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Scholary Paper (Seminar), 2006, 21 Pages
Author: Franziska Drax
Subject: Scandinavian Languages
Details
Institution/College: Ernst Moritz Arndt University of Greifswald (Nordisches Institut)
Tags: Odin, Rolle, Götterwelt, Germanische, Mythologie
Year: 2006
Pages: 21
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 19 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-52163-5
ISBN (Book): 978-3-638-93848-8
File size: 409 KB
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Abstract
Die nordische Mythologie bietet uns eine komplexe und oft verwirrende Einsicht in die germanische Götterwelt. Sie ist Zeugnis einer Zeit, in der die Menschen nicht nur an einen, sondern an viele Götter glaubten. Die Edda, eine in Versform verfasste Sammlung von Götter- und Heldenliedern, ist eine Zusammenstellung von Geschichten und Ereignissen rund um die Götter und Helden des germanischen Glaubens. Die Forschung unterscheidet heute zwischen zwei Eddas: die Ältere Edda und die Jüngere Edda. Bei der Älteren Edda handelt es sich um eine Handschriftensammlung, die unter dem Namen Codex Regius bis 1971 in Kopenhagen aufbewahrt war, bevor sie nach Island zurück überführt wurde. Sie wurde um 1270 in schriftlicher Form verfasst, jedoch ist bis heute unklar, von wem. Die enthaltenen Götterlieder beginnen mit der Völuspá („Die Weissagung der Seherin“), gefolgt von den drei Odingedichten Hávamál („Gedichte des Hohen“), Vafþrúðnismál („Das Wafthrudnir-Lied“) und Grímnismál („Das Grimnir-Lied“). Nachstehend schließt sich das Fryr-Lied, die Skírnismál („Skirnis-Ritt“), an. Es folgen vier Gedichte des Thor: Hárbarðsljóð („das Harbard-Lied“), Hymiskviða („Das Hymir-Lied“), Lokasenna („Zankreden Lokis“) und Þrymskviða („das Thrym-Lied“). Letztendlich bilden Völundarkviða („Das Wölund-Lied“) und Alvíssmál (Das Alwis-Lied“) den Schluss, auch wenn diese beiden Lieder nicht immer zu den Götterliedern gezählt werden. Nach den Götterliedern sind eine Reihe von Heldenliedern aufgeführt, denen ich mich in dieser Arbeit jedoch nicht weiter widmen werde. Unter der Jüngeren Edda versteht man die Handschriften, die um 1220 von Snorri Sturluson auf Island verfasst wurden. Die Jüngere Edda besteht aus drei Teilen: der Gylfaginning, der Skaldskarpamál und der Háttatal. Die Gylfaginning ist eine sehr umfassende Darstellung der gesamten Götterwelt. Die Skaldskarpamál berschreibt die Regeln der Skaldendichtung. Die Háttatal sind Lieder und Gedichte, die Snorri Sturluson zum grossen Teil dem norwegischen König gewidmet hat. Wer die Edda liest, erkennt schnell, dass der Gott Odin eine der Hauptfiguren ist und in fast jedem Lied oder Gedicht zumindest eine kleine Rolle spielt. Daher widme ich diese Arbeit in erster Linie diesem Gott und seiner komplexen Figur. Ich werde sein Wesen und seinen verworrenen Stammbaum darstellen und seine außergewöhnliche Rolle in der germanischen Götterwelt beschreiben.
Excerpt (computer-generated)
Odin
von: Franziska Drax
WS 2005/2006, 4. Semester
Inhaltsverzeichnis
Einleitung ... 3-4
Odin – Der höchste Gott ... 5-8
Odins Liebschaften und seine Nachkommen ... 9-14
Odin als Gestaltenwandler und seine Namen ... 15-17
Fazit ... 18
Quellenverzeichnis ... 19-20
Einleitung
Die nordische Mythologie bietet uns eine komplexe und oft verwirrende Einsicht in die germanische Götterwelt. Sie ist Zeugnis einer Zeit, in der die Menschen nicht nur an einen, sondern an viele Götter glaubten. Die Edda, eine in Versform verfasste Sammlung von Götter- und Heldenliedern, ist eine Zusammenstellung von Geschichten und Ereignissen rund um die Götter und Helden des germanischen Glaubens.
