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Kuba - Die Auswirkungen des politischen Systems auf den Tourismus

Diploma Thesis, 2002, 125 Pages
Author: Viola Ammesdörfer
Subject: Tourism

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2002
Pages: 125
Grade: sehr gut
Language: German
Archive No.: V5677
ISBN (E-book): 978-3-638-13487-3

File size: 375 KB
Notes :
Bitte beachten: Die in der Arbeit angekündigten Anhänge (Interviews) sind im Lieferumfang NICHT enthalten. Dementsprechend fehlen die Seiten 111 bis einschließlich 119 in der Downloadversion.



Excerpt (computer-generated)

FH München
Tourismus Management Fachbereich

Kuba - Die Auswirkungen des politischen Systems auf den Tourismus

Diplomarbeit von
Viola Ammesdörfer

31. Mai 2002

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG ... 1

2 DARSTELLUNG DES SOZIALISTISCHEN STAATES
KUBA ... 5
   
2.1 Allgemeines zu Kuba ... 5
        2.1.1 Landesnatur und Klima ... 5
        2.1.2 Bevölkerung ... 6
        2.1.3 Wirtschaft ... 7
        2.1.4 Geschichte ... 8
    2.2 Politisches System ... 10
        2.2.1 Prinzipien des sozialistischen Staates ... 10
        2.2.2 Parlament und Regierung ... 11
        2.2.3 Parteiensystem und Interessengruppen ... 15
        2.2.4 Soziale Einrichtungen ... 16

3 VORGEHENSWEISE DES KUBANISCHEN STAATES
IN WIRTSCHAFTLICHEN ANGELEGENHEITEN ... 17
   
3.1 Auslandsbeziehungen ... 17
        3.1.1 Internationale Einsätze ... 17
        3.1.2 Verhältnis zu den USA und das Helms-Burton Gesetz ... 17
        3.1.3 Zusammenarbeit Kubas mit anderen Staaten ... 21
        3.1.4 Sicherheit ... 22
    3.2 Rechtliche Grundlagen der Tourismusbranche ... 23
        3.2.1 Verfassung und Gesetze ... 23
        3.2.2 Reformen ... 26
    3.3 Hindernisse für aktives und marktangepasstes Handeln ... 28
        3.3.1 Hohe Zinsen bei Kreditaufnahme ... 28
        3.3.2 Zentralisation ... 29
        3.3.3 Bürokratie, starre Organisations- und Hierarchieformen ... 29
        3.3.4 Beschränkte Liberalisierung als Bestimmung für
        wirtschaftliches Handeln ... 30
        3.3.5 Planungs- und Kontrollsystem ... 32

4 EINSTELLUNG DER REGIERUNG GEGENÜBER
DEM TOURISMUS ... 34
   
4.1 Historische Zusammenhänge zwischen Regierungsform
    und Tourismus auf Kuba ... 34
        4.1.1 Der Beginn des Tourismus unter dem Diktat Spaniens
        und der USA ... 34
        4.1.2 Das Wachstum des Tourismus ... 35
        4.1.3 Sozialismus-Tourismus nach der Revolution ... 38
        4.1.4 Tourismus von heute in Zeiten der periodo especial ... 40
    4.2 Staatliche Tourismusinstitutionen ... 42
    4.3 Sozialistische Gerechtigkeit beim Ausbau des Tourismus ... 44
    4.4 Investitionen und Unterstützung des Tourismus ... 45
    4.5 Verflechtungstheorien von Politik, Volks- und Betriebswirtschaft
    des Tourismus ... 46
    4.6 Fremdenverkehrspolitik im ökonomischen Zusammenhang ... 50

