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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 24 Pages
Author: Anonym
Subject: Pedagogy - Intercultural Pedagogy
Details
Institution/College: University of Hildesheim (Schulpädagogik und Allgemeine Didaktik)
Tags: Migrantenkinder, Soziokulturelle, Hintergründe, Integrationsproblem, Aufgaben, Schule, Elternarbeit, Lehren, Lernen, Kindern, Lernvoraussetzungen
Year: 2006
Pages: 24
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 6 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-51318-0
File size: 178 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität Hildesheim
Seminar: Lehren und Lernen mit SchülerInnen
mit besonderen Lernvoraussetzungen
Wintersemester 2005 / 06, Sommersemester 2006
Migrantenkinder - Soziokulturelle Hintergründe,
das Integrationsproblem und damit verbundene
Aufgaben für Schule und Elternarbeit
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Die Situation von Migrantenkindern in Deutschland
2.1 Das Problem der “Außenseiterfunktion”
2.2 Differente Erziehung und Kultur
2.3 Ethnisch-kulturelle Defizite, Sprachschwierigkeiten, mangelhafter Bildungsstand und die Schwierigkeit, mit dieser Basis eine Ausbildungsstelle zu finden
2.4 Bewusste Ab- und ungewollte Ausgrenzung
2.5 Die Angst, nirgendwo mehr “dazuzugehören”
3. Möglichkeiten der Integrationsförderung von Kindern mit Migrationshintergrund an Schulen
3.1 Im schulischen Bereich: Interkultureller Unterricht
3.2 Im Bereich der Elternarbeit: Sprachkurse für Mütter mit Migrationshintergrund
4. Schlussbetrachtung
1. Vorwort
Seit wenigen Wochen steht die Presse sprichwörtlich Kopf. Der Grund dafür ist weniger überraschend als erschreckend: Eine Schule im Berliner Stadtteil Neukölln hat kapituliert. In einem offenen Brief an den Berliner Senat eröffneten die Lehrer der Schule, sie fühlten sich der vorherrschenden Situation nicht mehr gewachsen. Sie schilderten in erschütternden Worten ihre Hilflosigkeit und baten ganz offen um Hilfe. Doch was war passiert? Die Rütli(Haupt-) Schule im Berliner Stadtteil Neukölln unterscheidet sich eigentlich nicht von anderen Schulen “dieser Art”. Sie liegt in einem Stadtteil einer deutschen Großstadt, der fest in “ausländischer Hand “ ist. Viele verschiedene Nationen treffen in diesem “Großstadtghetto” aufeinander, wobei besonders die muslimischen Völker einen Großteil der Migranten ausmachen. Neukölln ist keine sehr begehrte, geachtete Wohngegend. Neben dem starken Ausländeranteil regiert hier die Arbeits-, aber auch die Hoffnungslosigkeit. Harz IV- Empfänger zu sein ist hier eine ganz alltägliche “Berufsausrichtung”. In den tristen Wohnbausiedlungen, den “Blocks”, herrscht eine dumpfe Stimmung. In den Eingängen der Plattenbauten lungern Obdachlose, auf den Straßen geben verschiedene ausländische “Jugendgangs” den Ton an. Selbst die Polizei, die oftmals in dieser Gegend gewalttätige Auseinandersetzungen schlichten muss, meidet einige, berüchtigte Straßen, sofern ihnen dies möglich ist. Hoffnung, diesen Stadtteil zu verlassen und so der allgemeinen Hoffnungslosigkeit zu entgehen, hegt kaum jemand. In dieser Gegend nun erlangte die Rütli-Schule traurige Berühmtheit.
Doch was ist es, was sie von anderen Schulen “dieser Art” unterscheidet? Ist es die Tatsache, dass die Schüler ausländischer Herkunft, die immerhin 83,2 Prozent der Gesamtschülerschaft an der Schule ausmachen, generell “Problemschüler” sind? Dass die Schüler so dermaßen voller Frust und Hoffnungslosigkeit sind, dass hier deshalb eine derart hohe Gewaltbereitschaft vorherrscht? Sind sie einfach skrupellos und brutal? Auf Konfrontationskurs mit den Erwachsenen? Oder aber gar mit den für sie “Anderen”, den Deutschen? Machen sie deshalb den Lehrern das Lehren “zur Hölle“? Liegt es daran, dass ihre Mentalitäten einfach nicht mit unserer deutschen Autoritätsauffassung vereinbar sind? Sind sie, die doch größtenteils hier in Deutschland geboren sind, eben doch Ausgeschlossene, die sich gar nicht integriert sehen wollen? Oder sind sie Opfer dieses Systems? Das ihnen eine neue Heimat verspricht, in der sie jedoch nie wirklich als “Heimische” angesehen werden? In der sie immer “Ausländer” bleiben, egal, seit wie vielen Generationen ihre Familie hier bereits lebt? Und ist es wirklich die Schuld dieser Generation von Schülern, dass sie zu wenig in Deutschland Fuß fassen? Oder aber liegt es vielmehr an der älteren Generation, die sich in “ausländischen” Vierteln niederlässt und so kaum Kontakt mit der deutschen “Außenwelt” aufnimmt, sondern lieber in ihrer Sprache ihrer eigenen Kultur nachgehen, ohne Rücksicht auf ihre Kinder, die in dieser “Innenwelt” aufwachsen und die sie damit auf ein “soziales Abstellgleis” verfrachten, das sie kaum je durchbrechen können? Wer wundert sich dann noch darüber, warum solche Schüler keine Lust mehr haben, zu lernen?
