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Termpaper, 2006, 15 Pages
Author: Ina Brauckhoff
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: University of Münster
Tags: Tugend, Laster, Gemischte, Charaktere, Friedrich, Schillers, Räuber, Einführung, Analyse, Interpretation, Texte
Year: 2006
Pages: 15
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 10 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-51605-1
ISBN (Book): 978-3-638-94048-1
File size: 206 KB
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Abstract
„Haben wir je einen teutschen Shakespeare zu erwarten, so ist es dieser.“ (Wiese 1937: 102) Mit diesen Worten beschrieb der Rezensent der Erfurthischen Gelehrten Zeitung am 24. Juli 1781 den damals noch unbekannten Dichter der „Räuber“. Das Erstlingswerk Schillers, das 1779/80 zu seiner Zeit an der Karlsschule entstand und das er zunächst selbstfinanziert und anonym veröffentlichte, zählt heute als das bedeutendste Drama des Sturm und Drang. An seiner Uraufführung in Mannheim nahm Schiller unerlaubter Weise teil. Schon damals galt das Drama als eine Sensation. „Himmel und Hölle kamen hier zusammen, hier drückte sich das Lebensgefühl einer jungen Generation aus.“ (Koopmann 1988: 11) Heute gehören „Die Räuber“ einerseits zum festen Literaturkanon, andererseits ziehen sie als Theaterstück inszeniert auch nach wie vor Zuschauer in ihren Bann, die sich zuvor nicht mit Literatur auseinandergesetzt haben. Dies liegt nicht zuletzt an der herausragenden Charakterisierung der Hauptfiguren Karl und Franz Moor: „Die Helden seiner Jugenddramen sind Monstren an Tugend oder Laster, von einer ungeheuren Einmaligkeit und Eindrücklichkeit.“ (Frey 1966: 83) Ich möchte in dieser Abhandlung herausfinden, was diese Charaktere so besonders macht und welche Wirkung Schiller mit ihnen erzielen wollte. Hierzu werde ich das Drama in Hinblick auf das Nebeneinander von Tugend und Laster, von Gut und Böse analysieren. Meiner Annahme nach hat Schiller sich stark an dem von Lessing geprägten Begriff des „gemischten Charakters“ orientiert. In Anschluss an meine Analyse möchte ich daher Rückschlüsse auf die Wirkungsabsicht der gemischten Charaktere in den „Räubern“ ziehen.
Excerpt (computer-generated)
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Proseminar: Einführung in die Analyse und Interpretation literarischer Texte
„Vom Sturm und Drang zur Klassik: Schillers Dramen“
WS 2005/06
Tugend und Laster - Gemischte Charaktere in
Friedrich Schillers ′Die Räuber′
von: Ina Brauckhoff
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
1.1 Welche Philosophen prägten den jungen Schiller und beeinflussten somit die Entstehung seines ersten Dramas und die Charakterisierung seiner Figuren? 2
1.2 Was ist ein gemischter Charakter? 3
2. „Die Räuber“ – Charakterisierung der Hauptfiguren 4
2.1 Franz Moor – ein Betrüger aus Verstand? 4
2.2 Karl Moor – ein Verbrecher aus Empfindung? 7
3. Fazit: Mögliche Intentionen Schillers 11
3.1 Franz Moor – Gefahren der Aufklärung 11
3.2 Karl Moor – Probleme des Sturm und Drang 12
3.3 Schlusswort 13
4. Literaturverzeichnis 14
4.1 Primärliteratur 14
4.2 Sekundärliteratur 14
4.3 Bildquellen 14
1. Einleitung
„Haben wir je einen teutschen Shakespeare zu erwarten, so ist es dieser.“ (Wiese 1937: 102) Mit diesen Worten beschrieb der Rezensent der Erfurthischen Gelehrten Zeitung am 24. Juli 1781 den damals noch unbekannten Dichter der „Räuber“. Das Erstlingswerk Schillers, das 1779/80 zu seiner Zeit an der Karlsschule entstand und das er zunächst selbstfinanziert und anonym veröffentlichte, zählt heute als das bedeutendste Drama des Sturm und Drang. An seiner Uraufführung in Mannheim nahm Schiller unerlaubter Weise teil. Schon damals galt das Drama als eine Sensation. „Himmel und Hölle kamen hier zusammen, hier drückte sich das Lebensgefühl einer jungen Generation aus.“ (Koopmann 1988: 11)
Heute gehören „Die Räuber“ einerseits zum festen Literaturkanon, andererseits ziehen sie als Theaterstück inszeniert auch nach wie vor Zuschauer in ihren Bann, die sich zuvor nicht mit Literatur auseinandergesetzt haben. Dies liegt nicht zuletzt an der herausragenden Charakterisierung der Hauptfiguren Karl und Franz Moor: „Die Helden seiner Jugenddramen sind Monstren an Tugend oder Laster, von einer ungeheuren Einmaligkeit und Eindrücklichkeit.“ (Frey 1966: 83) Ich möchte in dieser Abhandlung herausfinden, was diese Charaktere so besonders macht und welche Wirkung Schiller mit ihnen erzielen wollte. Hierzu werde ich das Drama in Hinblick auf das Nebeneinander von Tugend und Laster, von Gut und Böse analysieren. Meiner Annahme nach hat Schiller sich stark an dem von Lessing geprägten Begriff des „gemischten Charakters“ orientiert. In Anschluss an meine Analyse möchte ich daher Rückschlüsse auf die Wirkungsabsicht der gemischten Charaktere in den „Räubern“ ziehen.