5 TOURISMUS AUF KUBA ... 57
   
5.1 Arten von Tourismusbetrieben ... 57
        5.1.1 Unternehmen in staatlichem Besitz ... 57
        5.1.2 Joint Ventures, ausländische Investoren und ausländische
        Unternehmen mit Managementverträgen ... 61
    5.2 Ausprägungen des Tourismus als postsozialer Devisenbringer ... 66
        5.2.1 Arten von Tourismus ... 66
        5.2.2 Angebot und Nachfrage ... 70
        5.2.3 Einkünfte aus dem Tourismus ... 73
        5.2.4 Herkunft der Touristen ... 76
    5.3 Möglichkeiten im Tourismus für Selbständige ... 77
    5.4 Drang in die Tourismus-Branche wegen Zugriff zu US-Dollars ... 79
    5.5 Auswirkungen des politischen Systems auf den einzelnen
    Touristen ... 81
        5.5.1 Vorschriften für Touristen und entsprechendes Vorgehen
        der Behörden ... 81
        5.5.2 Auswirkungen der staatlichen Sparmaßnahmen auf den Tourismus ... 82
        5.5.3 Persönliche Einstellung der Touristen ... 83
    5.6 Besonderheiten des kubanischen Tourismus ... 84
        5.6.1 Zusammenhang zwischen politischem System und Tourismus
        in einer Regressionsgleichung ... 84
        5.6.2 Importausgaben ... 89
        5.6.3 Personalsituation und Ausbildung in der Tourismusbranche ... 90
        5.6.4 Saisonalität ... 92
        5.6.5 Politische Systeme anderer Länder und ihr Tourismus ... 92
        5.6.6 Vergleich zu anderen Staaten der Karibik ... 95
        5.6.7 SWOT-Analyse für Kuba und seinen Tourismus ... 98

6 ZUKUNFTSAUSSICHTEN FÜR DEN TOURISMUS AUF KUBA ... 100
   
6.1 Weitere Entwicklung und Pläne im Tourismus ... 100
    6.2 Vergleich mit der Entwicklung des weltweiten Tourismusmarktes ... 102
    6.3 Prognoseverfahren ... 103
        6.3.1 Szenario-Analyse für die Zukunft Kubas ... 103
        6.3.2 Ausblick ... 105
    6.4 Zusammenfassung ... 106

ANLAGEN ... 109

LITERATURVERZEICHNIS ... 120

ERKLÄRUNG ... 127

Abbildungsverzeichnis
Abb. 1:
Landkarte von Kuba ... 5
Abb. 2: Kubas Ineinandergreifen der Gewalten ... 12
Abb. 3: Kubas Wirtschaftsstrategie der periodo especial ... 41
Abb. 4: Der Markt als Bindeglied zwischen Politik, Volks- und Betriebswirtschaftslehre ... 48
Abb. 5: Staatliche Tourismusunternehmen ... 59
Abb. 6: Ausländische Tourismusinvestoren auf Kuba ... 64
Abb. 7: Verteilung der kubanischen Zimmerkapazität auf Stadt, Strand und Privatzimmer ... 71
Abb. 8: Zahl der jährlichen Touristenankünfte in Kuba ... 72
Abb. 9: Bruttoeinnahmen aus dem Tourismus ... 74
Abb. 10: Herkunft der Touristen in Kuba im Jahr 2000 ... 77
Abb. 11: Regressionsgleichung für eine Modellanalyse der Auswirkungen des kubanischen politischen Systems auf seinen Tourismus ... 85
Abb. 12: Wachstum des Tourismus in Abhängigkeit von politischen Variablen ... 86
Abb. 13: Messbarkeit von politikbestimmten Variablen, die auf den Tourismus einwirken ... 88
Abb. 14: Kubas Importe nach Zusammenbruch des Ostblocks bis 1994 ... 89
Abb. 15: Anzahl der Beschäftigten pro Zimmer ... 91
Abb. 16: Anteil der Einnahmen aus der gesamten Tourismuswirtschaft (direkter und indirekter Sektor) am BIP in den Karibikstaaten ... 96
Abb. 17: SWOT-Analyse für den Tourismus auf Kuba unter Berücksichtigung des politischen Systems ... 99

Abkürzungsverzeichnis
[...]

Quellenverzeichnis
AI 2000 Amnesty International Report 2000, www.amnesty.org, 30. November 2001
Baedeker 1997 Baedeker Allianz Reiseführer Mexiko, Ostfildern 1999
Baedeker 2001 Baedeker Allianz Reiseführer Kuba, Ostfildern 2001
CEPAL 2000 Comisíon económica para América Latina y el Caribe, La economía cubana, Reformas estructurales y desempeño en los noventa, segunda edición, Mexico D.F. 2000
CIA 2000 Central Intelligence Agency - The Wold Factbook 2000 - Cuba, www.odci.gov/cia/publications/factbook/geos/cu.html, 09. März 2001
CPI 2001 Centro de Promoción de Inversiones, Resumen Oportunidades de Inversión Extranjera en Cuba 2001, www.camaracuba.cu, 21. November 2001
LändInf 2001 Länderinfo Kuba, Auswärtiges Amt, Berlin, 01. Oktober 2001
MunzArch 2000 Munzinger Länderhefte, Politik, Wirtschaft, Soziales: Kuba, IH-Länder aktuell, Ravensburg, 2000
SACAC 1999 South America, Central America and the Caribbean 1999, Seventh Edition, S. 254-263
MINTUR 2001 Ministerio de Turismo, www.cubagob.cu, 04. September 2001
Tourism 2020 Vision Tourism 2020 Vision Americas, World Travel Organisation, Volume 2, Madrid, 2000, S. 8 ff.
WTTC 2001 World Travel & Tourism Council, Country reports 2001, World analysis 2001, www.wttc.org, 24. September 2001


