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Höflichkeit im geschichtlichen Kontext - von der Antike bis zur Neuzeit

Hausarbeit, 2005, 23 Seiten
Autor: Anna Patzke Salgado
Fach: Frauenstudien / Gender-Forschung

Details

Veranstaltung: Politeness, Gender and Education
Institution/Hochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Tags: Höflichkeit, Kontext, Antike, Neuzeit, Politeness, Gender, Education
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2005
Seiten: 23
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 9  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V58587
ISBN (E-Book): 978-3-638-52737-8
ISBN (Buch): 978-3-638-66607-7
Dateigröße: 210 KB

Zusammenfassung / Abstract

Höflichkeit ist ein weit gefächerter Begriff, dem in verschiedenen Epochen und verschiedenen Kulturen andere Bedeutungen zugeschrieben wurden. Cicero entwickelte Konzepte für das menschliche Zusammenleben innerhalb einer Gesellschaft, wie unter anderem Regelungen innerhalb des Stadtlebens, Feinheit in Rede und Gesprächsnormen, aber auch Höflichkeit und Umgänglichkeit. Ciceros Konzept wurde später verändert und im höfischen Mittelalter verwendet, um eine obere Schichtzugehörigkeit zu verdeutlichen. Im 15. und 16. Jahrhundert weicht der Begriff der Höflichkeit von den Verhaltensregeln bei Hofe ab und besinnt sich auf den antiken Humanismus, aus welchem sich die bürgerlichen Werte der Erziehung, Bildung, Höflichkeit und Zivilisation entwickeln. Diese Verhaltensregeln der Höflichkeit werden daraufhin erweitert, bis sie im französischen Absolutismus durch ihre Überspitzung verfälscht werden und somit ihren Zweck verfehlen. Mit Hilfe der Aufklärung im 18. Jahrhundert entwickelt sich eine Gegenrichtung zu der übertriebenen Verhaltensordnung im Absolutismus. Es entwickeln sich liberal-demokratische Gesellschaftsformen, welche die verpönten Feudalgesellschaften ablösen. Ein weiterer Wandel des Inhaltes von „Höflichkeit“ vollzieht sich im 19. Jahrhundert. Feinsinnigkeit und bedachtes Handeln im zwischenmenschlichen Umgang rücken hier in den Mittelpunkt. Adolph Freiherr von Knigge verfasste zu dieser Zeit Schriftstücke, welche eine „allgemeine Moral“ und Fragen von Höflichkeit im Umgang mit dem anderen Geschlecht sowie Pflichten und Freiheiten beinhalteten. Der Höflichkeitsbegriff verändert sich grundlegend zur Zeit des Nationalsozialismus. Höflichkeit und Tugend werden hier als Gehorsam und korrektes Verhalten der Staatsmacht gegenüber betrachtet. Nach dem 2. Weltkrieg zerfällt diese Bedeutung von Höflichkeit und alte Sitten und Regeln werden modern. In den 68gern beruft sich die Höflichkeit auf „Natürlichkeit“ und „authentischen Verhalten“, welche die überkommenen Rituale und Konventionen der Höflichkeit abzulösen versucht. Dennoch besinnt sich Höflichkeit in der heutigen Zeit wieder auf Regeln und Verhaltensnormen, welche im Umgang mit Menschen immer wichtiger zu werden scheinen. Höflichkeit dient dabei als Basis zwischen den verschiedenen Interessengruppen und Verhaltensmustern in der Gesellschaft zu kommunizieren.


Textauszug (computergeneriert)

Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt a. M.
Seminar: Politeness, Gender and Education
WS 2004/05
Hausarbeit, 25.07.2005

 

Höflichkeit im geschichtlichen Kontext - Von der Antike bis zur Neuzeit
 

Anna Patzke

 

 

Inhaltsverzeichnis:
 

1. Einleitung ...2

2. Selbstinszenierung im Mittelalter ...4

3. Bildung von Gemeinschaft im 15. und 16. Jahrhundert ...6

4. Bildung von Gesellschaft im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert ...8

4.1 Geschichtlicher Hintergrund ...8

4.2 Der Gebrauch von „Höflichkeit“ im 17. und frühen18. Jhr. ...10
4.2.1 Die Bedeutung von Höflichkeit ...11
4.2.2 Die Bedeutung von Freiheit ...12

4.3 Shaftesbury ...13
4.3.1 Shaftesbury im geschichtlichen Kontext ...15

5. Entstehung der Feinsinnigkeit im 19. Jahrhundert ...16

6. Die Wahrung des Gesichts im 20. Jahrhundert ...18

7. Fazit ...20

Literaturverzeichnis ...22


 

1. Einleitung

Höflichkeit ist ein weit gefächerter Begriff, dem in verschiedenen Epochen und verschiedenen Kulturen andere Bedeutungen zugeschrieben wurden. Um die Bedeutung von Höflichkeit für die heutige Zeit verständlich zu machen, ist es wichtig die Entwicklung von Höflichkeit im geschichtlichen Kontext zu betrachten.

