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Ökonomie des Wissens - Die Entstehung und Entwicklung der Wissensgesellschaft und die Rolle des Wissens

Essay, 2004, 15 Pages
Author: Carlo Cerbone
Subject: Sociology - Knowledge and Information

Details

Category: Essay
Year: 2004
Pages: 15
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 19  Entries
Language: German
Archive No.: V57254
ISBN (E-book): 978-3-638-51756-0
ISBN (Book): 978-3-638-83686-9
File size: 657 KB

Abstract

In der modernen soziologischen Theorie findet man immer wieder verschiedene, sich ergänzende, aber auch widersprüchliche und konträre Aussagen bezüglich der derzeitigen Gesellschaftsformation. Ich möchte in diesem Essay den Begriff und das Konzept der Wissensgesellschaft näher erläutern. Schon Klassiker wie Max Weber, Werner Sombart, Joseph Schumpeter und vor allem Karl Marx haben in ihren Gesellschaftsanalysen mit den Konzept der Wissensgesellschaft gearbeitet, wobei die Betonung vornehmlich auf die Innovationsdynamik charismatischer Unternehmer und die Wissensbasierung bürokratischer Organisationen gelegt wurde. (vgl. Heidenreich 2003) Die Theorie Nico Stehrs weist aber über diese Erklärungen hinaus und legt Wert auf die neu entstehende ökonomische Struktur und deren gesellschaftlichen Grundlagen. Im folgenden werde ich zuerst anhand des Buches „Wissen und Wirtschaften. Die gesellschaftlichen Grundlagen der modernen Ökonomie“ auf die drei Konzepte und Funktionen des Wissens, Wissen als Handlungsvermögen, Wissen als unmittelbare Produktivkraft und Wissen als Eigentum und Ware, näher eingehen. (vgl. Stehr 2001) Anschließend werde ich vorstellen, warum Nico Stehr von einer Wissensgesellschaft spricht und welche Rolle Wissen in diesem Zusammenhang spielt. Danach gehe ich kurz auf die Probleme und Defizite seines Theorieansatzes ein, sofern diese noch nicht behandelt wurden. Abschließend möchte ich die Ergebnisse kurz zusammenfassen und einen kritischen Ausblick auf die Zukunft geben.


Excerpt (computer-generated)

PS Allgemeine Soziologie: Das Wissen vom Wissen 
SS 2004
Hauptfach: Soziologie (4.Semester) 
Zeitdiagnostische Beiträge zur Wissensgesellschaft

3. Essay

Nico Stehr:

Ökonomie des Wissens;
Die Entstehung und Entwicklung der
Wissensgesellschaft und die Rolle des Wissens

von

Carlo Cerbone

 

 

Gliederung:

1. Zentrale Fragestellungen der Arbeit ... S.03

2. Wissen als Handlungsvermögen ... S.03

3. Wissen als unmittelbare Produktivkraft ... S.05

4. Wissen als Ware und Eigentum ... S.05

5. Wissensgesellschaft bei Nico Stehr ... S.07

6. Probleme und Defizite der Theorie ... S.09

7. Zusammenfassung und Ausblick ... S.10

 

 

1. Zentrale Fragestellungen der Arbeit

In der modernen soziologischen Theorie findet man immer wieder verschiedene, sich ergänzende, aber auch widersprüchliche und konträre Aussagen bezüglich der derzeitigen Gesellschaftsformation. So spricht in diesem Zusammenhang zum Beispiel Manuel Castells von einer Netzwerkgesellschaft (vgl. Castells 1996), Daniel Bell von der postindustriellen Gesellschaft (vgl. Bell 1996, S. 8), Jean-Francois Lyotard von der postmodernen Gesellschaft (vgl. Lyotard 1994, S. 13) oder Helmut Spinner von einer Informationsgesellschaft (vgl. Spinner 1998). Ich möchte in diesem Essay aber den Begriff und das Konzept der Wissensgesellschaft näher erläutern. Schon Klassiker wie Max Weber, Werner Sombart, Joseph Schumpeter und vor allem Karl Marx haben in ihren Gesellschaftsanalysen mit den Konzept der Wissensgesellschaft gearbeitet, wobei die Betonung vornehmlich auf die Innovationsdynamik charismatischer Unternehmer und die Wissensbasierung bürokratischer Organisationen gelegt wurde. (vgl. Heidenreich 2003) Die Theorie Nico Stehrs weist aber über diese Erklärungen hinaus und legt Wert auf die neu entstehende ökonomische Struktur und deren gesellschaftlichen Grundlagen. Im folgenden werde ich zuerst anhand des Buches "Wissen und Wirtschaften. Die gesellschaftlichen Grundlagen der modernen Ökonomie" auf die drei Konzepte und Funktionen des Wissens, Wissen als Handlungsvermögen, Wissen als unmittelbare Produktivkraft und Wissen als Eigentum und Ware, näher eingehen. (vgl. Stehr 2001) Anschließend werde ich vorstellen, warum Nico Stehr von einer Wissensgesellschaft spricht und welche Rolle Wissen in diesem Zusammenhang spielt. Danach gehe ich kurz auf die Probleme und Defizite seines Theorieansatzes ein, sofern diese noch nicht behandelt wurden. Abschließend möchte ich die Ergebnisse kurz zusammenfassen und einen kritischen Ausblick auf die Zukunft geben.

