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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 33 Pages
Author: Manuela Kistner
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Details
Tags: Reflexe, Konrads, Würzburg, Engelhard, Amicus-Amelius, Tristan, Isoldes, Engelhard
Year: 2005
Pages: 33
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 14 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-52263-2
ISBN (Book): 978-3-638-66563-6
File size: 251 KB
Quellengeschichte und Überlieferung des Engelhard, Definitionen der beiden verwendeten Begriffe - triuwe und minne, Zusammenfassung der verwendeten Legenden - Amicus-Amelius und Tristan und Isolde, Diagramm des Überlieferungszweiges nach Oettli, Vergleich: Tristan + Engelhard und Amicus + Engelhard, weitere Keywords: muot, unrehte minne, Minnegrotte, fides, ungetriuwen muot, etc.
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Abstract
Konrads von Würzburg Engelhard ist eine Freundschafts- und Liebesgeschichte, die aus dem Lateinischen ins Deutsche umgedichtet wurde. Es gibt zahlreiche Quellen, die beweisen, dass diese Thematik vor und während Konrads Zeit sehr populär war, denn der Engelhard ist nicht nur auf die Amicus-Amelius Legende zurückzuführen, wenn dies auf den ersten Blick auch so scheinen mag. Aus diesem Grund ist es ein Ziel dieser Arbeit, die Quellen, die dem Engelhard zugrunde liegen, herauszuarbeiten und zu untersuchen, inwiefern die triuwe in Konrads Darstellung mit jener in Amicus- Amelius kontrastiert und inwiefern es diesbezüglich Gemeinsamkeiten in beiden Legenden gibt. Hierzu wird die Arbeit ausführlich auf die triuwe in Amicus-Amelius eingehen, um daraufhin einen kurzen Vergleich zum Engelhard zu ziehen. Betrachtet man daneben nun auch die Minnehandlung im Engelhard näher, so stellt man fest, dass diese Thematik in Gottfrieds von Straßburg Tristan und Isolde ebenfalls behandelt wird. Unter anderem weist hier die Baumgartenszene starke Ähnlichkeiten mit der Liebesszene von Engelhard und Engeltrud auf. Die vorliegende Arbeit ist aus diesem Grund in zwei Teilbereiche gegliedert: Der erste Teil geht auf die Quellen Engelhards an sich ein und befasst sich demnach mit unterschiedlichen Legenden und Fassungen der Engelhard-Thematik. Besonderes Augenmerk liegt auf der Amicus-Amelius Legende, ihrem Ursprung und weitere Verbreitung. Der zweite Bereich konzentriert sich auf Reflexe im Engelhard durch Gottfrieds Tristan und Isolde und spezialisiert sich auf die Gemeinsamkeiten in der Minnehandlung. Wie zu Beginn angedeutet wurde, liegt der Schwerpunkt der Arbeit auf den Ausführungen über die triuwe in Amicus-Amelius und der minne in Tristan und Isolde, nach welchen dann jeweils eine kurze Passage über die Parallelen und Kontraste bezüglich Konrads Engelhard folgt. Darüber hinaus befindet sich im Anhang eine kurze Zusammenfassung der behandelten Legenden.