1.1 Welche Philosophen prägten den jungen Schiller und beeinflussten somit die Entstehung seines ersten Dramas und die Charakterisierung seiner Figuren?
Um die Hintergründe der Entstehung des Dramas nachvollziehbar zu machen, gehe ich in diesem Abschnitt auf die Lehren von Ferguson, Garve, Mendelssohn, Abel und Lessing ein, an denen Schiller sich orientierte. Mit Adam Ferguson kam Schiller bereits auf der Karlsschule in Berührung. Er galt als „Lieblingsphilosoph auf der Militär-Akademie“ (Iffert 1926: 58). Ferguson beschäftigte nicht das Individuum, sondern gesellschaftliche Phänomene. Seine „Grundsätze der Moralphilosophie“ waren Schiller aus der Übersetzung von Christian Garve bekannt. Er interessierte sich dabei vor allem für Garves Anmerkungen, was dadurch belegt ist, „daß er ganze Partien daraus auswendig zitieren konnte“ (Frey 1966: 9). Mit den Grundsätzen Fergusons Moralphilosophie, besonders der „Betonung des Willens“ (Iffert 1926: 58) des Menschen, stimmte Schiller in seinen eigenen Überlegungen überein, jedoch nicht damit, dass er „dem Menschen die Freiheit der Entscheidung zwischen Gut und Böse“ (Frey 1966: 9) nicht zugestand. Ferguson schreibt in seiner Moralphilosophie: „Vortrefflich zu seyn […] ist das höchste Ziel der menschlichen Begierden.“ (Frey 1966: 9) Danach kann der Mensch folglich nur das Gute und Tugendhafte anstreben. „Schiller dagegen erkannte (im Anschluss an Garve), daß auch der Verbrecher von „geistigen Vorstellungen“ geleitet sein kann; bei einem großen Bösewicht herrscht der „Erfindungsgeist“ über die Leidenschaften.“ (Frey 1966: 13)
Auch Moses Mendelssohn, „ein Vertreter der religiösen Richtung in der Philosophie der Aufklärung“ (Frey 1966: 12), war der Ansicht, dass der Mensch auf Vollkommenheit und somit auf das Gute aus war. „Der Gedanke, daß der Mensch sich auch zum Bösen entschließen könnte, ist Mendelssohn nie gekommen.“ (Frey 1966: 12) Nichtsdestotrotz hatte er starken Einfluss auf Schiller. Mendelssohn lehrte, dass die Vernunft über das Gefühl vorherrsche, einen Gedanken, den Schiller in seinen „Philosophischen Briefen“ übernahm, in denen er forderte: „Der Kopf muss das Herz bilden.“ (Frey 1966: 13) Besonders geprägt wurde Schiller von Jakob Friedrich Abel, seinem Philosophielehrer an der Karlsschule, mit dem ihm eine tiefe Freundschaft verband. Wie Ferguson und Mendelssohn vertrat auch Abel die Ansicht, dass „alle menschlichen Anstrengungen sich auf die Erhaltung des Angenehmen und auf die Entfernung des Unangenehmen richten“ (Frey 1966: 15). Doch in einem für Schiller sehr entscheidenden Punkt widersprach Abel Ferguson und Mendelssohn, in seiner Betonung der „Freiheit des menschlichen Willens“ (Frey 1966: 15), der Willenskraft, welche den Menschen befähigt, sich zwischen Gut und Böse zu entscheiden, mit Abels Worten: „diese Fähigkeit macht ihn der Tugend und des Lasters … fähig, und setzt also Glück und Unglück in seine eigene Gewalt.“ (Frey 1966: 16) Von Abel übernahm Schiller also seine Idee von der Freiheit und Selbstbestimmung des Menschen, einen Gedanken, der immer wieder in den „Räubern“ auftaucht.
1.2 Was ist ein gemischter Charakter?
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