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Sol invictus - Die Ausbreitung orientalischer Religionen im römischen Kaiserreich

Intermediate Examination Paper, 2004, 19 Pages
Author: Mathias Pfeiffer
Subject: History - Early and Ancient History

Details

Category: Intermediate Examination Paper
Year: 2004
Pages: 19
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 34  Entries
Language: German
Archive No.: V58665
ISBN (E-book): 978-3-638-52798-9
ISBN (Book): 978-3-638-94687-2
File size: 260 KB

Abstract

In den ersten Jahrhunderten u.Z. wurde die religiöse Landschaft im römischen Kaiserreich zunehmend von orientalischen Religionen bestimmt, die großen Einfluß auf das individuelle und gesellschaftliche Leben im Imperium ausübten. Früh bereits, um 200 v. Chr. war der kleinasiatische Kult der Magna Mater in Rom zu Ansehen gelangt und noch vor dem Beginn der Kaiserzeit hielten ägyptische Götter wie Isis und Serapis in Rom Einzug. Nach der Zeitenwende folgten syrische Ba’alim, die unter Namen wie Iupiter Dolichenus und Iupiter Heliopolitanus prominent wurden. Die Mysterien des Mithras und das junge Christentum fanden in der gesamten römischen Welt Anhänger und babylonische Astrologie erfreute sich einiger Beliebtheit. Das römische Kaiserreich stellte sich als ein riesiger, offener Markt der Religionen dar, auf den orientalische Exporte drängten. Zeugnisse aus dem ganzen Imperium zeichnen ein heterogenes Bild der religiösen Welt. Pluralismus und Synkretismus, Hellenisierung und Latinisierung machen es indessen nicht immer leicht, Herkunft und ursprüngliche Gestalt der fremdem Kulte zu identifizieren. Die Ausbreitung der östlichen Kulte und Glaubensvorstellungen wurde durch verschiedene Faktoren begünstigt: Handel und Verkehr, Austausch und Transport ideeller Güter, soziale Mobilität. Auch der Charakter der Religionen selbst war ausschlaggebend für den Zulauf, den die östlichen Kulte erfuhren. So boten die orientalischen Religionen – anders als die öffentlichen römischen Kulte – den Menschen die Möglichkeit einer emotionalen, persönlichen religiösen Identität. Intellektuell durchdrungen besaß der Glaube Dynamik und Anpassungsfähigkeit, war nicht nur für die Massen sondern gleichermaßen für Eliten von großer Anziehungskraft. Im Bund mit der Gelehrsamkeit verarbeitete die Theologie wissenschaftliche Erkenntnisse und verlieh z.B. der Sonne als Spenderin von Licht und Leben eine bedeutsame religiöse Symbolik. Der Kult der unbesiegbaren Sonne, des Sol invictus, zählt hier zu den interessantesten Phänomenen. Im römischen Kaiserreich dominierte Sol invictus im 3. Jh. n. Chr. das religiöse und politische Leben. An seinem Kult läßt sich die religiöse Stimmung jener Zeit veranschaulichen und die Sonnentheologie ist aufschlußreich für den Wandel der paganen Religionen in der Spätantike. Diese Arbeit skizziert speziell die Geschichte des Sonnenkultes und stellt die Bedeutung des Sol invictus für die Religionsgeschichte der Spätantike heraus.


Excerpt (computer-generated)

Universität Leipzig
Religionswissenschaftliches Institut
Hausarbeit zur Zwischenprüfung im Nebenfach

Sol invictus - Die Ausbreitung orientalischer
Religionen im römischen Kaiserreich

von: Mathias Pfeiffer

 


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung 3

II. Sol invictus 4

III. Sol invictus Elagabal 6

IV. Der Sol invictus des Aurelian 8

V. Solarer Monotheismus 10

VI. Sol und das Ende des Heidentums 12

VII. Schlußüberlegungen 13

VIII. Abkürzungsverzeichnis 16

IX. Literaturverzeichnis 17

IX. 1. Quellen 17
IX. 2. Sekundärliteratur 17

X. Anhang 19


 

 

I. Einleitung

Betrachtet man die religiöse Landschaft im römischen Kaiserreich, geraten unweigerlich die orientalischen Religionen ins Blickfeld, denn zunehmend übten sie Einfluß aus auf das individuelle und gesellschaftliche Leben im römischen Imperium.

