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Hausarbeit, 2005, 24 Seiten
Autor: Birgit George
Fach: Skandinavistik
Details
Institution/Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin (Nordeuropa-Institut)
Tags: Konstruktion, Repräsentation, Samen, Weltausstellungen, Museen, Jahrhundert, Samen, Skandinavier, Mehr, Jahre, Sprach-, Kulturkontakt
Jahr: 2005
Seiten: 24
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 20 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-51481-1
Dateigröße: 1190 KB
Die oftmals angenommene Authentizität eines Objektes kann immer nur als Konstrukt des Ausstellers in Zusammenhang mit den jeweiligen gesellschaftspolitischen Bedingungen begriffen werden. Thema der Arbeit ist die Frage nach der Konstruktion und Präsentation von stereotypischen Bildern und exotifizierenden Fremdbildern von den Samen in den Weltausstellungen und ersten ethnographischen Museen des 19. Jahrhunderts kontrastierend mit heutigen.
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Textauszug (computergeneriert)
HUMBOLDT UNIVERSITÄT ZU BERLIN
Philosophische Fakultät II, Nordeuropa-Institut
HS: Samen und Skandinavier. Mehr als 2000 Jahre Sprach- und Kulturkontakt
WS 2005 / 2006
Konstruktion des anderen. Repräsentation der Samen
in den Weltausstellungen und ersten skandinavischethnographischen
Museen im 19. Jahrhundert
von: Birgit George
INHALTSVERZEICHNIS
I. EINLEITUNG 2
1.1 DER BEGRIFF DER VOLKSKULTUR 3
1.2 DIE KULTURELLE BEDEUTUNG DER WELTAUSSTELLUNGEN IM 19. JAHRHUNDERT 4
II. MUSEALE PRÄSENTATION DER SAMEN IM 19. JAHRHUNDERT 6
2.1 EGYPTIAN HALL IN LONDON 6
2.2 PRÄSENTATION ETHNOGRAPHISCHER DÖRFER UND HISTORISCHER ENSEMBLES 7
2.3 DIE „HAGENBECKSCHEN VÖLKERSCHAUEN“ 9
2.4 DIE WELTAUSSTELLUNG IN CHICAGO 1893 10
III. DIE WELTAUSSTELLUNGEN ALS MOTOR FÜR DIE ENTWICKLUNG DES VOLKSKUNDLICHEN MUSEUMSWESENS 11
3.1 DAS „SKANDINAVISCH-ETHNOGRAPHISCHE MUSEUM“ IN STOCKHOLM 13
3.2 DAS FREILICHTMUSEUM „SKANSEN“ 15
IV. „DIE ANDEREN“ – FREMDBILD UND STEREOTYPISIERUNG DER SAMEN. WANDEL IN DER MUSEALEN PRÄSENTATION VON DEN WELTAUSSTELLUNGEN IM 19. JAHRHUNDERT BIS HEUTE 16
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 21
QUELLENVERZEICHNIS 22
I. Einleitung
Die historische Entwicklung von Museen kann trotz der für die Besucher solcher Institutionen vorgestellten unabdingbaren Wahrheit eines Ausstellungsgegenstandes immer nur im Kontext der Zeit, der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen und Sammlungsgeschichte des ausgestellten Gegenstandes betrachtet und interpretiert werden. Die oftmals angenommene Authentizität eines Objektes kann immer nur als Konstrukt oder Interpretation des Ausstellers begriffen werden, welcher mit der Exposition von Gegenständen durchaus politische Ziele verfolgen mag oder selbst einfach gebunden ist an die gesellschaftlichen Bedingungen seiner Zeit und damit oftmals nur einen mehr oder minder starken Anspruch an Objektivität anzustreben versucht. Ein Ausstellungsgegenstand ist immer als Teil der Geschichte des Erzählers, also des Ausstellers, zu sehen. Betrachtet man Museen nun im gesellschaftspolitischen Kontext, so wird deutlich, dass Museen – vor allem heute als Teil nationaler Bildungspolitik – politische Institutionen darstellen, welche eine bestimmte Botschaft zu vermitteln suchen.
Im Folgenden will ich untersuchen, in welcher Weise die Samen, vormals auch Lappen genannt, im 19. Jahrhundert weltweit öffentlich dargestellt und präsentiert wurden. Ich möchte aufzeigen, welche Stereotype gebildet wurden und wen bzw. was diese repräsentieren sollten. Der Identitätsbildungsprozess von Minderheiten spielt hierbei eine große Rolle. Ebenfalls möchte ich die Veränderungen in der Darstellung der Samen in heutigen Museen aufzeigen und fragen, wie diese Entwicklung vonstatten ging. Nicht nur einzelne Ausstellungen, sondern auch die historische Entstehung von ethnographischen Museen sind eng verbunden mit Entwicklungslinien und Konflikten innerhalb einer Gesellschaft.
