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Die Bürgergesellschaft in England und Deutschland

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 30 Pages
Author: Antje Hellmann
Subject: Communications: Intercultural Communication

Details

Event: Kulturanthropologie - Interkulturelle Wirtschaftskommunikation
Institution/College: http://www.uni-jena.de/ (Interkulturelle Wirtschaftskommunikation)
Tags: Bürgergesellschaft, England, Deutschland, Kulturanthropologie, Interkulturelle, Wirtschaftskommunikation
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 30
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 18  Entries
Language: German
Archive No.: V56889
ISBN (E-book): 978-3-638-51456-9
ISBN (Book): 978-3-638-68045-5
File size: 207 KB
Notes :
Die Arbeit wurde in einem Reader des Institutes Interkulturelle Wirtschaftskommunikation an der FSU- Jena 2004 veröffentlich.


Abstract

Die Unterschiede auf dem Gebiet der Stiftungen und des Gemeinnützigkeitswesens zwischen Amerika und Deutschland und insbesondere zwischen England und Deutschland, die in dieser Hausarbeit näher beschrieben werden sollen, sind heute (angesichts der auswertbaren Daten) offenbar weniger im quantitativen Bereich zu finden. Sie sind eher zu suchen im Verhältnis zwischen Staat und Stiftungen, in den damit verbundenen juristischen Rahmenbedingungen, sowie im Verhältnis zwischen Staat und Bürgern, und der Rollenverteilung bei der Bewältigung gesellschaftlicher Aufgaben.


Excerpt (computer-generated)

FSU Jena
Hauptseminar: Kulturanthropologie
18. Semester

Die Bürgergesellschaft in England und Deutschland

von: Antje Hellmann

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 

2. Münchs Definition der kulturellen Codes  7

3. Das unterschiedliche Verständnis von Rationalismus in England und Deutschland am Beispiel der Gemeinnützigkeitsreform  8

4. Die unterschiedliche Ausprägung des Aktivismus und Individualismus in der Entwicklung des Stiftungswesens in England und Deutschland  12

4.1 Die Abhängigkeit von staatlichen Geldern im Gemeinnützigkeitssektor und das bürgerschaftliche Engagement der Wirtschaft  12
4.2 Die Anfänge des Stiftungswesens in England und Deutschland  13
4.3 Der Einfluss der Reformation auf die Entwicklung des Stiftungswesens 15
4.4 Der Einfluss von Staat, Krone, Adel, Bürgertum und Großindustrie auf das Stiftungswesen und das bürgerschaftliche Engagement  18

5. Zusammenfassung und Entwicklungsausblick  26

6. Literaturverzeichnis  28


 

 

1. Einleitung

Über Stiftungen, Freiwilligenarbeit und die Bürgergesellschaft wurde in den vergangenen Jahren in Gremien, Verbänden und den Medien viel diskutiert. Der Deutsche Bundestag berief 1999 eine Enquete-Kommission ein, um die Zukunft des bürgerschaftlichen Engagements zu untersuchen. Der Deutsche Kulturrat und der Bundesverband Deutscher Stiftungen verschafften sich Gehör mit ihrer jahrelangen Forderung nach einer Novellierung des Stiftungsrechts, und die Bertelsmann Stiftung arbeitet seit 1998 an ihrem Plan, das amerikanische System der Bürgerstiftungen (community foundations) in Deutschland zu verbreiten. Vor zwei Jahren erfuhr das Thema Ehrenamt weltweit Resonanz, denn die UNO erklärte 2001 zum internationalen Jahr der Freiwilligenarbeit.

Auf den vielen stattfindenden Symposien und Tagungen konnte man erfahren, wie es um das deutsche Stiftungswesen und bürgerschaftliche Engagement bestellt ist. Auf den ersten Blick sieht alles sehr positiv aus: Der Stiftungssektor hat seit den 90er Jahren ein enormes Wachstum zu verzeichnen. Heute sind 11.292 rechtsfähige Stiftungen des bürgerlichen Rechts in der Statistik des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen erfasst, fast 800 davon wurden erst im vergangenen Jahr gegründet.1 Als rasant kann man schon die Entwicklung im Bereich der Bürgerstiftungen beschreiben. Mittlerweile zählt Deutschland 50 Stiftungen dieser Art, nur 15 weniger als in Großbritannien, das als Pionierland der community foundations in Europa gilt und die ersten schon vor 25 Jahren gründete.2 Ebenfalls beeindruckend ist das umfangreiche Engagement der Deutschen im Vereinswesen. Circa 545.000 Vereine und 60.000 Wohlfahrtsverbände sind mittlerweile registriert.3 Anlässlich dieser Zahlen stellt sich die Frage, wieso Deutschland im Vergleich zu anderen modernen westlichen Staaten im Hinblick auf den sogenannten Dritten Sektor als Entwicklungsland gilt. Der Dritte Sektor, das ist der öffentliche Bereich, der neben und in Verbindung mit dem Staat und der Wirtschaft die Gesellschaft mitgestaltet, eine organisierte Form der Bürgergesellschaft, die das Gemeinnützigkeitswesen mit umfasst. Das Maecenata Institut, das den Dritten Sektor in Deutschland erforscht, vertritt die Ansicht, dass der Bürgergesellschaft weltweit wachsende Bedeutung für die Entwicklung der Gesellschaften zukommt. In Deutschland allerdings leide „der Dritte Sektor jedoch an einem Mangel an Grundlagenarbeit und öffentlichem Bewusstsein“.4 Unbestritten ist in der öffentlichen Diskussion, dass die USA weltweit und Großbritannien europaweit Vorreiter sind in der Entwicklung der civil society5 (der Bürgergesellschaft). Amerika gilt als „El Dorado“ 6 für Stiftungen. Ein Blick in die aktuellen Statistiken hilft allerdings nicht viel, um diese Aussagen zu untermauern. Das liegt zum Teil daran, dass die Definitionen und juristischen Rahmenbedingungen für Stiftungen und sonstige gemeinnützige Einrichtungen weltweit sehr unterschiedlich ausfallen und dass ein Mangel an grundlegenden Daten herrscht.7

