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Brünhild von Islant

Seminararbeit, 2002, 22 Seiten
Autor: Udo Seelhofer
Fach: Germanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Details

Veranstaltung: Frauenbilder – Männerbilder in der mittelhochdeutschen Literatur
Institution/Hochschule: Universität Wien (Germanistik)
Tags: Brünhild, Islant, Frauenbilder, Männerbilder, Literatur
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2002
Seiten: 22
Note: 1
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V5693
ISBN (E-Book): 978-3-638-13496-5
ISBN (Buch): 978-3-638-63905-7
Dateigröße: 193 KB

Zusammenfassung / Abstract

Brünhild von Islant ist, auch wenn sie nur eine Nebenrolle spielt, eine der zentralen Figuren im Nibelungenlied. Bis zu Siegfrieds Tod tritt sie in allen Schlüsselszenen in Erscheinung. Ihr Charakter gibt aber einige Rätsel auf. Woher kommt ihre schier übermenschliche Kraft? Wer waren ihre Eltern? Wieso ließen sie zu, dass Brünhild sich dermaßen über alle damals üblichen Rollenverteilungen zwischen den Geschlechtern hinwegsetzte? Und kannte sie Siegfried vielleicht von früher? Fangen wir mit ihrem Namen an. Dieser setzt sich aus dem althochdeutschen brunna, brunia was soviel wie Rüstung oder Panzer heißt und hiltia, Kampf, zusammen. Man könnte ihren Namen demnach mit "Die mit der Rüstung/dem Panzer kämpft" oder "Kämpferin der Brünne" übersetzen.


Textauszug (computergeneriert)

Brünhild von Islant

von Udo Seelhofer

Inhaltsverzeichnis

1. Das Nibelungenlied

2. Brünhild von Islant

3. Frauenbild im mittelhochdeutschen Nibelungenlied und in den nordischen
Sagenkreisen wie der Lieder - Edda mit besonderer Bezugnahme auf Brünhild

3.1 Feministische und andere Literaturtheorien bei der Nibelungenliedforschung
3.2 Die Geschichte des Frauenbildes der Walküre
3.3 Das Bild von der kämpfenden Frau

4. Brünhild in der Interaktion mit Kriemhild, Hagen und Siegfried

5. Das christliche Bild von der unbotmäßigen Ehefrau

6. Zusammenfassung und Schlussfolgerung

7. Bibliographie

 

