Zur Integration von behinderten Kindern in der Grundschule close Bitte warten


Details

Kategorie: Examensarbeit
Jahr: 2000
Seiten: 114
Note: 1
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 447 KB
Archivnummer: V5727
ISBN (E-Book): 978-3-638-13523-8
ISBN (Buch): 978-3-638-71695-6

Zusammenfassung / Abstract

Diese Arbeit dient der Dokumentation und Reflexion eines langwierigen und vielschichtigen Prozesses um die Öffnung der Grundschulen für behinderte Kinder. Es wird sowohl theoretisch diskutiert als auch auf konkrete und praktische Integrationsmerkmale verwiesen. Der Leitgedanke besteht also darin, einen Einblick in die Historie des Förderschulwesens zu geben, um die gegenwärtige Diskussion und die aktuellen Intergrationsbestrebungen besser erfassen zu können. Des Weiteren sollen die Möglichkeiten und Rahmenbedingungen für den gemeinsamen Unterricht sowie die Grenzen und Notwendigkeiten für Interation aufgzeigt und näher erläutert werden.

Textauszug (computergeneriert)

 

Zur Integration behinderter Kinder in die Grundschule.

Historischer Rückblick und gegenwärtige Situation unter
besonderer Berücksichtigung des gemeinsamen
Lebens und Lernens

Hausarbeit

Zur Prüfung für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen
an der Universität Lüneburg
im Fach Pädagogik

Vorgelegt von:

Ulrike Wachtendorf

Lüneburg, den 17. Oktober 2000

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. BEGRIFFSERLÄUTERUNGEN
    2.1 Zu dem Begriff Integration
        2.1.1 selektive und totale Integration
        2.1.2 zielgleiche und zieldifferente Integration
    2.2 Zu dem Begriff Behinderung
    2.3 Zusammenfassung

3. HISTORISCHER RÜCKBLICK
    3.1 Erste Erziehungsversuche behinderter Kinder bis zur
    Gründung der ersten Hilfsschulen
    3.2 Sonderpädagogik und Faschismus
    3.3 Die Entwicklungen in Sonderpädagogik nach zweiten
    Weltkrieg
    3.4 Entwicklung der Integrationsdiskussion
    3.5 Zusammenfassung

4. GEGENWÄRTIGE SITUATION
    4.1 Zu den allgemeinen Zielen und Begründungen für
    Integration bzw. Nichtaussonderung
    4.2 Zum aktuellen Stand der Integration am Beispiel eines
    Bundeslandes
        4.2.1 Zum aktuellen Stand der Integration am Beispiel
        Niedersachsen
        4.2.2 Lernen unter einem Dach - Niedersachsen macht Schule
    4.3 Bildungspolitische und administrative Aspekte der Integration
        4.3.1 Die Notwendigkeit einer Grundschulreform für die schulische
        Integration Behinderter
        4.3.2 Die rechtliche Situation der nichtaussondernden Beschulung
        und die Rechtssprechung des Bundesverfassungsgerichtes
        4.3.3 Die Sichtweise der politischen Parteien
    4.4 Zusammenfassung

5. INTEGRATION KONKRET: SCHULISCHE RAHMNBEDINGUNGEN
    5.1 Zur personellen Struktur in Integrationsklassen
        5.1.2 Teamarbeit im integrativen Unterricht
    5.2 Zur räumlichen Organisation
    5.3 Zu den konzeptionellen Bedingungen eines integrativen
    Unterrichts
        5.3.1 Innere Differenzierung
        5.3.2 Projektarbeit
        5.3.4 Wochen- und Tagesplanarbeit
        5.3.5 Freie Arbeit
    5.4 Zusammenfassung

6. KINDER IN INTEGRATIONSKLASSEN
    6.1 Zusammensetzung von Integrationsklassen
    6.2 Gemeinsames Leben und Lernen
    6.3 Förderung der sozialen Integration
    6.4 Schülerverhalten in Integrationsklassen
    6.5 Zusammenfassung

7. ELTERARBEIT - ELTERNMITARBEIT
    7.1 Elterninitiativen
    7.2 Integration aus Sicht der Eltern
    7.3 Zusammenfassung