Der Begriff der Höflichkeit wird zum ersten Mal unter Cicero (106 v.Chr. – 43. v. Chr.) bekannt. Cicero entwickelte Konzepte für das menschliche Zusammenleben innerhalb einer Gesellschaft, wie unter anderem Regelungen innerhalb des Stadtlebens, Feinheit in Rede und Gesprächsnormen, aber auch Höflichkeit und Umgänglichkeit. Ciceros Konzept wurde später verändert und im höfischen Mittelalter verwendet, um eine obere Schichtzugehörigkeit zu verdeutlichen. Der Begriff „höflich“ wird dabei aus dem Wort „höfisch“ abgeleitet (höflich: wie bei Hofe gesittet).1 Im 15. und 16. Jahrhundert erfährt der Begriff der „Höflichkeit“ eine Wandlung. Er weicht dabei von den Verhaltensregeln bei Hofe ab und besinnt sich auf den antiken Humanismus, aus welchem sich die bürgerlichen Werte der Erziehung, Bildung, Höflichkeit und Zivilisation entwickeln.2 Diese Verhaltensregeln der Höflichkeit werden daraufhin erweitert, bis sie im französischen Absolutismus (17./18.Jahrhundert) durch ihre Überspitzung verfälscht werden und somit ihren Zweck verfehlen. Mit Hilfe der Aufklärung im 18. Jahrhundert entwickelt sich eine Gegenrichtung zu der übertriebenen Verhaltensordnung im Absolutismus. Es entwickeln sich liberal-demokratische Gesellschaftsformen, welche die verpönten Feudalgesellschaften ablösen. In England wird im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert der Begriff der Höflichkeit der städtischen Tradition durch eine komplexere und humanere Form der Höflichkeit ausgetauscht. Der Begriff der Höflichkeit bezieht hier politische, aber auch soziale und kulturelle Formen ein.3

Ein weiterer Wandel des Inhaltes von „Höflichkeit“ vollzieht sich im 19. Jahrhundert. Feinsinnigkeit und bedachtes Handeln im zwischenmenschlichen Umgang rücken hier in den Mittelpunkt.4 Adolph Freiherr von Knigge, zeitgenössischer Kritiker der Politik, verfasste zu dieser Zeit Schriftstücke, welche eine „allgemeine Moral“ und Fragen von Höflichkeit im Umgang mit dem anderen Geschlecht, soziale Entfernung und Nähe, sowie Pflichten und Freiheiten beinhalteten.5

Im 20. Jahrhundert erweitern sich die Schriftstücke über höfliches Benehmen. Es kommt in den 20er Jahren eine sarkastische Sichtweise auf das Benehmen und die Umgangsformen der „feinen Gesellschaft“ zu tage. Der Höflichkeitsbegriff verändert sich grundlegend zur Zeit des Nationalsozialismus. Höflichkeit und Tugend werden hier als Gehorsam und korrektes Verhalten der Staatsmacht gegenüber betrachtet. Nach dem zweiten Weltkrieg zerfällt diese Bedeutung von Höflichkeit und alte Sitten und Regeln werden modern. In den 68gern beruft sich die Höflichkeit auf „Natürlichkeit“ und „authentischen Verhalten“, welche die überkommenen Rituale und Konventionen der Höflichkeit abzulösen versucht.6

Dennoch besinnt sich Höflichkeit in der heutigen Zeit wieder auf Regeln und Verhaltensnormen, welche im Umgang mit Menschen immer wichtiger zu werden scheinen. Höflichkeit dient dabei als Basis zwischen den verschiedenen Interessengruppen und Verhaltensmustern in der Gesellschaft zu kommunizieren. Da Menschen in der heutigen Zeit aufeinander angewiesen sind und unter Umständen „Fremden“ vertrauen müssen (z. B.: Geschäftspartnern, Ärzten etc.), scheinen Höflichkeit und Umgangsformen das Miteinander zu erleichtern. Besondere Hervorhebung verdienen hier die Schriftstücke von Levinson und Brown (u.a.: „Politeness: Some Universals in Language Usage“ von 1987), welche über die Wahrung des Gesichts zwischen Gesprächspartnern reflektierten. Höflichkeit ist daher ausschlaggebend für die Fähigkeit zur Kommunikation bzw. zum interaktiven Austausch mit Menschen und dem Zurechtkommen in der Gesellschaft.7

Aufgrund dieser, sich verändernder Formen von Höflichkeit, wurde diese Hausarbeit konzipiert. Sie soll einen Einblick in den Wandel der Bedeutung von Höflichkeit geben.

[...]


1 Horst Wenzel: „Spiegelungen. Zum schönen Schein des öffentlichen Herrschaftshandelns“, erschienen in: „Höflichkeit – Aktualität und Genese von Umgangsformen“ von Felderer/Macho, Wilhelm Fink Verlag, München 2002, S. 25-40
2 Hans Grünberger: „Wir und die Anderen oder: Barbaren unter sich. Zur Xenographie im deutschen Humanismus des späten 15. und 16. Jahrhunderts“, erschienen in: „Höflichkeit – Aktualität und Genese von Umgangsformen“ von Felderer/Macho, Wilhelm Fink Verlag, München 2002, S. 40-70
3 Lawrence E. Klein: „Liberty Manners and Politeness in Early Eighteenth Century England“ erschienen in: The Historical Journal 32, Cambridge University Press 1989, S. 583-605
4 Richard Sennett: „Verfall und Ende des öffentlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimität“, Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2002, S. 172- 249
5 Adolph Freiherr von Knigge „Über den Umgang mit Menschen“, Insel Verlag, Frankfurt 1977, S. 188 - 204
6 Rosemarie Wrede-Grischkat: „Hohe Schule des guten Benehmens – Erfolgreich und sicher auf jedem Parkett“, Heyne Bücher, Düsseldorf 2001, S. 13 - 23
7 Stephen C. Levinson/Penelope Brown:„Politeness: Some Universals in Language Usage“, Cambridge: Cambridge University Press 1987, erschienen in: Günter Radden: „Verhaltensaspekte in der Sprache: „Höflichkeit“ im Englischen, zuletzt eingesehen am: 28.06.2005, S. 1-4


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