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Mit Bildern lügen - Das Bild als Quelle in der Geschichtswissenschaft und im Geschichtsunterricht

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 25 Pages
Author: Ines Jachomowski
Subject: History - Didactics

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 25
Grade: Gut
Bibliography: ~ 30  Entries
Language: German
Archive No.: V58405
ISBN (E-book): 978-3-638-52608-1
ISBN (Book): 978-3-638-59877-4
File size: 246 KB

Abstract

Alltäglich strömt eine große Menge Bilder auf uns ein - via Zeitung, Fernsehen, Internet, Plakaten, Postwurfsendungen... diese Liste ist wahrlich lang. Bilder üben eine große Macht über uns aus, dadurch, dass wir ihren Inhalt meist direkt und ohne Anstrengung mit einem Blick erfassen können, wirken sie sich auf unser Unterbewusstsein aus und beeinflussen unser Denken und Handeln in einem Maße, welches wir kaum kontrollieren können. Aus der Werbepsychologie ist diese Tatsache schon länger hinlänglich bekannt und wird weidlich ausgenutzt. Doch wir müssen uns nicht blind von der Macht der Bilder bestimmen lassen, wir können uns einen kritischen Blick auf die Bilder anerziehen und ihre Inhalte hinterfragen. Bilder zeigen nicht immer das, was zu zu zeigen vorgeben. Aus diesem Grund ist es notwendig, Bilder nicht mehr als bloße Illustrationen zu sehen, sondern sich ihrem Informationswert gegenüber aufzuschließen und sie - wie schriftliche Quellen und Darstellungen auch - nicht fraglos hinzunehmen. Diese Arbeit will zeigen, was Bilder darstellen können - und vor allem, was nicht. Sie will auch zeigen, wie Bilder - und mit ihnen der Betrachter - manipuliert werden, wie Menschen mit ihnen lügen, um die Geschichte aus bestimmten Gründen und für gewisse Zwecke für sich zu verändern und anders darzustellen. Diese Arbeit soll ein Plädoyer sein für einen bewussten, kritisch hinterfragenden Umgang mit Bildern - auch im Geschichtsunterricht.


Excerpt (computer-generated)

Mit Bildern lügen - Das Bild als Quelle in der
Geschichtswissenschaft und im Geschichtsunterricht

von: Ines Jachomowski

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung 1

2. Der Begriff „Bild“ und seine Klassifizierung 1

3. Das Bild als historische Quelle

3.1. Das Bild als Quelle in der Geschichtswissenschaft 6
3.2. Das Bild als Lügner und Verleumder 10

4. Der Umgang mit Bildern im Geschichtsunterricht

4.1. Warum Bilder im Geschichtsunterricht verwenden?  18
4.2. Didaktische Fragestellungen 20

5. Zusammenfassung/ Fazit 22

6. Anhang

6.1. Quellen- und Literaturverzeichnis 23
6.2. Internetadressen 24


 


 

1. Einleitung und Fragestellung

Alltäglich strömt eine große Menge Bilder auf uns ein – via Zeitung, Fernsehen, Internet, Plakaten, Postwurfsendungen... diese Liste ist wahrlich lang. Bilder üben eine große Macht über uns aus, dadurch, daß wir ihren Inhalt meist direkt und ohne Anstrengung mit einem Blick erfassen können, wirken sie sich auf unser Unterbewußtsein aus und beeinflussen unser Denken und Handeln in einem Maße, welches wir kaum kontrollieren können. Aus der Werbepsychologie ist diese Tatsache schon länger hinlänglich bekannt und wird weidlich ausgenutzt. Doch wir müssen uns nicht blind von der Macht der Bilder bestimmen lassen, wir können uns einen kritischen Blick auf die Bilder anerziehen und ihre Inhalte hinterfragen. Bilder zeigen nicht immer das, was zu zu zeigen vorgeben. Aus diesem Grund ist es notwendig, Bilder nicht mehr als bloße Illustrationen zu sehen, sondern sich ihrem Informationswert gegenüber aufzuschließen und sie – wie schriftliche Quellen und Darstellungen auch – nicht fraglos hinzunehmen.

Diese Arbeit will zeigen, was Bilder darstellen können – und vor allem, was nicht. Sie will auch zeigen, wie Bilder – und mit ihnen der Betrachter – manipuliert werden, wie Menschen mit ihnen lügen, um die Geschichte aus bestimmten Gründen und für gewisse Zwecke für sich zu verändern und anders darzustellen. Diese Arbeit soll ein Plädoyer sein für einen bewußten, kritisch hinterfragenden Umgang mit Bildern – auch im Geschichtsunterricht.

