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Betriebswirtschaft und Ethik in Non-Profit-Organisationen

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 20 Pages
Author: Florian Karcher
Subject: Economics / Business: Business Ethics, Corporate Ethics

Details

Event: Leitung und Führung von Non-Profit-Organisationen
Institution/College: Protestant University of Applied Sciences Bochum
Tags: Betriebswirtschaft, Ethik, Non-Profit-Organisationen, Leitung, Führung, Non-Profit-Organisationen
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2006
Pages: 20
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 13  Entries
Language: German
Archive No.: V56922
ISBN (E-book): 978-3-638-51485-9

File size: 184 KB
Notes :
Die Arbeit diskutiert ausführlich die Spannung zwischen betriebswirtschaftlicher Orientierung und den ethischen Ansprüchen von NPO´s, insbesondere der kirchlich-christlichen. Dabei werden grundlegende Modelle, wie z.B. "Stakeholder" oder "Shareholder Value" diskutiert und verschiedene wirtschaftethische Ansätze, wie der von Athur Rich, dargestellt.



Excerpt (computer-generated)

Betriebswirtschaft und Ethik in Non-Profit-Organisationen

von: Florian Karcher

 


Inhaltsverzeichnis

1. Wirtschaft – ein Problem für christliche Einrichtungen?

2. Wirtschaftlichkeit in Bibel und Kirchengeschichte

2.1. Der Mensch als Verwalter Gottes
2.2. Warnung vor dem „Schätzesammeln“ 4
2.3. Perspektiven der Kirchengeschichte

3. Verständnis von Betriebswirtschaftslehre

4. Chancen und Gefahren des Wirtschaftens im Widerspruch?

5. Wirtschaftliches Handeln in christlichen Einrichtungen

5.1. Ziele und Werte als notwendige Voraussetzung
5.2. Verantwortung gegenüber Gott und für den Nächsten
5.3. Grundverständnisse von Wirtschaft und Anthropologie
5.4. Umsetzung in der Praxis

6. Literaturverzeichnis

6.1. Internetquellen

 


 

1. Wirtschaft – ein Problem für christliche Einrichtungen?

Fast alle Bereiche unserer Gesellschaft sind zur Zeit auf Sparkurs ausgerichtet. Große Unternehmen versuchen ihr Produkte möglichst preisgünstig zu produzieren, meist auf Kosten der Angestellten und des Wirtschaftsstandorts Deutschland. In der Politik wird u.a. im Bereich der Sozialleistungen, z.B. Nullrunde bei den Renten, aber auch bei den öffentlichen Zuschüssen, z.B. zur Jugendarbeit, gespart. Auch christliche Einrichtungen, wie CVJM und Gemeinden sind von der Finanznot betroffen. Hier fallen wichtige öffentliche Zuschüsse weg. Fördervereine, Fundraising und Sponsoring werden in diesem Zusammenhang immer wichtiger. Auch auf diesem Spenden- und Sponsoringmarkt ist ein Konkurrenzkampf ausgebrochen. Wie sollen Einrichtungen, den Umfang und die christliche Qualität ihrer Arbeiten mit sinkenden Einnahmen und steigender Ausgabenbelastung gewährleisten? Vor diesem Problem stehen zahlreiche kleinere CVJM, Gemeinden und andere Einrichtungen, aber auch große überregionale Träger, wie u.a. der CVJM-Gesamtverband. Konsequenz müsste eine strikte wirtschaftliche Orientierung sein, d.h. beispielsweise Einkauf beim günstigsten Anbieter, Einsparungen im Personalbereich und Fokussierung auf wirtschaftlich besser gestellte Arbeitsbereiche, z.B. auf die in letzter Zeit stärker geförderte Schulsozialarbeit. Christliche Einrichtungen müssen sich dabei die Frage stellen, in welchem Maße diese wirtschaftliche Orientierung christlich-ethisch vertretbar ist. Dazu ein paar Beispiele: Darf eine christliche Einrichtung aus ethischer Sicht Vollzeitstellen streichen und durch geringfügige Beschäftigungsverhältnisse, die in den Lohnkosten und Sozialbeiträgen bedeutend günstiger sind, ersetzen? Ist es für solche Einrichtungen ethisch vertretbar ihre missionarischen Angebote zu Gunsten gut bezuschusster Aufgaben, wie z.B. Offene Türen oder Schulsozialarbeit, stark zu reduzieren? Wie steht es mit dem Materialeinkauf bei globalisierten Discountern, die ihre geringen Preise durch Marktverdrängungen und Niedriglöhne erreichen können?

Unter diesen Voraussetzungen stehen auch grundlegende christliche Werte, wie z.B. Ehrlichkeit, in Frage. Die Versuchung, bspw. bei der Abrechnung öffentlicher Zuschüsse sog. „Tricks“ anzuwenden oder notwendige Reparaturen auch durch Schwarzarbeit durchführen zu lassen, ist groß. Vor allem geht es dabei um Nächstenliebe. Viele wirtschaftliche Maßnahmen gehen zu Lasten von Menschen, z.B. Entlassung bei Rationalisierung, und haben konkrete Auswirkungen auf Einzelpersonen oder Gesellschaftsgruppen. Wenn die Verletzung der Nächstenliebe Folge wirtschaftlichen Handelns ist, kann dieses wohl kaum ethisch vertretbar sein. Diese Hausarbeit will den Versuch einer Verhältnisbestimmung von wirtschaftlichem Handeln und dem christlichen Selbstverständnis mit dem zentralen Wert der Nächstenliebe wagen. Dürfen christliche Einrichtungen sich Elementen der Betriebswirtschaftslehre (BWL) bedienen? Wenn ja, in welchem Umfang und unter welchen Voraussetzungen?

2. Wirtschaftlichkeit in Bibel und Kirchengeschichte

2.1. Der Mensch als Verwalter Gottes

Die Bibel beschäftigt sich an vielen Stellen mit der Frage, wie der Menschen mit den ihm anvertrauten Ressourcen aller Art umgehen soll. Grundlegend dafür ist das Verständnis des Menschen von dieser Welt und ihren Ressourcen. In Gen 2,15 wird der Mensch als Haushalter bzw. Verwalter eingesetzt.1 Gott, nicht der Mensch, ist Eigentümer der Welt, gleichwohl der Mensch im Auftrage Gottes über sie herrschen (Gen 1,28) und sie bebauen und bewahren (Gen 2,15) soll. Gott hat die Welt für den Menschen gemacht, aber der Mensch soll die Schöpfung pflegen, damit sich Gott an ihr erfreuen kann und die Schöpfung Gott loben kann (vgl. Ps 8; 104). Alles Nachdenken über dem Umgang mit Ressourcen steht also unter dem Vorzeichen, dass der Mensch nur Verwalter von Gottes Eigentum ist.

[...]


1 Vgl. S.Fleßa, Geistlich Denken - Rational Handeln, S.17.


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