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Die Personenstrukturen und -darstellungen in der historischen Kinder- und Jugendliteratur als Bewertungskriterium

Subtitle: Dargestellt an den Beispielen "Quintus geht nach Rom" von H.D. Stöver und "Falsches Spiel in der Arena" von F. Lenk

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 23 Pages
Author: Katrin Bade
Subject: German Studies - Miscellaneous

Details

Event: Tatort Geschichte: Historische Kinder- und Jugendliteratur von der Antike bis zur Gegenwart
Institution/College: Technical University of Braunschweig (Seminar für deutsche Sprache und ihre Didaktik)
Tags: Personenstrukturen, Kinder-, Jugendliteratur, Bewertungskriterium, Tatort, Geschichte, Historische, Kinder-, Jugendliteratur, Antike, Gegenwart
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 23
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V57107
ISBN (E-book): 978-3-638-51639-6
ISBN (Book): 978-3-638-66513-1
File size: 211 KB
Notes :
Fächerübergreifende Arbeit - Germanistik/Geschichte


Abstract

Historische Kinder- und Jugendliteratur im (Geschichts-)Unterricht zu verwenden, um Schülern historische Sachverhalte nahe zu bringen, ist nicht unumstritten. In der Geschichtsdidaktik gab es lange Vorbehalte dagegen. Größter Kritikpunkt der Geschichtsdidaktiker waren (und sind) die dichterischen Freiheiten, die Autoren sich nehmen (müssen), um eine interessante und abgeschlossene Geschichte zu schreiben, welche die jungen Leser erreicht. Joachim Rohlfes sieht hier die Gefahr, Geschichte als „Mittel zum Zweck“ zu missbrauchen, räumt jedoch ein, dass belletristische Literatur durchaus im Unterricht verwendet werden kann, da sie grundsätzlich zur Vermittlung historischer Fakten und zur Auseinandersetzung mit diesen dient. Darum ist eine übergreifende Forderung vieler Didaktiker die realistische und angemessene Darstellung historischer Epochen und Figuren in fiktionalen Texten. Eine besondere Rolle fällt deshalb den Protagonisten historischer Kinder- und Jugendliteratur zu. Auf der einen Seite bieten sie ihren Lesern, die sich oft in einem ähnlichen Alter befinden, den Zugang zu einer fremden Zeit. Auf der anderen Seite ist die Art ihrer Darstellung oft ausschlaggebend für die Bewertung eines Buches. Eine exemplarische Analyse und Bewertung der Personendarstellungen erfolgt an den Werken Quintus geht nach Rom von Hans Dieter Stöver und Falsches Spiel in der Arena von Fabian Lenk, welche beide im antiken Rom zu Julius Caesars Zeit spielen. Die Frage, wie historische Inhalte über die Personendarstellungen vermittelt werden können, inwiefern der Leser zur kritischen Auseinandersetzung mit der Epoche angeregt wird, soll in dieser Arbeit nachgegangen werden. Nicht zuletzt erscheint hier auch die Frage nach den Identifikationsmöglichkeiten wichtig, die der Protagonist den Kindern und Jugendlichen bietet. Denn Identifikation entsteht durch Teilnahme und Miterleben, man wird in den Text ‚hineingezogen’. Nicht zuletzt entsteht auf dieser Basis auch die Fähigkeit der Kritik an einem Text. Wie wichtig das aktive Miterleben von Texten in der Schule für eine lebenslange Lesefreude ist, betont auch Gerhard Haas.


Excerpt (computer-generated)

TU Braunschweig
Tatort Geschichte: Historische Kinder- und Jugendliteratur
von der Antike bis zur Gegenwart

Die Personenstrukturen und -darstellungen in der
historischen KJL als Bewertungskriterium, dargestellt
an den Beispielen "Quintus geht nach Rom" von
H.D. Stöver und "Falsches Spiel in der Arena" von F. Lenk

von: Katrin Bade

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung  2

2. Die besondere Rolle der Personendarstellung in der historischen KJL 3

2.1 Die Notwendigkeit einer realistischen Personendarstellung  3
2.2 Wie realistisch können und dürfen die Darstellungen sein?  6
2.3 Das Konzept der Identifikation  7

3. Die Personenstruktur in Romanen zur römischen Geschichte  9

3.1 Die Darstellung der Hauptpersonen  9
3.2 Die Darstellung des Sklaventums 10

4. Gegenüberstellung der Romane Quintus geht nach Rom und Falsches Spiel in der Arena  11

4.1 Personenstruktur und -darstellung in Quintus geht nach Rom  12

4.1.1 Effekt der Personendarstellung auf den Rezipienten – eine Bewertung 16

4.2 Personenstruktur und -darstellung in Falsches Spiel in der Arena  18

4.2.1 Effekt der Personendarstellung auf den Rezipienten – eine Bewertung 19
5. Schlussbetrachtung  20

Literaturverzeichnis 22

Primärliteratur  22


 

 

