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Rational-Choice-Theorien im kritischen Diskurs

Termpaper, 2006, 17 Pages
Author: Katarina Bezakova
Subject: Sociology - Classics, Basics and Theoretical Directions

Details

Event: Akteursmodelle Übung
Institution/College: University of Regensburg
Tags: Rational-Choice-Theorien, Diskurs, Akteursmodelle
Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 17
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 14  Entries
Language: German
Archive No.: V57902
ISBN (E-book): 978-3-638-52221-2
ISBN (Book): 978-3-638-79252-3
File size: 254 KB

Abstract

Im Rahmen unserer Übung behandelten wir unterschiedliche soziologische Akteursmodelle in ihrem handlungstheoretischen Kontext. Um den Teilbereich der Handlungstheorie, die sich mit den rationalen Handlungen auseinandersetzt, klar zu machen, untersuche ich anhand der zwei Sichtweisen der Soziologen James Coleman und Hartmut Esser die Auffassungen von der RC-Theorie. Die RC-Theorie oder die Theorie der rationalen Wahl ist eine der am häufigsten angewandten Handlungstheorien zur Erklärung sozialwissenschaftlicher Beobachtungen. Eine einheitliche RC-Theorie gibt es aber nicht. Sie ist nur eine Sammelbezeichnung für eine ganze Reihe von verschiedenen Ansätzen in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Generell gehen diese Ansätze von den gleichen Annahmen aus. Die handelnden individuellen oder kollektiven Akteure verhalten sich demnach rational und egoistisch, wobei sie aufgrund bestimmter Präferenzen ein nutzenmaximierendes oder kostenminimierendes Verhalten zeigen. Das Ziel soziologischer Darlegungen ist allerdings nicht die Erklärung einzelner Handlungen, sondern die Erklärung der makrosozialen Folgeerscheinungen, die aus dem Zusammenwirken der Handlungsergebnisse vieler Akteure entstehen. Die zentrale Fragestellung dieser Arbeit lautet daher: Wenn nun die kollektiven Sachverhalte durch eine Mikrohypothese erklärt werden sollen, wie werden dann die beiden Ebenen miteinander verbunden? Zwecks der Lösung dieses Erklärungsproblems müssen diejenigen Regeln entlarvt werden, nach denen die Aggregation der vielen Einzelhandlungen zu einem Gesamtresultat geschieht. So sollen im ersten Teil zunächst die Grundannahmen des RC-Ansatzes vorgestellt werden. Im zweiten Teil setze ich mich mit den dreistufigen Kernhypothesen der traditionellen RC-Variante auseinander, die aus den Perspektiven der zwei Soziologen erläutert werden. Dies schließt auch eine Darstellung die für den jeweiligen Autor wichtigen Phänomene der RC-Theorie, wie auch das Hauptproblem der Theorie, und zwar der Übergang von der Mikro- zur Makroebene mit ein. Anschließend werde ich einige kritische Standpunkte an den Autoren und an die RC-Theorie aufzeigen. Als Grundlage dieser Beurteilung bieten sich James Colemans „Foundation of Social Theory“ und Hartmut Essers „Soziologie. Allgemeine Grundlagen“ und „Soziologie. Spezielle Grundlagen“ an.


Excerpt (computer-generated)

Universität Regensburg, Institut für Soziologie
Übung: Soziologische Theorie: Akteursmodelle
WS 2005/2006, 4. Semester

Rational Choice Theorie im kritischen Diskurs

von: Katarina Bezakova

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Grundannahmen der RC-Theorie 4

2.1. Methodologische Individualismus 4
2.2. Homo Oeconomicus und sein Ziel der Nutzenmaximierung 5

3. Die Kernhypothesen der RC-Theorie 6

3.1. Ansätze nach Coleman

3.1.1. Akteure und ihre Ressource 7
3.1.2. Interdependenz zwischen den Akteuren 8
3.1.3. Übergang von Mikro- zur Makroebene am Beispiel der Revolutionstheorie 9

3.2. Ansätze nach Esser 10

3.2.1. RREEMM-Modell 10
3.2.2. Wert-Erwartungstheorie 11
3.2.3. Das Grundmodell der drei Logiken 12

4. Kritik an der RC-Theorie 14

4.1. Kritik an der Zusammensetzung der RC-Theorie und ihr Versuch zu dominieren 14
4.2. Kritik an der Rationalitätsannahme 15
4.3. Kritik am Entscheidungsbegriff 15
4.4. Kritik am Nutzenbegriff 16

5. Fazit 16

Literaturverzeichnis


 

 

1. Einleitung

Im Rahmen unserer Übung behandelten wir unterschiedliche soziologische Akteursmodelle in ihrem handlungstheoretischen Kontext. Um den Teilbereich der Handlungstheorie, die sich mit den rationalen Handlungen auseinandersetzt, klar zu machen, untersuche ich anhand der zwei Sichtweisen der Soziologen James Coleman und Hartmut Esser die Auffassungen von der RC-Theorie.