Excerpt (computer-generated)
Ruprecht-Karls Universität Heidelberg, Germanistisches Seminar
Proseminar: Zwei Aussatzlegenden des Mittelalters:
Hartmanns Der Arme Heinrich und Konrads Engelhard
Reflexe in Konrads von Würzburg "Engelhard" –
Amicus-Amelius’ triuwe-Beziehungen und
Tristan und Isoldes minne-Handlung im Engelhard
von: Manuela Kistner
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung Seite 3
II. Hauptteil:
1. Quellengeschichte und Überlieferung von Konrads Engelhard Seite 4
2. Gemeinsamkeiten zu Konrads
2.1 triuwe
2.1.1 Definition triuwe Seite 7
2.1.2 triuwe in Amicus – Amelius und Engelhard Seite 7
2.2 minne
2.2.1 Definition minne Seite 16
2.2.2 minne in Tristan und Isolde und Engelhard Seite 18
IV. Abschließende Gedanken Seite 28
V. Bibliographie Seite 30
VI. Anhang
1. Zusammenfassungen der Legenden
1.1 Amicus – Amelius Legende Seite 31
1.2 Tristan und Isolde Seite 33
2. Diagramm des Überlieferungszweiges nach Oettli Seite 34
I. Einleitung
Konrads von Würzburg1 Engelhard ist eine Freundschafts- und Liebesgeschichte, die aus dem Lateinischen ins Deutsche umgedichtet wurde. Es gibt zahlreiche Quellen, die beweisen, dass diese Thematik vor und während Konrads Zeit sehr populär war, denn der Engelhard ist nicht nur auf die Amicus-Amelius Legende zurückzuführen, wenn dies auf den ersten Blick auch so scheinen mag. Aus diesem Grund ist es ein Ziel dieser Arbeit, die Quellen, die dem Engelhard zugrunde liegen, herauszuarbeiten und zu untersuchen, inwiefern die triuwe in Konrads Darstellung mit jener in Amicus- Amelius kontrastiert und inwiefern es diesbezüglich Gemeinsamkeiten in beiden Legenden gibt. Hierzu wird die Arbeit ausführlich auf die triuwe in Amicus-Amelius eingehen, um daraufhin einen kurzen Vergleich zum Engelhard zu ziehen. Betrachtet man daneben nun auch die Minnehandlung im Engelhard näher, so stellt man fest, dass diese Thematik in Gottfrieds von Straßburg2 Tristan und Isolde ebenfalls behandelt wird. Unter anderem weist hier die Baumgartenszene starke Ähnlichkeiten mit der Liebesszene von Engelhard und Engeltrud auf.
Die vorliegende Arbeit ist aus diesem Grund in zwei Teilbereiche gegliedert. Der erste Teil geht auf die Quellen Engelhards an sich ein und befasst sich demnach mit unterschiedlichen Legenden und Fassungen der Engelhard-Thematik. Besonderes Augenmerk liegt auf der Amicus-Amelius Legende, ihrem Ursprung und weitere Verbreitung. Der zweite Bereich konzentriert sich auf Reflexe im Engelhard durch Gottfrieds Tristan und Isolde und spezialisiert sich auf die Gemeinsamkeiten in der Minnehandlung. Wie zu Beginn angedeutet wurde, liegt der Schwerpunkt der Arbeit auf den Ausführungen über die triuwe in Amicus-Amelius und der minne in Tristan und Isolde, nach welchen dann jeweils eine kurze Passage über die Parallelen und Kontraste bezüglich Konrads Engelhard folgt. Darüber hinaus befindet sich im Anhang eine kurze Zusammenfassung der behandelten Legenden.
II. Hauptteil:
1. Quellengeschichte und Überlieferung von Konrads Engelhard
Die Amicus-Amelius Legende ist eine der wichtigsten Quellen, auf die Konrads Engelhard zurückzuführen ist, da diese zahlreiche Gemeinsamkeiten mit ihm aufweist. Aber auch die Quellen dieser Legenden sind wichtig für den Engelhard, wie im Folgenden deutlich werden soll. Leachs Einteilung der Amicus-Amelius Überlieferung in zwei Gruppen ist ausschlaggebend für das weitere Verständnis aller Fassungen, die mit der Amicus-Amelius Legende - und daher auch dem Engelhard - Gemeinsamkeiten haben. Leach nimmt eine Einteilung in eine „hagiographische“ und eine „romanhafte“3 Gruppe vor. Die hagiographische Gruppe zeichnet sich dadurch aus, dass der Erzählung „legendäre Züge“ hinzugefügt wurden, die bei einer Überlieferung immer wieder aufgenommen werden. Die romanhafte Gruppe dagegen behandelt immer den gleichen Stoff. Laut Leach ist die „hagiographische Gruppe aus der