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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 30 Pages
Author: Anonym
Subject: Theology - Biblical Theology
Details
Institution/College: University of Hildesheim (Evangelische Theologie)
Tags: Biblische, Exegese, Textstelle, Genesis, Jakob, Laban, Jakob, Rahel, Jakobs, Söhne, Biblische, Exegese
Year: 2006
Pages: 30
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 6 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-51319-7
ISBN (Book): 978-3-638-59872-9
File size: 290 KB
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Abstract
Die Erzelternerzählungen, zu denen auch die behandelte Jakob/ Lea/ Rahelerzählung zählt, ist ein Bestandteil des 1. Buches Mose, der Genesis, das vom "Ursprung" der Menschheit und des Volkes Israel berichtet. Die behandelte Erzählung bildet, eingebettet in die Erzelternerzählungen, den zweiten Teil der Genesis, deren thematische Gliederung sich in die beiden Teilthemen der Urgeschichte (Gen 1 - 11) und der Erzvätergeschichte (Gen 12 - 50) [Vgl. Schmitt, Hans-Christoph: Arbeitsbuch zum Alten Testament. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, UTB 2005. S.173f. (Im Folgenden abgekürzt mit: Schmitt.)] (die in der modernen Theologie auch als Erzelterngeschichte bezeichnet wird, da den Frauen dort eine ebensogroße Bedeutung zukommt wie den Männern) unterteilt. Die Erzählung von Jakob bei Laban, seiner Ehe mit Lea und Rahel und die Geburt der Söhne (Gen. 29,14 - 30,24) knüpft an die Erzelternerzählungen von Abraham und Sara sowie Isaak und Rebekka an, sie bildet quasi den thematischen Fortgang der Familiengeschichte der Erzeltern.
Excerpt (computer-generated)
Universität Hildesheim
Leistungsnachweis im Bereich Biblische Theologie
Sommersemester 2006
Biblische Exegese der Textstelle Genesis 29, 14 bis 30,24:
′Jakob bei Laban / Jakob dient um Lea und Rahel / Jakobs Söhne′
Inhaltsverzeichnis
1. Exegetische Betrachtung
1.1 Die Erzelterngeschichten als ein Bestandteil des Pentateuchs S. 1
1.2 Der Streit um die Verfasserschaft S. 1
1.3 Ein Zusammenspiel des Elohisten, des Jahwisten und der Priesterschrift S. 2
2. Der historische Hintergrund
2.1 Die Lebensform der “Erzeltern” S. 4
2.2 Die Religion der Erzeltern S. 5
2.2.1 Die familiäre Gottesvorstellung und Gottesbeziehung S. 5
2.2.2 Die religiösen Vorgänge innerhalb der Familie S. 7
2.3 Die Stellung Geschlechter zur Zeit der Erzeltern
2.3.1 Patriarchat im alten Israel S. 8
2.3.2 Zur Funktion des Mannes in der Gesellschaft S. 9
2.3.3 Die Stellung der Frau im Sozialgefüge S.10
3. Textinhalt
3.1 Jakob bei Laban
3.1.1 Die Bedeutung des Verwandtschaftsverhältnisses S.11
3.1.2 Jakobs Dienst bei Laban S.12
3.1.3 Labans Betrug an Jakob : Unrecht oder Lektion hinsichtlich seines eigenen Betruges an seinem Bruder Esau? S.13
3.1.4 Lea und Rahel: Mittäterinnen oder Mitbetrogene bei der Täuschung Jakobs durch ihren Vater Laban? S.15
3.2 Die Konkurrenz der Frauen
3.2.1 Die Konkurrenz um Jakobs Liebe - eine Frage von Schönheit und Hässlichkeit? S.18
3.2.2 Die Einbeziehung von“Geburtsstellvertreterinnen” in den Kampf der Schwestern um Nachkommen: Die Sklavinnen Bilha und Silpa als stellvertretende Mütter einiger Jakob-Söhne S.20
3.2.3 Die Namengebung der Söhne als Zeichen des Wettstreits zwischen den Frauen S.23
3.2.4 Liebeszauber und Verkauf männlicher Sexualität als Mittel im Schwesternstreit sowie die Geburt und Namengebung weiterer Söhne S.25
3.3 Die Stämme Israels
3.3.1 Aus den Söhnen Jakobs werden die 12 Stämme Israels S.28
3.4 Die Gottesvorstellung der Jakoberzählung in Gen.29,31 - 30,24. S.29
1. Exegetische Betrachtung
1.1 Die Erzelterngeschichten als ein Bestandteil des Pentateuchs
Die Erzelternerzählungen, zu denen auch die behandelte Jakob/ Lea/ Rahelerzählung zählt, ist ein Bestandteil des 1. Buches Mose, der Genesis, das vom “Ursprung” der Menschheit und des Volkes Israel berichtet. Die behandelte Erzählung bildet, eingebettet in die Erzelternerzählungen, den zweiten Teil der Genesis, deren thematische Gliederung sich in die beiden Teilthemen der Urgeschichte (Gen 1 - 11) und der Erzvätergeschichte (Gen 12 - 50) 1 (die in der modernen Theologie auch als Erzelterngeschichte bezeichnet wird, da den Frauen dort eine ebensogroße Bedeutung zukommt wie den Männern) unterteilt. Die Erzählung von Jakob bei Laban, seiner Ehe mit Lea und Rahel und die Geburt der Söhne (Gen. 29,14 - 30,24) knüpft an die Erzelternerzählungen von Abraham und Sara sowie Isaak und Rebekka an, sie bildet quasi den thematischen Fortgang der Familiengeschichte der Erzeltern.
