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"Gleichberechtigt aber anders..." Grenzen weiblicher Integration und Partizipation in der Kommunistischen Partei der Schweiz 1921-1927

Autor: Master Angela Mattli
Fach: Frauenstudien / Gender-Forschung

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Details

Veranstaltung: Proseminar: Geburt und frühe Kindheit in historischen Perspektiven
Institution/Hochschule: Université de Fribourg - Universität Freiburg (Departement für Zeitgeschichte)
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 26
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 8  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 236 KB
Archivnummer: V58279
ISBN (E-Book): 978-3-638-52521-3
ISBN (Buch): 978-3-638-66590-2

Zusammenfassung / Abstract

Ich habe bewusst diese Periode gewählt, da 1927 einerseits die Arbeit und Integration der Frau als Sache der Gesamtpartei erklärt und in den Statuten festgeschrieben wurde, andereseits, wie oben bereits erwähnt, der Frauenanteil schrumpfte und keine Frau in der engeren Führung vertreten war. Ausserdem lancierte die KPS während dieser Periode ihre einzigen frauenpolitischen Kampagnen:1922 für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch und 1927 für die Einführung des Frauenstimmrechts. Im ersten Kapitel geht es um die theoretische Auseinandersetzung mit den marxistischen Emanzipationstheorien von August Bebel und Clara Zetkin und die Geschlechtsidentität innerhalb der kommunistischen Bewegung. Das zweite Kapitel liefert einen kurzen Überblick über die Frauenemanzipation in der schweizerischen Arbeiterbewegung. Es geht dabei um die vorherrschenden theoretischen Werke und ihre Rezeption im ArbeiterInnenmilieu selbst. Das dritte Kapitel umfasst die Gründung der KPS, ihr struktureller Aufbau, ihre Entwicklung bis 1927 und insbesondere die zunehmende Zentralisierung unter dem Einfluss von Moskau. Das vierte Kapitel stellt die Eingliederung der Frau in die KPS dar. Dabei wird auf Rekrutierungs-und Mobilisierungstrategien und ihre tatsächliche Umsetzung eingegangen. Ein weitere wichtiger Punkt bildet die Aufzeichnung der Grenzen und Schwierigkeiten weiblicher Durchsetzungsfähigkeit und Partizipation innerhalb der KPS. Dabei wird sowohl auf soziokulturelle wie auch organisationstechnische Hindernisse eingegangen. Das fünfte Kapitel zeigt die Frauenpolitik der KPS auf. Es darin insbesondere um die Stellung der Frauenanliegen innerhalb der politischen Agenda. Dabei wird besonders auf das Engagement für Frauenstimmrecht und Schwangerschaftsabbruch eingegangen. Im letzten Punkt geht es um den Wandel der Frauenpolitik und der Marginalisierung von Frauenanliegen durch die zunehmende „Stalinisierung“ der Partei. Das sechste und letzte Kapitel umfasst die Konklusion.

Textauszug (computergeneriert)

Universität Fribourg
Departement für Zeitgeschichte
Proseminar: Geburt und frühe Kindheit in historischen Perspektiven

Gleichberechtigt, aber anders...:
Grenzen weiblicher Integration und Partizipation
in der Kommunistischen Partei der Schweiz
1921-1927

eingereicht von:
Angela Mattli

2005

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 4

2. Frauenbild im Kommunismus: Gleichberechtigt aber anders ... 6
2.1. Die marxistische Emanzipationstheorie: August Bebel und Clara Zetkin ... 6
2.2. Geschlechtsidentität und Kommunismus ... 8

3. Frauenemanzipation in der schweizerischen Arbeiterbewegung ... 10
3.1. Theoretische Werke ... 10
3.2. Frauenemanzipation und ArbeiterInnenmilieu ... 10

4. Entwicklung der KPS vom Gründungsparteitag bis zum „Bolschewisierungsstatut“ von 1927 ... 12
4.1.Die Gründung der KPS ... 12
4.2. Struktureller Aufbau der KPS ... 13
4.3.Die Bolschewisierungsphase 1924-1927 ... 14

