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Diploma Thesis, 2006, 126 Pages
Author: Mathias Marinitsch
Subject: Sport - Sport Sociology
Details
Tags: Fußball, Wiesen-Kick, Massen-Fanomen
Year: 2006
Pages: 126
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 101 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-51976-2
File size: 1097 KB
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Excerpt (computer-generated)
Diplomarbeit
zur Erlangung des Magistergrades der
“Soziologie der rechts-, sozial-, und wirtschaftswissenschaftlichen Studienrichtung”
an der Fakultät „der Human- und Sozialwissenschaften“ der Universität Wien
Vom „Wiesen-Kick“ zum „Massen-Fanomen“
Mathias Marinitsch
Inhaltsverzeichnis:
Einleitung ...1
1. Kapitel: Das Vorspiel ...7
1.1. Englische Public Schools verbreiteten das Spiel und entwarfen die Regeln ...7
1.2. Das Proletariat gegen den Gentlemen: Die Professionalisierung in England musste kommen ...10
1.3. Wie sich Fußball in Deutschland durchsetzen konnte! 11
1.4. Fußball im Ruhrgebiet, Fußballkultur zwischen Arbeit, Gemeinschaft und Ehrlichkeit ...11
1.4.1. In der Zeit vor dem ersten Weltkrieg ...11
1.4.2. Wie der Fußballvirus die Unterschicht infizierte ...13
1.4.3. Fußball in der Zwischenkriegszeit im Ruhrgebiet ...14
1.4.4. Fußball nach dem zweiten Weltkrieg im Ruhrgebiet ...16
1.4.5. Die Gemeinde, der Fußball und die Zusammenarbeit ...18
1.4.6. Nachdem Bundesligaskandal blieben die Zuschauer aus und die Stadien leer ...19
1.5. FC Gelsenkirchen-Schalke 04 ...23
1.6. Die Legende ...26
1.7. Von der Wiesn zum Platz, vom Platz zur Kampfbahn, von der Kampfbahn zum Stadion, und vom Stadion zur Arena ...28
1.7.1.Die deutsche Entwicklung von Spielstätten ...28
1.8. Vom bürgerlichen Ballspiel zum Wiener Phänomen ...29
1.8.1. Die Entwicklung des Wienerfußballs bis zum ersten Weltkrieg ...30
1.8.2. Ein „Long-Pass“ aus Oxford und was die Wiener dann mit dem Ball machten ...31
1.8.3. Der österreichische Weg zu Professionalisierung ...35
1.8.4. Fußball in Wien um 1910 ...36
1.8.5. Erstmals „Österreich“ bei einen öffentlichen Bewerb ...37
1.8.6. Ist der Fußballsport ideal für das Militär? ...37
1.8.7. Der „englische Sport“ ...38
2. Kapitel: Medialisierung des Fußballs – Welche Bedeutung haben Firmen, Ausrüster und Sponsoren? ...39
2.1. Wer hat den Überblick: Der Zuschauer im Stadion oder der Zuschauer vor dem Fernsehen? ...39
2.1.1. Entwicklung des Fernseh-Marktes in England ...40
2.1.2. Die Entwicklung des Fernseh-Marktes in Deutschland und eine kurze Darstellung des österreichischen Marktes ...41
2.1.3. Der Ablauf einer Fußballfernsehsendung am Beispiel „Volltreffer“ in ATV ...43
2.1.4. Motive der Fernsehanstalten ...44
2.2. Die Lizenzvergabe im Fußball ...45
2.2.1 Zentral- oder Einzelvermarktung der TV-Rechte? ...45
2.3. Der Einfluss der Medien auf das Spiel! ...47
2.3.1. Wie die Industrie Fußball als Werbeplattform entdeckt hat und der Fußball seine Seele verliert! ...48