1. DAS NIBELUNGENLIED

Das Nibelungenlied, welches wohl um 1200 - eventuell im Auftrag von Bischof Wolfger von Erla - von einem unbekannten Autor (namens Konrad?) verfasst wurde, steht mit seiner pessimistischen Weltsicht im Kontrast zur epischen Dichtung von zum Beispiel Hartmann von Aue. Es ist die im deutschsprachigen Raum wahrscheinlich bekannteste mittelalterliche Dichtung.
Vor dem mittelhochdeutschen Nibelungenlied gab es eine reiche, in manchem abweichende Sagenüberlieferung in Nordeuropa (Island, Dänemark und Norwegen) und Norddeutschland (Westfalen, Niedersachsen). Gemeinsame Erzählkerne dieser Überlieferungen sind Sigurds/Siegfrieds frühe Begegnung mit Brynhild und seine spätere Hochzeit mit Gudrun/Kriemhild, der Schwester Gunnars /Gunthers und Högnis/Hagens, auf deren Betreiben Sigurd später ermordet wird und die Einladung und Ermordung der Geschwister Gudruns durch ihren zweiten Gatten Atli/Etzel.
Wir haben es sehr wahrscheinlich mit einer Sagenfassung zu tun, die erst auf späteren Stufen zur Differenzierung führte. Die Siegfried - Brünhild Erzählung und die Sage vom Untergang der Burgunden haben jeweils nur einen historischen Ausgangspunkt.
Herkunft und Einbeziehung der Brünhild - Figur, welche sowohl im mittelhochdeutschen Nibelungenlied als auch in den nordischen Dichtungen mythischen Charakter aufweist, sind nicht erklärt. Das Motiv von der verschmähten Braut, welche schlussendlich die Ermordung des ihr untreu gewordenen früheren Geliebten durch ihren Ehemann veranlasst, kommt aber sowohl in den nordischen Varianten als auch - kaschiert - im Nibelungenlied vor. In der Sagenentwicklung ist die Siegfried - Brünhild Sage und die vom Untergang der Burgunden, welche uns in der Lieder - Edda noch getrennt begegnen, an einer bestimmten Stelle verbunden worden. Die Untergangssage ergab sich dabei als Folgeentwicklung der Siegfried - Brünhild Sage (was möglicherweise für die Profilierung Kriemhilds geschah, die im ersten Teil zweimal großes Unrecht erfuhr und sich dafür rächt).
Einen eigenen Bereich der Sagengeschichte stellt Siegfrieds Jugendgeschichte dar. Während sie in den nordischen Texten in eigenen Texten, aber auch als Teil der Gesamtgeschichte (Völsungasaga, Thidreksaga, Snorri - Edda) erscheint, wird sie im Nibelungenlied nur in Hagens erzählender Erläuterung in den Strophen 87 - 100 erwähnt. Seine frühere Begegnung und Verlobung mit Brünhild fehlt vollkommen.
Gegliedert ist das Nibelungenlied in 39 Kapitel ("Aventiuren"). Der erste Teil
besteht aus den Aventiuren 1 - 19, der zweite geht von 20 - 39.
Siegfried, ein Königssohn aus Xanten, wirbt um Kriemhild, die Schwester der drei Burgundenkönige Gunther, Giselher und Gernot zu Worms am Rhein. Hagen von Tronje, ein Verwandter und bedeutendster Vasall König Gunthers, weiß von Siegfried, dass er früher einen Drachen getötet und von den Nibelungen einen legendären Schatz erworben hat. Im Laufe der Zeit macht sich Siegfried für die Burgunden unentbehrlich. Vor allem hilft er ihm dabei - mit der Hilfe seiner unsichtbar machenden Tarnkappe - um die von diesem ersehnte Braut Brünhild von Islant zu werben. Daraufhin vermählt man ihn mit Kriemhild. In der Hochzeitsnacht erfährt Gunther durch Brünhild die wohl größte Demütigung seines Lebens, als er von ihr gefesselt an einen Haken gehängt wird und so die Nacht verbringen muss. Am darauffolgenden Abend schleicht sich Siegfried ins königliche Schlafgemach und hilft Gunther - wieder unter zu Hilfename der Tarnkappe - Brünhild zu vergewaltigen. Er nimmt ihr auch den Ring und ihren Gürtel, wodurch Brünhilds übermenschliche Kraft gebrochen wird.
Jahre später kommt dieser Skandal ans Licht der Öffentlichkeit als sich Kriemhild und Brünhild vor dem Münster zu Worms um den Vortritt streiten. Brünhild beauftragt daraufhin Hagen Siegfried zu ermorden. Der tut das - unter unfreiwilliger Mithilfe Kriemhilds - auf der Jagd. Danach raubt er Kriemhild den Schatz der Nibelungen um zu verhindern, dass sie damit die Rache herbeiführt und versenkt ihn im Rhein.
Nach einer Ewigkeit der Trauer nimmt sie die von Markgraf Rüdeger von Bechelaren vorgebrachte Werbung des Hunnenkönigs Etzel an. Jahre später lädt sie die jetzt Nibelungen genannten Burgunden an den Hof König Etzels ein. In einem unglaublichen Blutbad sterben alle hunnischen und burgundischen Krieger, sowie die Gefolgsleute des im Exil lebenden Königs Dietrich von Bern. Nachdem Kriemhild Gunther und Hagen tötete, wird sie vom wutentbrannten Hildebrand - Dietrichs Waffenmeister - erschlagen. Mit der Klage Etzels und Dietrichs um ihre Verwandten und Männer endet das Nibelungenlied.

2. BRÜNHILD VON ISLANT

Brünhild von Islant ist, auch wenn sie nur eine Nebenrolle spielt, eine der zentralen Figuren im Nibelungenlied. Bis zu Siegfrieds Tod tritt sie in allen Schlüsselszenen in Erscheinung. Ihr Charakter gibt aber einige Rätsel auf. Woher kommt ihre schier übermenschliche Kraft? Wer waren ihre Eltern? Wieso ließen sie zu, dass Brünhild sich dermaßen über alle damals üblichen Rollenverteilungen zwischen den Geschlechtern hinwegsetzte? Und kannte sie Siegfried vielleicht von früher?
Fangen wir mit ihrem Namen an. Dieser setzt sich aus dem althochdeutschen brunna, brunia was soviel wie Rüstung oder Panzer heißt und hiltia, Kampf, zusammen. Man könnte ihren Namen demnach mit "Die mit der Rüstung/dem Panzer kämpft" oder "Kämpferin der Brünne" übersetzen.

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