2. Wissen als Handlungsvermögen

Wie bereits erwähnt, steht im Mittelpunkt der Theorie Nico Stehrs die Analyse der Wissensgesellschaft und des Wissens. Nico Stehr schreibt dem Wissen drei zentrale Funktionen zu. Die erste Funktion ist das Handlungsvermögen, also die "Fähigkeit zum sozialen Handeln" (Stehr 1992, S. 114). Mit dieser Funktionszuweisung stützt er sich auf die These von Francis Bacon: "sciencia est potentia" oder auch "Wissen ist Macht". (vgl. Stehr 2001, S. 62) Die beiden Begriffe ‚Vermögen′ und ‚Fähigkeit′ signalisieren, dass Wissen an sich noch kein soziales Handeln, im Sinne Max Webers, also Verhalten mit subjektiven Sinn (vgl. Weber 1922), darstellt. Hiermit grenzt er sich explizit vom Begriff des sozialen Handelns ab, wie ihn Max Weber verwendete, da diese Funktion nur dort zum tragen kommt, wo Entscheidungsspielräume oder Entscheidungsnotwendigkeiten gegeben sind; und nicht, wo Handeln "..., nach im wesentlichen stereotypisierten Mustern abläuft." (Stehr 2001, S. 63) Eine weitere Einschränkung, die es hierbei zu beachten gilt, ist, dass Wissen nur unter bestimmten Umständen realisierbar wird. "... the realization and implementation of knowledge is dependent on, or occurs within the context of specific social and intellectual conditions." (Stehr 1992, S. 114) Die hervorstechende Eigenschaft von Wissen in der Wissenschaft ist, so meint er, nicht die Objektivität oder die Wahrhaftigkeit, sondern die Fabrikation von zusätzlichen Handlungsvermögen. Eine analoge Funktion kommt auch dem zusätzlichen Wissen in der Ökonomie zugute, das durch die Fabrikation von neuen Handlungsspielräumen den Unternehmen Wettbewerbsvorteile verschafft. Somit ist zusätzliches Wissen konkurrierendes und sich gegenseitig ausschließendes Wissen, was es in die Nähe einer ökonomischen Ware bringt. (vgl. Stehr 2001, S. 67) Auf den Warencharakter des Wissens werde ich aber später noch näher eingehen. Zusammenfassend kann man sagen, dass zusätzliches Wissen die Grundlage und der Motor der fortschreitenden Modernisierung in hoch entwickelten Gesellschaften ist.

3. Wissen als unmittelbare Produktivkraft

Die zweite Funktion des Wissens in Wissensgesellschaften, Wissen als unmittelbare Produktivkraft, bezieht sich vor allem auf die moderne Ökonomie. Bisher gab es drei unterschiedliche Kategorien von Wissen, die die Wissenschaft bisher produziert hat. (vgl. Stehr 2001, S. 88f) Die erste Kategorie ist das Deutungswissen oder Orientierungswissen. Dessen soziale Funktion ist die Einflussnahme auf das Bewusstsein der Gesellschaftsmitglieder. Als Beispiel kann hier die Theologie genannt werden, die mit ihren Erkenntnissen direkt das Verhalten der Menschen beeinflusste. Dies reicht von alltäglichen Verhaltensweisen, wie regelmäßiges Beten, bis hin zu religiösen Riten und Zeremonien, wie Opfer- und Dankfesten. Die nächste Kategorie von Wissen, das im Zuge der Industrialisierung produziert wurde, bezeichnet Nico Stehr als Produktivwissen. Produktivwissen ist direkt umsetzbar in die Methoden der Naturaneignung. Beispielsweise könnte hier die Erfindung der Dampfmaschine genannt werden. 

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