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Hausarbeit, 2006, 22 Seiten
Autor: Sina Schmidt
Fach: Musikwissenschaft
Details
Institution/Hochschule: Technische Universität Dresden (Institut für Musikwissenschaft)
Tags: Béla, Bartóks, Viola, Posth, Entstehung, Einflüsse, Béla, Bartók, Komponist, Musikethnologe
Jahr: 2006
Seiten: 22
Note: 1
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-51354-8
ISBN (Buch): 978-3-638-66467-7
Dateigröße: 1505 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Das "Viola concerto" gilt als Bartóks letztes Werk und es gelang ihm nicht, diese Auftragsarbeit vor seinem Tode zu vollenden. Bartóks Schüler Tibor Searly schrieb eine vervollständigte Fassung des Werkes, die allerdings äußerst umstritten ist, vor allem, weil das zu Grunde liegende Originalmanuskript bis zum Tode Searlys spurlos verschwunden war und heute große Probleme mit den Urheberrechten auftreten. Diese Arbeit widmet sich nun der Entstehungsgeschichte, sowie ein musiktheoretischen Formanalyse dieses viel diskutierten und virtuos anspruchsvollem Viola-Konzertes und wagt einen kurzen Ausblick auf in neuerer Zeit entstandender Vervollständigungen jeseits Searlys.
Textauszug (computergeneriert)
Technische Universität Dresden, Institut für Musikwissenschaft
Seminar: Béla Bartók – Der Komponist als Musikethnologe
3. Semester
Béla Bartóks "Viola concerto" op. Posth.
Entstehung und Einflüsse
von: Sina Schmidt
Gliederung
1. Die Entstehungsgeschichte ...3
2. Das Manuskript ...5
3. Werkeinflüsse ...6
4. Die Rekonstruktion ...8
5. Tibor Serlys Bearbeitung ...9
6. Andere Versionen ...10
7. Aufbau und Besonderheiten ...11
8. Zusammenfassung ...14
9. Anhang (mit bibliographischen Hinweisen) ...16
Das Violakonzert Béla Bartóks, welches zu Lebzeiten des Komponisten nicht vollendet wurde, gehört wohl zu den meistdiskutierten Werken Bartóks. Er selbst schrieb dazu an den Auftraggeber William Primrose: „Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass Ihr Violakonzert im Entwurf fertig ist und dass bloß noch die Partitur geschrieben zu werden braucht, was gewissermaßen nur eine mechanische Arbeit ist. Wenn nichts dazwischen kommt, kann ich es in 5 oder 6 Wochen geschaffen habe, das heißt, ich kann Ihnen in der zweiten Oktoberhälfte ein Exemplar der Partitur und wenige Wochen später ein oder mehrere Exemplare (wenn Sie es wünschen) des Klavierauszuges schicken.“ „Viele interessante Probleme entstanden bei der Komposition dieses Werkes. Die Instrumentation wird sehr durchsichtig sein, durchsichtiger als beim Violinkonzert. Auch hat der dunklere, männlichere Charakter Ihres Instruments den Gesamtcharakter des Werkes mitbestimmt. Der höchste Ton, den ich benütze, ist a′′, aber ich mache vom tieferen Register häufig Gebrauch. Der Stil ist recht virtuos. Wahrscheinlich werden einige Stellen unbequem oder unspielbar sein. Wir werden später darüber reden, wenn Sie Ihre Bemerkungen dazu gemacht haben werden.“ 1
1. Die Entstehungsgeschichte:
Am 30. 10. 1940 erreichen Béla und seine Frau Ditta New York, wo sie bis 1945 als Emigranten leben sollten. Der Komponist, der nach eigenen Aussagen seine glücklichsten Tage unter Bauern auf dem Land, in unberührter Natur verbracht hat, hatte große Anpassungsschwierigkeiten an einen städtischen amerikanischen Lebensstil. Sprachliche und finanzielle Probleme kamen hinzu und dies alles stürzte ihn in eine Schaffenskrise. Im Juli 1942 sollte er dann auch die angetretenen Forschungen an der Columbia University aufgeben, was wiederum immense Geldprobleme zur Folge hatte. Obwohl Bartók eigentlich entweder als Forscher oder Pianist arbeiten wollte, musste er gezwungenermaßen wieder Kompositionsaufträge annehmen, wobei das „Konzert für Orchester“, das „Violinkonzert“ und das „Konzert für Viola“ die Hauptwerke dieser Phase darstellen. Ende 1944 schließlich erhielt Bartók von dem außergewöhnlichen Bratscher William Primrose den Auftrag, ein Werk für Viola zu schaffen, den Bartók zunächst mit der Begründung ablehnte, dass er zu wenig Erfahrung mit dem Instrument habe, was zu argen technischen Schwierigkeiten führen könne, nimmt dann allerdings, wohl vor allem des finanziellen Aspektes wegen, doch an. Primrose begründet seinen Auftrag später damit, vorher an Hindemith herangetreten zu sein, der allerdings ablehnte, weil er bereits vier Violakonzerte verfasst hatte und sich generell vor direkten Auftragswerken sträubte und dass auch Strawinsky ablehnte, weil er zu jener Zeit gerade sehr viele andere Werke zu bearbeiten hatte; so kam die Wahl auf den damals in den USA noch unbekannten Béla Bartók. Als Vorbereitung zu dieser Arbeit informierte er sich zunächst über die technischen Möglichkeiten des Instrumentes, lässt sich diverse Noten, unter anderem „Herold in Italien“ zuschicken und sucht Inspiration in der 4-sätzigen Struktur Berlioz. Im August 1945 verfasst er einen Brief an seinen Auftraggeber, den er allerdings nie absendet, in welchem er über seine formalen Pläne des Werkes spricht. Das Concerto sollte 4-sätzig sein, beginnend mit einem ernsten Allegro, dicht gefolgt von einem Scherzo, einem kurzen langsamen Teil und schließlich in einem Finale, bestehend aus einem Allegretto-Teil, der sich dann zu einem Allegro molto entwickelt, enden. Alle oder zumindest drei der Sätze sollten mit einer kurzen Einleitung durch die Solo Viola beginnen.