Die Darbietung von indigenen Völkern im 19. Jahrhundert als exotische Vorstufen damaliger Vorstellungen von Zivilisation entsprang einem ideologischen, kolonialen Zeitgeist, welcher u. a. einen romantischen Kontrast zur technischen Fortentwicklung des 19. Jahrhunderts aufbauen wollte. Insbesondere der Prozess der Nationsbildung in Europa im 19. Jahrhundert und die Entstehung von politischen Interessenbewegungen indigener Völker in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beeinflussten die Entwicklung von Museen1. In den Weltausstellungen des 19. Jahrhunderts wurden nicht nur den Samen zuzuordnende Objekte ausgestellt, sondern ebenso das Volk an sich. Dies bedeutete, dass hier eine Art von Begegnung zwischen Skandinaviern und Samen sowohl stattfand als auch künstlich und in interpretierter Form hergestellt wurde. Für den Besucher wurde gerade in der schwedisch-norwegischen Zusammenarbeit eine Kultur präsentiert, welche den Samen eine spezielle Rolle zuschrieb. Die damaligen Ausstellungen – betreffend die Samen – waren nicht für die samische Minderheit gedacht, sondern für fremdes Publikum - für Norweger, Schweden, Deutsche, Dänen, Franzosen usw.2. Die Zurschaustellung jener sollte jedoch nicht die kulturelle Vielfalt der Länder im Sinne von Inklusion nationaler Minderheiten zeigen, sondern sollte eher die Perfektion des Gastgeberlandes, also Norwegen oder Schweden, betonen. Die Samen wurden nicht als „natürlicher“ Bestandteil der norwegisch-schwedischen Union, d.h. als Minderheit einer Nation, sondern als indigenes Volk, als Exot, etwas Ursprüngliches, Geheimnisvolles und Sonderbares innerhalb dieser Länder gezeigt. Die hieraus entstandene Sichtweise über nationale „Volkskultur“ (klassische Bereiche der Volkskultur: Architektur, Tracht, Volkskunst3) spielt eine besondere Rolle bei der Betrachtung von Samen zeigenden Ausstellungseinheiten. Hierbei will ich untersuchen, wie sich das Konstrukt der schwedisch-norwegischen „Volkskultur“ auf die Darstellung der Samen und ihre Inszenierung auf Weltausstellungen und den ersten skandinavischethnographischen Museen im 19. Jahrhundert auswirkte. Hierzu ist es wichtig, einen Überblick über die gesellschaftlich-ideologischen Strömungen der Zeit zu geben, um die Hintergründe für die Art der Präsentation indigener Völker aufzuzeigen.
1.1 Der Begriff der Volkskultur
Die ideologische Grundlage für die Betrachtungsweise der Volkskultur im 19. Jahrhundert schuf Johann Gottfried Herder (*1744 – †1803). Er sprach von einer „Kultur des Volkes“ als Gegenpol zur „gehobenen“ Kultur, der „Kultur der Gelehrten“4. In Abgrenzung zur nach Harmonie, Ruhe, Objektivität oder Vollendung strebenden Klassik (1786/88 – 18055) kam es in der Epoche der Romantik (1798 – 18356), geprägt von dem Drang nach Leidenschaft, schöpferischer Phantasie, Auslotung der Grenzverwischung von Wissenschaft, Poesie und Religion, zu einer ideologischen Aufladung, wodurch die so genannte Volkskultur zu einem Konstrukt wurde, welches sich in seiner Interpretation zwischen gesammeltem Fundstück und freier Erfindung bewegte. Das Volk nun sollte in seinen Sitten und Gebräuchen den Wunschbildern und Vorstellungen der bürgerlichen Welt angeglichen werden. Den hier erfolgten Rückgriff auf als „ursprünglich“ empfundene Werte und Normen kann man als Ausdruck romantischverklärter Sehnsüchte vergangener Zeiten in Gegenüberstellung zum technischen Fortschritt begreifen. Das scheinbar Homogene wurde hervorgehoben, eine soziale Differenzierung fand zumeist nicht statt. In der Romantik strebte man also entgegen den klassischen Vorstellungen von Objektivität und Klarheit nach traumhafter Romantisierung der Welt und konstruierte hierbei eine eigene. Folglich entstand ein – wie Wörner es nennt – „Trugbild einer allumfassenden Volkskultur“7.
Damit einhergehend wurde ein antimodernes Erscheinungsbild geformt, das sich im Wesentlichen auf die ländliche Lebenswelt bezog. Hierbei fand eine konservative Verortung der Volkskultur statt, wobei die ländliche Kultur als traditionaler Teil der Gesamtkultur, als Sinnbild von etwas Beständigem und allem Wechsel, Impulsen der Modernisierung und technischen Fortschritt zum Trotz als „ursprünglich“ verstanden wurde. Diese die tatsächlichen gesellschaftlichen Verhältnisse negierende Sichtweise war prägend für den Umgang mit Volkskultur im 19. Jahrhundert und es galt, den als archaisch, naturgemäß oder rein begriffenen Teil der Kultur zu bewahren, wobei die Weltausstellungen ein Mittel bzw. eine Ausdrucksform des zeitgenössischen Rettungsgedanken darstellten. Demgemäß übernahm auf den Weltausstellungen die Präsentation von Volkskultur einen wesentlichen Teil der Konstruktion und Rekonstruktion von Tradition.
1.2 Die kulturelle Bedeutung der Weltausstellungen im 19. Jahrhundert
[...]
1 Keil, 2004: 141
2 Keil, 2004: 143
3 Wörner, 1999: 2
4 Wörner, 1999: 3
5 Zeitliche Zuordnung der Epoche Klassik (Deutsche Klassik) nach Xlibris. URL: http://www.xlibris.de/Epochen/Klassik/Klassik1.htm 22.02.2006
6 Zeitliche Zuordnung der Epoche Romantik nach Xlibris. URL: http://www.xlibris.de/Epochen/Romantik/Romantik-1.htm 22.02.2006 und dem Hamburger Bildungsserver. URL: http://www.hamburgerbildungsserver. de/welcome.phtml?unten=/faecher/deutsch/epochen/romantik/ 01.03.2006
7 Wörner, 1999: 3
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