Autor: Astrid Gruner
Fach: Ägyptologie
Details
Institution/Hochschule: Universität Leipzig ( Ägyptologisches Institut)
Jahr: 2006
Seiten: 21
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 13 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 488 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-52795-8
Textauszug (computergeneriert)
Universität Leipzig
Ägyptologisches Institut
Seminar: Altägyptische Religion
Schriftliche Ausarbeitung des Referats:
Grundstrukturen ägyptischer Tempel
eingereicht von:
Astrid Gruner
2006
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 2
2. Allgemeines ... 2
3. Tempelentwicklung ... 3
3.1 Vorzeitliche Tempelbauten ... 3
3.2 Altes Reich ... 4
3.3 Mittleres Reich ... 5
3.4 Neues Reich ... 6
3.5 3.Zwischenzeit und Spätzeit ... 6
3.6 Ptolemäer- und Römerzeit ... 7
4. Tempelaufbau ... 7
4.1 Pr – Der Äußere Tempelbereich ... 7
4.2 Die Götterwohnung ...
5. Dekoration, Bildprogramm und Bedeutung ... 10
6. Tempeldeutung nach Jan Assmann ... 13
7. Zusammenfassung ... 16
8. Abbildungen ... 17
8.1 Rekonstruktion des ältesten Tempels in Hierakonpolis ... 17
8.2 Frühdynastische Grabanlagen in Abydos ... 17
8.3 Totentempel des Chephren ... 18
8.4 Totentempel des Mentuhotep ... 18
8.5 Rekonstruktion des Tempelbezirks in Medinet Habu ... 18
8.6 Tempelquerschnitt ... 19
8.7 Grundriss des Horus-Tempel von Edfu ... 19
8.8 Chons-Tempel in Karnak ... 19
9. Quellenverzeichnis ... 20
1. Einleitung
Beschreibungen der einzelnen Tempel Ägyptens gibt es heute in vielfältiger und detaillierter Form. Doch diese Arbeit wird sich mit den Grundstrukturen der Tempel beschäftigen. Mit den typischen Merkmalen, die alle miteinander verbinden. Dabei soll das bereits im Referat Vorgetragene vertieft, an einzelnen Beispielen erläutert und mit Abbildungen veranschaulicht werden.
2. Allgemeines
Unter einem Tempel verstehen wir Menschen des 21. Jahrhunderts ein sakrales Bauwerk. Das taten auch die Ägypter, doch für sie war es mehr als das. Sie sahen es als Abbild der Welt, des Kosmos und als Wohnung, für die von ihnen verehrten Götter. Dabei hatte der Tempel zwei Funktionen: Die der Götterwohnung (ḥwt-nr) und die des Wirtschaftsbetriebes (pr). Diese Doppelfunktion wird auch noch in ihrer Bedeutung abgestuft, da die Götterwohnung neben den Gräbern die einzigen Gebäude in Ägypten waren, die aus Stein erbaut wurden. Der Wirtschaftsbetrieb, der die Götterwohnung umgebende Gebäudeteil, wird aus Ziegeln errichtet.1 Der Bedeutungsunterschied wird noch deutlicher im Vergleich zu den einfachen Wohnhäusern, die aus Lehm und Holz gefertigt wurden.
Wie so vieles im Alten Ägypten geht auch der Tempelbau auf einen Mythos, in diesem Fall den Gründungsmythos zurück. Dieser besagt, dass aus dem Urmeer, dem Nun, eine kleine Lehminsel auftauchte und ein halbgöttliches Wesen ein vom Wasser angetriebenes Stück Schilfrohr in diese hineinsteckte. Auf diesem entstandenen „Pfosten“ ließ sich in der damals herrschenden Dunkelheit ein Falke nieder, wodurch dieser Ort zu einer „heiligen Stätte“ wurde. Um ihn von der profanen Welt abzuschirmen, wurde er mit einem einfachen Schilfzaun eingefriedet.