1.2 Der Streit um die Verfasserschaft
Noch bis 1906 waren sich theologische Forscher einig, dass der Prophet Mose allein der Verfasser des Pentateuchs (der fünf Bücher Mose) sein könne, da derart dogmatisch und kanonisch bedeutsame Schriften mit derartiger göttliche(r) Inspiriert(heit )2 nur von dem Propheten Mose allein verfasst sein könnten. Diese Auffassung wurde jedoch 1984 im Rahmen der Päpstlichen Bibelkommission zugunsten der “vorurteilsfreien” Bibelauslegung aufgegeben.3
Selbst in der Bibel wird Mose stets lediglich als derjenige aufgefasst, der Teile der Pentateuchüberlieferung aufschreibt (das Gesetz von Ex 20ff, das deuteronomische Gesetz in Dtn 31,9 , aber auch das Moselied in Dtn 32), er wird jedoch nie als vollständiger Verfasser des gesamten Pentateuchs erwähnt.4 Dagegen sind die Gelehrten Philio und Josephus im 1.Jh. n. Chr. Von der Gesamtverfasserschaft Moses überzeugt, sie gehen sogar so weit, zu behaupten, Moses habe sogar den Bericht über seinen eigenen Tod in Dtn 34 selbst verschriftlicht. Diese Ansicht scheint sich in der folgenden Zeit sowohl im Judentum, als auch in der späteren christlichen Kirche gefestigt zu haben. Allerdings finden sich bereits bei Theologen des Mittelalters (wie z.B. bei dem Reformator Andreas Bodenstein im 15./16. Jh.) Zweifel, da im Deuteronomium selbst beispielsweise das Ostjordanland als das Land “jenseits des Jordans“ bezeichnet wird, was darauf schließen lässt, dass der Verfasser selbst im Westjordanland lebte, was eine Gesamtverfasserschaft des Mose kategorisch ausschließt. Der Theologe Richard Simon (17.Jh.) dagegen versucht, auf das Problem eine adäquate Lösung zu finden, indem er annimmt, Mose habe Schreiber beauftragt, die in einem Zeitraum von tausend Jahren die Überlieferungen tradierten, die dann in der nachexilischen Zeit zu einem Gesamtwerk zusammengestellt wurden. 5 Später wandten sich dann allerdings immer mehr Theologen der so genannten Fragmenthypothese 6 zu, die davon ausgeht, dass der Pentateuch keine Gesamtverfasserschaft zulässt, da er aus mehreren Fragmenten besteht, was unter anderem aan den verschiedenen Gottesnamen (Elohim und Jahwe) deutlich wird. 7
1.3 Ein Zusammenspiel des Elohisten, des Jahwisten und der Priesterschrift
Tatsächlich bildet die behandelte Erzählung von Gen. 29,14 - 30,24 ein Zusammenspiel der drei verschiedenen Schriften der Priesterschrift, des Jahwisten und des Elohisten. Die gesamte Erzählung Gen. 29-31 bildet eine Verschmelzung des Elohisten und des Jahwisten. Charakterprägend für den Elohisten ist die konsequente Verwendung des Gottesnamens “Elohim”, die auch in der Geschichte um Jakob, Lea und Rahel teilweise verwendet wird. Datiert werden diese Fragmente etwa auf die Zeit zwischen 800 und 760 v. Chr., als die Trennung des Nordreichs vom Südreich bereits vollzogen war und die Menschen unter der Bedrohung fremder Völker zu leiden hatten. 8 Kennzeichnend für den Elohisten wäre allerdings die Distanz zwischen Mensch und Gott, die durch Gottesfurcht geprägt ist.9 Dieses Gottesbild entspricht weniger dem der Geschichte um Jakob, Lea und Rahel, in der sich Gott als ein sehr persönlicher Gott erweist, der in enger Verbindung zu den Menschen steht. Hier zeigen sich Fragmente des Jahwisten, der die Beziehung Gottes zu allen Menschen hervorhebt. Gott wird hier nahezu anthromorphisiert, er wendet sich unmittelbar den Menschen zu und ist für sie da (Gnade