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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 20 Pages
Author: Alke Eilers
Subject: Psychology - Social Psychology
Details
Institution/College: University of Hannover (Institut für Soziologie und Sozialpsychologie)
Tags: Menschenversuche, Euthanasie, Dritten, Reich, Seminar, Arzt, Bürger, Mörder, Medizin, Nationalsozialismus, Nachkriegsgesellschaft
Year: 2005
Pages: 20
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 8 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-51541-2
File size: 187 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität Hannover, Institut für Soziologie und Sozialpsychologie
Seminar: Der Arzt als Bürger und Mörder. Medizin, Nationalsozialismus
und die deutsche Nachkriegsgesellschaft
SoSe 2005, Fachsemester: 10
Menschenversuche und „Euthanasie“ im „Dritten Reich“ –
wie war es möglich? Ein Erklärungsversuch.
von: Alke Eilers
Inhaltverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Hitlers „Euthanasie“ und ihre Folgen
2.2 Die Rolle der Ärzte in Hitlers „Euthanasie“
2.3 Antrieb, Motivation und Gründe für die Arbeit in den „Tötungszentren“
2.3.1 Wissenschaftliche Beweggründe
2.3.2 Ideologische Gründe
2.3.3 Gehorsam, Gruppendruck und Übertragung von Verantwortung
2.3.4 Dehumanisierung der Opfer
3. Schlussbetrachtung
4. Literaturverzeichnis
1. Einleitung
„Ich werde niemandem, nicht einmal auf ausdrückliches Verlangen, ein tödliches Medikament geben, und ich werde auch keinen entsprechenden Rat erteilen; ebenso werde ich keiner Frau ein Abtreibungsmittel aushändigen. (...) In wie viele Häuser ich auch kommen werde, zum Nutzen der Kranken will ich eintreten und mich von jedem vorsätzlichen Unrecht und jeder anderen Sittenlosigkeit fernhalten, auch von sexuellen Handlungen mit Frauen und Männern, sowohl Freien als auch Sklaven.“ Auszug aus dem Hippokratischen Eid (Quelle: http://www.datenschutz-berlin.de/doc/gr/hippo.htm) „Ratten, Wanzen und Flöhe sind auch Naturerscheinungen, ebenso wie die Zigeuner und Juden. Sie sind daher gleichfalls gottgewollte Wesen, aber man kann sie ebenso wenig durch rücksichtsvolle Behandlung bessern oder beim Zusammenleben von uns fernhalten wie entartete Asoziale und unnormale ichsüchtige, kriminell-hemmungslose Menschen. Alles Leben ist Kampf. Wir müssen daher alle diese Schädlinge biologisch allmählich ausmerzen.“ K. Hannemann, Arzt: Willensfreiheit oder Erbschicksal? In: „Ziel und Weg“ (Organ des NS-Ärztebundes). Zitiert in: Bastian, Furchtbare Ärzte, S. 36
Der Widerspruch, der durch diese beiden Aussagen verdeutlicht wird, zeigt die Problematik, mit der sich diese Arbeit beschäftigt. Der Beruf des Arztes war, wie es der Auszug aus dem Hippokratischen Eid zeigt, von jeher ein Heilberuf. Der Arzt sollte seinem Patienten kein Leid zufügen, sein Vertrauen nicht missbrauchen, und er sollte stets zum Wohle des Patienten und der Gesellschaft arbeiten. Um so unglaublicher und erschreckender erscheinen die Taten der Ärzte, die in den Vernichtungslagern, „Heilanstalten“, „Tötungszentren“ und Konzentrationslagern die NSIdeologie der „Euthanasie“ in die Tat umsetzten. Auch wenn eine vollkommene Erklärung für unmenschliche Taten vielleicht für immer ausbleiben wird, stellt diese Arbeit einen Versuch dar, die Bewegungs- und „Motivations“-Gründe der Ärzte zu beleuchten und zu hinterfragen. Es sollen Erklärungsversuche genannt werden, obwohl aus heutiger Sicht nichts von diesen unmenschlichen Taten begreifbar ist.
Es soll in dieser Arbeit nicht nur Auskunft gegeben werden über die Art und Organisation der systematischen Tötungen, sondern größtenteils hinterfragt werden, welche Gründe von den Ärzten für ihre Beteiligung an den Massenmorden und Menschenversuchen, ob aktiv oder passiv, angeführt werden. Auf keinen Fall jedoch sollen die Argumente und Gedanken als Rechtfertigung für das Verhalten der NS-Ärzte herhalten, da für derartige „Greueltaten“ keine Entschuldigung vorzuweisen ist. Diese Arbeit soll näher auf die psychologischen Faktoren eingehen, welche die Mediziner dazu bewegten, an den „Euthanasie“-Morden und Menschenversuchen mitzuarbeiten. Es stellt sich dabei vor allem die Frage, ob die Ärzte und Psychiater alle „glühende Anhänger“ der nationalsozialistischen Ideologie waren, oder ob sie motiviert waren durch die Hoffnung auf einen Karrieresprung, oder ob es vielmehr kaltblütige Mörder waren, für welche das „unwerte Leben“ nur mehr „Material“ für Forschungszwecke darstellte. Hier schließt sich automatisch die Frage an, inwieweit die Ärzte aus Zwang oder eben aus freien Stücken in den „Tötungszentren“ ihren Dienst leisteten. Abschließend soll versucht werden zu erklären, inwiefern es den NS-Ärzten gelang, ihre Arbeit in den Lagern mit ihrem normalen Leben außerhalb der „Tötungszentren“ zu vereinbaren, und welche psychologischen Vorgänge es ihnen ermöglichten, ihre Schuldgefühle und Gewissenskonflikte bei ihren unmenschlichen Taten auszublenden. Meine Untersuchung bezieht sich größtenteils auf Robert Jay Liftons „Ärzte im Dritten Reich“, die von Gerrit Hohendorf und Achim Magull-Seltenreich herausgegebene Aufsatzsammlung „Von der Heilkunde zur Massentötung“, den Sammelband „Vernichten und Heilen - Der Nürnberger Ärzteprozeß und seine Folgen“, herausgegeben von Angelika Ebbinghaus und Klaus, sowie Auszüge aus weiterer Literatur.
2. Hauptteil
2.1 Hitlers „Euthanasie“ und ihre Folgen
[...]
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