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Hausarbeit, 2006, 17 Seiten
Autor: Jan Theuerl
Fach: Sprachwiss. / Sprachforschung (fachübergreifend)
Details
Institution/Hochschule: Freie Universität Berlin (Indogermanisches Seminar)
Tags: Affrikate, Affrizierung, Typologie, Deutschen
Jahr: 2006
Seiten: 17
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 15 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-51525-2
Dateigröße: 132 KB
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Berlin, 17.03.2006
Affrikate, Affrizierung – zur deutschen Typologie
von: Jan Theuerl
Gliederung
1 Terminologie Seite 3
2 Zur Historie der Affrikate Seite 7
3 Phonematische Wertung Seite 10
4 Die Regeln Trubetzkoys Seite 12
5 Abschluss Seite 15
6 Bibliographie Seite 17
1. Terminologie
Affricare - lat. anreiben; fricare - reiben, auch abreiben ist als etymologischer Ursprung des linguistischen Gebrauchs Affrikate und Affrizierung feststehend, und auch in der internationalen Literatur und Forschungswelt herrscht, was die Begrifflichkeit angeht, ein erfreulicher Konsens: engl. affricate, frz. affriquée, it. affricata, sp. affricada1. In der deutschsprachigen Literatur tritt der Begriff der Affrikaten zum ersten Mal 1876 bei Sievers auf2. Alternativvarianten wie Halbverschlußkonsonant (bei Jakobson 1941)3, mi-occlusive (Grammont 1933) haben sich ebenso wenig behaupten können, wie frz. assibilée, miconstrictive oder mi-chuintante4. 1837 sprach Rudolf von Raumer in Bezug auf [ts], [dz], [tR\ und [dY\ von „lingualen Diphthongen“ und Jacob Grimm bezeichnete sie in der Deutschen Grammatik sogar als dreifache Konsonantenverbindungen5. Aus diesen doch teils differenten Versuchen der Bezeichnung schließt Luschützky, dass der Terminus weniger an seinen lateinischen Ursprung, als vielmehr an das Vorbild der Aspirata angelehnt sein muss. Der Ausdruck Affrikate meint eine konsonantische Lautverbindung, die sich aus einen Frikativ und einen Plosiv zusammensetzt und sich in einem nicht-nasalen oralen Verschlusslaut niederschlägt. Der orale Verschluss der ersten Phase wird nur soweit gelöst, dass sich bei der nachfolgenden Phase eine Reibung ergibt. Affrikate sind obstruente Sprachlaute, dessen artikulatorisches Merkmal „eine mehr oder weniger ausgeprägte Verschlussphase mit unmittelbar darauffolgender, mehr oder weniger homorganischer Engebildung ist“6. Affrikate werden wie Frikative produziert, denen ein Verschluss, der an derselben Stelle (homorgan) wie die Enge des Frikativ gebildet wird, vorausgeht. Der Frikativteil der Lautverbbindung ist i.d.R. kürzer als der einzelner Frikative. Akustisch gesehen ist dieser Laut eine mehr oder minder ausgeprägte Pause, die von einem schwachen plosiven Impuls eingeleiteten Turbulenzgeräusch gefolgt wird7. „Im Sonagramm zeigt sich die Ausbildung des Frikativs mit zunehmender Verschlussöffnung sehr deutlich durch eine schräg verlaufende (meist fallende) Untergrenze des frikativen Energieschwerpunktes“:
[Abbildung in der Downloaddatei vorhanden] 8
Innerhalb des Homorganizitätskriteriums wird von einigen Forschern noch mal differenziert in sogenannte echte und unechte Affrikate9. Die phonologische Lösung, eine Affrikate ist ein Plosiv, der in einem homorganen Frikativ gelöst sei, mag bei dt. „Blitz“ oder „Zug“ zutreffen, scheitert aber an dt. „Pflaume“, hier soll der Frikativ nicht homorgan mit dem Plosiv sein.10 Das Merkmal der Homorganizität scheint also kein verlässliches und hinreichendes Charakteristikum der Affrikaten zu sein.
Bußmann bemerkt in ihrem Lexikon der Sprachwissenschaft, dass Affrikate der Form [tR] und [px] heterorgan sind, hingegen seien die Affrikate [pf], [ts], [dz] und [kx] homorgan. Ihre Zweiteilung der Affrikate scheint aber in sich inkonsistent, wirft man einen Blick auf die phonologische Struktur der konsonantischen Artikulationsstellen. Die Affrikate /pf/ ist eine Lautverbindung des Plosiv fortis /p/, der labial gebildet und artikuliert wird und des Frikativ fortis, der ebenfalls labial artikuliert wird, aber dental gebildet ist. Eine Unterscheidung der beiden Konsonanten aus phonologischer Sicht trifft auf die Artikulationsstelle sehr wohl zu, in Bezug auf das artikulierende Organ aber ist keine Differenzierung möglich. scheinen daher homorgan zu sein.
[...]
1 Luschützky, H. C.: Zur Phonologie der Affrikaten, Frankfurt a. Main, 1992, S.5, Anm. 2. L. meint, dass die Bedeutung affricare – anreiben irreführend sei, insofern, dass eine umgekehrte Anordnung von Verschluss und Reibung suggeriert wird, indes bei den Affrikaten die Reibung im „Abglitt“ erfolgt.
2 Sievers, E.: Grundzüge der Lautphysiologie. Zur Einführung in das Studium der Lautlehre der indogermanischen Sprachen. Reprint der 1876 in Leipzig erschienenen Ausgabe, Olms Verlag, Hildesheim/New York 1980.
3 Jakobson, R.: Aphasie und allgemeine Lautgesetze, Suhrkamp, Frankfurt, 1988.
4 Luschützky, ebd.
5 Grimm, Jacob, Deutsche Grammatik Bd2, Verlag Olms-Weidmann, Hildesheim 1985.
6 Luschützky, S.5/6.
7 Ebd. S.6.
8 http://www.phonetik.uni-muenchen.de/SGL/SGLKap2.html. Abb. 2.19: Affrikate [ts] gefolgt von [o.]
9 http://www.phonetik.uni-muenchen.de/Lehre/Skripten/TRANS2/TRANS2Stunde7.html.
10 Ebd. Im selben Zusammenhang ist hier auch engl. Plural „bit-s“ angeführt, das als unecht affrikat bezeichnet wird, da die Endung –s über die Morphemgrenze hinaustritt. Unklar ist mir hierbei, warum dann nicht von einer homorganen Lautverbindung gesprochen werden kann, schließlich ändert die Morphemgrenze und die Tatsache, dass der Frikativ als hinzugefügte Endung in Erscheinung tritt nichts an der affrikaten Lautqualität
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