1 EINLEITUNG
Wählen Touristen ihr Urlaubsziel danach aus, welches politische System in der jeweiligen Destination besteht? Ist es für touristische Leistungsträger ein Unterschied, ob sie ihr Angebot auf Kuba oder in der Dominikanischen Republik an den Mann/die Frau bringen? Und welche Einflussmöglichkeiten hat die Regierung auf die Formen und Ausmaße des Tourismus? Diese Fragen sollen u.a. in der Diplomarbeit geklärt werden. Es soll geklärt werden, ob es völlig egal ist, in welchem politischen System Tourismus stattfindet. D.h. ob es nur darauf ankommt, dass das Klima, die Natur und die Einrichtung gegeben ist, oder ob sich das politische System auf die Ausprägung des Tourismus auswirkt. Kuba weckt bei vielen Touristen das Interesse an etwas andersartigem, ungewohnten: dem Sozialismus. In Anbetracht einer Konkurrenzsituation innerhalb der Fernreiseziele soll untersucht werden, welche Rolle das politische System bei der Auswahl des Reiseziels spielt. Die verschiedenen Fernreiseziele stehen in solch starker Konkurrenz, da die Angebotsstruktur zu ähnlich ist, als dass ein einziges Land aus der Menge herausragen würde. So gibt es in vielen Destinationen Sonne, Meer und Strand. Um zu einer Entscheidung zwischen den vielen Angeboten zu kommen, suchen sich die Touristen, welche hauptsächlich aus den Industrienationen stammen, den Urlaubsort nach ihren Vorlieben aus. In diesen Ländern sind die Urlauber meist grob über das Fernreiseziel informiert und meiden oder bevorzugen ein Land wegen seiner Ideologie. Natürlich spielen auch Faktoren wie Preis, Einkommenssituation der Touristen, Service, usw. eine Rolle. Gerade bei Kuba ist jedoch festzustellen, dass es einen regelrechten "Sozialismus-Tourismus" gibt. Die Touristen sind ganz besonders interessiert an dieser Staatsform und möchten noch miterleben - so lange es möglich ist - wie solch ein System funktioniert. Das "Unzeitgemäße" und der exotische Flair machen also aus Kuba etwas Besonderes. Natürlich gehören zu Tourismus nicht nur die Touristen. Denn der Tourismus ist ein System, das von der ökonomischen, der sozialen, der ökologischen, der technologischen und der politischen Umwelt beeinflusst wird (vgl. Anlage 1). Hier soll das besondere Augenmerk auf die politische Umwelt gerichtet werden.
Zum weiteren Verständnis müssen zunächst die Begriffe Politisches System und Tourismus abgegrenzt werden. Tourismus soll verstanden werden als "die Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus der Reise und dem Aufenthalt von Personen ergeben, für die der Aufenthaltsort weder hauptsächlicher und dauernder Wohn- noch Arbeitsort ist". Da im Tourismus ein Zusammenspiel von Touristen, den Unternehmen, der Regierung und der Zielregion erfolgt, wird der Tourismus folgendermaßen bezeichnet: "Die Summe der Erscheinungen und Beziehungen, die durch die Wechselwirkung zwischen Touristen, touristischen Unternehmen, [der] Regierung der Zielregion und [der] Zielregion selbst während des Prozesses des Anfahrens und Beherbergens dieser Touristen entstehen." Neben Touristen, die mindestens 24 Stunden in der Destination bleiben, gibt es die Tagestouristen, die eine kürzere Verweildauer am touristischen Ort haben. Zu diesen Tagestouristen gehören z.B. Kreuzfahrtreisende in der Karibik.
Ein politisches System umfasst drei Begriffe aus der Politik: politische Institutionen (Strukturen wie z.B. Regierung, Parlament, Wahlen, Parteiensystem, Interessengruppen), politische Prozesse und Inhalte politischer Entscheidungen. Heutzutage definiert man ein politisches System häufig anhand von vergleichenden Analysen räumlich und zeitlich weit auseinanderliegender politischer Systeme. Im Verständnis der Systemtheorie ist das politische System ganz allgemein dasjenige gesellschaftliche Teilsystem, das für die Produktion kollektiv verbindlicher Entscheidungen zuständig ist. "Der Systembegriff impliziert die Vorstellung einer zum Gleichgewicht tendierenden, intern in eine Vielzahl interdependenter Elemente, Rollen und Prozesse differenzierten Einheit, die von einer sozialen, kulturellen, ökonomischen