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Das Hof- und Nationaltheater in München im 19. Jahrhundert

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1992, 35 Pages
Author: Manfred Eberth
Subject: Theater Studies

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 1992
Pages: 35
Grade: 1
Language: German
Archive No.: V5706
ISBN (E-book): 978-3-638-13506-1
ISBN (Book): 978-3-638-68383-8
File size: 260 KB

Abstract

EINLEITUNG Um die Nationaltheateridee im 19. Jhd. und die geistig ideellen Implikationen, die damit verbunden sind, verstehen zu können, ist es notwendig, den zeitgeschichtlichen Hintergrund, der zur Entstehung dieser Idee im 18. Jhd. geführt hat, zu erkennen. Kerngedanke der Aufklärung ist, daß der Mensch ein vernunftiges Wesen ist, das zur Selbstbestimmung fähig ist, sich individuell entwickeln und die Welt mit Mitteln des Verstandes begreifen, letztlich auch beherrschen kann. Aufklärerisches Gedankengut ist deshalb vielfältig mit dem Begriff Macht und mit der Vorstellung von übergreifenden allgemeinmenschlichen Dimensionen verbunden. Die Aufklärung ist dabei aber nicht als bürgerlicher Gegensatz zur Fürstenherrlichkeit des Absolutismus zu verstehen, wie es das 19. Jhd. getan hat. Aus dieser Konstellation ergibt sich das gemeinsame Interesse von Adel und Bürgertum an Bildung und Erziehung, Kunst und Wissenschaft. Während die Fürsten auf diese Weise versuchen, ihre Macht zu stabilisieren, tendiert das wachsende Selbstbewußtsein des Bürgertums dazu, eben diese Macht mit den Mitteln der Vernunft in Frage zu stellen. Dieser Prozeß der Emanzipation dauert in Deutschland bis weit ins 19. Jhd., denn nicht zuletzt die wirtschaftliche Potenz der Fürstenhöfe bleibt der politisch und sozial lange bestimmende Faktor und schafft dadurch erst die materiellen Voraussetzungen für eine Bildungs- und Kulturpolitik. Im Gegensatz zu Frankreich oder England ist Deutschland im 18. Jhd. in unzählige Kleinstaaten zersplittert und der Nationalgedanke ist eine abstrakte Größe, die aus der Sicht von bürgerlichen, intellektuellen und adeligen Kreisen, kaum politisch, aber kulturell angestrebt wird; der Reichsgedanke bleibt dem 19. Jhd. vorbehalten. Der deutschen Sprache als übergreifender Gemeinsamkeit einer Nation und dem Theater, der Dichtung und Literatur als Anwendungsbereich für diese Sprache kommt damit eine zentrale Bedeutung zu. Die Nationaltheateridee wurzelt in dieser historischen und politischen Situation. Das real existierende (Hof- und) Nationaltheater des 18. Jhds. ist eine Symbiose aus höfischen Subventionen und Organisationsformen, aufklärerischem Bildungsanspruch und bürgerlichem Selbstbewußtsein und die Idee eines deutschsprachigen Theaters mit anspruchsvollem Repertoire ist zugleich Ausdruck eines maßgeblich höfischem Kunst- und Kulturverständnisses, welches nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen zunehmend weniger exklusiv wird.


Excerpt (computer-generated)

 

DIE ENTWICKLUNG DES HOF - UND NATIONALTHEATERS
IN MÜNCHEN IM 19. JAHRHUNDERT





INHALTSVERZEICHNIS

EINLEITUNG

A. HOFTHEATER IN MÜNCHEN VOR 1800

B. DEUTSCHSPRACHIGE PRODUKTIONEN IM (HÖFISCHEN) THEATER AM
SALVATORPLATZ ZWISCHEN 1753 UND 1799

I. KURTZ UND NIESSER
II. KURFÜRST KARL THEODOR UND DIE "NATIONALSCHAUBÜHNE"

C. DAS DEUTSCHSPRACHIGE REPERTOIRE IM 19. JAHRHUNDERT AM MÜNCHNER
HOF

I. ITALIENISCHE OPER UND DEUTSCHE OPER
II. DEUTSCHSPRACHIGES SCHAUSPIEL IM MÜNCHNER HOF- UND
NATIONALTHEATER

D. ORGANISATORISCHE ASPEKTE

I. RÄUMLICHE SITUATION IM MÜNCHNER HOF- UND NATIONALTHEATER IM
19. JAHRHUNDERT
II. BAUFINANZIERUNG DES NATIONALTHEATERS
III. HOFTHEATERINTENDANZ IN MÜNCHEN

E. DAS MÜNCHNER HOF- UND NATIONALTHEATER ALS MONARCHISTISCHE

INSTITUTION
I. MAX I. JOSEPH UND DER THEATERNEUBAU
II. VON LUDWIG I. BIS LUDWIG II.