2.3.2. Den Anfang machten die Gönner und Mäzen ...48
2.3.3. Welche Ziele verfolgen Unternehmen mit dem Sportsponsoring ...50
2.3.4. Was bietet der Fußballverein dem Sponsor? ...51
2.4. Die Fanartikelvermarktung: Vom Fanschal bis zur Autoversicherung ...54
2.4.1. Umsätze durch Merchandising und Licensing. Probleme und Grenzen der Fanartikelvermarktung ...55
2.5. Vom Fußballverein zur Kapitalgesellschaft ...57
2.6. Das „Bosman-Urteil“ ...59
2.7. Zwei Beispiele was passieren kann, wenn Fußball nebensächlich wird ...61
3. Kapitel: Die Typologie von Vereinsanhängern, Fans, Zuschauern und Kunden im Stadion! ...62
3.1. Der Fan und seine Identität ...62
3.1.1. Identifikation ...62
3.1.2 Identität ...63
3.2. Der Begriff Fan, begeisterter Anhänger ...64
3.3. Unterscheidungsgruppen ...67
3.3.1. Der Fußballzuschauer ...67
3.3.2 Klassifizierungen von Fans ...67
3.3.2.1. Der konsumorientierte bzw. kritische Fan ...69
3.3.2.2. Kritischer Kunde ...69
3.3.2.3. Der fußballzentrierte, jugendliche Fan ...70
3.3.2.4. Die erlebnisorientierten Fans ...70
3.3.2.5. Der jugendliche Fan ...71
3.3.2.6. Der gewaltbereite Fan, der eintretende Fan und der Hooligan ...73
3.4. Hooligans in England (UK) ...75
3.4.1. 1985 änderte sich viel für Fußballfans ...76
3.5. Hooligans in Deutschland ...79
3.5.1. Die Polizei und ihre Taktik ...83
3.5.2. Zivilisationstheoretischer Ansatz ...84
3.5.3. Fazit und Ausblick über die Gewalt im und um Fußball ...85
3.6. Rassismus, Antisemitismus und Sexismus im Fußball ...86
3.6.1. Fremdenfeindlichkeit im Amateurfußball ...89
3.6.2. Schwulenfeindlichkeit im Fußballmilieu ...89
3.6.3. Sexismus im Stadion – Raum für Frauen? ...90
4. Kapitel: Gesänge, Riten, Symbole, Mythos, Territorium und Krieg ...91
4.1. Von Primärreaktionen zum Gesang ...91
4.1.1. Keine Schlachtgesänge ohne Vorsänger! ...93
4.2. Traditionen, Reliquien, Riten, Mythos und materielle Symbole ...94
4.2.1. Normen und Werte ...94
4.2.2. Tradition ...95
4.2.3. Emotionen ...96
4.3. Religiöse Elemente ...98
4.3.1. Riten und das Ritual ...98
4.3.2. Gesten und Symbole ...100
4.3.3. Fußball unter dem Aspekt von „Heiligkeit“ und „Stammeswesen“ ...101
4.4. Ein kriegerischer Wettsport ...102
4.5. Der Aberglaube ...103
4.6. Die Traditionsvereine ...103
Glossar ...105
Literaturverzeichnis ...116
Internetverzeichnis ...122
Einleitung
Warum habe ich den Fußballwettkampfsport (ist die alte Bezeichnung des Fußballsports; ein Wettkampf zwischen zwei Mannschaften) als Hauptthema gewählt? Eigentlich hat mich der Fußballwettkampfsport mit seinen unzähligen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen und geschichtlichen Zusammenhängen schon immer fasziniert. Das Interesse weckte sicher mein Vater Hubert Peter Marinitsch in mir. Er war es auch, der mich mit dem Fußballvirus infizierte. Der Fußballwettsport ist wohl das, was uns am meisten miteinander verbindet, abseits der klassischen Vater-Sohn Rollenbeziehung.