Sehr früh bereits, seit dem Ende des 3. Jh. v. Chr. war der kleinasiatische Kult der Magna Mater und des Attis in Rom zu Ansehen gelangt und noch vor dem Beginn der Kaiserzeit hielten ägyptische Götter wie Isis und Serapis in der Hauptstadt des Reiches Einzug. In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten folgten syrische Ba’alim, die unter Namen wie Iupiter Dolichenus und Iupiter Heliopolitanus prominent wurden1. Die Mysterien des iranischen Mithras und das junge Christentum fanden in der gesamten römischen Welt neue Anhänger und babylonische Astrologie erfreute sich einiger Beliebtheit. Gewissermaßen war das römische Kaiserreich ein riesiger, offener Markt der Religionen, auf den orientalische Exporte drängten. Zeugnisse aus Rom und Italien, von Britannien bis an den Rand der Sahara, vom Rhein und von der Donau bis zum Euphrat zeichnen ein ausgesprochen heterogenes Bild der religiösen Welt jener Zeit2. Pluralismus und Synkretismus, Hellenisierung und Latinisierung machen es indessen nicht immer leicht, Herkunft und ursprüngliche Gestalt der fremdem Kulte zu identifizieren.

Die Ausbreitung der östlichen Kulte und Glaubensvorstellungen wurde durch verschiedene Faktoren begünstigt. Zum einen wuchsen im geeinten Kaiserreich Handel und Verkehr und leisteten auf diese Weise auch dem Austausch und Transport ideeller Güter Vorschub3. Ebenso trugen Soldaten und Sklaven aus dem Osten zur Verbreitung der orientalischen Religionen bei, wenn sie in der Fremde die heimatlichen Riten pflegten4. Zum anderen war der Charakter der Religionen selbst ausschlaggebend für den Zulauf, den die östlichen Kulte besonders ab dem 2. Jh. n. Chr. erfuhren5. So boten die orientalischen Religionen - anders als die öffentlichen römischen Kulte, die uns eher spröde und formal erscheinen - den Menschen die Möglichkeit einer persönlichen, religiösen Identität6. Mit rätselhaften Mysterien, berauschenden Festen, mit sinnlichen, leidenden und sterbenden Göttern, mit der Hoffnung auf ein besseres Leben im Jenseits und mit ihrem universellen Anspruch wußten sie, die emotionalen Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen7. Während Beamte und Privatmänner die italische Religion besorgten, existierte im Orient ein gelehrter Klerus8, der den Glauben intellektuell durchdrang und ihm Dynamik und Anpassungsfähigkeit verlieh, so daß er nicht nur für die Massen, sondern gleichermaßen für Intellektuelle und Eliten Anziehungskraft besaß. Im Bund mit der Gelehrsamkeit verarbeitete die Theologie auch wissenschaftliche Erkenntnisse und verlieh zum Beispiel der Sonne als Spenderin von Licht und Leben eine bedeutsame religiöse Symbolik9.

Der Kult der unbesiegbaren Sonne, des Sol invictus, zählt zu den interessantesten Phänomenen im Zuge der Ausbreitung der orientalischen Religionen. Im römischen Kaiserreich dominierte Sol invictus im 3. Jh. n. Chr. das religiöse und politische Leben. An seinem Kult läßt sich die religiöse Stimmung jener Zeit veranschaulichen und die Sonnentheologie ist aufschlußreich für den Wandel der paganen Religionen in der Spätantike. Ziel dieser Arbeit ist es, Entstehen, Bestehen und Vergehen des Sonnenkultes zu skizzieren10 und die Bedeutung des Sol invictus für die Religionsgeschichte der Spätantike herauszustellen.

II. Sol invictus

Über den Sonnenkult im römischen Reich sind wir größtenteils durch Inschriften und Münzen unterrichtet11. Die Gepflogenheit der Römer, fremde Götter mit den eigenen zu identifizieren, ihre Namen in latinisierter Form wiederzugeben und entsprechend die Ikonographie anzupassen, erschwert es dem heutigen Betrachter im Falle des Sol, zwischen verschiedenen Sonnengöttern zu unterscheiden. Problematisch ist dies nicht nur für die Frage, ob mehrere orientalische Sonnenkulte sich im römischen Reich ausbreiteten, sondern auch für die Chronologie ihrer Verbreitung, zumal das alte, italische Pantheon einen eigenen Sol kannte. Gemeinhin geht die Forschung12 davon aus, daß etwa ab dem 2. Jh. n. Chr. unter Sol stets der orientalische Sonnengott verstanden werden muß13, wofür besonders der Beiname invictus als Indiz gilt14, anhand dessen sich die Trennlinie zum italischen Sol indiges ziehen läßt.