Für England wird in der Forschungsliteratur über das Stiftungswesen immer wieder auf das Directory of Grant-Making Trusts verwiesen8, das allerdings nur 2.500 Stiftungen aufführt. Es hat auch nicht den Anspruch, eine komplette Übersicht zu bieten, sondern publiziert seit Jahren in wechselnder Zusammensetzung die Aktivitäten von 2.500 geldgebenden Stiftungen. Einziger Anhaltspunkt ist also das Register der Charity Commission für England und Wales. Ende 2002 waren hier 186.715 Einrichtungen verzeichnet.9 Allerdings enthält es nicht nur Stiftungen, sondern gemeinnützige Organisationen aller Art. Diese Statistik lässt sich nur bedingt mit der deutschen vergleichen, weil Angaben über Schottland und Nordirland fehlen und das Einwohnerverhältnis nicht einbezogen ist. Trotzdem kann man behaupten, dass Deutschland zahlenmäßig nicht hinter England zurücksteht.

Ein Vergleich zwischen dem deutschen und amerikanischen Stiftungssektor aus dem Jahre 1991 zeigt, dass es zu dem Zeitpunkt in den USA circa fünf Mal mehr Stiftungen gab, die achtmal vermögender waren als die deutschen Einrichtungen. Gemessen am Einwohnerverhältnis der beiden Länder schrumpft der Vorsprung der USA jedoch gewaltig. Der amerikanische Stiftungssektor ist dann nicht mal mehr doppelt so groß wie der deutsche,10 und mittlerweile dürfte Deutschland auch aufgeholt haben.

Die Unterschiede auf dem Gebiet der Stiftungen und des Gemeinnützigkeitswesens zwischen Amerika und Deutschland und insbesondere zwischen England und Deutschland, die in dieser Hausarbeit näher beschrieben werden sollen, sind heute (angesichts der auswertbaren Daten) offenbar weniger im quantitativen Bereich zu finden. Sie sind eher zu suchen im Verhältnis zwischen Staat und Stiftungen, in den damit verbundenen juristischen Rahmenbedingungen, sowie im Verhältnis zwischen Staat und Bürgern, und der Rollenverteilung bei der Bewältigung gesellschaftlicher Aufgaben.

[...]


1 Bundesverband Deutscher Stiftungen: http://www.stiftungen.org/aktuelles/index.html (vom 07.09.03)

2 Bürgerstiftungen in Deutschland : Entstehung, Struktur, Projekte, Netzwerke. S. 77-79

3 Informationsseite: TeamArbeit für Deutschland. Eine Initiative des Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit. http://www.teamarbeit-fuer-deutschland.de/servlet/PB/menu/1001984/index.html (08.09.03)

4 http://www.maecenata.de/institut/institut.htm (am 18.09.03)

5 zum Begriff civil society und 3. Sektor: Anheier und Carlson stellen fest, dass sich beide Bereiche im Hinblick auf ihre Organisationen überlappen. Der Begriff civil society beinhaltet nach ihrer Ansicht große Teile des Dritten Sektors. Anheier, Carlson: Civil Society, Civil Society Briefing No 3

6 Helmut K. Anheier, Stefan Toepler: Philanthropic foundations, S. 8

7 Anheier: Stiftungen, S. 12, vergl. auch Frank Adloff, Rainer Sprengel: Probleme und Aufgaben der Erforschung des Stiftungswesens als Teil des Dritten Sektors. In http://www.maecenata.de/archiv/archiv.htm (18.09.03)

8 vgl. Hill, S. 225 und Anheier: Stiftungen, S. 12

9 http://www.charity-commission.gov.uk/registeredcharities/ccfacts02.asp#intro (18.09.03)

10 Helmut K. Anheier, Stefan Toepler: Philanthropic foundations, S. 10-11


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