Die Forschung unterscheidet heute zwischen zwei Eddas: die Ältere Edda und die Jüngere Edda. Bei der Älteren Edda handelt es sich um eine Handschriftensammlung, die unter dem Namen Codex Regius bis 1971 in Kopenhagen aufbewahrt war, bevor sie nach Island zurück überführt wurde. Der Bischof Brynjólfur Sveinson machte sie 1643 dem dänischen König Frederik III. zum Gerschenk. Sie wurde um 1270 in schriftlicher Form verfasst1, jedoch ist bis heute unklar, von wem. Der Bischof glaubte, dass sie von dem isländischen Gelehrten Sæmundur Fróði Sígfússon niedergeschrieben wurde, doch kann man heute belegen, dass sie etwa 200 Jahre nach Sígfússon entstanden ist.2 Die Schriften der Götterlieder beginnen mit der Völuspá („Die Weissagung der Seherin“), gefolgt von den drei Odingedichten Hávamál („Gedichte des Hohen“), Vafþrúðnismál („Das Wafthrudnir-Lied“) und Grímnismál („Das Grimnir-Lied“). Das Fryr-Lied, die Skírnismál („Skirnis-Ritt“), schließt sich an. Es folgen vier Gedichte des Thor: Hárbarðsljóð („das Harbard-Lied“), Hymiskviða („Das Hymir- Lied“), Lokasenna („Zankreden Lokis“) und Þrymskviða („das Thrym-Lied“). Letztendlich bilden Völundarkviða („Das Wölund-Lied“) und Alvíssmál (Das Alwis-Lied“) den Schluss, auch wenn diese beiden Lieder nicht immer zu den Götterliedern gezählt werden.3 Nach den Götterliedern sind eine Reihe von Heldenliedern aufgeführt, denen ich mich in dieser Arbeit jedoch nicht weiter widmen werde.
Unter der Jüngeren Edda versteht man die Handschriften, die um 1220 von Snorri Sturluson auf Island verfasst wurden.4 Während die Ältere Edda in zwei Gruppen, die Götterlieder und die Heldenlieder, aufgeteilt ist, welche sich weiterhin in mehrere Untergruppen aufteilen5, besteht die Jüngere Edda aus drei Teilen: der Gylfaginning, der Skaldskarpamál und der Háttatal. Die Gylfaginning ist eine sehr umfassende Darstellung der gesamten Götterwelt. Die Skaldskarpamál berschreibt die Regeln der Skaldendichtung. Die Háttatal sind Lieder und Gedichte, die Snorri Sturluson zum grossen Teil dem norwegischen König gewidmet hat.6 Beide Schriften, sowohl die Jüngere Edda als auch die Ältere Edda, gelten als zwei der wertvollsten Niederschriften, die in der Literatur zu finden sind. In beiden Eddas wird zwischen zwei Arten von Göttern unterschieden: den Wanen und den Asen. Wer die Edda liest, erkennt schnell, dass der Gott Odin eine der Hauptfiguren ist und in fast jedem Lied zumindest eine kleine Rolle spielt. In der Älteren Edda wird Odin oft aus Sicht einer dritten Person beschrieben, doch spricht er in vielen Liedern auch selbst. In der Gylfaginning ist es Odin die Gestalt von Hár, der dem König Gylfi Rede und Antwort steht und die Göttergeschichten erzählt. Daher widme ich diese Arbeit in erster Linie diesem Gott und seiner komplexen Figur. Ich werde sein Wesen und seinen verworrenen Stammbaum darstellen und seine außergewöhnliche Rolle in der germanischen Götterwelt beschreiben.
Odin – Der höchste Gott
Die altisländische Bedeutung des Namens Oðinn geht auf das Wort für „Inspiration“ oder auch „Wut“ hervor. Im Isländischen ging der Anfangsbuchstabe „W“ im Laufe der Zeit verloren, jedoch ist er im Altfränkischen und Altsächsischen noch vorhanden.7 Hier lautet der Gottesname Wodan und Woden, woraus das englische Wort für Mittwoch, „Wednesday“, entstanden ist. Im Schwedischen ist sein Name Oden, daher wurde ihm ebenfalls das schwedische, norwegische und dänische Wort „Ondsdag“ für Mittwoch gewidmet. Snorri Sturluson schreibt: „Odin ist der höchste und älteste der Götter; er regiert alles, und so mächtig die anderen Götter auch sind, sie dienen ihm alle wie Kinder ihrem Vater“.8 Odin ist Sohn des Urriesen Borr, mit dessen Vater Buri alles anfing, als die Urkuh Audhumbla diesen aus dem Eis leckte. Odins Mutter ist Bestla; sie ist die Tochter des Urriesen Bölthorn. Er ist von hoher Gestalt, hat einen langen Bart und trägt einen weiten dunklen Mantel, der den nächtlichen Himmel wiederspiegelt.
[...]
1 Uecker, Heiko: Geschichte der altnordischen Literatur, Philipp Reclam jun., Stuttgart 2004, S. 197
2 Uecker, Heiko: Geschichte der altnordischen Literatur, Philipp Reclam jun., Stuttgart 2004, S. 191
3 Uecker, Heiko: Geschichte der altnordischen Literatur, Philipp Reclam jun., Stuttgart 2004, S. 195
4 Stange, Manfred Dr. (Hrsg.): Die Edda. Götterlieder, Heldenlieder und Spruchweisheiten der Germanen, Marixverlag GmbH, Wiebaden 2004, S. 359
5 Stange, Manfred Dr. (Hrsg.): Die Edda. Götterlieder, Heldenlieder und Spruchweisheiten der Germanen, Marixverlag GmbH, Wiebaden 2004, S. 361
6 Stange, Manfred Dr. (Hrsg.): Die Edda. Götterlieder, Heldenlieder und Spruchweisheiten der Germanen, Marixverlag GmbH, Wiebaden 2004, S. 387-388
7 http://www.eldaring.de/modules.php?name=News&file=article&sid=91
8 Simek, Rudolf: Lexikon der germanischen Mythologie, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1984, S. 293
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