Fünf Wochen später schrieb Bartók einen weiteren, im vorangegangenen Text bereits zitierten, Brief an Primrose, dass das Gesamtkonzept ausgearbeitet sei und im folgenden nur noch die „rein technische Arbeit“2 der Harmonisierung und des Instrumentierens vollendet zu werden brauche; der Gedanke an eine Viersätzigkeit scheint also am 08. September bereits aufgegeben wurden zu sein. Im Moment kämpfe er mit verschiedenen Problemen: dem Abbruch eines Urlaubs am Saranac Lake, da eine Lungenentzündung auskuriert werden müsse, seine Frau erkrankt sei, sowie der wenig inspirierenden Atmosphäre in seinem New Yorker Appartement. Im Oktober wolle er jedoch zurück an den Saranac Lake fahren, wo er ja bis jetzt den Großteil der Komposition ausgearbeitet hatte. Den erwähnten Urlaub hatte er Ende Juni, Ratschläge seiner Ärzte befolgend, genommen und dort, endlich wieder in der Natur, in einer einfachen Hütte lebend, arbeitete er simultan, was absolut untypisch für Bartók war, am Violakonzert sowie am dritten Klavierkonzert, die jedoch im Endeffekt musikalisch-thematisch absolut unabhängig voneinander sind.
Obwohl Bartók sich schonte, viele Spaziergänge mit seiner Familie unternahm, verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zusehends, auch wenn er selbst dieses so gut es ging zu verbergen suchte. Das steigende Fieber, das er unter Umständen auf den letzten Blättern des Violakonzertmanuskriptes notierte, war wohl der wahre Grund für seine verfrühte Rückkehr nach New York. Dort widmete er, insofern sein Zustand dies gewährte, sich fast ausschließlich dem dritten Pianokonzert, das seiner Frau Ditta gewidmet war. Erschwerend zur Gesamtsituation kam noch dazu, dass der Mietvertrag des New Yorker Appartements auslief und ein weiterer Umzug in der verhassten Stadt bevorstand.
Am 21. 09. 1945 fand ein letztes Gespräch zwischen Béla Bartók und Tibor Serly statt. Serly beobachtete, dass der Komponist sich fieberhaft der Fertigstellung seines Klavierkonzertes widmete, als hätte er eine Vorahnung, dass dies seine letzten Tage werden würden. Es war ihm scheinbar wichtiger, seiner Frau Ditta, die gleichfalls Pianistin war, ein Stück zu hinterlassen, dass ihr Talent ausschöpft und seine Tradition fortführt. Auf den letzten Blättern dieses Manuskriptes schrieb der Komponist das ungarische Wort „vége“ - Ende, was er in keinem seiner vorherigen Werke je getan hatte. Das Manuskript des Violakonzertes befand sich gleichfalls neben seinem Bett, jedoch verschlossen auf einem Nachtschrank. Dass es zu Vermischungen der Notenblätter gekommen sein könnte, ist relativ unwahrscheinlich. Einige Tage später hatte sich Bélas Zustand derart verschlechtert, dass er ins Krankenhaus eingeliefert werden musste, wo er schließlich im September 1945 verstarb, ohne seine beiden Werke zu Ende geführt haben zu können.
[...]
1 Béla Bartok, Viola Concerto Op. Posth., hrsg. von Boosey & Hawkes, London o. J., S. iii. 3
2 Béla Bartok, Viola Concerto Op. Posth., hrsg. von Boosey & Hawkes, London o. J., S. iii. 4
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