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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 27 Pages
Author: Christiane Abspacher
Subject: German Studies - Linguistics
Details
Institution/College: University of Regensburg (Philosophische Fakultät 4)
Tags: Einfluss, Sprache, Jahrhundert, Fremdwortproblematik
Year: 2006
Pages: 27
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 25 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-51371-5
ISBN (Book): 978-3-638-66485-1
File size: 314 KB
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Abstract
Die Diskussion um den Umgang mit anderssprachlichen Elementen in unserer Sprache ist beinahe so alt wie die Sprache selbst: Fremdwörter gaben immer wieder Anlass für Debatten. Während im 17. und 18. Jahrhundert nur vereinzelt von Sprachpuristen und –pflegern die Rede ist, verdichten sich im 19. und 20. Jahrhundert die Reihen derer, die sich dazu berufen fühlen, ihre Muttersprache vor fremdsprachlichen Einflüssen zu schützen und zu säubern. War der Sprachpurismus im 17. und 18. Jahrhundert nur dem lateinischen und französischen Anteil an Fremdwörtern im Deutschen gewidmet, so beginnt sich sein Augenmerk ab dem 19. Jahrhundert verstärkt auf den stetig wachsenden Einfluss des Englischen zu richten. Zwar gruppieren sich bereits um 1617 fremdwortpuristisch motivierte Sprachpfleger zur Fruchtbringenden Gesellschaft, doch erst im 19. Jahrhundert kommt es zu einer Blüte der Fremdwortübernahme, und gleichzeitig zu einem radikalen Anstieg der Gegenschläge von Sprachpuristen, die gegen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts oft über eine bloße Meinungsäußerung hinausgehen. Der „Naturtrieb, das Fremde von sich abzuhalten“, von dem Jacob Grimm schreibt, scheint also gleichsam als ein Thermometer der Gesellschaft zu fungieren: Jede Welle der Fremdwortübernahme bringt die Sprachkritik in Wallung, jeder Import von ausländischem Wortgut ruft den ein oder anderen Sprachpuristen auf den Plan.Der durch das Aufkommen von Fremdwörtern ausgelöste Purismus zieht wiederum meist eine Gegenreaktion nach sich. So spricht sich beispielsweise Johann Wolfgang von Goethe, einer der ersten Kritiker des Fremdwortpurismus, dagegen aus, fremdsprachliche Elemente zu verpönen, und plädiert dafür, sie „produktiv aufzunehmen". Da also der Fremdwortpurismus als eine direkte Reaktion auf das vermehrte Vorkommen von fremdsprachlichen Elementen in der Sprache verstanden werden kann, ergeben sich somit für den speziellen Fall des englischen Einflusses auf das Deutsche im 19. und frühen 20. Jahrhundert zwei zentrale Fragen a. Welche Gründe können für den rasanten Anstiegder englischsprachigen Fremdwörter während dieser Periode angeführt werden? b. Welche Lebensbereiche sind besonders betroffen? Die vorliegende Arbeit soll besonders diese beiden Aspekte beleuchten und das gefühlte und tatsächliche Ausmaß des englischsprachigen Einflusses im 19. und frühen 20. Jahrhundert aus der Sicht von Zeitzeugen um die Jahrhundertwende und vom heutigen Standpunkt aus umreißen.