1. Einleitung

Historische Kinder- und Jugendliteratur im (Geschichts-)Unterricht zu verwenden, um Schülern historische Sachverhalte nahe zu bringen, ist nicht unumstritten. In der Geschichtsdidaktik gab es lange Vorbehalte dagegen. Größter Kritikpunkt der Geschichtsdidaktiker waren (und sind) die dichterischen Freiheiten, die Autoren sich nehmen (müssen), um eine interessante und abgeschlossene Geschichte zu schreiben, welche die jungen Leser erreicht. Joachim Rohlfes sieht hier die Gefahr, Geschichte als „Mittel zum Zweck“ zu missbrauchen1, räumt jedoch ein, dass belletristische Literatur durchaus im Unterricht verwendet werden kann, da sie grundsätzlich zur Vermittlung historischer Fakten und zur Auseinandersetzung mit diesen dient.2

Darum ist eine übergreifende Forderung vieler Didaktiker die realistische und angemessene Darstellung historischer Epochen und Figuren in fiktionalen Texten. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, müssen die Autoren die Verknüpfung von historischen Fakten und einer ansprechenden Handlung schaffen. Eine besondere Rolle fällt deshalb den Protagonisten historischer Kinder- und Jugendliteratur zu. Auf der einen Seite bieten sie ihren Lesern, die sich oft in einem ähnlichen Alter befinden, den Zugang zu einer fremden Zeit. Auf der anderen Seite ist die Art ihrer Darstellung oft ausschlaggebend für die Bewertung eines Buches. Die Frage, wie historische Inhalte über die Personendarstellungen vermittelt werden können, inwiefern der Leser zur kritischen Auseinandersetzung mit der Epoche angeregt wird, soll in dieser Arbeit nachgegangen werden. Nicht zuletzt erscheint hier auch die Frage nach den Identifikationsmöglichkeiten wichtig, die der Protagonist den Kindern und Jugendlichen bietet. Denn Identifikation entsteht durch Teilnahme und Miterleben, man wird in den Text ‚hineingezogen’. Nicht zuletzt entsteht auf dieser Basis auch die Fähigkeit der Kritik an einem Text. Wie wichtig das aktive Miterleben von Texten in der Schule für eine lebenslange Lesefreude ist, betont auch Gerhard Haas.3 Die Rolle der Personendarstellungen in historischer Kinder- und Jugendliteratur soll anhand der Werke Quintus geht nach Rom von Hans Dieter Stöver und Falsches Spiel in der Arena von Fabian Lenk untersucht werden.

2. Die besondere Rolle der Personendarstellung in der historischen KJL

Zunächst soll beleuchtet werden, welche Ansprüche sowohl die Literatur- als auch die Geschichtsdidaktik an die Personendarstellungen in historischen Werken stellt, welche Kriterien für notwendig erachtet werden und inwieweit diese Forderungen mit Blick auf die Altersangemessenheit realisierbar sind. Im weiteren Verlauf wird aufgezeigt, wie und unter welchen Umständen die Protagonisten eine Identifikationsfigur darstellen (können) und welchen Lerneffekt dies haben kann.

2.1 Die Notwendigkeit einer realistischen Personendarstellung

Der grundlegende Unterschied zwischen einem historischen Sachbuch und einem historischen Roman ist die durchgehend epische und fiktionale Gestaltung. Dies hat zwangsläufig zur Folge, dass gewisse Details vom jeweiligen Autor nach eigenem Empfinden ‚erfunden’ werden. Zwar zeichnen sich viele historische Bücher durch eine ausgezeichnete Recherchearbeit aus, doch gerade bei Werken, die in Epochen spielen, von denen längst nicht alles aus allen Lebensbereichen bekannt ist (Jungsteinzeit, Antike etc.), müssen Lücken gefüllt werden. Um dem Leser einen Zugang zur Geschichte zu ermöglichen, bedienen sich viele Autoren der personalen Erzählperspektive. Meist sind die Protagonisten nicht historisch belegt, bewegen sich aber in einer belegten und erforschten Umwelt, so dass sie eine Vermittlerfunktion zwischen Leser und Historie innehaben. Unterhaltung, da sich nur so Lesefreude einstellen kann, die zum Lesen über die Schullektüre hinaus führt.

Hier liegt nach Rohlfes eines der Probleme der historischen KJL: um einen Zugang zum Geschehen zu ermöglichen wird Geschichte „personalisiert“, Situationen und Ereignisse werden ausschließlich aus der Sicht des Protagonisten gesehen, unter Umständen sogar ganz auf seine persönlichen Belange reduziert. Die Personendarstellung ist nicht mehr eingebettet in eine historische Epoche mit spezifischen gesellschaftlichen und politischen Eigenschaften, sondern diese dienen lediglich als „Bühne“ für eine fiktionale Erzählung.4 Rohlfes stellt die personalisierte Geschichte als Gratwanderung dar und fordert für eine angemessene historische Erzählung:

[Es] sollte dreierlei ermöglichen: Identifizierung, Einsichten in historisch- politische Zusammenhänge, Auseinandersetzung mit Sinnorientierung und „universellen“ Prinzipien.5

[...]


1 s. Rohlfes 1986, S. 148

2 vgl. ebd.

3 vgl. Haas 1998, S. 732 : Er fordert nicht nur „kognitive Lernziele“ im Literaturunterricht sondern eine Berücksichtigung der speziellen Bedürfnisse von Heranwachsenden , z.B. nach Spannung und

4 vgl. Rohlfes 1986, S. 352

5 s. Rohlfes 1986, S. 352


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