Gottes), ohne eine strenge Distanz zu wahren.10 Die Entstehungszeit der jahwistischen Fragmente ist strittig. Einig sind sich die Theologen darin, dass die Königszeit um David und Salomos bereits bekannt war, was darauf schließen lässt, dass die frühste Entstehungszeit bereits um 940 v. Chr. Liegen kann, geht man davon aus, dass sie während dieser Zeit verfasst wurde. Ein Indiz dafür, dass die Fragmente vor der Reichstrennung 926 v. Chr. entstanden sein könnten, könnte sein, dass Jahwe Abraham verspricht, er werde sein Volk zu einem “großen Volk” machen, was eine bedeutsame Nation mit einheitlicher politischer Führung und einem eingegrenzten Territorium voraussetzt, wie es zur Zeit König Davids durchaus der Fall war. Dagegen spräche jedoch die Tatsache, dass die Landverheißung auch in anderen Fragmenten erscheint, die eindeutig nach dem Zusammenbruch der Königsherrschaft entstanden sind. Die meisten Argumente finden sich insgesamt für die Tatsache, die jahwistischen Fragmente ins 6. Jh. v. Chr. (Voraussetzung der Schriftprophetie, Segensverheißungen an Israel, die Mehrzahl von Heiligtümern) zu datieren. Insgesamt lässt sich sagen, dass diese Fragmente Teil eines umfangreichen Entstehungsprozesses sind. Texte und Schriften aus der Königszeit wurden von einem (nach)exilischen Schreiber festgehalten und überarbeitet, wobei der Prozess etwa in früher nachexilischen Zeit beendet wurde, was unter anderem mit der Aufnahme elohistischer Texte darin zu befestigen ist.11 Als Entstehungsort der jahwistischen Fragmente wird Juda angesehen, da einige kulturelle Handlungen innerhalb des Pentateuchs auf die judäisch-känitische Tradition zurückzuführen sind (beispielsweise die Kaindarstellung in Gen.4 oder die Erzählung von Kundschaftern aus Hebron)12. Lediglich in Gen.29,24.28b und 29 treten Priesterschriftliche Fragmente in den Vordergrund. Diese Fragmente lassen sich in die Zeit datieren, in der das deuteronomische Gesetzeswerk (wird als selbstverständlich vorausgesetzt) sowie die Schriftprophetie (anhand der Sintfluterzählung in Gen.6,13) bereits bekannt waren, es finden sich zudem Anhaltspunkte für das Ende der Staatlichkeit Israels (da z.B. in Ex. 12,3 ff. von Israel bereits als “Gemeinde” die Rede ist). Ob die priesterschriftlichen Fragmente jedoch in der Exilzeit oder aber der frühen Nachexilzeit verfasst wurden, bleibt umstritten. Zu vermuten ist, dass ein Großteil während der Exilzeit verfasst und in der frühen nachexilischen Zeit ergänzt wurde. Als Entstehungsort für die Priesterschrift werden demnach entweder das babylonische Gola oder aber das nachexilischen Jerusalem gesehen.13 Kennzeichnend für das Gottesverständnis der Priesterschrift ist ein zwar allmächtiger, den Menschen jedoch zugleich auch nahe stehender Gott, der vor allem durch Verheißungen mit ihnen in Kontakt tritt.14
2. Der historische Hintergrund
2.1 Die Lebensform der “Erzeltern”
[...]
1 Vgl. Schmitt, Hans-Christoph: Arbeitsbuch zum Alten Testament. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, UTB 2005. S.173f. (Im Folgenden abgekürzt mit: Schmitt.).
2 Ebd. S.176, Z.12
3 Vgl. Ebd. S.176.
4 Vgl. Schmitt S.176f.
5 Vgl. Ebd. S.177f.
6 Ebd. S.179, Z.13.
7 Vgl. Ebd. S.179.
8 Vgl. Schmitt. S.228.
9 Vgl. Ebd. S.229f.
10 Vgl. Ebd. S.216.
11 Vgl. Schmitt S.214f.
12 Vgl. Ebd. S.214.
13 Vgl. Ebd. S.194f.
14 Vgl. Ebd. S.195f.
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