Excerpt (computer-generated)
Universität Regensburg, Deutsche Sprachwissenschaft
Hauptseminar „Fremdwortproblematik“
Wintersemester 2005/2006
Der englischsprachige Einfluss auf die deutsche
Sprache im 19. und frühen 20. Jahrhundert
von: Christiane Abspacher
Gliederung
0. Einleitung: Fremdwort und Sprachpurismus
1. Die Übernahme englischsprachiger Elemente bis 1945
1.1. Soziale und politische Voraussetzungen
1.1.1. Das 18. Jahrhundert (Exkurs)
1.1.2. Das 19. und 20. Jahrhundert
1.2. Bereiche der Übernahme englischsprachiger Elemente
1.2.1. Gesellschaft und häusliches Leben
1.2.2. Technik, Handel und Industrie
1.2.3. Mode
1.2.4. Politik
2. Die „Engländerei“ aus der Sicht von Zeitzeugen
2.1. Hermann Dunger: Engländerei in der deutschen Sprache
2.2. Friedrich Kluge: Deutsche Sprachgeschichte
3. Fazit und Ausblick: „Engländerei“ – gestern und heute
3.1. Parallelen zwischen anfänglichem und aktuellem Spracheinfluss
3.2. Englischer Spracheinfluss – Schaden oder Nutzen?
0. Einleitung: Fremdwort und Sprachpurismus
„Alle Sprachen, solange sie gesund sind, haben einen Naturtrieb, das Fremde von sich abzuhalten und, wo sein Eindrang erfolgt, es wieder auszustoßen oder wenigstens mit den heimischen Elementen auszugleichen.“ (Jacob Grimm)2
Die Diskussion um den Umgang mit anderssprachlichen Elementen in unserer Sprache ist beinahe so alt wie die Sprache selbst: Fremdwörter gaben in der Geschichte des Deutschen immer wieder Anlass für mehr oder weniger heftige, leidenschaftliche Debatten. Während im 17. und 18. Jahrhundert nur vereinzelt von Sprachpuristen und –pflegern die Rede ist, verdichten sich im 19. und 20. Jahrhundert die Reihen derer, die sich dazu berufen fühlen, ihre Muttersprache vor fremdsprachlichen Einflüssen zu schützen und zu säubern. Die Dichterschaft greift bereits im 17. Jahrhundert die Thematik des Fremdworts in der deutschen Sprache auf. So schreibt der Satiriker Johann Michael Moscherosch (1601-1669): „Fast jeder Schneider will jetzund leider/ Der Sprach′ erfahren sein und redt latein,/ Wälsch und französisch, halb japonesisch,/ Wann er ist doll und voll, der grobe Knoll./ Ihr bösen Teutschen, man sollt′ euch peitschen,/ Daß ihr die Muttersprach so wenig acht.“3 War der Sprachpurismus im 17. und 18. Jahrhundert nur dem lateinischen und französischen Anteil an Fremdwörtern im Deutschen gewidmet, so beginnt sich sein Augenmerk ab dem 19. Jahrhundert verstärkt auf den stetig wachsenden Einfluss des Englischen zu richten. Zwar gruppieren sich bereits um 1617 fremdwortpuristisch motivierte Sprachpfleger zur Fruchtbringenden Gesellschaft, doch erst im 19. Jahrhundert kommt es zu einer Blüte der Fremdwortübernahme, und gleichzeitig zu einem radikalen Anstieg der Gegenschläge von Sprachpuristen, die gegen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts oft über eine bloße Meinungsäußerung hinausgehen.