romanhaften hervorgegangen“4. Während die Überarbeitung bzw. Kürzung der hagiographischen Gruppe die Vita Sanctorum Amici et Amelii Carissimorum heißt, wird die Überarbeitung einer romanhaften Fassung die „Geschichte amici in der Historia Septem Sapientum Romae“ genannt. In der romanhaften Gruppe sind vor allem „zwei Änderungen in der Erzählhaltung“5 auffällig: die Liebesgeschichte wird zum Beispiel in die Freundschaftsgeschichte mit einbezogen, da „Alexander für den liebeskranken Lodovicus bei der Königstochter wirbt“6. Dies bedeutet, dass das bereits bekannte Motiv so geändert wurde, dass die Liebesgeschichte nicht nur der Grund für das Gottesurteil ist, sondern auch für den Treuebeweis zwischen den beiden Freunden steht. Auch als Alexander aufgrund des Todes seines Vaters den Hof des Königs verlassen soll, will er trotzdem beim König bleiben, - sofern dieser es wünscht - ein Angebot, das wiederum ein Zeichen für die Treue ist, die er dem König gegenüber empfindet. Eine zweite Änderung in der Erzählhaltung bezieht sich auf das „Motiv der Gleichheit der beiden Freunde“7; dieses wird nämlich stark „abgeschwächt“8, da Alexander lediglich als der Stärkere beschrieben wird, Lodovicus jedoch als der Klügere von beiden. Es gibt jedoch auch eine Änderung im Erkennungszeichen: Während Alexander am Hofe seines Freundes „um Einlass bittet, wird er eingelassen, weil er diese Bitte im Namen des Königs Alexander tut“9, während er in allen anderen romanhaften Fassungen ein Erkennungszeichen vorzeigen muss. Auch Konrads Engelhard zeigt diese beiden Änderungen auf und kontrastiert daher ebenfalls mit den Fassungen der romanhaften Gruppe. In seinem Engelhard wird die Liebesgeschichte ebenfalls mit in die Freundschaftsgeschichte einbezogen, indem sich nämlich Engeltrud in die beiden Freunde verliebt. Auffällig ist in diesem Punkt, dass sich die Historia die Liebesgeschichte für einen erneuten Treuebeweis der Freunde zunutze macht, während die Liebesgeschichte bei Konrad dazu dient, eine weitere Hauptfigur in die Handlung einzubringen: Engeltrud nämlich, die ebenfalls triuwe aufweist, jedoch nur in Konrads Fassung vorkommt. Aber auch das Angebot Alexanders, trotz des Todes seines Vaters am Hof zurückzubleiben, ist ein weiteres Motiv, das bei Konrads Engelhard ebenfalls auftaucht und sogar weiter entwickelt wird, denn „Dieterich bietet Engelhard an, um seinetwillen zurückzubleiben und muss von Engelhard überredet werden, abzureisen [und] Engelhard seinerseits weigert sich, Dieterichs Einladung, mit ihm zu kommen, anzunehmen“10. Die Historia-Gruppe und Engelhard weisen aber nicht nur diese Ähnlichkeiten auf. So beginnen zum Beispiel diese Fassungen als einzige mit „einem Freund, der auszieht und erst später auf seinen Bruder stößt“11 und auch nur in diesen Fassungen wird der „Freund nach Beginn der Liebesgeschichte [vom Hof des Königs] abberufen“12, da der Freund in allen weiteren Fassungen bereits vor der Liebesgeschichte abberufen wird.
Jedoch wäre es falsch, zu behaupten, dass die Historia und Engelhard in einem Abhängigkeitsverhältnis zueinander stehen. Oettli führt hierfür zwei Gründe an: Erstens wurde amici erst 40 Jahre nach Konrads Tod in die Historia Septem Sapientum Romae aufgenommen und zweitens findet man im zweiten Teil des Engelhard Gemeinsamkeiten mit romanhaften Fassungen anstatt mit der Historia- Gruppe.
[...]
1 Im Folgenden nur noch Konrad
2 Im Folgenden nur noch Gottfried
3 Oettli, P. H.: Zur Quellengeschichte von Konrads von Würzburg Engelhard. S. 1.
4 Oettli: Quellengeschichte. S. 1.
5 Oettli: Quellengeschichte. S. 2.
6 Oettli: Quellengeschichte. S. 2.
7 Oettli: Quellengeschichte. S. 2.
8 Oettli: Quellengeschichte. S. 2.
9 Oettli: Quellengeschichte. S. 2.
10 Oettli: Quellengeschichte. S. 3.
11 Oettli: Quellengeschichte. S. 3.
12 Oettli: Quellengeschichte. S. 3.
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