8. KROTIK AN DER SCHULISCHEN UND GESELLSCHAFTLICHEN INTEGRATION
    8.1 Möglichkeiten der schulischen Integration
    8.2 Grenzen der schulischen Integration
    8.3 Notwendigkeiten der schulischen und gesellschaftlichen
    Integration
    8.4 Zusammenfassung

9. THESENARTIGE ZUSAMMENFASSUNG

10. LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung


"Gleichheit ist ein Verhältnis,
worin Verschiedenes zueinander steht."
    (Wilhelm Windelband)

In der Öffentlichkeit und in pädagogischen Fachkreisen findet heute genauso wie in der Vergangenheit eine lebhafte und kontroverse Diskussion um die Integration behinderter Kinder in die Grundschulen statt.

In den vergangenen Jahrhunderten hat die Sonder- und Heilpädagogik, die sich in Theorie und Praxis mit der Pädagogik behinderter Menschen befasst, eine Fülle von Erkenntnissen, Konzepten und Methoden entwickelt, die bei Beeinträchtigungen im Sinnes- und Körperbereich sowie im Intelligenz-, Sprach- und Verhaltensbereich hilfreich sein können. Diese Ressourcen gilt es umfassend zu nutzen, und zwar nicht nur in speziellen sonderpädagogischen Einrichtungen, sondern auch in den Grundschulen, die seit etwa zwei Jahrzehnten auch von Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen besucht werden. Das bedeutet Veränderungen von Bestehendem, die oft mit Aufbrechen ideeller Vorstellungen, Überzeugungen und Wertesystemen verknüpft sind. Sondereinrichtungen sind zwar weitestgehend gut ausgestattet; doch mittlerweile wird diese Form der Förderung und Betreuung nicht mehr allen Bedürfnissen betroffener Eltern und Kinder gerecht. Sondereinrichtungen wie Regeleinrichtungen (z.B. Grundschulen) müssen neue Wege gehen und sich öffnen!

Über Integration und den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Kindern ist schon viel gesagt und geschrieben worden. Aber bisher wurden die Bestrebungen und Bemühungen der Fachkräfte, Eltern sowie allen Integrationsbefürwortern noch nicht ausreichend belohnt. Diese Arbeit dient daher der Dokumentation und Reflexion eines langwierigen und vielschichtigen Prozesses um die Öffnung der Grundschulen für behinderte Kinder. Ferner wird nicht nur theoretischen Diskussionen nachgegangen, sondern es werden auch konkrete und praktische Integrationsmerkmale aufgezeigt.

Der Leitgedanke der vorliegenden Arbeit besteht somit darin, einen Einblick in die Historie des Sonderschulwesens zu geben, um die gegenwärtige Situation und die aktuellen Integrationsbestrebungen besser erfassen zu können. Des Weiteren sollen die Möglichkeiten und Rahmenbedingungen für den gemeinsamen Unterricht sowie die Grenzen und Notwendigkeiten für Integration aufgezeigt und näher erläutert werden.

Seit Führung der Integrationsdiskussionen kommt nicht nur dem Begriff Integration mehr Aufmerksamkeit zu, sondern auch die Idee scheint breiten Anklang zu finden. Auch wenn sich die etablierte Sonderpädagogik anfangs gegen die Idee der ‚Nichtaussonderung′ mit allen Mitteln wehrte, lassen aktuelle Berichte und Zeitschriftenartikel auf eine positive Haltung und Grundeinstellung vieler Kultusministerien schließen.
Die schulische Realität sieht jedoch noch anders aus: trotz aller Akzeptanz der Integration wird bundesweit nur ein Bruchteil aller behinderten Schülerinnen und Schüler integrativ unterrichtet (vgl. HEYER 1998). Dieses Phänomen findet in der Tatsache Begründung, dass der Begriff Integration in der Diskussion um die gemeinsame Erziehung behinderter und nichtbehinderter Kinder inflationiert ist und somit die nötige Trennschärfe und die inhaltliche Aussagekraft an einigen Stellen fehlt. Um diese Position darzustellen, werden zunächst in Kapitel 2 u.a. die Begriffe Integration und Behinderung definiert.