Ich wusste seit Beginn des Studiums, dass für mich Fußball (Sport) und Soziologie im engen Zusammenhang stehen. Deshalb besuchte ich Anfangs auch einige theoretische Vorlesungen, die mir einen Einblick in die komplexe Materie gaben. Die Rollentheorie und der Fußballsport passen sehr gut zusammen, da es im Fußballwettsport unzählige Rollen gibt.
Fußball ist die am besten erforschte Sportart der Welt und täglich kommen neue Erkenntnisse dazu. Tatsächlich kommt es mir so vor, dass sich der Fußballwettsport, so wie ich ihn kennen gelernt habe, schon so weit von meinen Vorstellungen entfernt hat, dass für mich der Reiz an dem Spiel zum Teil verloren ging. Deshalb besuche ich am liebsten Spiele von unbekannten Mannschaften, unterstütze gerne den Außenseiter und bin vielleicht gerade deshalb Anhänger vom Wiener Sportklub. Für mich ist Fußball eine soziale Gemeinschaft; man trifft auf Bekannte und Freunde, mit denen man eine schöne Zeit verbringt. Diese spezielle Art von Freundschaft und Gemeinschaft wird nur im Umfeld des Vereins (Fußballplatz) gepflegt, denn sonst hat man mit diesen Freunden und Bekannten eher weniger zu tun.
Die Diplomarbeit ist eine qualitative Inhaltsanalyse von Texten, Dokumenten und Statistiken, gepaart mit Beobachtungen, ero-epischen Gesprächen und gesammelten Erfahrungen. Ich schlüpfte für meine Diplomarbeit in die verschiedensten Rollen: Fan (begeisterter Anhänger), Sänger, Beobachter, Wissenschaftler (Soziologe), Friedensstifter und Sanktionierer.
Ich möchte in dieser Diplomarbeit aufzeigen: „Welche Faktoren wirken auf den Fußballwettsport ein!“, „Wie hat sich der Sport von den Anfängen bis Heute entwickelt und verändert!“, „Wer besucht ein Fußballspiel!“ und „Was macht den Fußballwettkampfsport so einzigartig!“.
Das erste Kapitel nenne ich absichtlich „Das Vorspiel“. Ich beginne mit der Ur-Mutter und der Geburtsstätte des Fußballs, nämlich England. In England (Eton) wurde der erste Regelkatalog herausgebracht und der erste Verband, die FA (Football Association), gegründet. In Englang gab es die erste Profiliga (1888), das Spiel wurde von der Bevölkerung sehr schnell angenommen und Fußball entwickelte sich sehr schnell zum Arbeitersport und zum Exportschlager.
In Deutschland war Fußball der Sport der oberen und gebildeten Schicht; die ersten Vereine wurden von Gymnasiasten, Schülern und Lehrern gegründet. Fußball galt damals als Sport „der feinen Leute“. In Deutschland herrschte zu dieser Zeit noch der Turnsport vor. Durch die Industrialisierung im Ruhrgebiet und die Einwanderung von Polen und Masuren1, änderte sich das langsam. Die Arbeiter entdeckten den Sport für sich. Sie schlossen sich zu wilden Vereinen zusammen und mussten einen langen Weg der Integration gehen. Doch schließlich gelang es den Arbeitervereinen sich in der Gesellschaft zu etablieren (z.B. FC Gelsenkirchen-Schalke 04).
In Österreich wurde der Sport ebenfalls vom bürgerlichen Lager eingeführt. Es waren aber die Engländer, die in Wien lebten, die die ersten Vereine gründeten (1894 First Vienna Football Club und Vienna Cricket and Football Club). In Wien konnte sich dann der Sport schnell und gut entwickeln. Die Arbeiter entdeckten den Sport für sich. Der Fußball- und der Turnsport standen in keiner nennenswerten Konkurrenz zueinander. Die Fußballplätze wurden am damaligen Stadtrand gebaut (FC Simmering in Simmering, Rapid in Hütteldorf, Wiener Sportklub in Dornbach usw.). In Deutschland sollte Fußball ein Amateursport bleiben, aber in Österreich erkannte man schnell, dass man nur mit dem Profitum sich weiterentwickeln kann.
