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Hausarbeit, 2006, 35 Seiten
Autor: Wibke Jellinghaus
Fach: Sprachwiss. / Sprachforschung (fachübergreifend)
Details
Tags: Johann, Christoph, Adelung, Sprachkritiker, Jahrhundert
Jahr: 2006
Seiten: 35
Note: 2,3
Literaturverzeichnis: ~ 17 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-52636-4
Dateigröße: 190 KB
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Textauszug (computergeneriert)
Johann Christoph Adelung, Sprachkritiker im 18. Jahrhundert
von: Wibke Jellinghaus
Inhalt
1. Einleitung 3
2. Sprachkritik im 18. Jahrhundert 5
3. Biografie Adelungs 9
4. „Was ist Hochdeutsch?“ 11
4.1 Der Sprachenstreit 12
4.2 Adelungs Definition des Hochdeutschen 14
5. Adelung als Grammatiker 20
6. Grammatisch-Kritisches Wörterbuch 25
7. Fazit 31
8. Literatur 33
1. Einleitung
„Denn wir armen Deutschen, die wir schon mit
Einquatierungen, Militärpflichten, Kopfsteuern und
tausenderlei Abgaben genug geplagt sind, wir haben uns
noch obendrein den Adelung aufgesackt und quälen uns
einander mit dem Akkusativ und Dativ.“
(Heine)1
Denkt man an das 18. Jahrhundert als sprachgeschichtliche Epoche, dann kommen meist zuerst Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller in den Sinn. Doch nicht nur in der Literatur wurden wichtige Werke geschaffen, sondern auch in linguistischer Hinsicht. Für Schiewe ist das 18. Jahrhundert sprachgeschichtlich gesehen das bedeutsamste: “In keiner anderen Phase der deutschen Sprachgeschichte gab es so viele Veränderungen der Sprache, so viele Eingriffe prinzipieller Natur.“2 Viele der Neuerungen in der deutschen Sprache ergaben sich durch die Debatte, was als Hochdeutsch anzusehen sei und durch die Bemühungen, eine deutsche Einheitssprache zu schaffen. Damit einher ging die Diskussion um die Verbannung von Fremdwörtern aus der deutschen Sprache. Diese hing eng zusammen mit der politischen Entwicklung in dieser Epoche. Der Absolutismus wurde langsam abgelöst vom Zeitalter der Aufklärung. Der Einfluss Frankreichs verringerte sich und die Gesellschaft begann umzudenken. Die Vernunft des Menschen bekam eine immer größere Bedeutung. Deutschland war politisch wie sprachlich in viele Teile gespalten und der Wunsch nach Einheit wurde in der Gesellschaft immer größer. Die Sprachwissenschaft gab ihren Teil zur gesamtgesellschaftlichen Entwicklung in diesem Jahrhundert hinzu durch das Bestreben um eine deutsche Normsprache.
Einen großen Beitrag dazu lieferten die Grammatiker und Sprachkritiker dieser Zeit und unter ihnen vor allem Johann Christoph Adelung. Bereits zu Lebzeiten und auch darüber hinaus wurde er immer wieder kritisch betrachtet. Nicht immer sind Adelungs Ausführungen sofort einleuchtend, aber seine Werke hatten großen Einfluß auf alle nachfolgenden Sprachkritiker und Grammatiker. Jellinek schrieb über ihn: „Adelungs Schriften gleichen einem seichten trüben Gewässer; aber der Schlamm birgt Goldkörner.“3 Obwohl es viele Werke über seine Arbeit gibt, ist seine Bedeutung für die Linguistik bis heute nicht klar definiert. Ein wichtiges Werk über sein gesamtes Schaffen schrieb Margrit Strohbach 1984. Mit Adelungs grammatischen Abhandlungen beschäftigten sich besonders Max Hermann Jellinek und Bernd Naumann. Das Grammatischkritische Wörterbuch wurde besonders von Helmut Henne untersucht. Die vorliegende Arbeit nutzt die genannten Werke als Basisliteratur. Daneben sind viele Artikel über einzelne Aspekte Adelungs erschienen.