Der heute im Hinblick auf die Durchsetzung von Integration z.T. erreichte Bewusstseins- und Entwicklungsstand erlaubt die Prognose, dass möglicherweise die einhundertjährige Geschichte des eigenständigen Sonderschulwesens, die in Kapitel 3 näher erläutert wird, ihrem Ende zuneigt, da die Tendenz der integrativ unterrichtenden Grundschulen leicht steigend ist.

Im Jahre 1973 wurde die erste abgeschlossene Konzeption für die Integration behinderter Kinder in das allgemeine Schulwesen vorgelegt. Es handelt sich hierbei um ein Empfehlung des DEUTSCHEN BILDUNGSRATES mit dem Titel: Zur pädagogischen Förderung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder und Jugendlicher. In Kapitel 4 soll an den ersten Entwicklungen der Integrationsdiskussionen angeknüpft werden. Ferner werden die Perspektiven für die weitere pädagogische sowie bildungspolitische und schulrechtliche Durchsetzung der Forderung nach mehr Integration dargestellt.

Weiterhin sollen in Kapitel 5 Wege bezüglich der schulischen Rahmenbedingungen sowohl für inhaltliche und organisatorische Veränderungen sowie kooperatives Handeln als auch für die pädagogische Arbeit in Integrationsklassen aufgezeigt werden.
Wie die Integration von behinderten Kindern in den Unterricht der Grundschulen konkret aussieht und wie das gemeinsame Leben und Lernen gestaltet ist, wird in Kapitel 6 detailliert beschrieben. Die Praxis involviert viele Schritte und Bemühungen seitens der Integrationsbefürworter, speziell der Eltern. Die Veränderungen sind zum großen Teil Verdienst der von ihnen organisierten Initiativgruppen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, ihr Anliegen der Integration behinderter Menschen immer wieder deutlich zu machen. Die Mitarbeit und Arbeit, Initiativen und Einstellungen der Eltern finden in Kapitel 7 Erwähnung und Würdigung.
Integration ist jedoch nicht unumstritten. In den letzten Jahren wurde in Fachkreisen vielfach der Frage nachgegangen, inwiefern Integration möglich ist und ob die Integration in die Grundschule für alle behinderten Kinder in Frage kommen kann. Daraufhin wird in Kapitel 8 an der schulischen und gesellschaftlichen Integration kritisch Stellung genommen.
Die thesenartige Zusammenfassung in Kapitel 9 soll die wichtigsten Aspekte meiner Arbeit abschließend zusammenfassen.
Das Themengebiet der Integration von behinderten Kindern und Jugendlichen in die Regelschulen ist weit gesteckt, so dass man aus einer Vielzahl von möglichen Ansätzen selektieren muss. So musste z.B. auf eine genauere Ausführung bezüglich der Finanzierung von Integration, der Leistungsbeurteilung der Schülerinnen und Schüler im integrativen Unterricht oder der Möglichkeit einer integrationsspezifischen Ausbildung verzichtet werden. Diese und weitere Aspekt wurden bewusst ausgespart, damit der Rahmen der Arbeit sowie dessen Transparenz nicht verloren gehen.
Weiterhin möchte ich die Einleitung dafür nutzen, um Formalitäten zu klären. Zunächst sei darauf verwiesen, dass mit der männlichen Form Lehrer, Erzieher etc. selbstverständlich auch die weibliche Form angesprochen wird, aus Gründen der gedanklichen Flüssigkeit jedoch nur die männliche Form verwendet wird (wohl bewusst, dass eine Überpräsentation des Frauenanteils in pädagogischen Einrichtungen besteht). Ferner wird an einigen Stellen von Schülerinnen und Schülern mir Behinderungen, von behinderten und nichtbehinderten Kindern, von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf etc. die Rede sein. Auch hier wird aus Gründen des besseren Leseflusses eine Variation der Begriffe vorgenommen.
Viele Autoren beziehen sich in ihren Texten bezüglich der Integration von Kindern auf ‚Regelschulen′. Diese Verallgemeinerung wurde in einigen Kapiteln übernommen, da sie die Primarstufe mit einbezieht.
Für die Erstellung der Arbeit wurden die benötigten Informationen aus der Literatur, dem Internet sowie aus Gesprächen mit der Dezernentin der Lüneburger Bezirksregierung eingeholt.

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