Das zweite Kapitel: Medialisierung des Fußballs: Welche Bedeutung haben Firmen, Ausrüster und Sponsoren. Fußball und Medien sind heute untrennbar miteinander verbunden. Fast jeden Tag ist Fußball im Fernsehen präsent, die Zeitungen berichten täglich und im Internet findet man aktuelle Informationen.
Das Fußballspiel wird uns heute von den TV-Anstalten „präsentiert“. Es wird aufwendig dargestellt (Statistiken, Grafiken), von Experten analysiert und durch die Werbung kommerzialisiert.
Die Entwicklung und Einführung einer Sport- bzw. Fußballsendung, so wie wir sie heute kennen, stammt aus England. Es waren folgende Sender daran beteiligt: BBC (Britisch Broadcasting Corporation), ITV (Independent Television) und der Satellitensender BSkyB (früher BSB und Sky). In Deutschland waren es die Sendungen „Die Sportschau“ (ARD), „Das aktuelle Sportstudio“ (ZDF) und „ran“ (SAT.1). In Österreich war es der ORF mit der Sendung „Bundesliga“ und seit der Saison 2004/05 sendet der Privatsender ATV die Sendung „Volltreffer“.
Für die Vereine spielt Vermarktung der TV-Rechte zum Teil eine wichtigere Rolle, als die Einnahmen aus dem Ticketverkauf. Bei der Zentralvermarktung übernimmt der Verband die Vermarktung der Rechte und teilt die Einnahmen nach einem bestimmten Schlüssel auf die Vereine auf. Bei der Einzelvermarktung kümmert sich der Verein selbst um die Vermarktung seiner TV-Rechte.
Neben der Medialisierung entwickelten sich auch die Kommerzialisierung und die Vermarktung des Fußballsports. Früher waren Gönner und Mäzen dafür verantwortlich, dass sich der Verein finanzieren konnte. Heute läuft alles unter der Rubrik Sponsoring (vertraglich festgelegte Leistungen und Gegenleistungen). Hier wird unterschieden zwischen einem Hauptsponsor, wenigen Co-Sponsoren und einem Sponsorenpool.
Bei der Vermarktung von Fanartikeln tauchen die Begriffe Merchandising und Licensing sehr oft auf. Beim Merchandising werden Produkte mit Vereinsemblem verkauft; hierbei ist der Brandname des Vereins sehr wichtig (Wert des Vereins und dessen Namen z.B. FC Bayern München). Beim Licensing wird eine Lizenz für die Herstellung und den Vertrieb der Fanartikel an Dritte verkauft.
Einige Vereine entwickelten sich zu Kapitalgesellschaften, aber nur die wenigsten mit Erfolg (Manchester United). Bei vielen Fußball-AG´s liegt der Kurswert weit unter dem Emissionswert (Borussia Dortmund).
Das Bosman-Urteil, welches am 15.12.1995 im europäischen Gerichtshof in Luxemburg gefällt wurde, stellte die europäische Fußballwelt auf den Kopf. Die alten Transferbestimmungen wie die Ausländerbegrenzung für EU-Ausländer und Ablösesummen nach Vertragsende wurden verboten. Dies führte zu einer Explosion der Ablösesummen bei bestehenden Verträgen, dem Anstieg von Spielergehältern und Spieler lassen sich nicht mehr so lange an einen Verein binden (höhere Fluktuation).
Im dritten Kapitel gehe ich auf die Typologie von Vereinsanhängern, Fans, Zuschauern und den Kunden im Stadion ein. Die Identifikation mit dem Verein oder auch die Vereinsliebe sind wesentliche Dimensionen für die Frage nach dem Gruppenzusammenhalt.