In der vorliegenden Arbeit soll ein Einblick in das Schaffen des Sprachkritikers Adelung gegeben werden. Dabei liegt der Fokus nicht auf einer vollständigen Analyse, sondern auf der Untersuchung ausgewählter Gesichtspunkte: Sein biografischer Hintergrund, die Debatte um die Frage „Was ist Hochdeutsch?“, seine Arbeit als Grammatiker und sein Grammatisch-kritisches Wörterbuch. Um diese Bereiche besser einordnen zu können, wird zunächst eine Übersicht über die Sprachkritik des 18. Jahrhunderts gezeigt. Adelung wird häufig als bedeutendster Sprachkritiker und Wörterbuchautor seiner Zeit genannt. Ob er diesem Anspruch gerecht wird und mit seinem Werk, wie oft behauptet, einen Meilenstein für nachfolgende Generationen in der Sprachwissenschaft setzte, soll in dieser Arbeit hinterfragt werden.
2. Sprachkritik im 18. Jahrhundert
Das 18. Jahrhundert ist für die Geschichte der deutschen Sprache eine wichtige Epoche. In diesem Jahrhundert gab es viele Veränderungen und Neuerungen in der deutschen Sprache. Es wurden Normen und Prinzipien für die Sprache gesetzt, die teilweise noch bis heute Gültigkeit haben.4 Zu diesen Veränderung trug Johann Christoph Adelung wesentlich bei. In diesem Kapitel wird ein kurzer Einblick in die Sprachkritik dieser Epoche gegeben und damit der Hintergrund für die Arbeit Adelungs beschrieben.
Das 18. Jahrhundert brachte nicht nur einschneidende Veränderungen in Bezug auf die Sprache. Es war insgesamt eine Epoche des Wandels, geprägt durch den Absolutismus und die Aufklärung. Kennzeichnend für den Absolutismus war die Alleinherrschaft des Monarchen. Die Länderfürsten regierten mit Hilfe eines hierarchischen Beamtensystems, das in viele Bereiche des täglichen Lebens eingriff. Das Ständesystem wurde zwar aufgehoben, trotzdem blieben der Adel und die Geistlichen priviligiert und das Bürgertum hatte wenig politische Macht.5 Aus Frankreich gelangte die geistige Strömung der Aufklärung nach Deutschland. Das im Mittelalter durch die Kirche geprägte christliche Weltbild wurde in Frage gestellt und die menschliche Vernunft rückte in den Fokus der Aufmerksamkeit. Auf Traditionen beruhende Institutionen wurden angezweifelt.6 Die Änderungen in der Denkweise der Menschen und das in Frage stellen von alt Hergebrachtem gaben auch Impulse für die deutsche Sprache. Die im vorherigen Jahrhundert enstandenen Sprachgesellschaften wie die ‚Fruchtbringende Gesellschaft’, wollten die deutsche Sprache stärken u.a. durch die Vermeidung von Fremdwörtern. Der Trend zur konsequenten Eindeutschung vieler Begriffe nahm im 18. Jahrhundert etwas ab.7 Es wurde vor allem in der Wissenschaft mehr Wert auf die Herausbildung einer deutschen normierten Einheitssprache gelegt und darauf, diese einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.8
In der vorherrschenden Gesellschaftsordnung gab es starke sprachliche Unterschiede zwischen den einzelnen Schichten. Sprache wurde als „Standessymbol und Standessymptom“ vorallem in der gesprochenen Sprache auf verschiedene Weise eingesetzt. Die oberen Schichten wollten sich zwar durch eine kultiviertere Sprache vom gemeinen Volk abheben, viele verfielen bei der gesprochenen Sprache jedoch wieder in ihre regionalen Dialekte.9
[...]
1 Heine, Heinrich (1826) zitiert nach: Haß-Zumkehr, Ulrike (2001), S. 106.
2 Schiewe, Jürgen (1998), S. 66.
3 Jellinek, Max Hermann (1968), S. 335.
4 Vgl. Schiewe, Jürgen (1998), S. 66.
5 Vgl. Müller, Helmut M. (2002), S. 114.
6 Vgl. ebd., S. 126.
7 Vgl. König, Werner (1994), S. 106.
8 Vgl. Schiewe, Jürgen (1998), S. 9.
9 Vgl. von Polenz (1994), S. 201.
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