Bei absinkendem Wasser wurde mehr Platz auf der Lehminsel freigegeben und es kamen weitere Kammern vor und neben dem Allerheiligsten, der Götterwohnung, hinzu. Von diesem nun entstandenen Tempel, mehr noch vom Allerheiligsten, erhofften sich die Ägypter die Gegenwart des residierenden Gottes, seine segnenden und vor allem fruchtbringenden und Leben erneuernden Kräfte. Das ist auch der Grund dafür, dass in jedem Tempel das Thema des Urhügels aufgegriffen und realisiert wird. Denn der Ort, an dem sich der Gott niedergelassen hat, liegt höher als der Rest der Welt – genau wie der Platz für das Kultbild des Gottes im Tempel.2
Für jede Epoche gibt es eine typische Tempelbauart. Im Alten Reich ist es der Pyramidentempel, der ab König Sahure (5.Dynastie) seine endgültige Form erlangt3, im Mittleren und Neuen Reich sind es der Umgangs- und Achsentempel, wobei sich im Neuen Reich mit dem Felsentempel eine Subform des Achsentempels entwickelt.4 Ab der 3.Zwischenzeit bis Ende der Spätzeit gab es viele Einflüsse von außerhalb, da Ägypten zu dieser Zeit von fremden Mächten regiert wurde. Daher ist keine klare Linie im Baustil erkennbar. Aber fest steht, dass sich ab Ende der Spätzeit, also ab der 30. Dynastie, der als typisch griechisch-römisch bekannte Baustil entwickelte.5 Die genauere Betrachtung der Tempelentwicklung erfolgt im nächsten Abschnitt.
3. Tempelentwicklung
3.1 Vorzeitliche Tempelbauten
Der wohl früheste Beweis für religiöse Strukturen in Afrika und möglicher Ausgangspunkt für die Tempelentwicklung liegt ca. 100km westlich von Abu Simbel im heutigen Nabta und ist zwischen 6000 und 6500 Jahre alt. Dort befinden sich an einem im Altertum ausgetrockneten See, Steinstelen, die eine Höhe von bis zu 2,75m haben. Viele von ihnen sind ostwestlich ausgerichtet und scheinen als vertikale Sichtsteine gedient zu haben, die laut Meinung von Richard H. Wilkinson „nach dem Sonnenstand zur Sommersonnenwende ausgerichtet wurden“.6
Einige von ihnen hätten somit den Beginn der Regenzeit anzeigen können, wenn sie im Sommer und Herbst ins Wasser eingetaucht waren. Neben dieser scheinbar kalendarischen Sternwarte scheint Nabta auch symbolische und zeremonielle Funktionen besessen zu haben. Demzufolge wäre es eine kosmische Uhr, die den zeitlichen Zyklus der Sonne und die Zyklen des Wassers miteinander verband. Allerdings lässt sich nicht mehr feststellen, welche genauen religiösen Funktionen die Steine besaßen und für welche Religion sie standen.
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1 Assman, Jan: Ägypten – Theologie und Frömmigkeit einer frühen Hochkultur. 2.Auflage. Stuttgart: Kohlhammer, 1991 (Urban-Taschenbücher Band 366), Seite 36
2 Brunner, Hellmut: Grundzüge der altägyptischen Religion. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1983 (Grundzüge Band 50), Seite 85
3 Sahure: 2496-2483 v. Chr. (nach Jürgen von Beckerath); Arnold, Dieter: Die Tempel Ägyptens – Götterwohnungen, Kultstätten, Baudenkmäler. Zürich: Artemis & Winkler, 1992, Seite 33
4 Brunner, Hellmut: Grundzüge der altägyptischen Religion. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1983 (Grundzüge Band 50), Seite 78
5 Wilkinson, Richard H.: Die Welt der Tempel im alten Ägypten. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2005, Seite 27
6 a.a.O., Seite 16
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