5. Die Eingliederung der Frau in die KPS ... 15
5.1.Rekrutierung und Mobilisierung ... 15
5.2 Grenzen weiblicher Durchsetzungsfähigkeit und Partizipation in der KPS ... 18

6. Die Frauenpolitik der KPS ... 19
6.1.Allgemeine Postulate der KPS zur Frauenemanzipation in der Schweiz ... 19
6.2. Frauenstimmrecht ... 20
6.3.Schwangerschaftsabbruch ... 20
6.4.Wandel der Frauenpolitik ... 22

7. Konklusion ... 23
7.1.Soziokulturelle Faktoren ... 23
7.2.Parteistrukturelle Faktoren ... 24

8. Bibliographie ... 26

 


Der Mann ist der Herr im Haus.
So stehts schon in der Bibel notiert,
So steht es bis heute auch bei uns im Gesetz.
Der Zustand ist approbiert.
Die Frau sei dem Manne untertan.
Sie ist nur eine Frau. Er ist ein Mann.
Der Spiessbürger stützt sich auf dieses sein Recht
Es gibt ihm den inneren Halt.
Am Arbeitsplatz zeig er vielleicht sich als Knecht


Und katzbuckelt vor der Gewalt;
Zuhause jedoch- da stellt er den Mann.
Da ist er Herrscher! Da ist er Tyrann.
Ein klassenbewusster Arbeitermann
Der ist seiner Frau- Kamerad;
Der fängt das Herrschertheater nicht an;
Sie gehn ja den gleichen Pfad!
Sie stossen den Karren gemeinsam voran
Verbunden in Arbeit und Kampf; Frau und Mann.
(Auszüge aus: „Der Herr im Haus“ von Lisel Bruggmann, 1925)1

 

1. Einleitung

Im internationalen Vergleich sind geschlechtsspezifische Publikationen über die Schweizer ArbeiterInnenbewegung relativ selten. Biographien, die als Zeichen der Anerkennung fungieren, waren lange Zeit nur den grossen Männern gewidmet. Durch den Impuls der Frauenbewegung und dem neu erwachten Interesse für die Geschichte der Arbeiterorganisation als Teil der „neuen Linke“, wurden auch in der Schweiz in den 1970/80er zahlreiche Arbeiten über die Position der Frau in der Arbeiterbewegung veröffentlicht.2 Nach Brigitte Studer (1997) handeln aber die meisten Publikationen von Frauen, die sich in der organisierten Arbeiterbewegung engagiert haben. Grund dafür liegt in der erschwerten Zugänglichkeit von historischem Forschungsmaterial über nicht-organisierte Frauen und somit über die Arbeiterinnenkultur selbst3. Mit der vorliegenden Proseminararbeit über die politische und soziale Stellung der Frau in der Kommunistischen Partei der Schweiz der Jahre 1920-1927 schliesse ich mich den traditionellen Arbeiten über Frauen in der organisierten Bewegung an und zwar aus der von Studer (1997) geschilderten Problematik. Doch auch in der organisierten Arbeiterbewegung sind verhältnismässig wenig Frauen in bedeutenden Positionen vorzufinden. Obwohl die marxistischen Emanzipationstheorien von August Bebel und Clara Zetkin, denen sich alle sozialistischen und kommunistischen Parteien der Zweiten Kommunistischen Internationalen (KI) verpflichtet haben, die vollständige Gleichstellung der Frauen und die Wichtigkeit ihres aktiven politischen Engagement propagierten, sah die Praxis oft ganz anders aus. Nach parteiinternen Angaben betrug der Frauenanteil des gesamten Mitgliedbestandes 1921 15.4% und im Jahre 1927 12.5%, doch ab 1927 war keine einzige Frau mehr in der obersten Führung der KPS vertreten4.

Der Enthüllung dieses auf den ersten Blick erstaunlich anmutenden Phänomens möchte ich in der vorliegenden Proseminararbeit mit folgender Fragestellung näher kommen: Welche parteistrukturellen und soziokulturellen Faktoren bremsten in den Jahren 1921- 1927 ein aktives politisches Engagement und den Vorstoss von Frauen in der KPS?