und physischen Umwelt unterscheidbar, mit dieser aber durch wechselseitige Austauschprozesse verbunden ist." Ein politisches System ist gleichzeitig der Adressat für gesellschaftliche Forderungen und Unterstützungsleistungen (inputs) und Lieferant verbindlicher Entscheidungen und Maßnahmen (outputs). In einem Regelkreislauf sind nun die inputs und die outputs miteinander verbunden. Das heißt die auf der input-Seite entstehenden gesellschaftlichen Forderungen müssen in output-Leistungen übersetzt werden. Diese Leistungen sollen wiederum das politische System unterstützen und seinen Fortbestand sichern. Zum input-Bereich gehören die Systemfunktionen politische Sozialisation, Rekrutierung und Kommunikation. Die Prozessfunktionen beziehen sich auf Abläufe innerhalb des politischen Systems, also auf die Umsetzung von inputs in outputs. Zu diesen Prozessfunktionen gehören die Interessenartikulation und die Politikformulierung (policy-making). Schließlich gibt es noch die policy-Funktion der Ressourcennutzung, effektive Regeldurchsetzung und Verteilung. Diese letztere policy-Funktion bestimmt den eigentlichen output-Bereich, also wie das politische System die Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur beeinflusst. Vom Begriff Staat ist das politische System abzugrenzen, da Staat ein noch umfassenderer Ausdruck ist und z.B. auch konstituierende Bedingungen, wie das Territorium, mit einbezieht. Dem politischen System sehr verwandt ist das gesellschaftliche System mit Ausprägungen wie beispielsweise dem Kapitalismus oder dem Sozialismus. Jedoch ist der Begriff des politischen Systems enger gelegt und schließt Herrschaftsformen, Regimetypen, politische Systemtypen, Machtverhältnisse und Formen gesellschaftlicher und politischer Repräsentation in einem Staat mit ein. Also sind damit sämtliche Phänomene, die einem Wandel unterliegen, gemeint.
In dieser Arbeit soll ein Modell zeigen, wie der Tourismus von Variablen des politischen Systems beeinflusst wird. Das bedeutet, dass der Tourismus eine variable Größe ist und das politische System eine andere Variable. Im vorliegenden Fall wirkt sich z.B. das politische System auf den Anstieg des Tourismus auf Kuba aus. Viele Touristen möchten den noch existierenden Sozialismus erleben und fahren nur deswegen nach Kuba. Der Anstieg des Tourismus auf Kuba, ausgelöst durch das weltweite Tourismuswachstum, ist jedoch eine Variable, die das kubanische politische System nicht beeinflussen kann und muss deswegen ausgeklammert werden. Neben dieser mathematischen Hypothese sollen aber v.a. empirische Resultate aus der Literatur und Ergebnisse aus meiner Untersuchung in zahlreichen Interviews die Auswirkungen des politischen Systems auf den Tourismus darstellen.
Beim Schreiben der Diplomarbeit musste ich mir öfter die Frage beantworten, ob in Kuba die Auswirkungen des Tourismus auf das politische System nicht größer sind als der Einfluss der Regierungsform auf die touristischen Aktivitäten und Formen. Es kann also leicht zu einer Verdrehung der jeweiligen Auswirkungen aufeinander kommen. Darum soll an dieser Stelle betont werden, dass mit Blick auf anderen Staaten und deren politischen Systemen die Besonderheit des kubanischen dargestellt werden soll. Ein internationaler Vergleich zeigt z.B. dass es im Bhutan einen anderen Tourismus gäbe, wenn es ein anderes Regierungssystem geben würde. Jedoch werden dort in der konstitutionellen Monarchie beispielsweise die Touristenzahlen stark beschränkt, was in umliegenden Ländern mit anderen Staatsformen nicht der Fall ist. Es ist jedoch im Rahmen der Diplomarbeit nicht möglich, eine grundsätzliche Aussage zu machen, bei welcher Regierungsform der Tourismus sich auf eine bestimmte Weise verhält. Mit einer grundlegenden Hypothese müssten alle Länder der Welt genauso untersucht werden, wie ich hier Kuba untersucht habe. Um überhaupt ersichtlich zu machen, wie der Tourismus von der Art des politischen Systems beeinflusst wird, habe ich mich auf Kuba beschränkt.

[...]


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