[...]


1 Um nur einige Beispiele zu nennen; zur Ausbreitung der verschiedenen orientalischen Religionen im einzelnen vgl. die Abhandlungen zur römischen Religionsgeschichte von Preller (Mythologie), Wissowa (Religion und Kultus) und Latte (Religionsgeschichte).

2 Ein Bild, welches der Gegenwart durchaus ähnelt, denkt man an die Synagogen, Moscheen und buddhistischen Tempel in unseren Städten, an die Zeugen Jehovas und die Mormonen, die an unseren Türen klingeln, oder an die Krishna-Anhänger, denen man auf der Straße begegnet. Ähnlich bunt und vielfältig - vielleicht auch irritiert von der Vielfalt der Lebensmodelle - muß man sich m.E. die westliche Welt vorstellen in der Zeit vor dem Sieg des Christentums.

3 Die frühesten Belege für die Anwesenheit fremder Kulte im lateinischen Westen finden sich in blühenden Hafenstädten wie Puteoli, Brundisium und Ostia; vgl. hierzu Wissowa (Religion und Kultus, S.360) im Falle der Dea Syria oder E. Wüst (RE I 30 [1932] s.v. Mithras, Sp.2137) für Mithras.

4 Hierbei ist zu bedenken, daß der Orient im Gegensatz zum romanisierten Okzident seine kulturelle Eigenständigkeit weitgehend bewahren konnte.

5 Vgl. Cumont, Heidentum, S.18ff. und Halsberghe, Sol Invictus, S.42ff.

6 Cumont, Heidentum, S.178: „Der blendende Glanz der Sonne des Orients hatte die Sterne an dem gemäßigten Himmel Italiens verbleichen lassen.“

7 Besonders deutlich hat sich dieser Umstand im 3. Jh. n. Chr. ausgewirkt, da das römische Reich an einer allgemeinen Krise laborierte; vgl. Latte, Religionsgeschichte, S.342ff.

8 Vgl. Cumont, Heidentum, S.29.

9 Damit soll nicht gesagt sein, daß Wissenschaft zur Entstehung eines Sonnenkultes vonnöten ist, doch ist in diesem Fall an die Astrologie zu denken; vgl. Kap.V.

10 Einzelheiten über Lehre und Praxis des Kultes lassen sich aus den Quellen allerdings kaum rekonstruieren.

11 Die wichtigsten literarischen Quellen sind bei Halsberghe (Sol Invictus, S.1-25) zusammengestellt.

12 Vgl. die Arbeiten von Wissowa (Religion und Kultus, S.359ff.) und Latte (Religionsgeschichte, S.342ff.) sowie die entsprechenden Artikel in RE und LGRM und unter den Studien neueren Datums Halsberghe (Sol Invictus) und Clauss (Sol Invictus Mithras).

13 Neuerdings tauchen gewichtige Einwände auf, die die orientalische Herkunft des Sol bezweifeln, doch bedürfen sie noch einer eingehenden Überprüfung und können deshalb hier nur am Rande erwähnt werden; vgl. die Zurückhaltung schon bei Usener (Sol invictus, S.469), ferner R. Gordon (Neuer Pauly 11 [2001] s.v. Sol, Sp.693f.) und den lesenswerten Beitrag von Hijmans (The Sun), der eine scharfsichtige Analyse der Unzulänglichkeiten der älteren Sol-Forschung gibt.

14 Gleiches gilt für Beinamen wie aeternus und divinus (vgl. F. Richter, LGRM IV [31992] s.v. Sol, Sp.1142f.); das älteste datierbare Zeugnis ist eine Inschrift aus dem Jahre 158 n.Chr.: CIL VI 717 (Soli invicto deo); vgl. für die Folgezeit CIL III 1111 und VI 740 (Soli invicto); zu Recht weist Hijmans (The Sun, S.124) darauf hin, daß zuvor bereits andere Götter des römischen Pantheons den Beinamen invictus führten, doch gilt dies nicht für den italischen Sol; zu den theologischen und politischen Implikationen dieses Beinamens siehe Kap.V.


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