LITERATUR



EINLEITUNG

Um die Entwicklung eines Nationaltheaters im 19. Jhd und die geistig ideellen Implikationen, die mit diesem Begriff verbunden sind, verstehen zu können, ist es notwendig, den zeitgeschichtlichen Hintergrund, der zur Bildung der Nationaltheateridee im 18. Jhd geführt hat, zu erkennen. Die Aufklärung spielt dabei eine zentrale Rolle, weil sie ein Bildungsideal kreiert, das weitreichende Folgen für die kulturelle Entwicklung hat.

Kerngedanke der Aufklärung ist die Grundüberzeugung, daß der Mensch ein vernunftbegabtes Wesen ist, das zur Selbstbestimmung fähig ist, sich entwickeln gleichsam veredeln - und die Welt mit den Mitteln des Verstandes erkennen, verstehen und letztlich auch beherrschen kann. Aufklärerisches Gedankengut ist deshalb auf vielfältigste Weise mit dem Begriff Macht und mit der Vorstellung von übergreifenden allgemeinmenschlichen Dimensionen verbunden. Die Aufklärung ist dabei aber nicht als bürgerlicher Gegensatz zur barocken Fürstenherrlichkeit des Absolutismus zu verstehen, wie es das 19. Jhd getan hat:

"Dieser [absolute Staat] gewann durch die Aufklärung geistige Voraussetzungen der Machterweiterung, durch ihn erhielt umgekehrt die neue Geistesrichtung den Einfluß auf das öffentliche Leben, der den geistigen Standort des Zeitalters bestimmt hat. Der absolute Staat mit seinem Machtstreben hat die Aufklärung in allen Gebieten des Abendlandes vor 1789 wesentlich gefördert. Das Bürgertum schloß sich erst seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert an. Von dann hat es allerdings für mehr als ein Jahrhundert ihre weitere Entwicklung mitbestimmt. Namentlich mit dem Übergreifen erklärenden Denkens auf gesellschaftliche und politische Fragen ging dann das Bürgertum in der Formung der neuen Anschauung über den geistigen Rahmen hinaus, den das absolute Fürstentum dieser Geistesströmung zugedacht hatte."

Aus dieser Konstellation ergibt sich das gemeinsame Interesse von Adel und Bürgertum an der Bildung und Erziehung, Kunst und Wissenschaft. Während die Fürsten auf diese Weise versuchen, ihre Macht zu stabilisieren, tendiert das wachsende Selbstbewußtsein des Bürgertums dazu, eben diese Macht mit den Mitteln der Vernunft in Frage zu stellen. Dieser Prozeß der bürgerlichen Emanzipation dauert in Deutschland bis weit ins 19. Jhd., denn nicht zuletzt die wirtschaftliche Potenz der Fürstenhöfe bleibt der politisch und sozial lange bestimmende Faktor und schafft dadurch auch die materiellen Voraussetzungen für eine Bildungs- und Kulturpolitik in deren Sinne, mit der das Bürgertum nicht konkurrieren kann. Die Kunstproduktion konzentriert sich im 18. Jhd. deshalb vor allem auf Residenzstädte und bleibt eben wegen dieser Nähe zur Macht auf die eine oder andere Weise der höfischen Kultur verhaftet.

Im Gegensatz zu Frankreich oder England ist Deutschland im 18. Jhd. ein Land, das in unzählige Kleinstaaten zersplittert ist und die Vorstellung einer einzigen Nation ist bestenfalls eine abstrakte Größe, die aus der Sicht von gebildetem Bürgertum, Intelektuellen und auch adeligen Kreisen, kaum politisch, aber kulturell angestrebt wird; der tatsächliche Reichsgedanke bleibt dem 19. Jhd vorbehalten:

[...]


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