2. Der Begriff „Bild“ und seine Klassifizierung

Das Problem – und die Besonderheit - des Faches „Geschichte“ besteht darin, daß sein Gegenstand nicht vorhanden ist. Mit dem Begriff „Geschichte“ wird gemeinhin sowohl das in der Vergangenheit Geschehene (res gestae) als auch der Bericht über das in der Vergangenheit Geschehene (memoria rerum gestarum) bezeichnet.1 Doch das in der Vergangenheit Geschehene ist vorbei, es ist geschehen und nicht (mehr) wiederholbar. Alles, was wir von gewesenen Ereignissen zu wissen meinen, haben wir durch Analyse und Interpretation aus den Quellen und Überresten vergangener Zeiten (re-)konstruiert: „Das Gegebene für die historische Forschung sind nicht die Vergangenheiten, denn diese sind vergangen, sondern das von ihnen in dem Jetzt und Hier noch Unvergangene, mögen es Erinnerungen von dem, was war oder geschah, oder Überreste des Gewesenen und Geschehenen sein.“2 Diese Überreste stellen zugleich die Grundlage wie auch das Problem der Geschichtswissenschaft dar, denn sie sind lückenbehaftete Reste, „latente Scheine“ im „leeren Dunkel der Vergangenheit“3, wie der deutsche Historiker Johann Gustav Droysen (1808 bis 1884) in seinem 1868 erstmalig erschienenem Standardwerk „Grundriß der Historik“ schrieb. Das bedeutet, nicht nur für die Geschichtswissenschaft, sondern auch für den Geschichtsunterricht in der Schule, daß sich die Inhalte des Faches nicht direkt erfahren bzw. wahrnehmen lassen. „Geschichte“ ist ob seiner „Anschauungsarmut“4 nur vermittelt mit Hilfe von Medien zugänglich.5 Hinter dem Begriff „Medien“ verstecken sich eine Vielzahl von Bedeutungen und Definitionen. Eine davon stammt von Michael Sauer: Er definiert „Medien“ als „verschiedene Erscheinungsformen, in denen Geschichte als Gegenstand von Lernen und Bearbeitung den Schülern gegenüber treten kann“6; diese Erscheinungsformen lassen sich noch in „Quellen“ und „Darstellungen“ einteilen7, eine Unterscheidung, die für den Geschichtsunterricht elementar ist. Denn Quellen stellen die „Hinterlassenschaften“8 früherer Zeiten dar, während Darstellungen die Beschreibungen und Deutungen vergangener Zeiten aus späterer Sicht sind.9 Die elementare Bedeutung der Trennung zwischen beiden Begriffen besteht darin, daß Quellen – also Überreste aus der Vergangenheit – das Fundament der Geschichte sowie der Geschichtswissenschaft sind. Die Quellen sind statt der Vergangenheiten die „geistige Gegenwart“ dieser10, ohne sie wüßten wir nichts über gewesene Ereignisse. Die Quellen sind ebenso das Fundament der Darstellungen, die „über die Quellen hinausgehen“11 sollen, denn: „Das, was eine Geschichte zur Geschichte macht, ist nie allein aus den Quellen ableitbar: es bedarf einer Theorie möglicher Geschichten, um Quellen überhaupt erst zum Sprechen zu bringen.“12 Zusammenfassend läßt sich auch sagen: Ohne Quellen gibt es keine Darstellungen, ohne beides (Quellen und Darstellungen) gibt es keine Geschichtsschreibung und auch damit auch keinen Geschichtsunterricht, der seine Inhalte und Ziele durch diese Medien dem Schüler vermittelt.

An dieser Stelle kann schon einmal eine nähere Eingrenzung unseres Gegenstandes, des Begriffs „Bild“, vorgenommen werden. Dabei wird zunächst festgestellt, daß Bilder Medien sind, da sie, gemäß Definition, als eine Erscheinungsform der Vermittlung und Aneignung von Geschichte im Geschichtsunterricht auftreten können. Bilder sind jedoch weitaus mehr als nur schöne/interessante und motivierende Illustrationen in Schulbüchern; sie werden zwar auch zur Darstellung von Geschichte genutzt, doch sie sind desgleichen Quellen13 eigener Art14 mit unterschiedlichen Einzelgattungen.15 Die Geschichtswissenschaft unterscheidet allgemein zwei große Gruppen von Quellengattungen, zum einen die Schrift- und zum anderen die Sachquellen.16 Die Schrift- (oder auch Text-)quellen dominieren dabei stark sowohl in der Wissenschaft als auch im Unterricht. Sachquellen kennzeichnen sich im Gegensatz dazu nicht durch eine schriftliche, sondern durch eine gegenständliche Überlieferung: Maschinen, Gebäude, Grabbeigaben, Arbeitsgeräte und vieles andere mehr können Sachquellen darstellen.17

[...]


1 Rohlfes, Joachim: Geschichte und ihre Didaktik. Göttingen, 21997. S. 28.

2 Droysen, Johann Gustav: Historik. Hrsg. v. Peter Leyh. Stuttgart, 1977. S. 422.

3 Ebd.

4 Rohlfes, Joachim: Geschichte und ihre Didaktik. S. 332.

5 Pandel, Hans-Jürgen: Medien historischen Lernens. In: Bergmann, Klaus u.a. (Hrsg.): Handbuch der Geschichtsdidaktik. Seelze-Velber, 51997. S. 416.

6 Sauer, Michael: Geschichte unterrichten. Eine Einführung in die Didaktik und Methodik. Seelze-Velber, 2001. S. 146.

7 Sauer, Michael: Geschichte unterrichten. Inhaltsverzeichnis.

8 Sauer, Michael: Geschichte unterrichten. S. 146.

9 Ebd.

10 Droysen, Johann Gustav: Historik. S. 422.

11 Koselleck, Reinhart: Vergangene Zukunft. Frankfurt am Main, 41985. S. 206.

12 Ebd.

13 Natürlich können Bilder nur dann auch Quellen sein, wenn sie die Definition von „Quelle“ erfüllen: „Als Quellen werden in der Geschichtswissenschaft alle historischen Materialien (Tradition, Überreste) bezeichnet, die eine Rekonstruktion der Vergangenheit ermöglichen.“ vgl. Faber, Erwin; Geiss, Imanuel: Arbeitsbuch zum Geschichtsstudium. Wiesbaden, 31996. S. 82. Erfüllen sie diese Bedingung der Zeitgleichheit nicht, können sie keine Quelle mehr für die entsprechende Zeit sein, sondern nur noch Darstellung bzw. Quelle für die Zeit, in welcher sie entstanden sind.

14 Sauer, Michael: Geschichte unterrichten. S. 153.

15 Sauer, Michael: Geschichte unterrichten. S. 155.

16 Faber, Erwin; Geiss, Imanuel: Arbeitsbuch zum Geschichtsstudium. S. 84.

17 Ebd.


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