Der „Naturtrieb, das Fremde von sich abzuhalten“, von dem Jacob Grimm im Eingangszitat schreibt, scheint also gleichsam als ein Thermometer der Gesellschaft zu fungieren: Jede Welle der Fremdwortübernahme bringt die Sprachkritik in Wallung, jeder Import von ausländischem Wortgut ruft den ein oder anderen Sprachpuristen auf den Plan. An der Heftigkeit des Widerstands und der Zuwehrsetzung gegen das sprachlich Fremde, und vor allem an der Intensität der Rückbesinnung auf die eigene Sprache lässt sich also unter Umständen der Grad der Übernahme anderssprachiger Elemente ablesen. Der durch das Aufkommen von Fremdwörtern ausgelöste Purismus zieht wiederum meist eine Gegenreaktion nach sich. So spricht sich beispielsweise Johann Wolfgang von Goethe, einer der ersten Kritiker des Fremdwortpurismus, dagegen aus, fremdsprachliche Elemente zu verpönen, und plädiert dafür, sie „produktiv aufzunehmen“4. Auch Jacob Grimm äußert sich abfällig über diese extreme, meist auf niedrigem sprachwissenschaftlichem Niveau fußende Vorgehensweise: „Deutschland pflegt einen Schwarm von Puristen zu erzeugen, die sich gleich Fliegen an den Rand unserer Sprache setzen und mit dünnen Fühlhörnern sie betasten.“5 Zwar ist das primär anvisierte Ziel der Kritiker am Sprachpurismus nicht direkt die Unterstützung der Fremdwortübernahme, doch die angestrebte Abschwächung der sprachpuristischen Gegenschläge mag sich begünstigend auf das Einfließen von fremdsprachlichen Elementen auswirken. Da also der Fremdwortpurismus als eine direkte Reaktion auf das vermehrte Vorkommen von fremdsprachlichen Elementen in der Sprache verstanden werden kann, ergeben sich somit für den speziellen Fall des englischen Einflusses auf das Deutsche im 19. und frühen 20. Jahrhundert zwei zentrale Fragen:
a. Welche Gründe können für den rasanten Anstieg des prozentualen Anteils der englischsprachigen Fremdwörter an der Gesamtheit der nichtdeutschen Elemente während dieser Periode angeführt werden?
b. Welche Lebensbereiche reflektieren besonders stark das Einströmen englischer und amerikanischer Einflüsse auf die deutsche Sprache, und provozieren somit die bemerkenswert heftigen Reaktionen der Sprachpuristen?
Die vorliegende Arbeit soll besonders diese beiden Aspekte beleuchten, und das gefühlte und tatsächliche Ausmaß des englischsprachigen Einflusses im 19. und frühen 20. Jahrhundert aus der Sicht von Zeitzeugen um die Jahrhundertwende und vom heutigen Standpunkt aus umreißen.
1. Die Übernahme englischsprachiger Elemente bis 1945
Der Einfluss englischsprachiger Elemente auf den deutschen Wortschatz lässt sich grob in drei Abschnitte einteilen: Die frühe Entlehnungsphase bis 1800, die erste starke Entlehnungswelle im 19. und frühen 20. Jahrhundert, und die von Besatzungszeit und amerikanischem Einfluss geprägte Periode nach 1945. Das Hauptaugenmerk der vorliegenden Arbeit richtet sich somit zwar auf die zweite Etappe. Da die Grenzen zwischen den einzelnen Phasen jedoch fließend sind, und eine klare Abgrenzung praktisch unmöglich ist, lässt sich das zu behandelnde Feld nicht exakt eingrenzen. Somit sind sowohl die Ausläufer des 18. Jahrhunderts, als auch die Anfänge der Nachkriegszeit bisweilen mit einzubeziehen. Die frühe Entlehnungsphase soll im Folgenden lediglich kurz skizziert werden, um die Vorgeschichte und die Ausgangssituation am Anfang des 19. Jahrhunderts zu beleuchten, zu den sprachgeschichtlichen Ereignissen während der zu behandelnden Periode hinzuführen und die Geschehnisse in den historischen, sozialen und kulturellen Kontext einzubetten.
1.1. Soziale und politische Voraussetzungen
[...]
2 Jakob und Wilhelm Grimm, Deutsches Wörterbuch, Band 1(Leipzig, 1854), Spalte XXVI auf http://www.grin.com/de/preview/39384.html (Zugriff: 08.02.2006)
3 http://www.br-online.de/wissen-bildung/artikel/0502/20-sprachpurismus/index.xml (Zugriff: 08.02.2006)
4 ebd.
5 In „über das Pedantische in der deutschen Sprache“ auf http://www.literaturblatt.de/heftarchiv/2003-uebersicht/juliaugust-2003/arbeit-im-schalltoten-raum.html (Zugriff: 06.02.2006)
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