Die RC-Theorie oder die Theorie der rationalen Wahl ist eine der am häufigsten angewandten Handlungstheorien zur Erklärung sozialwissenschaftlicher Beobachtungen (vgl. Münch 2003: 10). Eine einheitliche RC-Theorie gibt es aber nicht. Sie ist nur eine Sammelbezeichnung für eine ganze Reihe von verschiedenen Ansätzen in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (vgl. Diekmann 2004: 13). Generell gehen diese Ansätze von den gleichen Annahmen aus. Die handelnden individuellen oder kollektiven Akteure verhalten sich demnach rational und egoistisch, wobei sie aufgrund bestimmter Präferenzen ein nutzenmaximierendes oder kostenminimierendes Verhalten zeigen (vgl. Opp 2005: 89ff). Das Ziel soziologischer Darlegungen ist allerdings nicht die Erklärung einzelner Handlungen, sondern die Erklärung der makrosozialen Folgeerscheinungen, die aus dem Zusammenwirken der Handlungsergebnisse vieler Akteure entstehen. Die zentrale Fragestellung dieser Arbeit lautet daher: Wenn nun die kollektiven Sachverhalte durch eine Mikrohypothese erklärt werden sollen, wie werden dann die beiden Ebenen miteinander verbunden?

Zwecks der Lösung dieses Erklärungsproblems müssen diejenigen Regeln entlarvt werden, nach denen die Aggregation der vielen Einzelhandlungen zu einem Gesamtresultat geschieht (vgl. Opp 2005: 92). So sollen im ersten Teil zunächst die Grundannahmen des RC-Ansatzes vorgestellt werden. Im zweiten Teil setze ich mich mit den dreistufigen Kernhypothesen der traditionellen RC-Variante auseinander, die aus den Perspektiven der zwei Soziologen erläutert werden. Dies schließt auch eine Darstellung die für den jeweiligen Autor wichtigen Phänomene der RC-Theorie, wie auch das Hauptproblem der Theorie, und zwar der Übergang von der Mikro- zur Makroebene mit ein. Anschließend werde ich einige kritische Standpunkte an den Autoren und an die RC-Theorie aufzeigen. Als Grundlage dieser Beurteilung bieten sich James Colemans „Foundation of Social Theory“ und Hartmut Essers „Soziologie. Allgemeine Grundlagen“ und „Soziologie. Spezielle Grundlagen“ an.

2. Die Grundannahmen der RC-Theorie

Die ursprünglich aus den Wirtschaftswissenschaften kommende rationale Handlungstheorie orientiert sich außer an der klassischen Ökonomie Adam Smiths, auch an der verstehenden Soziologie Max Webers. Ökonomisches Denken beschreibt die sozialen Phänomene in den Kategorien von Kosten-Nutzen-Gewichtungen. Diese soziale Phänomene beziehen Akteure ein, die zwischen Alternativen, die von Präferenzen und Restriktionen bestimmt werden, wählen können (vgl. Münch 2003: 90). „Der erwartete Nutzen setzt sich zusammen aus dem Wert, das das Resultat einer Handlung für ein Individuum hat und der Wahrscheinlichkeit, dass dieses Resultat eintritt“ (vgl. Pickel 2005: 18). Die RC-Theorie versucht komplexe soziale Handlungen mit Hilfe möglichst einfacher Modellannahmen zu erfassen und soziale Gesetze zu finden, die einfach und klar sind. Es sind vor allem die folgenden Grundannahmen, auf denen in den Sozialwissenschaften der RCAnsatz fußt.

2.1. Methodologische Individualismus

Der auf dem RC-Ansatz basierende methodologische Individualismus kann als Sammelbezeichnung für die verschiedenen Verhaltens- und Lerntheorien verwendet werden. Er zeigt, wie die Menschen sind, nicht wie die einzelnen Menschen und Gesellschaften sein sollen. Individualismus in der Soziologie ist ein methodischer Leitfaden, der als Grundlage für bestimmte theoretische Konzepte und empirische Verfahren dient. Er kehrt sich eindeutig von den makrotheoretischen Ansätzen ab. Statt gesamtgesellschaftlicher Strukturen wird das Verhalten einzelner oder mehrerer Individuen untersucht. Infolgedessen sind die Aussagen über soziale Sachverhalte auf Aussagen über Individuen rückführbar, indem sich das Soziale aus an Individuen bestimmbaren Bedürfnissen, Motiven und Handlungen festsetzt. Das heißt, dass durch individuelles Handeln die auf der Makroebene beobachtbaren kollektiven Phänomene erzeugt werden (vgl. Treibel 2004: 130f).

Der Ursprung dieser individualistischen Sozialtheorie ist rückführbar auf Tausch- und Vertragstheorien, die auf individuellen Wahlhandlungen basieren. Treibel betrachtet den methodologischen Individualismus durch verschiedene theoretische Konzepte, wie der Utilitarismus, der Behaviorismus und ökonomische Ansätze, die das individualistische Programm mitbegründet haben. Sie erwähnt auch George Caspar Homans Austauschtheorie, die aussagt, dass sich soziales Handeln von Individuen auf den Vorgang des Tausches bezieht, welcher Kosten (was man gibt) und Nutzen (was man bekommt) gegenüberstellt (vgl. Treibel 2004: 130f).

Daran ist zu erkennen, dass die Akteure für den methodologischen Individualismus ausschließlich als rational handelnde Akteure interessant sind.

2.2. Homo Oeconomicus und sein Ziel der Nutzenmaximierung

[...]


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