Ich habe bewusst diese Periode gewählt, da 1927 einerseits die Arbeit und Integration der Frau als Sache der Gesamtpartei erklärt und in den Statuten festgeschrieben wurde, andereseits, wie oben bereits erwähnt, der Frauenanteil schrumpfte und keine Frau in der engeren Führung vertreten war. Ausserdem lancierte die KPS während dieser Periode ihre einzigen frauenpolitischen Kampagnen:1922 für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch und 1927 für die Einführung des Frauenstimmrechts.

Im ersten Kapitel geht es um die theoretische Auseinandersetzung mit den marxistischen Emanzipationstheorien von August Bebel und Clara Zetkin und die Geschlechtsidentität innerhalb der kommunistischen Bewegung.

Das zweite Kapitel liefert einen kurzen Überblick über die Frauenemanzipation in der schweizerischen Arbeiterbewegung. Es geht dabei um die vorherrschenden theoretischen Werke und ihre Rezeption im ArbeiterInnenmilieu selbst.

Das dritte Kapitel umfasst die Gründung der KPS, ihr struktureller Aufbau, ihre Entwicklung bis 1927 und insbesondere die zunehmende Zentralisierung unter dem Einfluss von Moskau. Das vierte Kapitel stellt die Eingliederung der Frau in die KPS dar. Dabei wird auf Rekrutierungs-und Mobilisierungstrategien und ihre tatsächliche Umsetzung eingegangen. Ein weitere wichtiger Punkt bildet die Aufzeichnung der Grenzen und Schwierigkeiten weiblicher Durchsetzungsfähigkeit und Partizipation innerhalb der KPS. Dabei wird sowohl auf soziokulturelle wie auch organisationstechnische Hindernisse eingegangen.

Das fünfte Kapitel zeigt die Frauenpolitik der KPS auf. Es darin insbesondere um die Stellung der Frauenanliegen innerhalb der politischen Agenda. Dabei wird besonders auf das Engagement für Frauenstimmrecht und Schwangerschaftsabbruch eingegangen. Im letzten Punkt geht es um den Wandel der Frauenpolitik und der Marginalisierung von Frauenanliegen durch die zunehmende „Stalinisierung“ der Partei. Das sechste und letzte Kapitel umfasst die Konklusion.

2. Frauenbild im Kommunismus: Gleichberechtigt aber anders...
2.1. Die marxistische Emanzipationstheorie: August Bebel und Clara Zetkin

Als die wichtigsten ExponentInnen der marxistischen Frauenemanzipationstheorie gelten Friedrich Engels, August Bebel und Clara Zetkin, paradoxerweise aber nicht Karl Marx selbst, der die Frauenfrage kaum zur Kenntnis nahm. In gewisser Weise tritt dies auch auf Engels zu, obgleich sein Werk über den Ursprung der Familie sich als einziges unter den klassischen Schriften des Marxismus mit der Stellung der Frau in der Gesellschaft befasst.5 Erst August Bebel und Clara Zetkin haben sich intensiver mit der Frauenfrage befasst. Bebel hat mit seinem 1879 erschienenen Buch „Die Frau und der Sozialismus“, einer eingehenden, historischen Analyse der Stellung der Frau von der Urgeschichte bis zur bürgerlichen Familie, die Haltung der SozialistInnen nachhaltig geprägt. Er kritisierte die zu seiner Zeit herrschenden sozialen und sexuellen Eheverhältnisse, untersucht Prostitution, geht auf die Frauenarbeit ein und entwickelte Modelle für die Zukunft im Sozialismus.

[...]


1 Bruggmann,, Ich wünsche euch des Weltenalls Erbeben, S.103

2 Studer, Genre, travail et histoire ouvrière, S.70

3 Vgl. Studer, Genre, travail et histoire ouvrière , S.71

4 Vgl. Stettler, Peter, Die Kommunistische Partei der Schweiz, S.111 und Faltblatt, S.120

5 Evans, Richard J., Sozialdemokratie und Frauemanzipation im deutschen Kaiserreich, S. 33, zitiert nach Frei, Rote Patriachen, S.20

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