Und warum dieser Medienrummel um die Rütli Schule, die doch nur eine von vielen “dieser” Schulen ist? Sie steht mit ihren Problemen sicher nicht allein. Doch ist sie die erste Schule, die offen eingesteht, dass sie dem Problem nicht mehr allein Herr werden kann. Die offen kapituliert. Und die damit unglaubliches Aufsehen erregt. Die Menschen sind verwirrt, schockiert, verängstigt. Wer soll den aus der Misere helfen, wenn nicht geschultes Fachpersonal wie Lehrer? Doch diese stehen scheinbar allein auf weiter Flur. Denn auch mit zusätzlichen Sozialpädagogen ausländischer Herkunft, die die Migrantenschüler in deren Sprache betreuen, auch durch spezielle “Schulungen” über Migration und Interkulturelles Lernen, selbst durch beherztestes Engagement ist es schwer, der Problematik beizukommen, die durch jahrzehntelange (politische) Untätigkeit entstanden ist. Und doch schaut alle Welt auf die Rütli Schule und überhäuft die Lehrer mit Kritik. Und wenn der erste Schockzustand erst einmal vorbei ist? Wenn die Kamerateams vor der Schule abgerückt sind und die Medien so wie die Politiker sich für neue Themen interessieren? Dann gerät das Problem abermals in Vergessenheit- bis eine neue Eskalation die Gemüter erschüttert. Doch wie viele Eskalationen braucht es noch, um endlich der Tatsache ins Auge zu sehen, dass wir so nicht weiter kommen? Wann folgen der langen Worte endlich Taten?
Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, meine Hausarbeit der Problematik “Migrantenkinder” zu widmen. Bereits im Seminar hat mich dieses Thema sehr zum Nachdenken angeregt. Über die Situation der Kinder, die, obwohl doch meist hier geboren, immer stets die “Fremden” sein werden. Weil sie Sprachprobleme haben. Eine andere Kultur. Andere Ansichten. Und eine andere Erziehung. Und darüber, wie man es schaffen kann, dieses dringend notwendige Handeln zumindest auf einer kleinen, und doch elementaren Ebene - dem Unterricht- zu verwirklichen. Denn nur aus kleinen Teilen kann irgendwann einmal ein großes Ganzes entstehen, und wer, wenn nicht die Schule mit ihrem Bildungs- und Erziehungsauftrag, sollte damit beginnen?
2. Die Situation von Migrantenkindern in Deutschland
Nachdem Deutschland bereits über 45 Jahre ein Einwanderungsland ist, leben hier meist schon mehrere Folgegenerationen der ursprünglichen Gastarbeiter, die in den Sechzigerjahren in Deutschland Arbeit suchten und dieses Land zu ihrer neuen Heimat machten. Wo früher hauptsächlich Italiener und russische Einwanderer dominierten, geraten heute hauptsächlich die islamischen Migranten in das öffentliche Interesse. Ihre Zahl wächst ständig, immer mehr Menschen aus islamischen Ländern wählen Deutschland als Wahlheimat. Durch ihr oftmals fremd wirkendes Äußeres (zum Beispiel das Kopftuch) und ihre breit gefächerte Kultur (wobei besonders die Religion und die Geschlechterhierarchie immer wieder Aufsehen erregt) stechen sie besonders in unserer Gesellschaft hervor. In meiner Hausarbeit widme ich mich hauptsächlich diesen Migranten, wobei die türkischstämmigen Jugendlichen als Beispiel für jene Gesamtgruppe der islamischen Einwanderer fungieren soll. Den Kindern dieser (islamischen) Migrantengenerationen wird seit geraumer Zeit vermehrte Aufmerksamkeit zuteil: Besonders seit dem Ergebnis der PISAStudie, die belegte, dass nirgendwo der Bildungsgrad so stark mit der sozialen und ethnischen Situation verknüpft ist wie in Deutschland, geraten diese Schüler vermehrt in den öffentlichen, aber auch in den pädagogischen Blickwinkel. Ihr Bild in der Öffentlichkeit ist nicht eben positiv, es wird mit zunehmendem Alter sogar immer schlechter. Jugendliche Migranten stellen einen erheblichen Teil der deutschen Kriminalstatistik, sie gelten als Unruhestifter und als bewusst unangepasst: Eine Generation “deutscher Ausländerkinder und -jugendlicher” auf Konfrontationskurs. Doch worin liegt dieses Problem begründet?
2.1 Das Problem der “Außenseiterfunktion”
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