Laut Duden wird ein Fan als begeisterter Anhänger beschrieben. Ich gehe der Frage nach: „Was macht Fan sein aus?“ In der Literatur fand ich unzählige Beschreibungen und Antworten auf diese Frage, die ich zum Teil in meiner Diplomarbeit widerspiegle. Für mich ist Fansein ganz einfach zu erklären: „Ich liebe meinen Lieblingsverein so sehr, wie einen wichtigen Menschen in meinen Leben!“.
Fans bilden gegenüber den anderen Zuschauern eine räumliche und visuell unterscheidbare und zusammenhängende Subgruppe. Die spezifischen Ausprägungsformen von Subgruppen werden von einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe, Schicht oder Klasse anerkannt und geteilt (Reinhold, 2000, S. 661). Diese Gruppe bindet sich relativ stark an den Verein und wiederholt diese Zusammensetzung von Spiel zu Spiel.
Eine klare Klassifizierung von Anhängern ist so gut wie unmöglich, deshalb muss die Analyse jeweils dem Untersuchungsziel genau angepasst werden. Erst wenn das Untersuchungsziel klar definiert ist, kann man Klassifizierungen vornehmen.
In meiner Diplomarbeit stelle ich die Fan- bzw. Zuschauertypen „der konsumorientierte (kritische) Fan“, „der fußballzentrierte Fan“ und „der erlebnisorientierte Fan“ kurz da. Auf den jugendlichen Fan und den Hooligan wird genauer eingegangen. Bei jugendlichen Fans handelt es sich um Heranwachsende und Jungerwachsene (im Alter von ca. 14 bis 28), die sich in Peer Groups (Gruppe von Gleichaltrigen) vereinen. Beim Hooliganismus steht das „Eintreten“ im Vordergrund. Sie nehmen das Umfeld Fußball in „Geiselhaft“, um sich bemerkbar zu machen. Die Hooliganbewegung entstand in den 60er und 70er Jahren in den Arbeitervierteln in London und Liverpool und verbreitete sich in die ganze Welt. Zumeist waren es Jugendliche unter 20 Jahren, mittlerweile ist der Altersdurchschnitt aber höher geworden. Hooligans sind zu meist sportlich und elegant gekleidet, um durch dieses Aussehen bei der Polizei nicht auf zu fallen. Die Hooliganszenen variieren von Land zu Land. In Deutschland und Österreich gibt es einen „Ehrenkodex bzw. Wertekatalog“ (unaufgeschriebene Regeln, die von den Hools eingehalten werden). Die Polizei reagierte im Laufe der Zeit auf das Hooliganproblem und entwickelte viele unterschiedliche Vorgehensweisen um den Problem zu begegnen. Rassismus, Antisemitismus und Sexismus im Fußball müssen nicht unbedingt mit Hooliganismus zu tun haben, sondern eher mit dem Argument, dass im Stadion noch ein Grossteil der Fans und Zuschauer männlichen Geschlechtes sind.
Das vierte Kapitel handelt über Gesänge, Riten, Symbole, Mythos, Territorium und Krieg.
Durch den Gesang wird ein Lustgewinn erzeugt. Ziel ist es, mit dem Gesang seinen Verein zu unterstützen und/oder den Gegner zu verhöhnen. Gesänge sind ein guter Indikator für die Fanbefindlichkeit und die Stimmung im Stadion. Als Vorbilder/Vorlagen dienen oft bekannte Musikstücke aus Pop, Rock, Schlager und volkstümlicher Musik mit eigenem Text. Eine wichtige Rolle spielen hierbei die „Einpeitscher“ und der Vorsänger (Chant-Leader). Der Vorsänger muss über ein großes Repertoire an Fangesängen verfügen und ein „Spiel lesen“ können.
Im Fußball herrschen zum Teil eigenen Normen und Werte. Natürlich werden zum größten Teil soziale Normen, wie Sitte, Recht und Gesetz befolgt, doch innerhalb einer Fankurve herrschen oft eigene ungeschriebene Normen. Traditionen werden aufrecht gehalten und Emotionen können ausgelebt und erlebt werden.
