine „schützenswerte Kulturlandschaft“ und „ein unverzichtbarer Bestandteil des kulturellen Lebens der Bundesrepublik“ dar (Deutscher Bundestag, 2003). Gleichzeitig jedoch wird das Theater in der Gesellschaft vermehrt als ein Unterhaltungsprogramm neben vielen weiteren Medien angesehen. Ökonomisch hat es sich gegen ein stetig wachsendes Angebot an marktschnittigen Kulturwaren zu behaupten und den unterschiedlichen Erwartungen sowohl von Seiten des Publikums, als auch seitens des kulturpolitischen Bildungsauftrags und dem künstlerischen Selbstzweck gerecht zu werden. In diesem Spannungsfeld wird bei immer knapperen Kassen der Länder und Kommunen und nur halbvollen Theatersälen immer häufiger die Frage nach der Rechtfertigung der Finanzierung der Theater mit öffentlichen Mitteln gestellt.
Ziel dieser Arbeit soll es nun sein, aufzuzeigen, warum in Deutschland das Theatersystem aus öffentlicher Hand finanziert wird und wie dies aus kulturpolitischer Sicht zu rechtfertigen ist. Vorab werden zum begrifflichen Verständnis die Definitionen von Kultur und Kulturpolitik eingeführt. Nach einem historischen Überblick über die Entwicklung des Theatersystems in Deutschland folgt die Darstellung der Ziele der Theaterförderung aus verschiedenen Blickwinkeln der Kulturpolitik. Zunächst wird dabei auf die juristische Verankerung eingegangen und anschließend die gesellschaftliche und ökonomische Funktion des Theaters erläutert, die eine staatliche Subvention rechtfertigen könnte.
2. Definition Kultur und Kulturpolitik
Die Begriffe Kultur und Kulturpolitik legen die Basis der Legitimation der öffentlichen Theaterförderung in Deutschland und sollen daher vorab genauer definiert werden. Da die Literatur jedoch keine einheitliche Definition über den Begriff Kultur und damit auch nicht über Kulturpolitik bietet, werden im weiteren Verlauf lediglich die gebräuchlichsten Begrifflichkeiten dargestellt. In dieser Arbeit wird die Definition nach Fabel (M. Fabel, 1998) dafür als Grundlage verwendet.
Folgt man der etymologischen Bedeutung des Wortes „Kultur“, findet man seinen Ursprung in dem lateinischen Verb „colere“, das mit bebauen, pflegen, ehren übersetzt wird (Roma BI Grammatik und Wortschatz, 1995). Da dies eine sehr breite Sinnvergabe darstellt, unterteilt Fabel „Kultur“ in einen normativen und einen deskriptiven Sinn. Unter einer normativen Auffassung versteht er Kultur als eine „kreative, künstlerische Arbeit und das daraus resultierende Werk, mit dem kein originär praktischer Zweck verfolgt wird (...).“. Die deskriptive Auslegung hingegen bezieht Fabel auf soziologischen Aspekte, wie Wertorientierung, Meinungsbildung und Umgangsformen. Für die vorliegende Arbeit ist die normative Bedeutung gewichtiger, da sie die künstlerische Bedeutung des Theaters weitgehender erfasst. Daher wird auf den deskriptiven Inhalt von „Kultur“ nicht weiter eingegangen.
Der Begriff „Kulturpolitik“ ist in seinem Sprachgebrauch auf das 19. Jahrhundert zurückzuführen. Bei genauerer Analyse der Wortzusammensetzung „Kultur“ und „Politik“ ist ihre Gegensätzlichkeit auffällig. Wird Kultur wie oben dargestellt normativ aufgefasst, dann wird ihre Bedeutung von kreativer Arbeit durch Politik – „Maßnahmen zur Führung, Erhaltung und Verwaltung eines Gemeinwesens“ (Der kleine Duden, Fremdwörterbuch, 1991) – scheinbar umgehend eingeschränkt. Dass dieser Antagonismus jedoch nicht die künstlerische Freiheit begrenzen muss, zeigt die folgende Definition wie sie für die Bundesrepublik Deutschland gilt:
„Kulturpolitik ist die Gesamtheit der Maßnahmen zur Planung und Koordinierung der Bereiche Kunst, Forschung und Wissenschaft, Erziehung und Bildung. [...]. In der Bundesrepublik (Deutschland) wird die Bildungspolitik als Hauptaufgabe der staatlichen Kulturpolitik angesehen. Grundsätzlich obliegt die Kulturpolitik den einzelnen Bundesländern (Kulurhoheit).“ (C. Lenz, N. Ruchlak, 2001). Die Länder als Träger der Kulturpolitik stehen dabei als Garant der pluralistischen Kultur in Deutschland (Vgl. M. Fabel, 1998). Somit drückt die bundesrepublikanische Definition von Kulturpolitik kein Staatsziel sondern alle Vorgehensweisen und Mittel zu ihrer freien Entfaltung aus.
3. Kulturförderung und Kulturpolitik in Deutschland
3.1 Historische Entwicklung der Kulturförderung in Deutschland
[...]
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