Fußball und Religion werden oft miteinander verglichen, denn Riten und Rituale sind feste Bestandteile, sowohl im Fußball als auch in der Religion. Sie haben immer mit Gemeinschafts- und Zusammengehörigkeitsgefühl zu tun. Zu solchen Ritualen gehören Gesten und Symbole. Sie zeigen den anderen Fans zu wem man gehört (z.B. Bemalung des Gesichts mit den Vereinsfarben); Symbole werden nur am Oberkörper und Kopf getragen und das Vereinsemblem am Trikot liegt meistens über dem Herzen. Das Sammeln von sakralen Gegenständen, wie Autogrammkarten, Briefen, Kleidungsstücken von Spielern usw. gehört ebenfalls dazu. Mit diesen Gegenständen werden oft „Heimaltare“ errichtet.
Der Wettkampfsport Fußball vermittelt die alten kriegerischen Werte (Tugenden) Fairness und Ritterlichkeit. Kriegerische Wörter kommen in der Fußballsprache sehr oft vor wie Angreifer, Verteidiger, Schlachtenbummler usw. Die Heimfans versuchen ihr Territorium, also das Heimstadion inklusive dem Umfeld vor feindlichen Fans zu schützen und zeigen oft eindeutig wer hier „regiert“.
Für mich war das Schreiben dieser Diplomarbeit sehr lehrreich und informativ. Der Fußballwettkampfsport ist ein enormes interessantes Gebiet, das alle Facetten für einen Soziologen zu bieten hat. Ich würde mir jederzeit dieses Thema wieder für meine Diplomarbeit auswählen.
An Ende meiner Einleitung möchte ich kurz widerspiegeln, wie sich die Fans der Friedhofstribüne (FHT) des Wiener Sportklubs selbst beschreiben:
„Die Freunde der Friedhofstribüne wurden im Herbst 1990 aus der Taufe gehoben. Da die Exekutivbeamten auf dem Sportclubplatz fast immer eine sehr ruhige, angenehme "Arbeit" hatten (außer die diversen Großklubs sind bzw. waren auf Besuch), wurde Ihnen anscheinend langweilig, und sie fingen an, kleinlich zu werden. So wollten sie uns eines Tages den Verkauf unseres Fanzines wegen des fehlenden Impressums verbieten. Da man zur damaligen Zeit sehr häufig "Ausländer raus" oder "Sieg Heil" von diversen Anhängern hörte, und das bei weitem neben bzw. unter unserer Anschauung von Fankultur lag, wollte keiner von uns Namen und Adresse im Fanzine veröffentlichen. Für diese Leute waren wir eh nur die "linken Schweine" und ein äußerst beliebtes Feindbild. Nach Rücksprache mit einem Rechtsberater wurde diese Namen-Adressen Angelegenheit so umgangen, indem wir das Komitee "Freunde der Friedhofstribüne" gründeten, welches bis heute für Qualität am Fußballplatz bürgt“2.
Diese beschriebene Qualität zeigt sich auch in der Realität am Fußballplatz. Die Wiener Sportklub Fans genau genommen die der Friedhofstribüne (FHT) schimpfen im Normalfall nicht über Gegner und Schiedsrichter (Ausnahmen gibt es aber immer). Sie feuern nur die eigene Mannschaft an und wollen mit den gegnerischen Fans, den Sicherheitskräften (der Polizei, den Ordnern oder den Securities) einfach keine gewalttätigen Auseinandersetzungen haben. Diese Fans singen viel, lachen, tanzen und trinken Alkohol. Deswegen verliebte ich mich in diesen Verein und bin noch heute ein glühender Verehrer.
[...]
1 Einwanderer aus den ostpreußischen Gebieten, sprachen zwar einen polnischen Dialekt und trugen polnische Namen, jedoch verstanden sie sich als Deutsche.
2 http://www.friedhofstribuene.at/info.html; Datum 27.11.2004
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